Filmtagebuch: deBohli

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 26.06.2020, 10:46

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The Children Act
Regie: Richard Eyre
Da ich das Buch von Ian McEwan nicht kannte, wagte ich mich an die Verfilmung, trotz eher durchschnittlicher Kritiken. Und ja, die Geschichte um eine Richterin, welche in einem Fall zwischen Religion und Leben entscheiden muss, ist wirklich unausgegoren. Die zentralen ethischen-moralischen Fragen werden innert kürze abgehandelt, der Film verliert sich in versuchter Dramaturgie zwischen Beziehungskrise und emotionalem Missbrauch. Keine der behandelten Punkte wirken ausgereift, sondern lauwarm aufgekocht. Viele Szenen sind schlussendlich unnötig, führen ins Leere oder langweilen. Immerhin spielen Emma Thompson und Stanley Tucci gut.
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Unsane
Regie: Steven Sonderberg
Komplett mit dem iPhone gefilmt, wirkt Unsane teilweise wie eine TV-Produktion. Das wird einem nicht nur bei der Gestaltung des Abspanns bewusst, sondern an den flachen Bildern und kontrastarmen Farben. Was allerdings hilft, wirkt vieles sehr realistisch und man fiebert mit Claire Foy mit. Scheinbar unrechtmässig in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt, findet sie sich plötzlich ihrem Stalker gegenüber. Oder doch nicht?
Geschickt spielt Sonderberg mit den Möglichkeiten und Eventualitäten von Wahnsinn, und wagt sich in der Mitte an eine Kehrtwende in Richtung heftigem Thriller. Blut fliesst, Leben werden erschüttert. Und man weiss: Diese kleine Produktion ist eine unerwartete und lohnenswerte Überraschung.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von MarS » 26.06.2020, 13:41

deBohli hat geschrieben:
23.06.2020, 14:11
Da ich Filme immer in der originalen Sprachversion und meist ab englischen Veröffentlichungen schaue, weiss ich oft nicht darüber Bescheid, wie der deutsche Titel lautet. Da stellt sich jetzt die Frage, wer sich der "Mehraufwand" machen soll. Ich beim darüber berichten, oder die neugierige Leserschaft. :wink:
Zusätzlichen Aufwand brauchst du dir nicht machen. Es war nur für mich ungewöhnlich, dass hier lediglich der englische Titel auftauchte. Passt also.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 30.06.2020, 08:14

