Als analoges Relikt in einer hochgradig digitalisierten Welt lässt sich Jackie Chan schon eine Weile inszenieren. Meistens wirkt er dabei vom Restgeschehen abgekoppelt, wie ein Erfüllungsgehilfe für Technik-Propaganda, den man einzig aufgrund seines Wiedererkennungswerts einsetzt, welchen die unbeschriebenen jungen Gesichter um ihn herum nicht bieten können. Inhaltlich gerät das Ergebnis oft platt und hat mehr mit einer hoffnungslos überstylten TV-Werbung als mit einem Spielfilm zu tun. „Shadow Chase“ ist wahrscheinlich der erste Film, dem es gelingt, dieses neue Alter Ego Chans, das sich rückblickend womöglich 2013 mit „Police Story – Back for Law“ gebildet hatte, durchweg sinnhaft einzusetzen.
Der Plot ist auch diesmal wieder gespickt mit Werkzeugen der digitalisierten Welt; Krypowährung, Hacking und KI-Analysetools ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und machen die Ermittlerarbeit zu einer hochgezüchteten Schnitzeljagd, bei der sich der Ermittelnde nicht mehr ausschließlich auf seine eigenen Sinne verlassen kann. Auch was den Hochglanzlook angeht, kann man kaum einen Unterschied zu herkömmlichen modernen chinesischen Produktionen feststellen.
Doch gerade in den blinden Flecken dieses digitalen Aufrüstungskampfes findet Chans Figur seine Nische. Das Drehbuch macht ihm diesen Platz nicht einfach nur frei, sondern es baut seine komplette Dramaturgie darauf auf.
Dass „Shadow Chase“ letztlich auf jeder Ebene funktioniert, ob als moderner Thriller, als Actionfilm oder als Mindgame, liegt daran, dass er die rasende Entwicklung der Technologie des 21. Jahrhunderts nicht einfach akzeptiert und instrumentalisiert, sondern auf intelligente Weise hinterfragt. Profan gesagt, macht es schlichtweg Spaß, diesem einen Mann dabei zuzusehen, wie er die Taktik seines Gegners entschlüsselt und dabei zu völlig anderen Schlussfolgerungen kommt als alle anderen im Raum. Es wird endlich ein glaubwürdiger Vorteil eines alten Mannes in einer viel zu schnell gewordenen Welt herausgearbeitet, der sich wohltuend abhebt vom populär gewordenen Bild der Ikone, die sich selbst im gehobenen Alter noch als Actionheld behaupten muss.
Ironisch genug, dass auf einmal, da es nicht einmal unbedingt notwendig wäre, selbst das Körperliche wieder funktioniert. Einige Stunteinlagen erinnern tatsächlich an selige Golden-Age-Zeiten aus der Phase „First Strike“; im kleineren Rahmen natürlich, aber im Geiste doch nah. Der Spannungsbogen, der sich auf ein Duell zweier Legenden zuspitzt, trägt sein Übriges zur Wirkung bei. Mit Tony Leung Kar-fai haben sich Chans Wege eher selten gekreuzt; auch das macht die Konstellation eher spannender.
Basierend auf der indirekten Vorlage „Eye in the Sky“ machen sich unter dem Glanz schließlich doch die Hongkong-Bestandteile bemerkbar: Der Schauplatz Macau, die Härte der Action und nicht zuletzt die gebrochene Hauptfigur machen „Shadow Chase“ zu Jackie Chans bestem Film seit vielen Jahren.
Gute
