Filmtagebuch: deBohli

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 12.08.2020, 09:08

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Breakfast At Tiffany's
DVD / Regie: Blake Edwards
Für Klassiker der Filmgeschichte benötige ich immer viel Anlaufzeit, doch mit 33 habe ich es nun endlich geschafft, mir die Geschichte um Holly Golightly und ihrer Suche nach Reichtum und süßem Nichtstun anzuschauen. Gelohnt hat es sich sehr, ist der Film bis heute unterhaltsam, erstaunlich lustig und dank Audrey Hepburn ein Augenschmaus. Bitter stoßen die extrem rassistischen Kurzszenen mit Mickey Rooney auf, ohne diese Sequenzen hätte der Film eine viel höhere Wertung verdient. Denn Momente wie die Wohnungsparty, Hollys nachdenkliches Gitarrenspiel oder die Verabschiedung am Busbahnhof reißen mit und berühren.
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Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes
Kino / Regie: Niklaus Hilber
Bruno Manser ist mir seit meiner Kindheit ein Begriff, war der Kämpfer für die Penan und den Regenwald in Malaysia sehr oft in den heimischen Medien - bis zu seinem ungeklärten Verschwinden. Sein Leben ist faszinierend und hat einiges im Kampf gegen den Holzraubbau bewirkt, dass die Geschichte nun als Spielfilm neu aufbereitet wird, erstaunt nicht. Leider aber haben es die Macher nicht geschafft, einen differenzierten Blick auf die Taten und Jahren zu kreieren. Der Film leidet unter dem Retter-Syndrom (siehe "The Last Samurai") und verkommt zu oft zu einer klischierten Zitatenreihe, die etwas zu lange Laufzeit hilft ebenfalls nicht. Die emotionale Bindung konnte trotzdem hergestellt werden und die Handlungsweisen der Regierungen und globalen Konzerne machen natürlich mehr als wütend.
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gelini71
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von gelini71 » 12.08.2020, 14:22

deBohli hat geschrieben:
12.08.2020, 09:08
Bitter stoßen die extrem rassistischen Kurzszenen mit Mickey Rooney auf, ohne diese Sequenzen hätte der Film eine viel höhere Wertung verdient
Das ist auch so ein Thema wo sich manche Menschen extrem dran hochziehen - für mich ist das einfach der damalige Zeitgeist, das kann und muß man jetzt nicht gut finden war aber zum Drehzeitpunkt eben normal. Deswegen einen Film abwerten würde ich aber nicht.
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 12.08.2020, 14:37

Das ist auf jeden Fall so, ich versuche dies auch immer zu differenzieren. Schlussendlich habe ich mir letzte Woche das Fu Manchu Boxset vorbestellt. Eigentlich ein No-Go aus heutiger Sicht, wer damals die Hauptrolle inne hatte. :wink:

Bei Breakfast At Tiffany's fand ich es aber wirklich störend, da es sich um absolut sinnlose Szenen handelte, ohne die der Film genau gleich, oder sogar noch besser funktioniert hätte. Darum stimmte mich dies missmutig.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 17.08.2020, 14:08

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Deadly Manor
BD / Regie: José Ramón Larraz
Die letzte Regiearbeit von Larraz sollte nun also die erste sein, welche ich sehe. Eventuell nicht der richtige Startpunkt, weiß der Film dem Slasher-Genre erstaunlich wenig hinzuzufügen. Nicht nur vergisst man zu schnell, wieso in den eröffnenden Minuten eine tote Bikergang gezeigt wird, die meisten Erzählstränge laufen gar ins Nichts. Lange passiert den Charaktere im verlassenen Haus nichts, in den letzten 15 Minuten wird alles überschnell aufgelöst. Viele von den Mysterien waren also sinnlos, zu ordinär das Resultat.
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28 Weeks Later
BD / Regie: Juan Carlos Fresnadillo
28 Days Later mit mehr Adrenalin und Testosteron, bei dem die amerikanische Armee zeigen kann, wie sie die Kontrolle über eine Situation innert kürzester Zeit verliert. Ob es sinnvoll war, England nach dem Zombie-Ausbruch wieder zu besiedeln? Nein, dafür macht es Spass, Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner, Idris Elba und Imogen Poots zuzuschauen. Die körnigen Aufnahmen und nervösen Schnitte passen, die Musik von John Murphy klingt zwar nach Sunshine, gefällt trotzdem. Immer noch ein sehr unterhaltsamer Film mit rasenden Untoten.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 18.08.2020, 15:55

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North By Northwest
DVD / Regie: Alfred Hitchcock
Der Prototyp des heutigen Actionfilms, der atemlose Film von Hitchcock. Natürlich kennt man gewisse Szenen schon lange (Flugzeugangriff im Kornfeld, Finale am Mount Rushmore), dies tut dem Vergnügen aber kein Abbruch. Von der ersten Szene an fesselt das Geschehen trotz dünner Geschichte, überzeugt mit vielen Actionmomenten und einem toll aufspielenden Cary Grant. Wundervoll, rasant und legendär.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 23.08.2020, 12:29

