Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von Vince » 24.10.2005, 21:26

Unbreakable - Unzerbrechlich

Originaltitel: Unbreakable
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2000
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright Penn, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Eamonn Walker, Leslie Stefanson, Johnny Hiram Jamison, Michaelia Carroll, Bostin Christopher, Elizabeth Lawrence, David Duffield, Laura Regan, Chance Kelly, Michael Kelly u.a.

Geschrieben am 19.09.2004

Ich mach`s mal dem Shyamalan gleich und lüfte ein Geheimnis. Meine Pointe kommt aber schon gleich am Anfang:

Dieser Film steht "The Sixth Sense" in nichts nach!

Uuuuuuuh! Aaaaaaaaaaaaaaaaaah!

Natürlich will ich diese wagemutige These versuchen, zu begründen.
Vor wenigen Wochen fiel ich aus allen Wolken, als ich in einem Film- und DVD-Forum auf einen Beitrag über Shyamalans zweites Werk "Unbreakable" stieß. Eigentlich ging es um ein Gerücht über eine "Unbreakable"-Trilogie, aber irgendwann wurde dann auch die Qualität des Originals diskutiert.
Und siehe da, gerade mal zwei oder drei Leute waren meiner Meinung, der Film sei mindestens so gut wie das Debüt "The Sixth Sense", wenn nicht sogar noch besser. Der Rest - ich darf mal frei zitieren - "würdigte" das Werk mit Kommentaren wie "Schrott" oder "langweiligster Film der Welt".

Gut, jedem seine Meinung, aber das hat mich nun dazu bewegt, das Ganze ein wenig ins rechte Licht zu rücken (auch wenn die bisherigen Reviews ja recht großzügig mit dem Film umgehen). Es geht doch nichts über Gerechtigkeit.

Die Ungerechtigkeit in Sachen "Unbreakable" ist die Tatsache, dass die Zuschauer die Auflösung mit dem Last-Minute-Twist teilweise mit Mißgunst quittierten, weil diese Wende schon aus "The Sixth Sense" bekannt war und in Anbetracht des großen Erfolges sozusagen als Heiligtum verehrt wurde. Eine Wiederholung der Idee wirkte daher wie Majestätsbeleidigung. Da Shyamalan seine eigene Idee wiederholte, wurde ihm kein Klau, sondern Selbstzitierung vorgeworfen. Inzwischen gilt der besagte Storykniff als sein Markenzeichen; in "Signs" regte man sich weniger über die Tatsache auf, dass er wieder vorkam, sondern eher über seine Umsetzung. Und mit "The Village" ist dieses Stilmittel nun endgültig etabliert und akzeptiert.

Kommen wir aber zum Thema zurück. Im Vergleich mit seiner Geistergeschichte (nicht, dass mir jemand auf die Idee kommt, dieser Begriff sei abwertend gemeint; The Sixth Sense hat mich damals schwer beeindruckt!) ist die Geschichte um das Gleichgewicht der Welt universeller und bedeutender, dadurch allerdings auch metaphorischer, und zwar in jeder Hinsicht. Das erzählerische Mittel selbst ist schon eine Metapher. Vor Filmbeginn werden wir erst einmal mit statistischen Informationen über Comics versorgt. Wie später deutlich gemacht wird, fungieren diese Comics eben als Metapher für die Welt. Es geht um Gegensätze und Widersprüche, die sich gegenseitig bedingen und ohne die die Welt aus den Fugen geraten würde. Diese Gegensätze werden aber von der Gesellschaft "überzeichnet", um sie massentauglich zu machen. Comics als Kunst und als Massenware, die Welt als Gebirge aus Gut und Böse und als glattgebügelte Präsentationsfläche.

Überaus gut gelingt Shyamalan die Verflechtung jener Metaphern und Symbole mit den im Film vorkommenden Fakten. Natürlich besitzt Elijah Price eine Kunstgalerie mit dem Schwerpunkt Comics. So werden immer wieder Bildvergleiche zwischen Zeichnung und Realität eingestreut. David Dunn hingegen ist Security Guard in einem Footballstadion, was natürlich im späteren Verlauf noch logisch erklärt wird.