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I Am The Pretty Thing That Lives In The House
Regie: Ozgood Perkins
Sozusagen als Vorbereitung auf Gretel & Hänsel, habe ich mir die Netflix-Produktion von Perkins zu Gemüte geführt, was sich als zäh herausstellte. Die Geschichte, um den Geist einer ehemaligen Geliebten in einem alten Gebäude, ist zwar sehr schön gefilmt und mit einem wunderbaren Sounddesign ausgestattet, wird aber niemals stark gruslig oder spannend. Die Romantik der alten Gothic-Geschichten ist vorhanden, ebenso ein schönes Setdesign. Dagegen lehnen sich das überhaupt nicht subtile Spiel von Ruth Wilson und die Ziellosigkeit der Erzählung.
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Sister
Regie: Ursula Meier
Oben sind die Gutbetuchten, mit ihrer modernen Ausrüstung und dem scheinheiligen Familienfrieden im Schnee. Unten die Mittellosen, inmitten von grauen Wohnblöcken, dreckigen Strassen und verpasster Modetrends. Nein, subtil ist Ursula Meier mit ihren Bilder bei Sister nicht, das spielt aber keine Rolle. Wie bereits bei Home beweist die Regisseurin viel Geschickt und Können, inszeniert das toll geschriebene Drehbuch um einen Jungen, der um zu Überleben in Skigebieten Ausrüstung stiehlt, mit spritzigen Dialogen und unterhaltsamen Szenen. Dazu gesellen sich talentierte Darstellerinnen wie Léa Seydoux und Gillian Anderson und verleihen dieser Schweizer Produktion die nötige Internationalität.
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And Then We Danced
Regie: Levan Akin
In den Jahren nach meiner Ausbildung verweilte ich mehrmals im Jahr in Berlin, bei einer Freundin, die dort eine Tanzschule besuchte. Das endete oft in langen Nächten zwischen Clubs, WG-Partys und Diskussionen mit ihren Freunden aus der Gruppe. Ein herrliches Gefühl, voller Leben und Unsterblichkeit. Genau diese Stimmung habe ich bei And Then We Danced wieder verspürt und der Kinobesuch löste viele Emotionen aus. Die Geschichte um verbotene schwule Liebe in der Schule des georgischen Nationaltanzes funktioniert auch ohne persönliche Verbindung, zeigt diese wunderbare Produktion viel Feingefühl und verkommt nie zu einer moralischen Betrachtung von Tradition und Moderne. Nur zu empfehlen.
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Bliss
Regie: Joe Begos
Was für ein herrliches Fest an Blut, Sex, Drogen und Metal. Begos nimmt die ausgelutschte Vampir-Mythologie, platziert diese im dreckigen Nachleben von Los Angeles und hält mit der Kamera immer schön auf seine bunt ausgeleuchteten Lustfantasien. Egal ob sich die Hauptfigur an einer Party zugedröhnt einem Dreier hingibt, betäubt durch die Nacht stolpert oder unzählige Fluchwörter an die Köpfe ihrer Mitmenschen wirft, es macht viel Laune, dies zu beobachten. Doch Vorsicht: Der Film steigert sich immer stärker in ein Gorefest und Blutbad, das keineswegs gut ausgeht. Das Sahnhäubchen: Bliss wurde in 16mm gefilmt, was den Bildern eine passend körnige und realistische Stimmung verleiht.
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Der Läufer
Regie: Hannes Baumgartner
Was treibt einen Menschen in den Abgrund? Wie kann man ein extremes Trauma bewältigen? Fragen, welche die Hauptfigur von Baumgartners Film stets begleiten und immer schlimmere Handlungsmuster provozieren. Inszenatorisch wird bei dieser Bearbeitung der wahren Geschichte um Waffenläufer Mischa Ebner viel Leerraum geboten, in dem man sich selbst dem Charakter und dessen Gedankengänge annähern soll, begleitet von ruhigen und klaren Bildern. So verweigert sich der Film zwar einer definitive Stellungnahme und erklärt wenig, bewegt aber trotzdem. Und regt zum Nachdenken an.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von MarS » 30.06.2020, 10:58

Jeden Tag schaut der deBohli mindestens einen Film. Mal sehen, wann ich das mal wieder schaffe. *Neid*

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 30.06.2020, 11:05

Das wird nicht lange so bleiben. Aktuell ist Corona-bedingt halt in meiner Freizeit viel weniger los, als zuvor (Konzerte etc. fallen weg). Durch Theaterproben und sonstige Treffen mit Freunden konzentriert sich der Filmkonsum aber meist auf das Wochenende, mit 2 Filmen an einem Tag. :)
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 30.06.2020, 20:04

Das beste an Bliss ist allerdings Dora Madison. Die hatte mal einen richtig tollen Instagram-Kanal, wo sie sich und ihren unfassbaren Po zelebriert hat. Leider hat sie dabei ihre Nippel ein zweimal zu oft gezeigt und der Kanal war Geschichte *schnüff*

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 01.07.2020, 07:21

Ihr Hintern ist wirklich der Hammer, das dachte ich während des Filmes schon. Und sie spielt sehr gelungen.
Ach ja: Du alter Lüstling. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 01.07.2020, 19:42