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Midnight Cowboy
BD / Regie: John Schlesinger
Schlesinger hat mit diesem Film nicht nur einer der Meilensteine der Sechzigerjahre geschaffen, sondern eine Erzählung verfilmt, die wunderbar die Freundschaft zweier Männer der Unterschicht zeigt. Ohne Überzeichnung, ohne Schönigung, mit sanfter Einbringung von Aspekten wie homosexueller Liebe, Prostitution und zerstörter Hoffnungen der Jugend. Genial gefilmt und geschnitten, perfekt gespielt von Jon Voight und Dustin Hoffman.
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It Happened In Hollywood
BD / Regie: Harry Lachman
Der erste Film im "Samuel Fuller At Columbia"-Set von Indicator ist unglaublich charmant. In tollen Schwarzweissbildern wird die Geschichte eines ehemaligen Stummfilmstars erzählt, der sich mit den neumodischen "Talkies" weder anfreunden, noch seine Karriere weiterverfolgen kann. Eine Sicht auf das vergangene Hollywood, das in neueren Produktionen wie The Artist, Hail Caesar! oder Once Upon A Time.. In Hollywood nicht mit halb so viel Eleganz dargestellt wurde. Und mit knapp 70 Minuten Laufzeit angenehm knackig.
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The Grifters
BD / Regie: Stephen Frears
Wer betrügt wen, und wieso? Letzteres ist bei Frears Film zwar zweitrangig, es macht aber Freude, in dieser altmodisch wirkenden Produktion mitzuraten. Stil, Regie und Musik wirken leicht aus der Zeit gefallen und helfen so, den Geist der Crime-Noir-Vorlage hochzuhalten. Sicherlich kein überragendes Beispiel für eine Geschichte über Kleinkriminelle, die sich gegenseitig hintergehen, wohl aber zwei Stunden, die nie wehtun.
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Phantasm II
BD / Regie: Don Coscarelli
Der Wahnsinn geht weiter, der Massstab wurde vergrössert. Mit mehr Gelder und noch weniger kohärentem Erzählstil machen Reggie und Mike Jadg auf den Tall Man und seine Java-Schergen. Herrlich doof, mit Häuser, die gleich doppelt explodieren, einfach exisiterenden Figuren und einem Finale, das sich jeglicher Logik entziehen möchte. Was für ein Spass!
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 24.08.2020, 14:47

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Memories Of Murder
Filmingo / Regie: Bong Joon-Ho
Wer als zweiten Film ein Meisterwerk wie Memories Of Murder erstellt, der gehört eindeutig in die heiligen Hallen der großen Künstler. Und Bong Joon-Ho überzeugt nicht nur als Regisseur eines Crime-Dramas, sondern als genauer Beobachter, der aus realen Geschehnissen einen absolut fesselnden Film gemacht und die Psychen der Charaktere in das Zentrum gestellt hat.
Interne Kämpfe werden ausgetragen, Zweifel und Enttäuschungen müssen hingenommen werden, eine Wiedergutmachung ist nicht zu erwarten. Durch diese Verlagerung des Fokus erhält die Erzählung eine extreme Tiefe und hebt sich von ähnlichen Filmen aus dem Westen wie Zodiac ab. Beklemmend, packend und schmutzig - und wohl noch besser als Parasite.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 26.08.2020, 11:01

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Invention For Destruction
BD / Regie: Karel Zeman
Inspiriert von gezeichneten / gravierten Bildern und dem kreativen Geist Jules Vernes, brachte Karel Zeman mit Vynález zkázy Ende der Fünfzigerjahre einen zauberhaften Film auf die Leinwände Tschechiens, der bis heute magisch wirkt. Die Geschichte ist zwar etwas verstaubt und zu langsam erzählt, die Bilder aber sind fantastisch. U-Boote, Flugzeuge, Monster und übergroße Erfindungen - Tricksequenzen und real gefilmte Szenen fügen sich kongenial zusammen, immer wieder sitzt man voller Staunen vor dem Fernseher.
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Phantasm III
BD / Regie: Don Coscarelli
Der Wahn geht weiter, der Spass bleibt hoch. Eigentlich ist der dritte Teil dieser Horror-Action-Reihe kein Stück anders als Film zwei. The Tall Man ist weiterhin unbesiegbar, Reggie und Mike (wieder der originale Darsteller) fahren weiterhin durch die amerikanischen Staaten und versuchen eben diesen aufzuhalten. Die Java-Zombies fallen von den Bäumen, die Leichenwagen explodieren. Eine Pracht, ein Vergnügen ohne Substanz. Aber wer benötigt dies schon, wenn die Silberkugeln in Angriffsformation fliegen?
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 27.08.2020, 07:16

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Tenet
Kino / Regie: Christopher Nolan
"Ich habe nur ein Wort für sie. Prätentiös." *braaaawwwmmmnn*
Er soll nach dem Pandemiesommer Hollywood retten, die Kinos wieder füllen, unseren Glauben an das Spektakel wiederherstellen. Doch darin liegt bereits der erste Fehler, schlussendlich steht Nolan mit seinen riesigen Produktionen für ein System, das sich immer stärker selbst zerfleischt. Wie sagte es Charlie Kaufmann? Nolan macht intelligente Filme für dumme Leute - und gerade letztere will sich Hollywood nahe halten, deren Geld milliardenfach einsacken. Von mir aus dürfen diese Mechanismen gerne sterben, ich will weder "Fast & Furios" noch "Bad (enter word of your choice)". Egal, wie gut die optischen Schauwerte sind, egal, welche Namen auf dem Plakat stehen.

Wo positioniert sich in dieser Farce denn "Tenet"? Zuoberst, mit stolz geschwellter Brust und stetem Selbstlob. Wie intelligent und durchdacht denn alles sei, wie komplex und facettenreich. Bloss: Das stimmt gar nicht. Wer aufmerksam dem Film folgt und trotz dem sehr lauten Soundtrack und den extrem schnellen Szenenwechsel am Ball bleibt, der errät meist sofort, was sich hinter dem Mysterium einer Szene verbirgt. Nolan geht seinen typischen Weg, in dem er die Figuren vor allem dazu miteinander sprechen lässt, um den Zuschauern zu erklären, was sie noch nicht begriffen haben können sollen. Doof nur, tut man dies auch ohne Exposition.