Die Geschichte selbst erfährt über die volle Laufzeit keinerlei Entwicklung, bis eben zu dem besagten Plottwist. Doch vorher erzählt Shyamalan mehr oder weniger in einer hermeneutischen Spirale immer das Gleiche, aber mit immer neuen Erkenntnissen und dadurch immer in einem anderen Licht. Denn das Motiv ist schon zu Beginn des Filmes klar: der an einer "Glaskrankheit" leidende Elijah erfährt vom Glück des einzigen Überlebenden eines Zugunglücks, David Dunn und nimmt Kontakt mit ihm auf. Im Folgenden geht es nur noch darum, das Geheimnis aufzuklären.

Die visuelle Gestaltung, unterstützt von einer wundervoll dezenten Musik, ist grandios. Shyamalan ist ein Meister der kompositorischen Bildgestaltung, jedes Bild ist ein Gemälde, das einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen und vor Ehrfurcht erstarren lässt. Der gesamte Film ist mit einem kalten Blaustich versehen. Oftmals verharrt die Kamera minutenlang an der gleichen Stelle, lässt dafür den Hintergrund agieren. So etwa bei der Szene am Ende im Haus, als die flatternden Vorhänge sozusagen die Arbeit der starrgewordenen Kamera übernehmen und durch zufällige Bewegungen das Auge des Zuschauers immer in die richtige Richtung lenken.
Wenn David dann langsam seine Kräfte erahnt, verändert sich die Optik. Die Umwelt wird blasser, während nur die Person, auf die sich David konzentriert, mit einer Signalfarbe auf sich aufmerksam macht.

Dann wird das Ganze noch geschickt mit den Kostümen kombiniert. Davids Regencape von der Arbeit wird in seiner Mission zum düsteren, aalglatten Superheldenkostüm; sein Opponent, ebenfalls in Arbeitskleidung, signalisiert mit dem grellen Rot des Overalls Gefahr. Der Kampf in seiner Ausführung einfach perfekt. Das Anhängen und Würgen unterstützt die Entschlossenheit des Helden auf seinem unbeirrten Weg. Seine einzige Schwachstelle, das Wasser, ein klaustrophobisches Moment, in dem man den Atem stillhält.

Die Schauspieler sind in einer Reihe absolut passend. Bruce Willis gelingt die Darstellung des Helden, der zum Leben erwacht, zum ersten Mal wirklich seine Augen benutzt (nach mehr als 30 Reviews endlich mein erstes Matrix-Zitat) mit Bravour, wenn man sich durch sein Spiel auch oft an seine Leistung in "The Sixth Sense" erinnert fühlt. Samuel Jackson stellt seine Wandlungsfähigkeit einmal mehr unter Beweis. Man vergleiche mal seine Rollen in "Caveman`s Valentine", "Shaft", "Die Jury", "Pulp Fiction", "187" und nun "Unbreakable"... der Mann weiß, wie man sich in eine Rolle einfühlt.
Selbst Willis` Filmsohn macht einen guten Job. Man hat ja oft das Problem, bei Jungdarstellern naturgemäß auf eher schwache Leistungen zu stoßen. Hier haben wir wieder ein vielversprechendes Nachwuchstalent. Aber Mr. Osment, seien Sie beruhigt: Ihr Thron sitzt trotzdem wackelfest.
Ach ja, by the way... der junge David Dunn, der Willis in einer Rückblende vertritt - genial gecastet. Dieser Mund ist echt original.

Bezüglich der Enttäuschung einiger Zuschauer kann ich letztendlich nur Mutmaßungen anstellen. Ich nehme an, die Geschichte war für die Masse nicht greifbar genug. Nicht jeder hat was für Comics übrig, und nicht jeder hat ihre metaphorische Bedeutung verstanden. Ausserdem schien die Grundidee - für jedes Ying muß es ein Yang geben - etwas motivations- und inhaltslos zu sein, so als hätte man den Film auf Luft aufgebaut. Mit dem nicht ganz so spektakulären, meiner Einschätzung nach aber trotzdem perfekten Ende war die Enttäuschung perfekt.

