War Machine
Einerseits heule ich zwar wertungstechnisch ein wenig mit den Wölfen, andrerseits kann ich kami etwas verstehen: Während sonst bei Genrefilmen im Allgemeinen und bei Netflix-Genrefilmen im Besonderen gerne immer viel rumgenörgelt wird, verwundert das überwiegend positive Echo auf "War Machine" schon etwas. Denn die Schwächen liegen klar auf der Hand: Das offensichtliche Schielen auf eine Fortsetzung. Und vor allem die extrem flachen Figuren. Schon der Anfang ist so inszeniert, von den Gesprächen mit dem Bruder, der Verabschiedung und sogar der Inszenierung, dass klar ist, dass der Bro gleich Toast ist. Das muss dann als sehr dünne Setzbaukastenmotivation für Alan Ritchson dienen, dessen "Cross the finish line"-Mantra irgendwann auch etwas nervt. Immerhin, der Rest kriegt noch wenig. Jai Courtney wird in der Anfangsszene weggemoscht (was ich angesichts dessen schwankender Schauspielqualität jetzt nicht schlechtheißen mag), Quaid und Morales als Militärfressen sind für etwas Wiedererkennungsfaktor ab und bei den austauschbaren Nebenfiguren passt es fast schon, dass die Kadetten alle nur Namen und keine Nummern erhalten. Etwas klischeehaftes Profil erhalten 7 (der umsichtige Schwarze), 15 (der vorlaute Sprücheklopfer, der natürlich irgendwann seinen Wert beweist) und 44 (die Quotenfrau in der Männertruppe). So verwundert es nicht, dass man oft nochmal die Nummer sieht oder gesagt bekommt, wenn es gerade mal wieder jemanden vom Kanonenfutter erwischt, zumal die Tode keine große Fallhöhe haben.
Man schaue sich nur an, wie lieblos 15 und 44 auf der Schlussgeraden entsorgt werden.
Das konnte das offensichtliche Vorbild "Predator" besser, wo die Truppe zwar kleiner war, aber jeder von Arnies Kollegen Persönlichkeit besaß. Hughes und seinem Co-Autor schien Arnie in mehrerlei Hinsicht als Vorbild: Nicht nur beweist der charismatische Richtson in der Hauptrolle eine ähnliche Statur, auch bei der Maschinenbedrohung spürt man immer wieder "Terminator"-Vibes, als wäre das Ganze eine Art Hunter Killer. Ein wenig "RoboCop"-ED-209-Feeling ist auch noch dabei, das Finale gemahnt (wie von Vince beschrieben) an "Aliens", aber immerhin setzt Hughes das Ganze angenehm zackig und wertig um - "War Machine" sieht ironischerweise besser aus als jeder seiner im Kino gelaufenen ("Expendables 3", "Killer's Bodyguard" plus Sequel) oder fürs Kino geplanten ("The Man from Toronto) US-Filme. Das einfache Konzept passt, die Exposition baut immerhin die Hauptfigur und das Setting gut auf und danach hat man den Spießrutenlauf, in dessen Verlauf die Truppe in Spannungs- und Actionpassagen dezimiert wird. Das ist handwerklich gut gemacht und sinnig aufgebaut, wenn Hindernisse wie ein reißender Fluss die Flucht vor dem schick designten Killerrobo immer wieder erschweren. Szenen wie der Sturz am Abhang sind Highlights, gerade weil sie eine Körperlichkeit haben (gerade wenn der Soldat auf den vorstehenden Ast knallt). Auch sonst funktioniert das Zusammenspiel zwischen echten Locations, meist handgemachten Stunts und CGI-Tricks ziemlich gut, bis auf die computerlastige Verfolgungsfahrt gegen Ende. Aber es ist sauber umgesetzte, inspirationsarme Mid-Budget-Genreware, die es im Kino nur noch selten gibt, wenn auch mit Defiziten, gerade bei den Figuren.
,5 bis knappe

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]