Oder die Szenen demontieren sich durch ihren Aufbau gleich selber und verlieren somit jegliche Spannung.
Spoiler
Show
Wenn ich bei einer Verfolgungsjagd etwa sehe, dass der Rückspiegel eines BMW kaputt ist, bevor ein Unfall passiert war, dann weiß ich sofort: Das stammt aus der Zukunft. Und siehe da, ein invertiertes Fahrzeug reißt diesen ein paar Minuten später ab. Da der BMW allerdings keine weiteren Schäden aufweist, ist die Actionszene somit sofort unspannend, da ich weiß, dem Auto passiert nichts mehr. Gleiches gilt für die Figuren, welche keine Verletzungen aufweisen. Und wenn doch, dann sollte jeder Kinobesucher wissen, dass sich der Protagonist dies mehrere Szenen zuvor zugezogen hat. Invertierter Verlauf halt.
Erstaunlich ist an "Tenet" sowieso, dass der eigentliche Clou des Filmes bereits in den Trailern vorneweg genommen wurde und man beim Kinobesuch dies als gegeben anschaut - und selten überrascht wird. Natürlich bleiben die Setpieces, die Aufnahmen, die Effekte und die Darsteller super. Man lässt sich vom Spektakel einlullen und genießt die Perfektion, welche hinter den Bildern liegt (abgesehen von den wirklich heftigen Anschlussfehlern und falschen Schnitten). Schlussendlich könnte man argumentieren, dass die Unterhaltung zählt und davon der Film in seinen 150 Minuten massig bietet. Könnte man. Mich jedoch beleidigt dies, wenn es auf solch falsche und wichtigtuerische Art vorgelegt wird. Somit wirkt alles schal und übertrieben, ohne jemals ehrlich zu sein. Was bleibt ist ein Möchtegern-James-Bond-Actioner, der nichts rettet und schon gar niemanden überfordern wird.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 27.08.2020, 09:38

Das Problem bei Nolan scheint mir, dass seine Filme das einzige Überbleibsel glorreicherer Blockbuster Tage sind, was im Kontrast zum aktuellen Dünnpfiff eben eine Genialität suggeriert, die de facto nicht vorhanden ist.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von gelini71 » 27.08.2020, 10:33

Ist im Grunde genau das was ich von dem Film erwartet habe - schicke Bilder, maue Handlunmg....und im Grunde schreibst Du das gleiche wie in der Quotenmeterkritik die ich vor ein paar Tagen gepostet habe :wink:
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 27.08.2020, 19:37

Zumindest hier in der Gegend geht der Feuilleton schonmal steil und die Höchstwertungen purzeln.

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 28.08.2020, 15:27

SFI hat geschrieben:
27.08.2020, 09:38
Das Problem bei Nolan scheint mir, dass seine Filme das einzige Überbleibsel glorreicherer Blockbuster Tage sind, was im Kontrast zum aktuellen Dünnpfiff eben eine Genialität suggeriert, die de facto nicht vorhanden ist.
Das stimmt, allerdings vermisse ich bei Nolans Filmen den selbstironischen Unterton, den die damaligen Blockbuster meist vorweisen konnten. Was wohl daran liegt, dass er total verkrampft an gewissen Traditionen festhält - sei es im Bereich Technik oder Vermarktung / Produktionsweise. Und sich darum wohl als Retter der alten Tugenden sieht.
freeman hat geschrieben:
27.08.2020, 19:37
Zumindest hier in der Gegend geht der Feuilleton schonmal steil und die Höchstwertungen purzeln.
Glücklicherweise habe ich bereits unterschiedliches gelesen. Das Magazin Filmbulletin und die WOZ - Wochenzeitung betrachten den Film ähnlich kritisch wie ich, andere Organe hingegen übertreffen sich gegenseitig mit Lob. Wahrscheinlich wird über diesen Film überall sehr emotional diskutiert, der aktuellen Lage geschuldet.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 02.09.2020, 16:17

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The King Of Staten Island
Kino / Regie: Judd Apatow
Wirklich tiefgehende oder philosophische Kost waren die Filme von Apatow noch nie, daran ändert sich beim König nichts. Was bleibt ist das wohlige Lebensgefühl, die scheinbar echte und nicht komplett von Klischees durchzogene Welt - und viele Lacher. Schade nur, ist die Hauptfigur des Scott weniger interessant als die toll dargestellten Charaktere von Bel Powley und Maude Apatow. Mit ihnen hätte ich gerne mehr Zeit verbracht.
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It Must Be Heaven
Filmingo / Regie: Elia Suleiman
Von Palästina aus durch die westliche Welt - mit der Erkenntnis, dass sich jedes Land scheinbar in Richtung von Elia Suleimans Heimat entwickelt. Kein Wunder, steht der Regisseur meist mit verdutztem Gesicht und hochgezogenen Augenbrauen in den flach geschossenen Aufnahmen. Wie bei den Filmen von Roy Andersson reihen sich hier urkomische und sarkastische Beobachtungen und Szenerien zu einem neuen Blick auf die Welt zusammen. Meist ohne Dialoge, dafür mit Slapstick und geschickten Parallelen. Ohne die politischen Überlegungen jemals brachial in den Vordergrund zu stellen.
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The Game
BD / Regie: David Fincher
In Finchers Filmografie wird dieser Film gerne übersehen, zu Unrecht, wie ich finde. Sicherlich strahlt der Thriller um den schwerreichen Investmentbanker Nicholas van Orton nicht so hell und weit wie etwa Seven oder Zodiac, Besetzung, Regie und Schnitt sind aber von allerhöchster Güte. Einige Szenen, wie etwa die Sequenz in der Kantine, sind immer wieder fantastisch zu Betrachten, fragwürdig bleibt bloß das Ende. Etwas überhastet schließt Fincher seinen Film ab und vergisst dabei, die moralisch schwierigen Entscheidungen anzugehen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 03.09.2020, 08:21

Fantoche 2020 - Mittwoch
Auch dieses Jahr darf ich für ARTNOIR wieder am Animationsfilmfestival in Baden verweilen. Der erste Abend bot bereits viele Überraschungen.