Aufgrund meiner persönlichen Nähe zu Comics ist "Unbreakable" für mich Shyamalans Bester. Objektiv betrachtet ist er aber doch zumindest auf einem Level mit dem grandiosen Debüt. Hält man mal die Erinnerungen an "The Sixth Sense" mit der Hand zu, lehnt sich zurück und lässt die Bildgewalt dieses sanften Riesen auf sich wirken, sollte man mit ein wenig Filmgeschmack eigentlich die Qualität von "Unbreakable" anerkennen können.
:liquid9:

Die DVD von Buena Vista/Touchstone zeigt sich in verlockendem Gewand: Ein einfach aufklappbares Booklet ist ebenso dabei wie ein unheimlich atmosphärisches DVD-Menü. Die Bildqualität ist sagenhaft, der Sound ertönt immer zur richtigen Stelle mit vollem Druck und macht den Film endgültig zu einem Erlebnis. Das Bonusmaterial ist nicht allzu reichlich; was aber da ist (ein Making Of und gelöschte Szenen mit vorhergehender Erläuterung vom Regisseur), hat Hand und Fuß.
Zuletzt geändert von Vince am 28.02.2006, 22:08, insgesamt 1-mal geändert.

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Split

Beitrag von StS » 24.10.2005, 22:07

McClane ist KEINE Persönlichkeit von StS!

Split

Bild

Originaltitel: Split
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2016
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Haley Lu Richardson, Jessica Sula, Brian Gildea, Brad William Henke, M. Night Shyamalan, Bruce Willis u.a.

In M. Night Shyamalans „Split“ gibt James McAvoy einen Mann mit multipler Persönlichkeit, der über ganze 23 Identitäten verfügt. Einige davon organisieren das Kidnapping von drei Teenagern, die in einem unterirdischen Gefängnis eingesperrt werden und versuchen sich aus den Fängen ihres Entführers zu befreien.
:liquid6:

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Freemans Hauptpersönlichkeit meint:

"Split" ist echt unheimlich, kitzelt das Denkzentrum, ist extrem edel in Szene gesetzt und entpuppt sich dank einer famos etablierten und intelligent ausgebauten Prämisse als starke Antithese zum aktuellen Horrorfilm. „Split“ braucht keine dummen Teenie-Helden, keine blöden, abgenutzten Jump Scares und erst recht keinen Rummel von der Tonspur.
:liquid7:

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Glass

Beitrag von Vince » 24.10.2005, 22:15

Freeman ist dem Vince manchmal sehr ähnlich!

Glass

Bild

Originaltitel: Glass
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2019
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Anya Taylor-Joy, Sarah Paulson, Spencer Treat Clark, Luke Kirby, Rob Yang, Adam David Thompson, Jane Park Smith u.a.

David Dunn ist auf der Jagd nach Kevin Wendell Crumb und dessen zig verschiedene Persönlichkeiten. Als Dunn die Horde stellen kann, funkt eine Seelenklempnerin dazwischen. Die lässt die beiden Kontrahenten einliefern und will ihnen ab sofort ihre Superkräfte ausreden. Damit beißt sie nicht nur bei Dunn und Crumb auf Granit, sondern auch bei dem ebenfalls einsitzenden Mister Glass…
:liquid6:

Zur Kritik von "Glass"

In diesem Sinne:
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Beitrag von StS » 24.10.2005, 22:23

StS hat geschrieben:
24.10.2005, 22:07
Schöne Kritik! :D

Nur bei dem "6th Sense"-Satz stimme Dir nicht zu!
Jener Film ist:
- unglaublich überschätzt
- unglaublich lahm
- vorhersehbar (was hab ich gebetet, daß das Ende nicht so ist, wie ich es nach 10 Minuten im Kopf hatte...)
- und (gerade nach "Stir of Echoes") zudem kalter Kaffee!

"Unbreakable" hingegen ist originell, clever und besitzt eines der besten Konzepte, die ich je bei einem Film entdecken konnte...

