Predator Badlands
Das Predator Badlands nicht alle glücklich machen wird, ist schon klar, wenn man sich den Trailer zum Film ansieht. Schon dort erkennt man, dass grimmige Horror Action nicht mehr so sehr im Vordergrund steht wie in vergangenen Tagen.
Horror gibt es primär im Charakterdesign und Action hingegen gibt es zuhauf, aber nicht mehr so bodenständig wie in den ersten Teilen. Der Terror, den man früher verspürte, ist heute praktisch nicht mehr vorhanden. Predator Badlands ist moderne SciFi-/Fantasy-Action mit einem familienfreundlichen Splatter-Anstrich.
Wenn man sich einen knallharten Predator ohne Kompromisse wie in alten Zeiten wünscht, dann kann es also durchaus sein, dass man beim Sichten des Films nur flüchten möchte. Jegliche Kritik in den Wandel der Darstellung ist definitiv berechtigt. Darüber kann man wunderbar diskutieren, wie hier im Forum auch zu sehen:
viewtopic.php?f=36&t=23058.
Die Vorahnung, dass Predator Badlands familientauglich ist, habe ich dafür genutzt, um zusammen mit meinem Sohn einen Predator schauen zu können. Und ich muss sagen, dass der Film weitaus besser funktioniert als ich erhofft hätte.
Die Geschichte um Dek ist zum einen schon mal absolut interessant. Dem neuen Predator-Film tut es nämlich gut, dass man sich inhaltlich vom einsamen Jäger, der von einem Trupp Menschen einen nach dem anderen wegdezimiert, entfernt hat. Diese Story war spätestens mit dem zweiten Teil schon zu Ende erzählt. Das spannende am Predator war für mich schon immer, dass die Yautja mehr als nur stumpfe Jäger sind. In Predator Badlands wird endlich mal etwas mehr daraus gemacht und der Predator auch zu Recht mal in den Mittelpunkt gerückt. Ja, dafür musste man mit ein paar Konventionen ein wenig brechen, die in der Vergangenheit hinsichtlich des Predators aufgestellt wurden, aber das Ganze ist nicht zwingend so unschlüssig wie es teilweise wahrgenommen wird und Dek ist zudem wahrlich kein netter Kerl. Er schlachtet einfach nur die „Richtigen“ ab und tatsächlich sogar auch die Falschen, nur dass er an einer Stelle im Film einfach nur Glück dahingehend hat. Die „Richtigen“ sind in Predator Badlands übrigens ihm feindliche gesinnte Yautja, mehr oder weniger lebensfeindliche Flora und Fauna des Planeten, auf welchem er strandete, sowie eine Bataillon Androiden.
Gewalt ist also durchaus in einem spürbaren Maße vorhanden. Sie wird nur dadurch spürbar entschärft, dass sie sich ausschließlich gegen fiktionale Lebensformen richtet. Hätte man statt den Androiden ein paar menschliche Soldaten im Film platziert, wäre zumindest der Teil ein ordentliches Splatterfest geworden. Unerwähnt lassen möchte ich aber nicht, dass sich Trachtenberg dieses Umstandes mehr als bewusst ist und das nutzt, um die Gewalt aus den alten Filmen in einigen Szenen fast schon zu persiflieren.
Neben der Härte ist die Interaktion von Dek ein Punkt, der manchen sauer aufstößt. Es ist aber eben nicht so, dass Dek als lustig herum quatschender Typ daherkommt. Die Gruppe um Dek formt sich doch eher widerwillig um ihn herum. Inhaltlich ist auch das nicht dumm gelöst. Dek ist körperlich kein Vorzeige-Predator und befindet sich in einer Situation, in der andere Yautja schon vor ihm kläglich gescheitert sind. Selbst sein rabiater Vater fürchtet den Kalisk. So ist er dazu gezwungen andere Wege zu gehen und die Kooperation der Gruppe sowie sein Hirn zu nutzen. Das geschieht aber nicht durch prophetische Weissagungen von Dek. Dek ist definitiv kein Philosoph, vielmehr muss er durch Scheitern lernen. Notwendige soziale Interaktion wird ihm mit Hilfe des Vergleichs mit einem Wolfsrudel gelehrt, was zu ihm als Charakter passt.
Man muss das alles nicht mögen, wenn man sich darauf einlassen kann, dann ist die Figurenzeichnung von Dek durchaus sehr stimmig. Bleibt der Kritikpunkt bestehen, dass Dek vermenschlicht dargestellt wird. Das stimmt, so ganz unähnlich dem Menschen, empfand ich den Predator aber auch in der Vergangenheit nicht.
Bleiben die Begleiter Thia und das knuffige Wesen, welche als Störfaktoren wahrgenommen werden können. Ganz klar, das ist ein ziemlicher Bruch mit den bisherigen Filmen. Die Einführung der beiden Charaktere ist aber nicht unüberlegt. Thia muss hinsichtlich der Dialoge den Film über weite Strecken tragen, da Dek nicht nur etwas wortkarger daherkommt, sondern eben auch nur in irgendwelchen Grunzlauten spricht. Das der zweite Begleiter ein ziemlich knuffiges Wesen ist, wird inhaltlich clever genutzt, was mir gefallen hat. Dennoch muss man aber zugestehen, dass die beiden Begleiter Predator Badlands zu Großen Teilen dazu verhelfen, familienfreundlich zu sein. Meine Frau meinte nicht ohne Grund, dass sich Predator Badlands teilweise wie ein Feel-Good-Film anfühlt. Das ist primär in diesen beiden Charakteren sowie der Interaktion der Gruppe untereinander begründet. Das wird ganz klar nicht jedermanns Sache sein, es wird aber sinnvoll genutzt.
Optisch ist Predator Badlands ansprechend. Klar es gibt viel CGI zu sehen, es wirkt aber nicht so anorganisch wie in Monster Hunter, wo alles einfach nur nach Videospiel aussah. Der Soundtrack hat mich in dem Maße angesprochen, dass ich ihn mir gleich mal gekauft habe. Passt also.
Predator Badlands war für mich eine positive Überraschung. Das, was dem Film an Horror und Terror fehlt, macht er in der Story wieder wett. Auch wenn Predator Badlands familientauglich ist, hat er durchaus eine sichtbare Härte und die eine oder andere fiese Szene gibt es auch zu sehen. Familientauglich heißt, dass man sich den Film mit einem Teenager ansehen kann, und das ist jetzt so tragisch auch wieder nicht. Kritik an dem Film kann ich nachvollziehen, muss aber konstatieren, dass er für sich betrachtet absolut funktioniert. Man darf auch nicht vergessen, dass zwischen Predator und Predator Badlands 38 Jahre liegen.
Über eine Fortsetzung würde ich mich auf jeden Fall freuen.

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