Schweizer Wettbewerb 2
9 Kurzfilme aus der Schweiz
Eine wunderbare Auswahl aktueller Kurzfilme der hiesigen Künstler*innen. Ein tolles und sehr kurzes Highlight war Interdimensional Melancholy.



Old Man Cartoon Movie (Vanamehe Film)
Kino / Regie: Mikk Mägi, Oskar Lehemaa
Eine versehentliche Kremation, notgeile Baumgötter, ein Hippie-Festival im Walde, ein Rockkonzert im Darm eines Bären, Kettensägenmassaker und noch viel mehr. Die Produktion aus Estland liess den Saal laut auflachen, schmierte allen Dreck ins Gesicht und versank in tiefschwarzem Humor. Was für ein Film!
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Den gesamten Text findet ihr bei ARTNOIR.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 07.09.2020, 14:50

Fantoche Animationsfilm Festival 2020 Teil 2:

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La tortue rouge
Kino / Regie: Michael Dudok de Wit
Als erster nichtjapanischer Film, der vom renommierten Studio Ghibli produziert wurde, zeigt La Tortue Rouge auf, wie nötig die erneute Annäherung zwischen Menschheit und Natur wäre. Ohne moralisch grob zu werden, verdeutlichen die weichen Bilder umso stärker die herrschende Kluft.
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Les Triplettes de Belleville
Kino / Regie: Sylvain Chomet
Ein Spass, der etwas zu stark zwischen wilden Sequenzen und zäh wirkenden Repetitionen schwankt, am Ende aber durch eine grosse Vorstellungskraft überzeugt. Und die musikalischen Einlagen, welche die Showgruppe Les Triplettes de Belleville in jeder Altersstufe bietet, sind mitreissend.
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Tout en haut du monde
Kino / Regie: Rémi Chayé
Die Geschichte um die 15-jährige Sasha, welche auf eigene Faust ihren verschollenen Grossvater am Nordpol suchen will, ist packend und zeigt auf, wie wichtig das eigenermächtigte Handeln ist.
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Ma vie de courgette
Kino / Regie: Claude Barras
Für diesen Film kann man nur die volle Punktzahl vergeben. Genial gemacht und schön erzählt – die heiklen Themen der Waisen- und Heimkinder, sowie der häuslichen Misshandlungen werden geschickt angegangen und für alle verständlich und erträglich aufbereitet.
:liquid10:

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ON-GAKU: Our Sound
Kino / Regie: Kenji Iwaisawa
Langsam mit vielen, lang gehaltenen Aufnahmen erzählt, sprengt On-Gaku: Our Sound von Kenji Iwaisawa die Gewohnheiten des modernen Animationsfilms. Diese Ruhe hilft der Geschichte und lässt die Erzählung stark nachwirken. Dazu gibt es für den Musikfanatiker viele Hinweise auf wegweisende Alben der Rockgeschichte zu entdecken.
:liquid8:

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Weathering with You
Kino / Regie: Makoto Shinkai
Weathering With You vom Star-Regisseur Makoto Shinkai (Your Name) könnte einer der grossen Anime-Welterfolge werden. Zugänglich, optisch fulminant und mit einer guten Menge an Kitsch angereichert. Mehr Feingefühl und weniger hektisches Tempo hätten dem Film geholfen, wie auch eine klarere Botschaft betreffend dem Thema Umwelt und Mensch.
:liquid6:

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The Nose or The Conspiracy of Mavericks
Kino / Regie: Andrey Khrzhanovsky
Russische Klassiker treffen auf heutige Verbrechen, damalige Handlungsträger müssen sich mit kreativen Schöpfungen herumschlagen. Ein Film, der nicht nur unterhält, sondern bildet und zum Nachdenken anregt.
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My Favorite War
Kino / Regie: Ilze Burkovska-Jacobsen
Eine autobiografische Geschichte erzählt uns die Regisseurin Ilze Burkovska Jacobsen in My Favorite War. Jacobsen wuchs in der Zeit des Kalten Krieges in Lettland auf, das damals noch Teil der UdSSR war.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 15.09.2020, 08:25

