Contra
Herbst mimt den zynischen und arroganten Professor, der mit seiner unpolitischen Korrektheit kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Studentin mit Migrationshintergrund findet das weniger amüsant, weswegen der Gute auch vor den Disziplinarausschuss muss. Bald bilden sie ein Team wider Willen und die Klischees fluten den Zuschauer. Der Film wirkt dabei wie ein Versuch, mit Vorurteilen aufzuräumen und zielt nach meinem Dafürhalten auf den AfD-Populismus ab. Das gelingt allerdings kaum. Wer nimmt auch einer hier geborenen Muttersprachlerin, die im Film an der Goethe-Universität in FFM Jura studiert, die unterprivilegierte Migrantin ab, der trotz alledem jederzeit die Abschiebung droht? Ihr Bruder findet auch alles ungerecht und deswegen wird er Messerstecher. Den Vogel schießt der Film mit dem Vergleich ab, dass der Islam schließlich keine Millionen Menschen wie die Nazis getötet hat.

Der Islam gehört übrigens nach meinem Dafürhalten nicht nach Deutschland, nicht weil das Christentum besser ist, sondern weil Europa säkularisiert ist und wir überhaupt keine Religion gebrauchen können. Ohne die Kirche flögen wir längst zum Urlaub auf den Mars. Darum gehts. Übrigens auch witzig, wie man sich über Diskriminierung und Rassismus echauffiert, aber die Bezeichnungen Kartoffelland oder Kartoffeldeutsche sind natürlich legitim, weil sich unterdrückte Minderheiten nicht anders zur Wehr setzen können.
Zum Thema Kartoffel fällt mir übrigens ein: Die facettenreich verwertbare Gaumenfreude könnte für ein Volk der Dichter und Denker kaum symbolträchtiger sein. Warum sollte Kartoffel als Schimpfwort also die Deutschen beleidigen, wenn der Rest der Welt entweder Reis oder Nudeln isst? Wie dem auch sei, der Streifen ist im Grund ein netter Wohlfühlfilm, der emotional berührt, aber in seinem politischen Subtext eine peinliche Nummer.