PS: Wenn jemand mal zu "6th Sense" eine Kritik schreibt, kann er sich auf was (argumentativ) gefasst machen (es sei denn, er bewertet ihn mit 3/10)... :wink:
Vince hat geschrieben:
24.10.2005, 22:15
StS hat geschrieben:Schöne Kritik! :D
Nu ja, geht schon so. Ist noch aus meinen ofdb-Anfangstagen. Heute wär sie viel geiler. :wink:
Nur bei dem "6th Sense"-Satz stimme Dir nicht zu!
Jener Film ist:
- unglaublich überschätzt
- unglaublich lahm
- vorhersehbar (was hab ich gebetet, daß das Ende nicht so ist, wie ich es nach 10 Minuten im Kopf hatte...)
- und (gerade nach "Stir of Echoes") zudem kalter Kaffee!
Das verzeihe ich dir, denn dass du "Unbreakable" ähnlich siehst wie ich (gerade das von dir angesprochene Konzept scheinen die blöden Lemminge, von manchen auch Kinogänger genannt, einfach nicht geschnallt zu haben...), macht dich über alle Maßen sympathisch. :D
Jip, "Unbreakable" mochte ich sehr - ein extrem unterschätztes Werk und somit das genaue Gegenteil vom "6.Sinn". Da saß ich echt im Kino und dachte nur "bitte, bitte, laß es nicht so banal und offensichtlich ausgehen"! Einige Monate zuvor hatte ich zudem den deutlich besseren Kevin Bacon Film gesehen, wodurch der Film auch sonst (also abgesehen von dem billigen "Twist") nichts zu bieten hatte...

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Beitrag von freeman » 24.10.2005, 22:36

Yeah, der Unbreakable wird ja wirklich überall gechasst und jetzt ruled der Vince hier so nen geiles Brett rein! Ein absolut genialer Film mit einem der fantastischen Soundtracks aller Zeiten. Die Musik ging mir nach dem Kinobesuch echt NICHT mehr aus dem Kopf und die Anbindung und Ansiedlung ans/im Comicuniversum fand ich spitze. Optisch ist der Film zudem ein absolutes Meisterwerk. Durchkomponiert bis zum geht nicht mehr. Grandios!

Zu The Sixth Sense: Schauspielerisch top, handlungstechnisch interessant doch wirklich nicht so der Riesenhammer. Ich hatte nach der Hälfte des Filmes schon ne Ahnung, was da Phase ist ... Ich sage nur Kommunikation von Willis ...

In diesem Sinne:
freeman

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Beitrag von Vince » 24.10.2005, 22:37

StS hat geschrieben:Jip, "Unbreakable" mochte ich sehr - ein extrem unterschätztes Werk und somit das genaue Gegenteil vom "6.Sinn". Da saß ich echt im Kino und dachte nur "bitte, bitte, laß es nicht so banal und offensichtlich ausgehen"! Einige Monate zuvor hatte ich zudem den deutlich besseren Kevin Bacon Film gesehen, wodurch der Film auch sonst (also abgesehen von dem billigen "Twist") nichts zu bieten hatte...
Vom Horroraspekt aus betrachtet war der Bacon sicherlich besser und deutlich effektiver, aber von der Auflösung her? Also nöö, das hat bei dem Bacon Teenie-Niveau. "Echoes" war geil, halt bis zum Plottwist.

Und keinen sonstigen Mehrwert im Shyamalan? Was ist denn mit der brillanten Bildsprache? Die ganzen Szenenkompositionen? Der Score? Das sind ja wohl andere Welten als "Echoes".

Aber gut, Hauptsache, ich erfahre endlich mal Unterstützung in Sachen "Unbreakable". ;)

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Beitrag von Hannibal » 24.10.2005, 22:50

Imo bleibt "The Sixth Sense" ungeschlagen. Da hat für mich imo einfach alles gestimmt, aber auch "Unbreakable" fand ich gut, wenn er auch nicht an Shym...Dingsbumsblablabla's Erstlingswerk rankommt.