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Leviathan
DVD / Regie: Andrey Zvyagintsev
Ein bildgewaltiges Stück über die gnadenlose Übermacht eines korrupten Staates. Leviathan vermischt die Situation in Russland mit einer Neuinterpretation des Bibel-Mythos und zeichnet so ein Bild der zerstörten Systeme. Eine Umgebung, in der man als normaler Mensch keinen Platz mehr findet, in der alles nur noch zur Erhaltung einzelner Wahnvorstellungen existiert. Langsam erzählt, packend gespielt und mit mehr als gelungenen Aufnahmen gefilmt, ist diese Produktion ein Meilenstein des kontemporären und politischen Kinos aus Russland.
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Screamers
BD / Regie: Christian Duguay
Ein zweiter kalter Krieg ist ausgebrochen, gekämpft wird aber nur dort, wo ein neues Element entdeckt wurde, dort allerdings... Ach, wie egal die Geschichte von Screamers doch ist. Schlussendlich lohnt sich der Film wegen zwei Dingen: Peter Weller als grimmiger Anführer in der Hauptrolle, immer arschcool und leicht nihilistisch. Sowie den tollen, praktischen Effekten. Matte-Paintings, Stop-Motion-Animationen, Modelle und Pyro - ein wahres Fest und bis heute schön anzusehen. Dieser SF-Streifen entstand in der Übergangsphase Hollywoods, bevor die Computerabteilungen Überhand nahmen und versprüht bis heute seinen Charme.
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Class Of 1984
BD / Regie: Mark L. Lester
Die Punks wüten in der Schule, als drogenverkaufende Nazis, als dreckige Lumpen. Doch der Musiklehrer tritt ihnen entgegen und sorgt dafür, dass sich die Spirale des Filmes immer weiter dreht, bis wir in einem Explotation-Film landen. Nein, korrekt ist an Class Of 1984 nicht viel, dafür machen die außer Kontrolle geratenen Szenen viel Spaß. Und leider lassen sich zu viele Parallelen zur heutigen Situation in Amerika ziehen.
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Days of the Bagnold Summer
Kino / Regie: Simon Bird
Ein kleines Dramastück über einen ätzend englischen Provinzsommer, welches von Earl Cave und Monica Dolan in den Hauptrollen getragen wird. Belle And Sebastian begleiten die hübschen Bilder mit zuckersüßen Indie-Songs, der Black-Metal-Kontrast wird vor die Gartenzwergenidylle gepflanzt. Ohne großes Aufsehen zu erregen schleicht sich der Film mit seinen lebensnahen Situationen ins Herz und wärmt dieses.
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Invasion of the Body Snatchers
BD / Regie: Philip Kaufman
Erschreckend, wie gut dieser Klassiker aus dem Bereich Siebzigerjahre-SF-Horror in die heutige, globale Situation passt. Ein Stück über Paranoia und Vertrauensverlust, ergänzt mit ausserirdischen Invasoren. Genial gefilmt und geschnitten, mit einem starken Ensemble und herrlich andersartiger Musik. Und wenn Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Veronica Cartwright und Jeff Goldblum gemeinsam in einer Szene spielen dürfen, dann kann man nur zufrieden Grinsen.
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Coma
DVD /Regie: Nikita Argunov
Wenn in Russland große Blockbuster gedreht werden, dann erinnert das sehr oft an Werbevideos für Computer-Engines. So auch Coma, der optisch irgendwo zwischen Inception, Doctor Strange und PC-Games wie Stalker wandelt. Mehr als die Hälfte des Filmes besteht aus meist sehr ansehnlichen CGI-Bildern, der Rest wird mit einem kruden Drehbuch, schlechten Darsteller*innen und einem fragwürdigen Umgang mit dem Thema des Komas gefüllt. Der Film nervt dank einzelnen, guten Einfällen zwar nicht, die Klischees und platten Charaktere verhindern aber ein grösseres Vergnügen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 20.09.2020, 12:33

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November
BD / Regie: Rainer Sarnet
Estländische Folklore, kontratreiche Schwarzweissbilder, invertierte Thermoaufnahmen, Geister und umherwandelnde Monsterkreationen. Sarnet fügt in diesem Film eine grosse Menge an Einflüssen zusammen, ohne jemals über die Zutaten zu stolpern. Verwirrend und bezaubernd zugleich, wie ein vergessenes Märchen und eine Gruselgeschichte über Eigenermächtigung. Es tut mehr als gut zu wissen, dass die Filmwelt auch nach vielen Jahren noch überraschen kann.
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Edge of the Axe
BD / Regie: José Ramón Larraz
Obwohl dieser Slasher in den USA spielen soll, merkt man dem Film seine europäische Herkunft jederzeit an. Larraz versucht sich zwar, in den amerikanischen Traditionen zu integrieren, vieles wirkt dadurch aber falsch und aufgesetzt. Dazu kommen die absurden Aussagen zur Computertechnik, die zu losgelösten Handlungen und die aus dem Nichts erscheinende Erklärung am Ende. Mehr ein Kuriosum als ein Genuss.
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Ringu
BD / Regie: Hideo Nakata
Einer dieser Filme, über den man viel weiss, ohne ihn jemals gesehen zu haben. Glücklicherweise habe ich die amerikanischen Remakes immer gemieden, dadurch hat das Original nichts von seiner Intensität verloren. Von Nakata präzise inszeniert, fesselt der Ursprung der Asien-Horror-Manie mit einer durchdachten Geschichte und cleveren Schockeffekten. Ohne alle Karten sofort auszuspielen, ohne aufgesetztes Ende.
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Le Voyage dans la Lune
BD / Regie: Georges Méliès
Die wunderbare Editon von Arrow Academy präsentiert den wegweisenden Stummfilm nicht nur komplett restauriert, sondern in schwarzweisser und farbiger Fassung. Die zwölf Minuten sind über hundert Jahre nach ihrer Entstehung voller Wunder und Freude, die Geschichte zwar herrlich absurd aber unterhaltsam. Spielerisch getrickst mit der Menschheit als Invasoren. Kein Wunder, haben sich die Ausserirdischen nach dieser Science-Fiction-Filmbegründung gegen die Erde gewandt.
Wunderbar als Ergänzung dient der Dokumentarfilm "Le Voyage extraordinaire" (Regie: Serge Bromberg, Eric Lange), welcher nicht nur Méliès Leben, sondern auch die Restaurierung des Filmes beleuchtet. Faszinierend!
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The Last Temptation of Christ
BD / Regie: Martin Scorsese
Nachdem ich jahrelang bereits den Soundtrack von Peter Gabriel verinnerlicht hatte, war es nun endlich soweit, ich sah zum ersten Mal das gewaltige Epos über Glauben. Ein Film, der seinen Status in der Geschichte eindeutig verdient und nicht provozieren will, sondern als persönliche Überlegung zum Thema Religion funktioniert. Wundervoll inszeniert, grossartig gespielt, emotional treffend. Willem Dafoe und Harvey Keitel sind in ihren Rollen grossartig, das Drehbuch dringt tief ins Herz ein.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 26.09.2020, 13:44

