Sacrifice - Der Sweetwater Killer

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Sacrifice - Der Sweetwater Killer

Beitrag von freeman » 10.10.2006, 13:38

Sacrifice - Der Sweetwater Killer

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Originaltitel: Sacrifice
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2000
Regie: Mark L. Lester
Darsteller: Michael Madsen, Bokeem Woodbine, Jamie Luner, Diane Farr, Deborah Shelton, Michelle Lintel, Tony Abatemarco, Joshua Leonard, Jordan Williams, Wallace Merck, Marco St. John u.a.

Tyler Pierce oder auch "Der Iceman" ist ein Berufsverbrecher, der sich auf Bankraub spezialisiert hat. Sein letzter Coup geht ein wenig in die Binsen und Tyler wird von einem Passanten, der seine Flucht beobachtete, eindeutig identifiziert. Freilich wandert Tyler hinter schwedische Gardinen. In der Verwahrungshaft des örtlichen Polizeireviers erreicht ihn ein Anruf des neuen Ehemannes seiner Exfrau und er hat nichts Gutes zu berichten. Tylers Tochter Lisa, die als Ranger in einem Nationalpark arbeitete, wurde von dem sogenannten Sweetwater Killer auf bestialische Weise ermordet. Bei der Überführung in ein reguläres Gefängnis ergreift Tyler die Flucht und bricht auf in das beschauliche Örtchen Sweetwater, um einerseits an der Beerdigung seiner Tochter teilzunehmen und andererseits dem Sweetwater Killer einen Scheitel zu ziehen und ihm sein blutiges Handwerk zu legen ...

Eine nett bemoppte Blondine steigt aus einem See, flirtet mit einem Typ - der ihr beim oben ohne Plantschen zugeschaut hat - und bekommt einen blutigen Kehlschnitt verpasst. Kurz darauf setzt es dicke Einschusslöcher bei einem verpatzten Banküberfall und wenn Tyler Pierce die Flucht ergreift, reicht eine Büroklammer zum Öffnen der Handschellen und die Cops, die bei dem Gefangenen hocken, haben freilich die dicke Artillerie immer am Mann, so dass Tyler das halbe Auto zerlegen kann. So macht schon der Einstieg in Sacrifice unmissverständlich klar: Dieser Film wird hundertprozentig keine intelligente Serienkillerhatz. Stattdessen bietet Mark L. Lester Exploitainment der rüderen Art. Folglich setzt es im Anschluss an die Flucht auch keine feinziselierte Ermittlungsarbeit von Tyler, sondern Verfolgungsjagden mit Cops, die von Warnschüssen nicht viel zu halten scheinen, und auch der Killer erhöht massiv die Schlagzahl. Dabei legt er auch noch eine Schippe zu und schneidet den Frauen nicht mehr nur die Kehle durch sondern amputiert ihnen zudem die Brüste. Nachdem die Marschrichtung nun also vorgegeben ist, gibt man Tyler dann endlich mal die Gelegenheit, nach Spuren bezüglich des Mordes an seiner Tochter zu suchen. Dabei tut er sich mit dem ortskundigen Callgirl Naomi zusammen, bei der er auch gleich einzieht. Gespielt wird Naomi von der recht aparten und bei weitem nicht talentfreien Jamie Luner, die hier obendrein 2 der 3 interessanten B's (Bum 'n' Bosom) präsentiert, was sonst eher selten bis nie passiert. Ihr ist es sicher zu verdanken, dass Michael Madsen bei diesem Streifen mit sichtlich mehr Engagement zur Sache geht, sieht man ihm doch in den gemeinsamen Szenen mit sexy Naomi (deren "Röcke" wohl normalerweise kaum als Gürtel durchgehen würden) an, dass er mit Spaß an der Freude bei der Sache ist. Auch sonst verfällt er nicht ins Koma. Hier wird ein Verdächtiger aus den Latschen gehauen, da ein Zeuge hart angepackt. Auf der vor allem nach unten weit offenen "Spaß an einem Projekt haben Michael Madsen Richterskala" rangiert dieser Streifen ganz offensichtlich weiter oben. Der Rest des Castes agiert zumindest erträglich. Allein bei Bokeem Woodbine als Agent, der Pierce verfolgt, merkt man, dass Mark L. Lester nicht wirklich einen Ansatz gefunden hat, um Bokeem glaubwürdig in die Handlung zu integrieren. So kommt er einem vor wie eine nicht auskurierte Erkältung. Immer wenn man glaubt, man habe sie überstanden, kommt sie wieder und man weiß nicht einmal warum. Die Regie von Mark L. Lester ist mehr als ordentlich. Er versucht konstant ein gewisses Tempo aufrecht zu erhalten. Sobald der Film auch nur annähernd langsamer zu werden scheint, setzt es eine kurze Autorempelei oder eben einen weiteren Mord des Killers. Hinsichtlich selbigen stellt sich bald heraus, dass er nur Frauen killt, die zuvor eine Abtreibung hatten und ganz nach der Devise: Bisher war es noch nicht geschmacklos genug, kommt so immer mehr und mehr Gekröse ans Tageslicht, was dem Film schon eine arg geschmacklose Grundtendenz gibt. So hält der Killer zwischendurch auch noch seltsame Rituale ab, in denen er die abgeschnittenen Brüste triumphierend gen Himmel reckt und sie danach in Tupperware verstaut (LOL dafür). Kurzum: Alles was recht und billig ist, um den Killer komplett zu überzeichnen, wird hier aufgefahren. Dabei ist die Identität des Killers nicht wirklich vorherzuahnen. Einzig sein Geschlecht springt den Zuschauer förmlich an (man achte nur mal darauf, wie "er" rennt oder ein Messer hält), was den Verdächtigenkreis im Grunde sehr einschränkt. Dennoch hat man keine Chance, auf den Killer zu kommen, einfach weil das Drehbuch gegen Ende einen Charakter als Mörder aus dem Nähkästchen zaubert, der vorher noch nie im Film aufgetaucht ist! Das ist dann bei weitem nicht das wesentlichste Problem des Filmes. So mutet das Verhalten der Cops zum Beispiel zu keinem Zeitpunkt plausibel an. Sie wissen im Grunde wo Tyler ist, haben ihn da auch schon gejagt und wissen um Tylers Tochter. Dennoch suchen sie ihn nicht in Sweetwater sondern führen ihre Recherchen irgendwo am Arsch der Welt durch und freuen sich über ein mitgeschnittenes Telefonat oder Rechnungen, die Tyler beglichen hat. Aber naja, nicht alle Cops brauchen Hirn für ihren Job, ne Knarre reicht ja auch. Witzig ist auch der Vorwand, unter dem Naomi vom Killer geködert wird. Keine Ahnung, wer darauf gekommen ist, dass eine Abtreibungsklinik Akten von Menschen sammeln könnte, die vor dem Gebäude demonstrieren. Alleine, dass ich es hier wieder schreibe, bringt mich zum Schmunzeln ...