Bei solchen Hintern bin ich gerne lüstern. Gnihihihi

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 07.07.2020, 09:03

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The Burning
Regie: Tony Maylam
Als beim Vorspann des Slasher-Filmes der Name Harvey Weinstein als Autor und Produzenten genannt wurde, konnte ich nicht anders, als zusammenzuzucken. Sofort erwartet man unangenehme Szenen mit halbnackten Frauen - was dann sogar eintrifft. Allerdings in einem "normalen" Horrorfilm-Mass, schließlich sind bei einem Sommercamp alle Beteiligten dauergeil. Nebst anzüglichem Kalauer, typischem Mobbing und viel Lärm in der Kantine, wurde erstaunlich viel geschnetzelt. Bei The Burning dient die Gartenschere nicht dazu, einzelne Teenager umzugestalten, sondern gleich gesamte Gruppen. Das macht Laune, das ist ungewohnt. Dazu die Musik von Rick Wakeman - ich war zufrieden.
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The Babadook
Regie: Jennifer Kent
Horrorfilme sind immer dann am besten, wenn sie sich auf einen psychologischen Hintergrund stützen, wenn sie Aspekte der Menschheit und Gesellschaft spiegeln. Der erste Film von Kent tut dies auf intensive Weise, in dem er Tabuthemen ohne Furcht in den Mittelpunkt stellt. Wie geht eine Frau mit dem Tod ihres Mannes um? Wie verarbeitet man eine solche Trauer, wenn der eigene Sohn scheinbar unausstehlich wird? Darf man sein eigenes Kind hassen?
Gemischt mit den Möglichkeiten eines Märchens, tollen Bildern und einer angenehm ruhigen Erzählweise ist The Babadook einer der besten Horrorfilme der neuen Welle (siehe auch Hereditary, The Witch, Get Out oder It Follows).
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The Woman
Regie: Lucky McKee
Wenn Pollyanna McIntosh ihre Zähne fletscht und animalische Laute ausstößt, dann ist man froh, findet das Geschehen nur auf dem Bildschirm statt. Als The Woman zeigt die Schauspielerin wahren Körpereinsatz und transportiert ihre Figur auf eine neue Ebene. Das Hilft dem Film, die Geschichte um eine Kannibalin, welche von einem misogynen Familienvater umerzogen wird, noch packender erscheinen zu lassen. Trotz großer Brutalität, Misshandlungen und Vergewaltigung ist die Arbeit von McKee kein stupides Unterfangen, sondern eine stechende Analyse über männliche Dominanz. Harter Stoff mit Inhalten, die nachdenklich machen und auch Übelkeit hervorrufen.
:liquid8:

Offspring
Regie: Andrew van den Houten
Hätte ich diesen Film besser vor The Woman geschaut? Schließlich wird hier erzählt, wie die Frau dazu kam, alleine in den Wäldern herumzuirren. Wobei, zum Glück nicht. Denn diese Produktion von van den Houten ist ein extrem blutiges, brutales und abstoßendes Werk, das sich in den kurzen 80 Minuten fast nur auf das Schlachten von Menschen konzentriert. Es geht zur Sache hier, gefilmt in Bildern, die an Billigproduktionen aus den Siebzigern erinnern, gespielt von nicht glaubhaften Schauspieler*innen. Dazu kommt ein holpriges Drehbuch mit vielen Löchern und eine Abwesenheit von Botschaft oder Tiefe. Nein, mein Ding ist so etwas überhaupt nicht.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von StS » 07.07.2020, 10:04

"the Woman" mag ich auch deutlich lieber als "Offspring" (mies).
"Darlin" - also den dritten Film der Reihe - hab ich bislang leider noch immer nicht gesehen...