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Le Sel de la terre
DVD / Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado
Die Bilder des Fotografen Sebastião Salgado sind fantastisch und berührend. Doch wer steckt eigentlich hinter den Aufnahmen? Mit dieser Dokumentation wird das Leben des Brasilianers sanft nachgezeichnet und auf seine wichtigsten Arbeiten eingegangen. Wirklich hinter die Fassade gelangt man damit aber nicht, die Off-Kommentare reihen vor allem Wikipedia-Daten aneinander. Und Wenders übt sich in Stilblüten. Trotzdem sind die Fotos und Geschichten dahinter sehr bewegend.
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QT 8: The First Eight
DVD / Regie: Tara Wood
Apropos Wikipedia: Diese Dokumentation voller Talking-Heads bietet leider ebenfalls nicht viel mehr, als eine Zusammenfassung von bekannten Fakten über Quentin Tarantino. Zwar macht es Spass, Leuten wie Michael Madsen, Lucy Liu oder Zoe Bell zuzuhören, viele Hintergründe sind allerdings nicht zu erfahren. Tarantino selber blieb der Produktion fern, schwierige Themen werden umschifft. Sogar beim Weinstein-Skandal findet man einen Weg, alles innert wenigen Minuten abzukanzeln. Schwach.
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Gamera
BD / Regie: Noriaki Yuasa
Die Schildkröte mit dem feurigen Atem und Raketenantrieb wird durch eine nukleare Explosion zum Leben erweckt - und rächt sich natürlich an der Menschheit. Mit Zerstörung und Wut. Das reicht nicht ganz an das Niveau von Godzilla heran, bietet aber bis heute mehr als gute Unterhaltung. Das tiefe Budget, die Spielzeugwelten und wirklich grottenschlechten Schauspieler laden zum Staunen und Lachen ein. Für alle Fans der Monsterfilme der 50er und 60er sehr zu empfehlen.
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Booksmart
BD / Regie: Olivia Wilde
High-School- und Coming-Of-Age-Filme sind immer ein angenehmes Vergnügen. Mit ihrer ersten Regiearbeit hat es Wilde gar geschafft, das Genre an sich zu reissen und zu entstauben. Wie damals Breakfast Club werden hier die Klischees über den Haufen geworfen und veraltete Stereotypen beim Bierpong versenkt. Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein als leitendes Duo sind fantastisch, Billie Lourd und Molly Gordon in Nebenrollen nicht weniger leuchtend. Ein bunter und fröhlicher Film, der viel Laune macht und das Genre um eine nötige Portion Feminismus und lesbische Liebe erweitert.
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Every Thing Will Be Fine
DVD / Regie: Wim Wenders
Was für ein Unfall von einem Film ist denn dies? Melodramatisch erzählt Wenders die Geschichte eines Autors, der nach einem Autounfall sein Leben wieder ordnen muss. James Franco stolpert gelangweilt und uninteressiert durch die schlecht ausgeleuchteten und inspirationslosen Bildern. Ausgeübte Handlungen machen keinen Sinn, der Schnitt springt immer wieder in der Zeit umher, Rachel McAdams muss sich mit einem kruden Akzent herumschlagen. Nicht ist gut, ausser man meidet diese Produktion.
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Fatal Visit / 聖荷西謀殺案
Kino, Zürich Film Festival / Regie: Calvin Poon
Wenn die weibliche Hauptperson Ling in der Mitte des Filmes ein Puzzle ferstigstellt, dann widerspiegelt dies den Beginn der neusten Regiearbeit von Calvin Poon sehr gut. Denn in der anfänglichen Vierstelstunde werden Szenen und Aufnahmen präsentiert, die sich erst mit der Zeit zu einem mörderischen Thriller entwickeln. Gut gefilmt und gespielt, verdichtet sich der Film zu einer immer brutaleren Story über Menschen aus Hong Kong im Exil. Leider entpuppt sich das Gerüst am Ende als eher plump. Da wäre mehr Tiefe wünschenswert gewesen.
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Gamera Vs. Barugon
BD / Regie: Shigeo Tanaka
Mehr Budget, farbige Bilder, längere Laufzeit und ein Monsterkampf! Die Fortsetzung zu Gamera bietet eindeutig grössere Schauwerte und die klassichen Kaiju-Schemata. Die Menschen schlagen sich mehr oder minder erfolgreich durch die Zerstörung, die Monster verwüsten süsse Miniaturwelten. Nach Aufrüstung und Radioaktivität darf nun Gier als Wurzel allen Übels herhalten und Barugon mit seinem Regenbogenangriff die Spielzeugpanzer schmelzen. Erstaunlich unterhaltsam die erste halbe Stunde, in der sich der Film in den Bahnen der Adventure-Serials bewegt.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 29.09.2020, 19:44

Die Tarantino-Doku fand ich auch seltsam inhaltsleer. Keiner hatte wirklich irgendwas Besonderes zu erzählen. Die ganze Nerdigkeit des Typen greift nie. Schade.

