So ganz will sich mir der kleine Hype um Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett bisher nicht erschließen, doch "Abigail" ist ihr bisher wahrscheinlich bester Film. Die Trailer hab ich nicht gesehen, aber schon die Tagline auf dem Poster/Cover ("Kinder können solche Monster sein") und der allgemeine Internet-Flurfunk vermitteln grobes Vorwissen zur Titelfigur, was man aber vielleicht weniger den Filmschaffenden als dem Marketing Department von Universal anlasten muss. So zäh wie freeman fand ich die Exposition jetzt nicht, denn immerhin die Vorstellung der Figuren funktioniert ziemlich gut und macht mehr als nur Pappkameraden aus dem Sextett. Dass man dabei auf einige markante Gesichter und Namen aus Hollywoods zweiter Reihe zurückgriff, tut "Abigail" ebenfalls gut. Manches ist etwas stereotyp: So kann man sich schon denken, welcher Nichtsnutz wohl als erstes den Löffel abgeben wird und wen sich der Film fürs Finale aufspart, dazwischen gibt es aber die eine oder andere Überraschung bei der Opfer-Reihenfolge.
Ansonsten darf das Radio-Silence-Gespann seinem Faible für düster-erhabene Landhäuser (atmosphärisch) und zerplatzende Körper (*gähn*, abgenutzt) frönen. Trotz der überschaubaren Opferzahl ist das Ganze ordentlich blutig, mit einigen derben Verwundungs- und Gore-Szenen, zumal das Einbeziehen der Ballerina-Elemente für kreative, ungewohnte Momente in den Monster-Angriffsszenen sorgt. Sidenote: Mit Blick auf "MEGAN" und "Ballerina" scheint Hollywood in einigen Filmen die Parallele zwischen tänzerischen und kämpferischen Skills sehr offensiv auszuspielen. Und während der erste Clou durch das Drumherum um den Film schon früh telegraphiert wird, so gibt es im letzten Drittel dann doch noch ein paar Plottwists, die einigermaßen überraschend daherkommen.
Melissa Barrera mag keine allzu dolle Schauspielerin sein, überzeugt hier aber wenigstens mehr als in den "Scream"-Sequels. Dan Stevens dreht ordentlich auf, Kevin Durand ist eine sichere Bank, auch wenn er sich vielleicht etwas zu sehr auf die Rolle des simpel-sympathischen Muskelbergs verlegt hat und Kathryn Newton als junge Hackerin macht ebenfalls Laune. Giancarlo Esposito ist kaum im Film, dafür Edel-Support. Das Tempo des Ganzen ist recht zackig, es gibt einige Schauwerte, Spiele mit Genreregeln und (visuelle) Anspielungen auf "Phenomena" und "Near Dark". Bei der Räuberbenennung nach dem Rat Pack mag man auch ein wenig die Farb-Benennungen aus "Reservoir Dogs" läuten hören, aber Tarantino hat kein Patent auf Codenamen. Vielleicht nicht mega-innovativ und phasenweise vorhersehbar, aber ein flotter, kleiner Horrorfilm mit Action-Elementen und ansprechender Inszenierung.
Knappe
StS hat geschrieben: ↑08.05.2024, 19:55
obendrein gibt´s noch nen netten Cameo-Auftritt zu verzeichnen
Meinst du den in den letzten fünf Minuten? Ich musste erstmal nachschauen, ob die Person mir was sagen sollte, aber selbst nach dem Blick in ihre Filmographie empfand ich den nicht gerade als Clou. Aber vielleicht habe ich auch nur die falschen Sachen aus der Filmographie gesehen.
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