Ich war damals direkt am Startwochenende im Kino und schreibe meinen Kommentar jetzt, wo er in die Videotheken kommt - mangelnde Zeit und immer kürzere Verleihfenster vertragen sich nicht gut. Gut dagegen ist der Film geworden, der dadurch gefällt, dass im Gegensatz zu anderen überdrehten Actionkomödien der letzten Zeit ("Guns Akimbo", "Gunpowder Milkshake") auch mal tatsächlich auf etwas hinausläuft und nicht nur wie ein Ansammlung möglichst cooler, überdrehter Szenen daherkommt. Tatsächlich ist das Ganze nicht unclever konstruiert, wenn der Film nach und nach offenlegt, in welcher Beziehung die Figuren zueinanderstehen, warum jeder einzelne an Bord des Zuges ist und was sie vorhaben. Visuell ist das Ganze elegant inszeniert, auch wenn man Tarantino und Ritchie gelegentlich trappsen hört, doch Leitch fährt einen stimmigen, comicartigen Stil, der - freeman erwähnte es ja schon - auch ein wenig in Richtung seines "Deadpool 2" geht, auch wenn die Vorlage eben kein Comic ist.
Auch schön ist die Tatsache, dass die Action hier als handfestes Spektakel inszeniert ist, trotz des komödiantischen Einschlags nicht nur als besonders derbe Slapsticknummer daherkommt. Das Zugsetting mit Ruheabteil usw. wird schön ausgenutzt, sodass die Keilereien Abwechslung besitzen, gerade wenn man sich an die Gegebenheiten des jeweiligen Wagens (und potenzieller Zeugen) anpassen muss. Hinzu kommen markige Figuren wie das ungleiche Brüderduo, von denen einer eine Fixierung auf "Thomas, die kleine Lokomotive" hat, die durchtriebene Russin mit Klein-Mädchen-Auftreten und natürlich Brad Pitt als herrlich schluffiger Ladybug. Trotz seines Schönling-Images ist Pitt ja immer gern bereit dagegen anzuspielen, so auch hier mit schlecht sitzendem Anglerhut und konstantem "Was mache ich eigentlich hier"-Blick, wenn der vermeintlich einfache Kofferklau-Auftrag zum Kampf auf Leben und Tod wird. Der Humor zündet meist, an der Cameo-Front schauen Channing Tatum, Sandra Bullock und Ryan Reynolds vorbei, während die Belegschaft in den Hauptrollen (darunter ein gnadenlos cooler Hiroyuki Sanada) starke Leistungen erbringt.
Gegen Ende wird es dann etwas unangenehm CGI-lastig, wenn mit Effekten aus der Budgetmittelklasse Zugcrashs und dergleichen simuliert werden. Der comichafte Ton, John erwähnte es schon, lässt einen das eher verdauen, zum PC-Spiel-Lookalike wie "Hobbs & Shaw" über weite Strecken wird "Bullet Train" auch nicht, da dies nur das Finale betrifft. Wäre natürlich schöner gewesen, wenn man das Finale entweder kleiner skaliert oder doch noch ein paar Milliönchen in bessere Rechner investiert hätte, aber sei es drum. "Bullet Train" hat Tempo, macht Laune und kann mit markigen Charakteren, einer gelungen konstruierten Geschichte und meist starken Kampfszenen aufwarten. Mit Blick auf die Konkurrenz wahrscheinlich das Actionhighlight des Jahres, aber Luft nach oben ist noch da.
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Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]