MFG
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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 12.11.2005, 18:29

Schönes Review, zu nem Super Film, gerade auch im Bezug auf die Anbindung an das Comicuniversum.
P.S. The Sixth Sense fand ikke och saugeil!
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Beitrag von Cinefreak » 18.11.2010, 13:04

StS hat geschrieben:Schöne Kritik! :D

Nur bei dem "6th Sense"-Satz stimme Dir nicht zu!
Jener Film ist:
- unglaublich überschätzt
- unglaublich lahm
- vorhersehbar (was hab ich gebetet, daß das Ende nicht so ist, wie ich es nach 10 Minuten im Kopf hatte...)
fand den auch unglaublich öde und ich halte den "Regisseur" bzw. seine "Werke" für eine der besten Einschlaftherapien überhaupt... :roll: :wink:
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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von freeman » 24.01.2019, 20:44

Sodale, ich hab den Fred mal umgebaut...

Kritik zu Glass hab ich auch noch...

In diesem Sinne:
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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von StS » 22.04.2019, 18:39


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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von McClane » 19.06.2019, 16:08

Wer übrigens noch mehr zu "Split" lesen will, der tue das in diesem Thread. Zum Rest der Trilogie.

Unbreakable

Mag er kurz nach Erscheinen vielleicht noch etwas abqualifiziert worden zu sein, so wird er (zumindest meiner Übersicht nach) inzwischen als wertiger Shyamalan-Zweitling geschätzt - und das zu Recht. Der Schlusstwist, inzwischen eine Art Markenzeichen Shyamalans, auch wenn er ihn nicht auf Teufel komm raus in jeden seiner Filme einbaut, ändert das Filmverständnis nicht ganz so stark wie nach "The Sixth Sense", ist aber effektiv und passt hervorragend zur Comic-Mentalität des Films.
Spoiler
Show
Wenn man sich dazu vor Augen ruft, dass Willis und Jackson einige Jahre zuvor noch Buddys in "Stirb langsam 3" waren, unterläuft er noch zusätzlich Rollenerwartungen.
Apropos Comics: "Unbreakable" präsentiert sich als vielleicht geerdester Superheldenfilm und das in genau dem Jahr, in dem Boom mit "X-Men" mehr oder weniger eingeleitet wurde. Als solcher ist er ein gelungenes Drama über einen Helden, der mit seiner Rolle hadert, so sehr sein Umfeld ihn auch dazu drängen will. Vieles vom Superheldentum kommt nur in der Downgrade-Variante daher (siehe das Heldenoutfit oder Dunns Fähigkeiten), aber genau das macht "Unbreakable" zu einem so reizvollen Gegen- oder vielleicht auch nur Komplementärentwurf des klassischen Superheldenfilms. Die Dialoge sitzen, die Spannung stimmt trotz des niedrigen Tempos und Shyamalans Bildsprache ist ähnlich sicher wie bei "The Sixth Sense".

:liquid8:

