
Originaltitel: Barbie and the 12 Dancing Princesses
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: Owen Hurley oder Greg Richardson, da sind sich ofdb und imdb nicht einig
Darsteller: Barbie und ihre 12 Prinzessinnen
Wenn ihr brav meine Simpsons-Reviews gelesen habt, seid ihr wohl früher oder später auf die Folge “Lisa kontra Malibu Stacy” gestoßen. Die zugehörige Kritik befasste sich zu Beginn mit der Geschichte von Barbie - ein Einstieg, den ich erfreulicherweise nun zweitverwerten darf. Was gleichermaßen dann eine Parabel auf eines der Lieblingswerkzeuge von Trashfilmern ist: Stock Footage. Gewissermaßen mutiert dann diese Kritik ebenfalls zum Trash und ist keinesfalls für eine seriöse Auseinandersetzung mit “Barbie - Die 12 tanzenden Prinzessinnen” zu gebrauchen. Aber mal ganz ehrlich: Habt ihr das erwartet?
Hier nun mein Stock Footage.
.Barbie, 1959 von der amerikanischen Spielzeugfirma Mattel auf den Markt gebracht, ist eigentlich ein deutsches Mädchen. Der Karikaturist Reinhard Beuthin erschuf 1952 für die Bild-Zeitung die Comicfigur Lilli, die mit ihren Kurven vor allem die männliche Leserschaft ansprach, verkörperte sie doch das Idealbild der perfekten Frau.
Nach der Übernahme durch Mattel und der Umbenennung auf den amerikanischen Namen “Barbie” sollte sich an den Adressaten rein gar nichts ändern: Heute mit den umgerechneten Maßen 99-46-84 gesegnet, ist sie nach wie vor der begehrenswerte Idealtypus einer Frau, der Männern den Kopf verdrehen und Frauen ein Vorbild sein soll. Über 500 “chirurgische Veränderungen” am Design der Puppe seit ihrer Einführung auf den Markt zeigen, wie die “Barbie” jeweils dem Schönheitsideal der Zeit angepasst wurde
Soweit, so gut. Nun zu den Voraussetzungen, unter denen diese Kritik zu genießen ist.
Nummer 1. Ich habe meinen Weg schon in jungen Jahren gewählt und mich für die “Masters of the Universe”-Actionfiguren und gegen die “Barbie”-Puppen entschieden. Deswegen sitze ich jetzt hier als Chauvi in einem Actionforum und schreibe ein Review zu einem Puppenfilm in der Kategorie “Trash” - Ein Film, der ja überhaupt nicht für unsereins gemacht ist, sondern für kleine Mädchen, die davon träumen, Prinzessin zu sein, und kleine Jungs, die gerade Gefühle in sich entdecken, die sie verwirren. Oder Computeranimationsfanatiker, also Zielgruppe Arschlochkind, das seine Eltern genervt hat, bis es im Bett einen Stoff-Sully und im Glas einen Clownfisch hatte.
Nummer 2. Diese allem Anschein nach achte oder neunte Barbie-Verfilmung hat sich einen Märchenansatz bei Hofe ausgesucht, und ich hasse diese Art von historischem Prunk wie die Pest. Wirklich. Wenn ich schon die Szenenbilder von Kirsten Dunst in “Marie-Antoinette” sehe, der bald anläuft, wird mir schlecht... dann laufe ICH an, und zwar grün. Beschwerden daher bitte nicht an mich, wenn ich nicht ganz nett bin. Schickt sie an Samir, der mag Bollywood.
Also dann. Das Offensichtlichste vorweg: die Optik. Wahrlich hat sich das TV-Niveau in Sachen Computeranimation schön weiterentwickelt. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich hier einen TV-Film bespreche; alles andere wäre schon ein Witz, denn die Animationen sind glatt, grob, detaillos, klötzchenhaft und simpel. Logisch. Ich frage mich, ob die Zielpublikumsfraktion das überhaupt merkt und tatsächlich dasitzt, um Barbie und ihre Schwestern mit dem Detailreichtum von Disney und Pixar zu vergleichen - vermutlich nicht. Allenfalls diese besserwisserische Gruppe von Arschlochkindern, die später mal Werbemanager bei Müller werden (ihr wisst schon: FRUCHTALAAAARM!!!). Denen traue ich es zu, dass sie dasitzen, um den Verve der Bilder zu analysieren und zu bewerten.