Das Ergebnis ist somit ein straight durchgezogener, derb geschmackloser Serienkillerstreifen, der mit den Mark L. Lester typischen Gewaltausbrüchen angereichert wurde, ein nettes Hauptdarstellergespann aufweisen kann und insgesamt recht unterhaltsam daherkommt. In Bezug auf seine hanebüchene Story sollte man den Film allerdings nicht weiter hinterfragen, denn dann wird's ganz schnell ganz zappenduster.
:liquid5:

Eine deutsche FSK 18 Fassung kommt von BMG/UFA auf VHS und ist uncut. Für den Silberling zum Film sollte man über den großen Teich schauen. Hier kommt die DVD von Studio S.

In diesem Sinne:
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Beitrag von StS » 10.10.2006, 14:01

Fein, fein! Joa, stimme Dir weitestgehend zu, obwohl es bei mir nur 4/10 werden würden - mit einem "Negativ-Bonus" für Bokeem Woodbine allerdings bloß 1/10. Kann den Kerl nicht ausstehen... :wink:

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Beitrag von freeman » 10.10.2006, 14:16

Wär i dor Lästor gewesn' i hätt den Kerl eh kompledd nausgeschmisse ... ;-)

Aber derb, was hatten der dir getan, ausser dasser ziemlich kaputt aussieht und kaum nen guten Film gedreht hat? ;-)

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Beitrag von StS » 10.10.2006, 14:24

Er hat mir natürlich nichts getan, aber irgendwie nervt er mich immerzu - weiß auch nicht.

Gute Filme mit ihm bzw trotz seiner Beteiligung: :wink:

# Edmond (2005)
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