Flug 93
Man erinnere sich an meine kritischen Worte darüber, so früh einen Film über den 11. September zu drehen, aber Herr Greengrass hat mich vom Gegenteil überzeugen können.
Zwar wird alles in allem etwas billig mit Emotionen des Zuschauers gespielt, die sich im Affekt ergeben, auch die Situation, dass man um das Ende des Filmes Bescheid weiß, wird ziemlich frech ausgenutzt, das aber alles unglaublich effektiv. Nach einem trockenen Anfang und dem anfänglichen strukturellen Problem, dass man über keinerlei Identifikationsfigur verfügt und irgendwie alles wirr hin und her geht, wandelt sich genau das nach rund einer halben Stunde zur Stärke des Filmes.
Das Ende ist - trotz des bekannten Ausgangs - einfach nur schockierend und die letzten Frames haben sich wahrscheinlich dauerhaft eingebrannt. Das wird man nicht mehr so schnell los.
Da wird Oliver Stone mit seiner Jesuserscheinung und seinem Hollywoodstar in der Hauptrolle (in "Flug 93" hat ja sogar schon das halbwegs bekannte Gesicht von David Rasche gestört) ja nur verlieren können.
City by the Sea
Ein leider allzu gewöhnlicher Plot zwischen Kleingangsterfilm, Cop- und Familiendrama, der mit Klischees nicht gerade spart - ich frage mich manchmal, was einen Robert De Niro dazu bewegt, bei einem solchen 08/15-Skript zu unterschreiben.
Aber: Schauspielerisch bringt gerade De Niro die wohl beste Leistung, was sein bisheriges Spätwerk anbelangt. Erstaunlich hochwertig verkörpert er den verbitterten Polizisten, der sich zwischen seinem Beruf und seinem Sohn entscheiden muss, und nimmt der schwach geschriebenen Rolle damit einen Teil ihrer Klischeehaftigkeit. Auch sonst muss sich das Drama darstellerisch nicht verstecken: Eine gewohnt solide Frances McDormand, ein nicht schlechter James Franco (der halt wie De Niro auch in seiner uninspirierten Rolle festsitzt) und ein schmieriger William Forsythe sowie eine leicht an Christina Ricci erinnernde Eliza Dushku. Vor der schön herb gefilmten Küstenstadt erfüllt Caton-Jones' Streifen zumindest darstellerisch die Unterhaltungsansprüche.
Hollywood Cops
Schwach. Als hätte man "Schnappt Shorty" und "Be Cool" fragmentarisch zu einem Klumpen vermischt und mit extrem zäher Buddy Movie-Comedy abgeschmeckt. Es zündet unglaublicherweise ein einzelner Witz in den ganzen fast 2 Stunden, und der geht auf Kosten von zwei Gören, denen Hartnett brühwarm erzählt, dass sie alle sterben müssen (ich liebe es, wenn so Rotzlöffel eins auf den Latz kriegen

). Der Plot ist eine wahre Katastrophe - Immobilienverkauf, Theaterambitionen, zwischendrin Bandenkriege unter Rappern, ja was denn nun? Zwischen Ford und Hartnett zündet kein einziger Funken, die Beiden interagieren weniger miteinander als vielmehr mit ihren ganz persönlichen Problemen - eben rund um Immobilien und Schauspielambitionen. Das ist schon unter allem Niveau und erst recht unter allen Erwartungen, die man an eine Komödie stellen kann.

oder

, bin mir da noch nicht so sicher.
Election

Nach dem imo etwas enttäuschenden "Breaking News" mal wieder ein etwas gelungenerer To, der zumindest eine interessante Perspektive auf die chinesischen Triaden zu zeichnen weiß und dies mit regietechnischer Souveränität und einigen absurden Gewalteinbrüchen schön ummantelt. Von tatsächlichem Realismus ist die Inszenierung weit entfernt und leider dient die visuelle Stärke dem Film auch als sein Schutzmantel zur Überlagerung der inhaltlichen Defizite und der eher schwach ausgeprägten Charaktere. Nichtsdestotrotz durchaus sehenswert.
knapp
Five Corners

Ein Film mit ganz großen Momenten, der aber gerade zu Beginn sehr merkwürdige Anwandlungen im Drehbuch zeigt - ein ziemlich großer Subplot ist im Grunde total für die Katz und führt ins Nichts. "Five Corners" wird aber mit zunehmender Zeit immer stärker und mündet in einem Magic Moment, der vom hervorragend spielenden John Turturro und seiner Filmmutter ausgetragen werden darf. In weiteren Rollen sind dann noch eine recht junge Jodie Foster und Tim Robbins zu sehen, die beide souverän bleiben, sich aber eben von Turturro die Show stehlen lassen.
