20.000 especies de abejas
DVD / Regie: Estibaliz Urresola Solaguren
Im falschen Körper geboren, von der Gesellschaft verunsichert: «20.000 especies de abejas» ist ein emotional treffender Spielfilm, der sich mit einem Mädchen auseinandersetzt, das als Junge geboren wurde.
Estibaliz Urresola Solaguren gönnt ihren Figuren viel Raum, bettet die Geschichte in eine realistische Umgebung und schafft es, die gesellschaftlichen Konflikte in einzelnen Szenen genial zu verdichten (Suche im Wald).
Les Plages d'Agnès
DVD / Regie: Agnès Varda
(Docucember 23-16) Agnès Varda blickt auf ihr Leben zurück, auf ihre Filme und Orte, an denen sie gewohnt hat. Das geschieht auf berührende, lebensfrohe und kluge Art, die Dokumentation «Les Plages d'Agnès» verzaubert durch die eigensinnige Sicht auf die Welt und die sehr gelungene Struktur.
Spiegel werden zu Portalen, Erinnerungen nachgestellt und das eigene Regie-Handwerk von Varda hinterfragt. Ein Film, der hoffnungsvoll stimmt und kreativ stimuliert.
Sweetie
Stream, Mubi / Regie: Jane Campion
Das Langfilm-Debüt von Jane Campion ist ein Fest der Ausstattung: Die Requisiten, Farben, Wohnungseinrichtungen und Fahrzeuge sind genial ausgewählt, in Kombination mit den Charakteren wirkt «Sweetie» vielfach märchenhaft.
Die Geschichte um eine dysfunktionale Familie ist aber ernst, tragisch und bietet neue Sichtweisen, die zur Reflektion einladen. Ein in vielen Aspekten spannender Film.
Mon crime
DVD / Regie: François Ozon
François Ozon dreht das Rad der Zeit zurück und präsentiert mit «Mon crime» eine filmische Komödie, die altbacken und nostalgisch wirkt. Nadia Tereszkiewicz, Rebecca Marder und Isabelle Huppert spielen sich mit intensiver Emotionalität durch die von Männern dominierte Gesellschaft.
Das ist ein Krimi, eine Satire und eine Hommage an alte Filme zugleich; aber irgendwie auch angestaubt und wenig mitreissend. Interessanterweise hat mich Tereszkiewicz an Lili Reinhart erinnert.
Skinamarink
Stream, RakutenTV / Regie: Kyle Edward Ball
Während die Sichtung von «Skinamarink» möglichst ohne Ablenkung im Dunkeln passieren sollte, ist es wichtig, danach über den Film zu diskutieren. Erst dann zeigen sich die wahren Tiefen von Kyle Edward Balls Arbeit.
Aus unverständlichen Momenten wird eine schreckliche Geschichte über häusliche Gewalt und Gefangenschaft, wenige Dialoge und Gesten zum intensiven Horror. Schade bloss, wirken die technischen Aspekte des Filmes nicht immer durchdacht.
Wieso wurde alles in der 70s-Optik inszeniert, während die Geschichte in den Neunzigerjahren spielt? Welche Sicht soll die Kameraarbeit verdeutlichen? Warum mussten Jump-Scares eingebaut werden? Trotzdem: Eine einzigartige Erfahrung im Bereich Horror.
Au poste!
Stream, Mubi / Regie: Quentin Dupieux
Quentin Dupieux liebt Meta-Spielerein in seinen Filmen und noch mehr liebt er die Willkür. Beim klein gehaltenen «Au poste!» kommen diese beiden Schlagworte auf unterhaltsame Weise zusammen, wobei besonders das Ende überzeugt.
Spiel, Ausstattung und einzelne Einfälle sind wie immer grotesk gelungen, die Geschichte eine reizvolle Demontage der Polizeikrimis. Grossen Eindruck hinterlässt diese Produktion verglichen mit seinen anderen Filmen aber nicht.
Un divan à New York
Stream, Mubi / Regie: Chantal Akerman
Um einen Gegenpol zu schaffen, habe ich nach der Sichtung von «Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles» Chantal Akermans Ausflug in die Gebiete der romantischen Komödie begutachtet. «Un divan à New York» ist eine von Juliette Binoche und William Hurt sehr gut gespielte Geschichte über Zufälle, Schrulligkeit und die Liebe.
Das bricht mit diversen Genrekonventionen und liefert einige witzig komponierte Momente in Paris und New York ab, wirkt aber nie revolutionär.