Insgesamt sind die Animationen fürs Fernsehen aber echt ordentlich - ich betone gerne nochmals: Für erwachsene Menschen unglaublich unbefriedigend. Tatsache ist aber, die glattpolierten, makellosen Flächen kommen dem Konzept “Barbie” entgegen. Es ist ja schon eine selten dämliche Eingebung, rund um eine Puppe überhaupt Filmkonstrukte zu erschaffen, aber wenn schon, dann ist die unvollkommen vollkommene Computeranimation dafür wohl das richtige Medium. Glatt wie ein frisch rasierter Babyarsch, platt wie eine Flunder, hohl wie ein Dumdumgeschoss.
Das hat gravierende Konsequenzen auf die Handlung, denn Dimensionen wie Ironie oder Zweispurigkeit, wie wir Hedonisten von Pixar gewöhnt sind, sind der Chose selbstverständlich fremd. Inhaltlich besteht die Sache aus Gequatsche und Getanze. Samir hätte seinen Spaß. Da ist immerhin ne geile Ische - schließlich ist Barbie das absolute Frauenideal - die ausgelassen zu exotischen Klängen tanzt. Bollywood as Bollywood can be. Zumal die 12 tanzenden Prinzessinnen, alles kleine Rotzgören, eifrig um Barbie herumtanzen und die ganze Zeit konstative Aussagen tätigen: “Guck mal, ein goldener Baum!” Juchhee, das verführt sogleich zum nächsten Tanz. Ich hatte das Gefühl, Barbie und die 12 Prinzessinnen wollen irgendwo hin, also als hätte das Ding sowas wie ein Ziel, das kann aber auch Einbildung gewesen sein - hervorgerufen durch delusionäre Wahnanfälle, die ich mitunter während der Tänze erlitt. Es könnte auch eine Plastikversion aus “Aschenputtel” (Barbie trägt ein gräuliches Gewand und ist die ganze Zeit umgeben von Prunk und hochnäsigem Adel) und “Alice im Wunderland” gewesen sein.
Der Knaller ist ja, dass Barbie hier als Schauspielerin geführt wird. Denn die Hauptfigur im Film heißt nicht Barbie, sondern Genevieve, welche laut Super RTL-Text von Barbie verkörpert wird. Lol. Auf den Tag warte ich noch, an dem das ganze Schauspielerkroppzeug von CGI-Figuren verdrängt wird und der Arbeitsmarkt von digitalen Figuren heimgesucht wird.
Tiere können in diesem Märchen natürlich sprechen und ein Affe à la “Fluch der Karibik” liefert sich heiße Gefechte mit einer Katze à la “Shrek 2". Später mischt dann noch ein Papagei mit. Ein echter Gag wäre ja mal gewesen, wenn ausgerechnet der nicht hätte sprechen können, aber von Gags werden wir freilich verschont.
Regisseur Owen Hurley (obwohl die imdb Greg Richardson als Regisseur führt) hat jedenfalls Spaß daran, mit opulenten Kamerarundfahrten zu protzen, um so die befreiende Wirkung der Tänze einzufangen. So hat mich “Barbie - Die 12 tanzenden Prinzessinnen” teilweise wirklich an Dr. Uwe Bolls “House of the Dead” erinnert. Kein Scherz. Der einzige Unterschied ist der, dass die Chicks in dem einen Film ballern, in dem anderen tanzen, während sich die Kamera um sie herumbewegt.
Fazit: Ich hab 40 Minuten vor Schluss ausgeschaltet.
Note nicht möglich. Dieses Werk bewegt sich so fern der gängigen Kriterien...
DVD gibts schon von Universal, bisher hat sich aber noch keiner getraut, sie in der ofdb einzutragen.