Glass

Eine reizvolle Prämisse, mit der M. Night Shyamalan da seine Figuren David Dunn, Kevin Wendell Crumb und Elijah Price a.k.a. Mr. Glass in einer Psychiatrie zusammenbringt: Gibt es geerdete Superhelden und -schurken oder sind alle drei einfach nur bekloppt? Dummerweise liegt die Antwort auf die Frage im dritten Film schon irgendwie auf der Hand, alles andere wäre Zuschauerverarschung. Andrerseits: Wer "The Happening" dreht, der hat durchaus Erfahrung in Zuschauerverarschung. Aber diese Erwartung wird zumindest nicht enttäuscht, weshalb sich der Film nach dem Eintreffen der Psychiatrie etwas zieht. Zumal man schon erahnen kann, dass der Film Samuel L. Jackson wohl kaum bis zu den End Credits lethargisch und betäubt im Rollstuhl sitzen lassen wird, wenn er schon nach dessen Figur benannt ist. Immerhin versucht sich M. Night Shyamalan so an einer ebenso ambitionierten wie interessanten Psychologisierung des Superheldenfilms, die leider etwas daran krankt, dass diverse Charaktere alle paar Minuten den Plot erklären müssen und der Film sechs Hauptfiguren versucht zu balancieren (neben den drei Patienten und ihrer Ärztin sind dies Davids Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) und Kevins entkommenes Opfer Casey (Anya Taylor-Joy)). Dadurch wird jede angerissene und oft hochinteressante Thema (etwa über die Rollen der Eltern eines Helden) immer ein wenig zerlabert - dabei hätte Shyamalan bei seinem Vorbild Hitchcock doch an die "Show, don't tell"-Regeln denken müssen. Den Hitchcock-Style-Cameo hat er auch hier, wobei er seine "Unbreakable"-Rolle aufleben lässt, womit weitere Kontinuität innerhalb der Trilogie entsteht.
Shyamalan-typisch gibt es auch einige Twists, die am besten funktionieren, wenn es um die Mikroebene des Hauptfigurenkosmos geht, aber weniger, wenn das Ganze auf eine globale Makroebene gehoben wird, was "Glass" vor allem im Schlussspurt eher bemüht als raffiniert aussehen lässt. Die erste Begegnung von Overseer und Beast zu Beginn des Films hat Stil und Schmackes, der Showdown wirkt dagegen etwas weniger sicher: Nachdem der Film so lange statisch in der Psychiatrie war, wirkt die Action nahezu exzessiv und übertüncht der Thrilleraspekt etwas.
Spoiler
Show
Gerade Glass' Pläne werden dabei fast überdeckt, weshalb diverse Hauptfiguren dem Zuschauer nachher wieder erklären müssen, was er genau getan hat.
Ein zwiespältiger Fall: Einerseits ein interessanter, definitiv anderer Ansatz zum Thema Superhelden, durchaus gelungen bebildert (auch wenn Shyamalan das schon mal besser gemacht hat), aber erzählerisch teilweise recht dröge, gerade durch das nervige Erklärbär-Syndrom und das Unvermögen sechs Hauptfiguren gleichwertig gerecht zu werden.

:liquid5:
Zuletzt geändert von McClane am 05.08.2019, 16:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von Vince » 01.08.2019, 18:41

Irgendwie etwas vermurkst, der Thread hier mit dem ausgelagerten Split... hatte mich grad kurz gewundert, dass ich meine Meinung zu Split noch nicht kundgetan habe, bis mir dann durch McClanes Anmerkung wieder klar wurde, dass wir dafür ja einen eigenen Thread haben...


dann also noch zu Glass:

Die eigentlichen Paukenschläge verlegt Shyamalan bewusst in die ersten beiden Teile seiner Trilogie. In „Glass“ geht es längst nicht mehr um eine Epiphanie oder die Offenbarung des bis dahin Unsichtbaren, sondern um die Zusammenführung der Fäden zur ursprünglichen Bruchstelle. Nun hat sich sein bisheriges Werk als Regisseur ja beharrlich den Ruf erhalten, mit teils effekthascherischen, gemeinhin oft als leer empfundenen Wendungen immer noch ein letztes großes Fass vor dem Abspann aufzumachen. Dahingehend ist es eine hochinteressante konzeptionelle Entscheidung, dass es diesmal tatsächlich darum geht, einen Kreis, oder vielmehr ein Dreieck, zu schließen, ohne weiterhin Cluster auf Cluster sprießen zu lassen, bis die Setzlinge der ursprünglichen Storyline kaum mehr zu kontrollieren sind.

Betrachtet man das Vorgehen des dominierenden Comicfilm-Fabrikanten Marvel, muss man also zu dem Schluss kommen, dass „Glass“ die einzige Macht ausschöpft, die Marvel nicht einmal nach „Endgame“ in den eigenen Händen hält: Die Macht, einen Schlussstrich zu ziehen. Dort sprießen weiter Helden um Helden, einander wie Sprungbretter nutzend, um die Endlosigkeit der Geschichte voranzutreiben. Eine Story, die in diesem Universum zu Ende geführt wird, gebiert mindestens drei neue Stories. So wie gerade erst Spider-Man ausgezogen ist, um zu sehen, wie die Welt in Phase 4 einbiegt.