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 29.09.2020, 19:56

Ja, oder? Ich selbst bin überhaupt nicht auf der Seite der "Tarantino ist ein grossartiger Visionär"-Schreier, trotzdem steckt hinter seinem Schaffen einiges mehr, als in dieser Doku aufgezeigt wurde. Und gerade seine kontroversen Ansichten und Entscheidungen würden da viel Stoff bieten.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 29.09.2020, 20:01

Ich hatte blöderweise im Vorfeld auch noch gelesen, dass die Doku richtig toll wäre. Ich saß dann nur vor dem TV und war mehr als enttäuscht. Viele Statements kannte ich in der Form schon. Viel von dem, was beispielsweise Madsen zu sagen hatte, hatte er so auch auf der World of Horror mal erzählt. Ich fand auch, dass kaum Bezüge zwischen den Filmen aufgebaut wurden, die ja aber allesamt da sind. War irgendwie sehr oberflächlich...

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von McClane » 01.10.2020, 08:51

War jetzt auch nicht so angetan von der Doku. Einerseits hat sie IMO nicht so viel Neues erzählt, wobei ich auch diverse Bücher über Tarantino gelesen (und eines mit herausgegeben) habe, sodass der unbedarfte Zuschauer da vielleicht mehr drin entdeckt. Und obwohl ich Fan von ihm bin, empfand ich die Doku als etwas zu distanzlos, ziemliche Fan-Sicht, die sich zwar kurz kritisch seiner Rolle im Weinstein-Skandal stellen will, aber das Ganze dann doch schnell abbürstet.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 04.10.2020, 11:37

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Donbass
BD / Regie: Sergey Loznitsa
In der Donbass-Region der Ukraine ist das Leben kein einfaches, zwischen all den militarisierten Splittergruppen und falscher Propaganda. Der Film von Loznitsa zeigt das alltägliche Leben in 13 Szenerien, die nicht nur lebensecht gefilmt wurden, sondern auf wahren Begebenheiten passieren. Ein ungemütlicher Film, der Missetaten und Kriegsschrecken aufzeigt und damit fast als Dokumentarfilm durchgehen könnte.
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Adventures in Sahara
BD / Regie: D. Ross Lederman
Meuterei in der Fremdenlegion, inmitten der Sahara! Erzählt in etwas mehr als 50 Minuten, mit einem charmanten Paul Kelly in der Hauptrolle, ist diese Verfilmung einer Geschichte von Samuel Fuller kein Meilenstein, allerdings als Abenteuerfilm mit gewissem Schundfaktor unterhaltsam. Und schnell vergessen.
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Phase IV
BD / Regie: Saul Bass
Bei der einzigen Langfilm-Regiearbeit von Designer und Künstler Bass steht die Optik im Zentrum und überrascht immer wieder mit Nahaufnahmen von Insekten, geometrischen Skulpturen und Farbspielereien. Als pessimistischer SF-Film der Siebzigerjahre werden hier intelligente Ansätze und diskussionswürdige Themen geboten, die bis heute spannend sind. Schade nur, wurde der Film durch das Studio am Ende stromlinienförmig umgeschnitten.
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Phantasm IV: Oblivion
BD / Regie: Don Coscarelli
Nach drei Teilen voller Wahnsinn und verrückten Einfällen schaltet Coscarelli für Oblivion einen Gang zurück und stellt die emotionalen Gesichtspunkte der Reihe in den Mittelpunkt. Das klappt ganz gut, nur schade, dreht sich zu diesem Zeitpunkt die Handlung bereits seit mindestens zwei Filmen im Kreis. Reggie und Mike kommen ihrem Ziel leider auch hier keinen Schritt näher, dafür macht sich der Tall Man und Verzweiflung breit. Der düsterste und nachdenklichste Film dieser Saga, teilweise etwas zäh.
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Ingrid Goes West
Streaming, Netflix / Regie: Matt Spicer
So ganz verübeln kann ich es Aubrey Plaza nicht, dass sie total auf Elizabeth Olsen abfährt. Allerdings wird aus der anfänglichen Instagram-Faszination ein unkontrollierbarer Wahn, der von Stalking zu Belästigungen führt. Der Film offenbar die sehr dunklen Seiten von Social Media und enttarnt zugleich das Leben der Influencer als Schall und Rauch. Super gespielt und voller erschreckender Wahrheiten. Darum: Weg von den Bildschirmen, weg von den falschen Idealen.
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Empathy, Inc.
BD / Regie: Yedidya Gorsetman
Man mische Film-Noir, Filme wie Pi, schwarzweisse Bilder und ein Indie-High-Concept – fertig ist diese kleine Produktion mit dem pessimistischen Blick auf unsere technologische Zukunft. Was sich im Grundsatz unterhaltsam anhört, verspielt als Film seine Karten leider zu früh und kämpft mit diversen Unebenheiten. Das hätte man interessanter verwirklichen können.
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Phantasm: Ravager
BD / Regie: David Hartman
Jahre nach dem vierten Teil versuchte sich Hartman an einer Fortsetzung und einem Abschluss der unendlich wirkenden Geschichte. Doch leider fühlt sich Ravager bloss wie ein stupides Abarbeiten der klassischen Merkmale der Reihe an, gedreht in einem sehr billigen Fan-Film-Look. Miese CGI, alte und unmotivierte Darsteller, eine wirre Geschichte ohne wirkliche Auflösung - plus geschmackloser Humor und null Spannung. Diesen Film kann man als grossen Freund der Serie weglassen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 05.10.2020, 14:24