Vom "Babadook" war ich im Kino beim FFF zuerst etwas enttäuscht, da ich eher einen klassischeren Horrorfilm erwartet hatte... doch spätestens bei der Zweitsichtung hab ich dann schon erkannt, wie gut der Streifen (zweifelsohne) ist :wink:

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 07.07.2020, 10:13

Von Darlin' habe ich auf Letterboxd kurz ein paar Kritiken gelesen und die klingen alle sehr ernüchternd. Ich denke, den Abschluss dieser "Trilogie" spare ich mir. Auch wenn ich neugierig wäre, wie Pollyanna McIntosh sich als Regisseurin macht.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 07.07.2020, 19:58

"The Nightingale" von der Babadook-Regisseurin ist btw. fast noch einen Tacken großartiger. Auch hier drängt ein anderer Aspekt als die scheinbare Rachethematik irgendwann in den Vordergrund und verschafft dem Film einige extrem eindrückliche Momente. Im Übrigen ein Teil der nächsten Videokritik.

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 08.07.2020, 07:05

Da bin ich mal auf deine Kritik gespannt. Über den Film habe ich bereits sehr viel gelesen und möchte den schon lange sehen. Leider kam der nie in die Schweizer Kinos, oder ich habe den verpasst. Die Lobrede in der Empire machte mich allerdings ganz hippelig. :cool:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 08.07.2020, 19:43

Sollte inzwischen auch bei euch zu haben sein, oder wertet Koch nicht in der Schweiz aus?

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 09.07.2020, 07:07

Doch, habe den letztens in einem Media Markt rumstehen sehen. Gibt ja sogar ein Mediabook. Ich muss mich nur noch entscheiden, welche Version ich kaufen möchte.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 12.07.2020, 12:36

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Le Vent Tourne
DVD / Regie: Bettina Oberli
Vieles dreht sich in diesem Film. Die Gedanken um Richtig und Falsch im alltäglichen Leben, das Windrad im Garten des Bauernpaars, die Gefühle und sexuellen Reize. Oberli erzählt die Geschichte um Emanzipation, Sehnsüchte und moralische Entscheidungen in schönen Bildern, aufgenommen in der Jura-Region. Das bietet den Schauspieler*innen viel Raum und Möglichkeiten, gestaltet die 80 Minuten kurzweilig. Der Film trifft vieles ziemlich gut und regt in allen etwas an, bleibt schlussendlich in gewissen Punkten aber zu nahe an der Oberfläche.
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The Birds
DVD / Regie: Alfred Hitchcock
33 Jahre musste ich alt werden, um meinen ersten Hitchcock-Film zu sehen. Warum nur, denn The Birds beweisst, dass die damalige Produktion bis heute nichts von ihrem Biss verloren hat. Wenn man von den anfänglichen Sequenzen und merkwürdigen Gebaren gewisser Figuren absieht. Sobald aber die Natur ihren Zorn gegen die Menschheit wendet, fesseln die Tricksequenzen noch heute. Grossartig gefilmt, toll geschnitten - bis heute packend.
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Metropolis
DVD / Regie: Fritz Lang
Unglaublich, wie viel Aufwand betrieben wurde, um diesen monumentalen Film in den Zwanzigerjahren zu realisieren. Die Kulissen, die Bauten, die Spezialeffekte - da stört es nicht, überstrahlen die technischen Aspekte gewisse Teile von Langs Epos. Denn obwohl die Geschichte viele Ebenen aufweist und bis heute als Mahnmal für die Unterdrückung in der Klassengesellschaft steht, wirkt einiges knapp hundert Jahre später leicht angestaubt und zäh. Was natürlich aus dem Konflikt unserer heutigen Sehgewohnheiten und der Natur der Stummfilme resultiert. Filmhistorisch bleibt Metropolis wichtig und prägend, das fällt in fast jeder Szene auf.
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Lifeforce
BD / Regie: Tobe Hooper
"Under The Skin - Over The Top." Wenn die ausgelutsche Sage um Vampire mit neuen Ideen präsentiert wird, hat dies immer einen frischen Reiz. Trotzdem bin ich froh, verfilmte Hooper das Buch nicht unter seinem originalen Titel "The Space Vampires". Doof und absurd bleibt die Geschichte weiterhin, immerhin gibt es von Beginn an tolle Effekte im Weltall und danach einen geschickten Stimmungswechsel in Richtung englische Gruselgeschichte, gepaart mit Horror und Action. Ein Film, den man in seiner Verrücktheit lieben muss. Und wer würde sich nicht gerne von Mathilda May für alle Ewigkeit ins All locken lassen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 15.07.2020, 08:36