Aus dieser Betrachtung heraus ist „Glass“ die Antithese des Comicfilms, eine endliche Angelegenheit, inszeniert aus dem peripheren Blickwinkel des Indie-Films. Das große Finale, es müsste eigentlich hier und jetzt in diesem Film vor aller Welt stattfinden, während am Himmel Blitz und Donner die Kulisse bilden. Große Effekte, dramatische Gesten. Doch nichts von dieser Größenordnung geschieht. Das Übernatürliche wird relativiert, die Superkraft der Physik unterworfen, das Wunder mit Stochastik widerlegt. Psychologie wirkt manipulativ auf Pro- und Antagonisten der Handlung ein, das „Super“ wird von der Realität assimiliert.

Natürlich ist „Glass“ deswegen in gewisser Weise ein farbloser Abschluss, liegt die Motivation einer jeden Hauptfigur doch bereits ebenso offen wie ihre Stärken und Schwächen. Was kommt, ist genau das, was kommen muss. Shyamalan verletzt in gewisser Weise seine eigene Regel, den Zuschauer von Anfang bis Ende zu überraschen und ihm Dinge zu zeigen, die er nicht für möglich gehalten hätte. Und doch liegt in der exakten Erfüllung der Prophezeiung eben auch eine gewisse Magie, die dem unersättlichen, serialisierten Kino der Gegenwart inzwischen verloren gegangen ist.
:liquid7:

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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von McClane » 05.08.2019, 16:31

Vince hat geschrieben:
01.08.2019, 18:41
Betrachtet man das Vorgehen des dominierenden Comicfilm-Fabrikanten Marvel, muss man also zu dem Schluss kommen, dass „Glass“ die einzige Macht ausschöpft, die Marvel nicht einmal nach „Endgame“ in den eigenen Händen hält: Die Macht, einen Schlussstrich zu ziehen.
Komisch, da hatte ich andere Assoziationen. Marvel macht natürlich nicht Schluss, aber "Glass" IMO auch nicht, auch wenn es vermutlich keinen weiteren Teil geben wird (auch aus Einspielgründen).
Spoiler
Show
Aber gerade mit der Bekanntmachung der Verbliebenen und der potentiellen Offenbarung neuer Superhelden könnte Shyamaln zig neue Storys erzählen, auch die Rolle der Behörde ausbauen usw.
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Re: Eastrail 177 Trilogie: Unbreakable / Split / Glass

Beitrag von Vince » 05.08.2019, 18:01

Ja, man könnte. So wie es halt auch in den Comics immer ist. Aber das ist ja gerade der Trugschluss, den Shyamalan hier ausarbeitet. Das eigentlich bestimmende Thema des Films ist ja dann doch das Schließen eines Kreises.
Spoiler
Show
Nicht umsonst gehen sämtliche Hauptfiguren am Ende drauf, und zwar jeweils aufgrund ihrer jeweiligen Achillesferse, die alle miteinander verbindet.
Ich sehe das Ende auch deswegen als abgeschlossen an, weil
Spoiler
Show
die potenzielle Möglichkeit, weitere Stories zu erzählen, für diese Erzählung bzw. Trilogie völlig unerheblich ist. Mit der von Superheldenfilmen trainierten Sichtweise, die man heutzutage ja leider fast automatisch einnimmt, wenn man nicht ganz auf Mainstreamkino verzichten will, mag man das Ende des Films wie einen Neuanfang betrachten, aber für die von Sarah Paulson gespielte Figur ist diese Enthüllung ja quasi wie "das Ende". Und ich persönlich gehe auch mit genau diesem Gefühl in den Abspann. Was da passiert ist, beendet für mich die Geschichte, während ich bei den mehr als passend bezeichneten "Infinity-Kriegen" von Marvel zwar "Endgame" auf dem Bildschirm lese, dabei aber ganz genau weiß, dass es hier bloß ein Kapitel ist, das endet. Natürlich dreht sich die Welt in Shyamalans Trilogie nach dem Abspann von "Glass" weiter, aber es ist einfach nicht mehr wichtig. Den Rest überlässt er ganz bewusst den Fließbändern der "normalen" Comicverfilmungen.
Insofern sehe ich auch keinerlei Veranlassung für einen vierten Teil und hoffe nicht, dass er einen macht.

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