Dieses Wochenende war ich am 16. Zurich Film Festival unterwegs und habe mir folgende Filme gegönnt:

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Proxima
Regie: Alice Winocour
In der Welt der Raumfahrt sind Astronautinnen immer noch in der Minderzahl, Filme über sie sowieso. Alice Winocour präsentiert mit ihrer neusten Produktion eine der wenigen Ausnahmen und schafftes, den weiblichen Blick auf die Thematik zu richten. Feinfühlig und feministisch, ohne jemals moralisch zu überborden oder in einfache Muster zu verfallen. Als Gegenstück zu First Man beispielsweise. Das Spannungsfeld der männlich dominierten Branche wird aufgesprengt, wichtige Fragen zu Mutterschaft und Engagement angegangen.

Eva Green brilliert in der Hauptrolle und vermag es, alle Emotionen zu transportieren und hätte jede Auszeichnung verdient. Besonders die Szene mit ihrer Filmtochter (Zélie Boulant-Lemesle) gehen unter die Haut und wagen ehrliche Kommentare zur Doppelbelastung von Müttern in der Arbeitswelt. Im Verbund mit den realistischen Aufnahmen, gedreht an Originalschauplätzen, ist Proxima ein mehr als interessanter Film, nicht nur über die Forschung im Weltraum. Und es ist immer schön, Matt Dillon und Sandra Hüller auf der Leinwand zu erleben.
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The Assistant
Regie: Kitty Green
Was konnte man nicht alles zur #MeToo-Bewegung und dem Skandal um Harvey Weinstein lesen und sehen – doch meist ging dabei die weibliche Perspektive vergessen. Bestes Beispiel dafür war der unrunde Film Bombshell. Mit dem ersten Spielfilm von Kitty Green wird dieses Manko auf fulminante Art behoben. Ruhig und subtil begleitet man eine Assistentin (eindringlich: Julia Garner) durch ihren normalen Arbeitstag und erlebt, wie tief die Probleme in der Filmbranche verankert sind.

Alle wissen Bescheid, Frauen werden auf unterschiedliche Weisen unterdrückt und fast niemand möchte daran etwas ändern. Eindringlich die stillen Szenen, brutal die niemals effekthascherischen Dialoge. Dank diesem Film werden die Missstände endlich in ihrer ganzen Tragik aufgezeigt und uns allen vor Augen geführt: Gut ist es noch lange nicht. Ein Pflichtprogramm für alle.
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Preparations to be Together for an Unknown Period of Time
Regie: Lili Horvát
Wann ist man verliebt, wann ist man bereit für die Liebe? Fühlt sich ein solcher Zustand nicht oft wie ein Traum an? Die ungarische Regisseurin Lili Horvát entführt mit ihrem neusten Werk in eine Welt, in der man nie sicher sein kann, ob das gezeigte wirklich passiert, oder man selbst einem Zauber unterlegen ist. Schauspielerin Natasa Stork führt betörend durch die Geschichte, die Aufnahmen ergänzen das Gebotene mit lebensnahen Bildern auf 35mm-Film.

Ein ruhiger Film, der spannend aufgebaut ist, mit der Dualität spielt und damit immer wieder Unsicherheiten streut – bis man am Ende selbst entscheiden kann, wie alles nun ausgeht. Ein richtig oder falsch gibt es nicht, wie meist im Leben.
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Ballad For A Pierced Heart
Regie: Yannis Economides
Die Coen-Brüder in Griechenland? Erstaunlich, wie gut sich die neuste Regiearbeit von Yannis Economides mit einem solch destillierten Satz beschreiben lässt. Und genau da lag für mich das Problem, Ballad For A Pierced Heart hätte mehr sein können. Sicherlich wird man trotz den 140 Minuten Laufzeit immer unterhalten und darf zusammen mit den Charakteren von einer tragisch-komischen Situation in die nächste stolpern, irgendwann verlor sich durch den repetitiven Charakter der Szenen aber etwas die emotionale Intensität.

Mit einem perfektionierten Stil und stark eingefangenen Bildern läuft der Film immer rund, bis die unvermeidbare Brutalität ausbricht. Diese Explosion am Ende ist kurz und heftig, was allerdings durch die immer sehr lauten und aggressiven Dialoge angekündigt wird. Wer auf direkten Humor und einen ungeschönten Blick auf den schmuddeligen Untergrund Griechenlands steht, der wird hier mehr als gut bedient.
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Better Days
Regie: Derek Kwok-cheung Tsang
Leistungsdruck und Neid führen an den Schulen in China sehr oft zu Mobbing unter den Schüler*innen. Das kann soweit gehen, dass Jugendliche im Selbstmord den Ausweg suchen. Ein weltweit bekanntes Problem, das leider zu oft nur zurückhaltend diskutiert wird. Der Film Better Days versucht diesen Umstand zu ändern und war in China ein grosser Erfolg. Verständlicherweise, ist die Geschichte um Chen Nian und ihre Probleme sehr vereinnahmend und schämt sich nicht, Momente und Gefühle gross darzustellen.

Das erinnert in der melodramatischen Weise ab der Mitte des Filmes gar an die Anime-Kultur, weiss aber trotzdem zu berühren. Besonders wer sich von starken Überzeichnungen nicht abschrecken lässt und ein Faible für leichten Kitsch hat, wird vom, mit Preisen ausgezeichneten Werks Derek Kwok-cheung Tsangs mitgerissen werden.
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