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Troll
BD / Regie: John Carl Buechler
Warum auch immer, aber ich habe Horror erwartet - und absurd komische Fantasy erhalten. Slapstick, Kalauer und Wortspiele, verbunden mit magischen Wesen, gemeinen Trollen und einer verrückten Geschichte, die nur in den Achtzigern so aufwändig verfilmt werden konnte. Der Film ist total durchgeknallt und macht darum sehr viel Freude. Trash auf hohem Niveau, ohne jemals anzuecken.
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Bone Tomahawk
DVD / Regie: S. Craig Zahler
"Why are you in my breakfast?" Western gibt es heutzutage zu selten, gute Western noch weniger. Dieser Film bietet trockene, ernste und brutale Abhilfe. Genial besetzt (Richard Jenkins!), toll gefilmt und mit einem starken Drehbuch ausgestattet, begleitet man vier knorrige Typen auf ihrem Ritt durch die leere Welt, immer weiter in ihr Verderben hinein. Bis Zahler als Regisseur aufdreht und aus dem Film einen blutigen Horrorstreifen werden lässt.
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Dave Made A Maze
BD / Regie: Bill Watterson
Ein Slacker bringt in seinem Leben nichts fertig, nicht einmal das selbstgebaute Kartonlabyrinth im Wohnzimmer. Dafür ist es magisch, innen grösser als außen und tödlich. Ein herrlicher Spass, der mit einem Sinn für Wunder von Watterson dargestellt wird und uns in einen modernen Abenteuerfilm entführt. Tolle Kulissen, noch besseres Design und genügend Verrücktheit - es fällt so gar nicht auf, dass die Charaktere so platt sind, wie ein A4-Papierbogen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von MarS » 15.07.2020, 10:26

Nicht umsonst wird "Troll" als einer der besten schlechtesten Filme aller Zeiten gehandelt. :lol:

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 15.07.2020, 10:28

MarS hat geschrieben:
15.07.2020, 10:26
Nicht umsonst wird "Troll" als einer der besten schlechtesten Filme aller Zeiten gehandelt. :lol:
Ich glaube, du meinst Troll 2. Über den Film ist im BD-Set sogar noch die Dokumentation Best Worst Movie enthalten. Das Vergnügen steht mir aber noch bevor. :cool:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von MarS » 15.07.2020, 10:30

Stimmt, "Troll 2" war noch mal um einiges besser. Ich muss die das Doppel-Feature auch mal wieder geben. :cool:

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 16.07.2020, 07:20

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Underwater
DVD / Regie: William Eubank
Der William ist keine sichere Bank, das zeigt er mit dem heutzutage eigentlich nicht mehr möglichen Film Underwater. Mit grossem Budget und bekannten Namen wird das klaustrophobische Mischgenre aus Horror, SF und Action nach tief unten in den Marianengraben verlegt - ohne Superhelden oder sonstige Modeströmungen darzustellen. Dafür gibt es Cthulhu-artige Monster, tolle Effekte und schön ausgeleuchtete Bilder.
Cassel und Stewart machen ihren Job wunderbar, wobei letztere auch ihren tollen Körper wunderbar präsentieren kann, rennt sie den halben Film lang in Unterwäsche durch die Szenen. Die Geschichte allerdings ist schlecht konstruiert. Ohne Vorlauf wird man in das Geschehen geworfen, die Charaktere dienen nur als platte und klischeehafte Stichwortgeber, das einengende Gefühl des ersten Akts wird sofort über den Haufen geworfen. Noch merkwürdiger sind die kruden Monologe aus dem Off und das aufgeblasene Ende.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 02.08.2020, 10:44

Die letzten zwei Wochen waren weniger filmintensiv, trotzdem fand ich für einige Streifen Zeit.

