McClane hat geschrieben: ↑09.06.2020, 07:32
Noch mal: Wir kommen vom Thema ab. Die Frage war nicht "Marvel gut oder schlecht". Gibt auch Marvel-Filme, die ich nicht so pralle fand, etwa "Black Panther" oder "Doctor Strange". Es ging darum, ob Marvelfilme pauschal Kinderkram sind und andere Actionfilme pauschal Erwachsenenkino - die These, die du ja in den Raum gestellt hast. Deshalb unterstelle ich dir Scheuklappentragen - von mir aus auch Schubladendenken, wenn dir das zu "angriffig" ist. Gut untermauert hast du diese Aussage nicht.
Bisher habe ich erfahren, dass das alles pauschaler Kinderkram ist, den du auch schon mit 13 nicht interessant gefunden hättest, den du aber fast samt und sonders gesehen hast und in Teilen sogar gut fandest.
Bruckheimer und Silver hast du in den Raum gestellt und sie sind ja auch ein perfekter Vergleich. Ich würde zwar konform gehen, dass das MCU in Sachen Marketing und Verzahnung bestimmte Strategien intensiviert, aber vieles davon findest du auch schon vorher. Jerry Bruckheimer (damals noch im Verbund mit Don Simpson) war der erste, der die Marketingpower von MTV entdeckte, als man dort Segmente aus "Flashdance" als Videoclip anbot. Die beiden haben Videoclipregisseure wie Michael Bay angestellt, die einen besonders hippen jugendaffinen Inszenierungsstil hatten.
Auch beim Storyvergleich kann ich da durchaus Beispiele finden. Nehmen wir die Silver-Produktion "Conspiracy Theory", die du als Film in den Raum gestellt hast, der noch eine richtige Story besitzt, für mich im Grundkonstrukt aber frappierend "Captain America: The Winter Soldier" ähnelt. Beide handeln von einem Individuum, das einer Verschwörung auf die Spur kommt und von Regierungsdunkelmännern gejagt wird, beide haben Anleihen beim Paranoia-Film der 1970er ("Die drei Tage des Condor" usw.), beide drehen sich um den Überwachungsstaat. Das Gibson-Vehikel sicher auf lokalerer Ebene, der Marvelfilm auf globalem Level. Sicher, es geht oft um die Rettung der Welt, aber ist das nicht dem Superheldenfilm genuin? Auch Batman rettet doch immer mindestens Gotham City.
Aber wie gesagt: Ob Marvel jetzt gut oder schlecht ist, das ist für mich nicht das Thema. Ich will auch niemanden bekehren.
Scheuklappendenken bedeutet für mich im Zusammenhang mit Marvel, dass ich ein engstirniges Arsch bin, dass sich nicht mal mit der Materie auseinandergesetzt hat und ein open mindset von vornherein kategorisch ausgeschlossen hat. Und da bin ich ehrlich, dies sehe ich echt als persönlichen Angriff. Ich liebe das Medium Film zu sehr um einfach gehaltlose Scheisse von mir zu lassen.
Ich hab mich mit Marvel auseinandergesetzt - offenslichtlich über mehrere Jahre hinweg (wie die meisten hier) und habe für mich ein Fazit gezogen, welches ich stets vertreten werde.
Schubladendenken? Nein. Wieso du mir auch dieses Label anheften willst, verstehe ich nicht.

Ist es für dich so ein Problem, dass ich mit diesen Filmen nicht warm werde und dies in einem Podcast auch erwähnt habe? Ja, für mich sind dies leider ziemlich lieblose, story- und blutleere Kiddie-Teenager-Filme. Schön, wenn du dies anders siehst, hab ich echt kein Problem damit. Ich würde mich wirklich auch gerne daran erfreuen. Ich ergänze aber auch, dass das DCU für mich in der gleichen "Schublade" (haha) liegt. Same für die neuen Star Wars-Filme. Und, siehe da, ich war unfassbar überrascht ob dem mehr als gelungenen Rogue One, welchen ich in meiner eigenen Wertung ganz weit oben eingeordnet habe
In meinem Ranking liegen die alten Don Simpson/Bruckheimer/Silver-Produktionen so dermassen weit oben, ich weiss nicht, wie ich diese in Relation zu Marvel-Produktionen überhaupt vergleichen könnte. Und, es ist in meinen Augen schon sehr simpel zu sagen "ja, die wollten aber damals auch Geld verdienen und haben Marketing betrieben" - ja, macht jeder kluge Filmemacher. Aber es ist schon ein Unterschied zu dem, was Marvel hier bietet.
Noch zur ewigen Gefahr für die Existens/Welt im MCU. In einem Actionthriller muss immer das Leben/die Existenz von irgenwas auf dem Spiel stehen. In The Rock wars San Francisco, in Con Air zumindest Nicolas Cage's Hoffnung auf seine Freiheit (und einen Friseurbesuch), in Batman-Filmen um die Bevölkerung Gothams, in Speed ums überleben der Leute im Bus, etc. Mich ödet es unfassbar an, dass bei Marvel gefühlt immer das Ende der Welt auf dem Spiel steht. Same bei den Transformers. Muss immer alles grösser und schlimmer werden?
Sir Jay hat geschrieben: ↑09.06.2020, 08:37
Der "Kiddie"-Vorwurf wäre mir sicher in der ein oder anderen Situation auch mal über die Lippen gekommen, aber das kommt auch aus einer unreflektierten Trotzhaltung, die neues manchmal ungerne annimmt. Ich habe damals in den frühen 2000ern über die "neuen" Actionstars (the rock, diesel...) geklagt, weil die alte Riege ja nur das einzig Wahre wäre.
Der McClane hat schon Recht mit seinem Punkt. Wenn man sich etwas von seinen persönlichen Lieblingsfilmen distanziert und die Nostalgiebrille abnimmt wird man auch dort ähnliche Muster erkennen, wie auch bei Marvel, wenn auch dort verstärkt.
Ich habe den Groß der Marvel Filme bisher persönlichen Päferenzen einfach unbeachtet liegen lassen und nur in Ausnahmefällen mal reingeguckt.
Ich denke der "Kiddie"-Vorwurf entspingt einfach aus dieser Mischung aus viel CGI, PG-13 und vor allem dem Kontrast zu früher, wo Actionfilme tendentiell eine höhere Altersfreigabe hatten und etwas geerdeter waren.
"Früher" waren populäre Actionklassiker R-Rated, heute versteht man unter einem ACtionfilm eben vor allem Marvel und das schmeckt halt auch nicht jedem. Der Polemik wegen sei es erlaubt die Filme auch mal lapidar als "kiddie"-quatsch abuzutun, aber genau deswegen finde ich es auch mal richtig spannend das Thema "was ist ein erwachsener (Action)-Film)" zu erörtern
Ich hab grad gestern noch die Diskussion geführt, warum der Kriegsfilm 1917 hierzulande (Schweiz) auf Medium ab 12 Jahren freigegeben wurde. Und da muss auch ich immer mein Ur-Denken hinterfragen und mir sagen "nein, auch FSK12 kann gut sein". Aber, dies war wohl ebenso eine reine Marketingentscheidung. Man will das breiteste aller breiten Publikums ansprechen. Dürfen aktuelle Kinofilme den nicht einfach mehr edgy und kantig sein?