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Papicha
Kino / Regie: Mounia Meddour
Algerien vor dem Umsturz in den Neunzigerjahren, junge Frauen versuchen ihren Träumen und Hoffnungen nachzugehen. Doch dann kommt es, wie wir alle wissen, anders. Auch für Papicha, die im starken und gleichnamigen Film ihren Wunsch nach einer karriere als Modedesignerin scheinbar begraben muss. Doch warum aufgeben, wenn man kämpfen kann? Die Aussage, welche der Film allen mitgeben möchte, ohne moralisch danebenzugreifen und eine Utopie im Schrecken zu erschaffen. Meddour zeigt das Leben ohne Filter, sucht interessante Argumente auf allen Seiten und besticht mit einem scharfen Blick.
:liquid8:

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Sekuritas
Kino / Regie: Carmen Stadler
Die Schweizer Filmschaffenden finden seit längerer Zeit neue Wege in Form und Art - das freut mich. Denn was hierzulande oft fehlt - Wagemut, Verrücktheit, neue Strukturen - wird auf der Leinwand nun unregelmässig angegangen. Nach Dene wos guet geit und Love Me Tender gehört Sekuritas ebenfalls zu den Produktionen, welche sich nicht vor der Eigenartigkeit fürchten. Stadler lässt uns so auf ein Gebäude treffen, das in der Nacht seine Besucher zu einer Liebesgeschichte bewegen möchte, kurz vor seinem Abriss. Garniert durch tolle Charaktere, welche mit viel Ausdruck dargestellt werden, einem grossartigen Sounddesign und gelungenen Aufnahmen ist so ein Film entstanden, der sich von fast allen anderen abhebt und den Zauber neu gestaltet.
:liquid7:

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The Girl With All The Gifts
BD / Regie: Colm McCarthy
Zombies in England, Zombies überall - was soll man daraus nach all den Interpretationen noch neues entwickeln. McCarthy ist bei seiner Adaption von M. R. Careys Roman immerhin eine spannende Betrachtung des Mythos gelungen. Mit vielen Anleihen an 28 Days Later und tollen Schauspielerinnen, besonders Gemma Arterton gefällt wie immer sehr. Trotzdem, die eingebrachten Fragen zum Lebenswert und der Stellung des Menschen greifen zu wenig. Da hilft das angenehm anders geratene Ende auch nicht viel.
:liquid7:

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Troll 2
BD / Regie: Claudio Fragasso
"You can't piss on hospitality." Zu selten gibt es abgrundtief schlechte Filme, welche besser unterhalten, als gute Werke. Diese "Fortsetzung" zum Fantasyabenteuer gehört dazu. Eine Produktion, die in allen Aspekten misslang und dabei ungemein fasziniert. Die Geschichte um eine Familie, welche sich in einer abgelegenen Kleinstadt gegen Goblins behaupten muss, wirkt wie ein Film, der von Aliens gedreht wurde. Nichts passt, alles wirkt befremdlich. Zu Recht ein Kultstreifen im Untergrund, der bis heute nichts von seiner Autounfall-Faszination verloren hat.
"Nilbog! It's Goblin spelled backwards!"
:liquid2:

Best Worst Movie
BD / Regie: Michael Stephenson
Michael Stephenson, der "Star" von Troll 2, versucht in dieser kurzweiligen Dokumentation der herrschenden Faszination zum misslungenen Film auf den Grund zu kommen. Die Dokumentation beleuchtet dabei aber weder die Entstehungsgeschichte des Filmes, noch die Vermarktung, sondern wird zu einer kruden Mischung aus Fandom-Betrachtung und Begegnungen mit zerbrochenen Menschen. Psychische Krankheiten, Grössenwahn, Verwirrung und falsche Hoffnungen prallen in den Aufnahmen zusammen, unbeholfen und ohne klares Ziel. Man spürt, dass Stephenson nicht wusste, wie er damit umgehen sollte und lässt den Film immer weiter zerfliessen. Eine Doku, welche ein befremdliches Gefühl hinterlässt.
:liquid6:

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I See You
BD / Regie: Adam Randall
Hilfe, was ist denn mit Helen Hunt passiert? Ihr Gesicht hat mich in diesem Film fast am meisten verstört. Und das will etwas heissen, ist die Arbeit von Adam Randall ein toll geschriebener und mit grossartigen Bildern gefilmter Thriller, der sich weder an Genrevorgaben, noch eine lineare Erzählstruktur halten will. Und weil dies ein Film ist, den man ohne Vorwissen zur Geschichte geniessen sollte, war es das nun bereits.
Zwei Anmerkungen: Der Anfang erinnerte mich wegen Musik, Kamerafahrten und Stimmung sehr stark an die Werke von Fincher. I See You ist sein unheimlicher und packender Film. Lohnt sich!
:liquid8:

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Tenemos la carne
BD / Regie: Emiliano Rocha Minter
Dunklen und merkwürdig ist es im Innern von Tenemos la carne, dem mexikanischen Experimentalfilm über den Menschen. Nicht nur wird man ohne klare Narration mit verstörenden Bildern und extremen Fantasien konfrontiert, man muss sich gar selbst mit eventuell vorhandenen Gelüsten auseinandersetzen. Das geschieht in Aufnahmen, die nicht nur an Gaspar Noé erinnern, sondern bei mir ähnliche Gefühle hervorriefen, wie Holy Motors von Leos Carax. Fleisch, Instikt, animalische Herkunft - der Mensch wird neu betrachtet, von der Norm befreit und als Biest erschaffen.
Grossartig gespielt, toll gefilmt und mit vielen verstörenden Sequenzen ausgestattet. Am meisten überrascht war ich allerdings von mir selbst, als ich die letzten Bilder auf den Strassen einer grösseren Stadt als abartiger Empfand, als das zuvor gebotene.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 03.08.2020, 08:11

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Creepshow 2
BD / Regie: Michael Gornick
Ein wohliges Gefühl zwischen Kindheitserinnerung und Grusel tat sich auf, sogar ohne den ersten Teil dieser Reihe zu kennen. Drei kurze Geschichten, eingewoben in eine animierte Klammer und natürlich vom Creep erzählt - was George A. Romero und Stephen King damals erschufen, hat bis heute viel Charme. Zumindest, wenn man früher selbst gerne die "Gespenster Geschichten" oder EC Comics las. Natürlich ist einiges am Film arg überholt ("You people!") und teilweise gar schlecht (die animierte Geschichte, der erste Teil um den hölzernen Indianer), gerade aber die zweite Geschichte "The Raft" macht so viel Laune, dass man sich darüber keinesfalls aufregt. Passt wunderbar in einen verregneten Sonntagnachmittag.
:liquid6:

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Skinner
BD / Regie: Ivan Nagey
Sleaze, dieses Wort war für mich der stete Begleiter beim Anschauen dieser blutigen Ed-Gein-Variation. Alles wirkt schmutzig, anrüchig und aus den Untiefen von Amerika gehoben. Dazu tragen das Ghetto-Setting, die Szenenausleuchtung und das Spiel von Ted Raimi dazu. Traci Lords zeigt vor allem ihre nackte Haut, Ricki Lake versucht das beste aus ihrer Rolle herauszuholen. Nagey macht handwerklich vieles richtig, trotzdem bleibt wenig hängen. Und gewisse Szenen kann man heutzutage nicht mehr ohne schlechtes Gewissen anschauen. Ein kleiner Psychopathenfilm, der eher mittelmässig gealtert ist.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 05.08.2020, 07:37

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The Andromeda Strain
BD / Regie: Robert Wise
Als man sich noch Zeit für seine Geschichte und deren Entwicklung ließ, das war eine gute Phase für Filme. Sicherlich wirkt Gewisses bei The Andromeda Strain heutzutage altbacken, dafür verzaubert das großartige Setdesign, verstört der experimentelle Soundtrack und irritiert die Aktualität. Der Kampf gegen den neuen und scheinbar ausserirdischen Virus ist besonders in der zweiten Hälfte des Filmes packend inszeniert und regt zum Nachdenken an.
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Violet & Daisy
BD / Regie: Geoffrey Fletcher
Ironisch, dass ein Film, der sich über seine Gewitztheit und freche Art profilieren möchte, schlussendlich am Drehbuch scheitert. Grundsätzlich wären bei dem Werk von Geoffrey Fletcher die Zutaten am richtigen Platz, das Menü schmeckt aber nur durchschnittlich. Spass macht es, Saoirse Ronan und Alexis Bledel zuzuschauen - beide sind für mich tolle Schauspielerinnen mit viel Charme. Und dann ist da noch James Gandolfini mit einer fesselnden Präsenz. Sonst? Nicht viel. Lahme Dialoge, die leider niemals zu intelligenten Wortgefechte werden, langweilig inszenierte Action, viele Lücken in der Geschichte und unzählige lose Enden.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 10.08.2020, 09:34

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Hamilton
Disney+ / Regie: Thomas Kail
Ein modernes Musical über den US-amerikanischen Gründervater Alexander Hamilton? Von der Bühne abgefilmt und zu Hip-Hop komponiert? Ich war skeptisch, doch diese Produktion überzeugt. Großartige Leistungen der Darstellerinnen und Darsteller, fesselnde Dramaturgie und mitreißende Lieder - nach wenigen Minuten war ich bereits mittendrin. Sicherlich wird einiges beschönigt und weichgezeichnet, trotzdem war es eine unterhaltsame Lektion in der Geschichte des Landes.
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Berlin Alexanderplatz
Kino / Regie: Burhan Qurbani
Aktuell ist es mehr als angenehm, für drei Stunden in die Kühle eines Kinosaals zu entfliehen. Besonders, wenn man sich mit einem solch grossartigen Film beschäftigen kann. Frei nach Alfred Döblins Roman, erzählt Qurbani die Geschichte von Francis, der nach erfolgreicher Flucht aus Afrika ein neues Leben in Berlin beginnen möchte. In fantastisch inszenierten Bilder wird der Film von Beginn an mit hoher Spannung und vielen Bezüge zu aktuellen Problemen vorangetrieben. Welket Bungué, Jella Haase und Albrecht Schuch überzeugen mit einem vielseitigen Spiel, Musik, Schnitt und Ausstattung lassen die Szenen erstrahlen. Geschickt werden sozialpolitische Fragen mit dem alten Text verknüpft und regen zum Nachdenken an. Ein Film, der beeindruckt, emotional mitreisst und danach noch lange beschäftigt.
:liquid10:

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Phantasm
BD / Regie: Don Coscarelli
Eine fliegende, mörderische Silberkugel, ein Rudel aus untoten Sklavendämonen, der grosse Mann mit seinem furchteinflössenden Blick - dieser Horrorfilm aus dem Jahre 1979 vereint viele verrückte Ideen mit einem tollen Gefühl. Coscarelli brilliert zwar nicht als Cutter und mag es sehr, die Tonspuren in nachfolgende Szenen einfließen zu lassen, konnte seine Vision aber mit genügend Frische und Blut ausführen. Macht bis heute Laune. Witzig: Beim Score liess man sich wohl sehr stark von "Tubular Bells" und dessen Einsatz bei "The Exorcist" inspirieren. :lol:
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