The Darkest Hour

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The Darkest Hour

Beitrag von freeman » 25.04.2012, 20:54

The Darkest Hour

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Originaltitel: Darkest Hour, The
Herstellungsland: Russland / USA
Erscheinungsjahr: 2011
Regie: Chris Gorak
Darsteller: Emile Hirsch, Rachael Taylor, Olivia Thirlby, Joel Kinnaman, Max Minghella, Dato Bakhtadze, Yuriy Kutsenko, Artur Smolyaninov, Pyotr Fyodorov u.a.

Sean und Ben, IT Fachleute, wollen in Moskau einigen Investoren einige neue Komponenten für Social Media Systeme vorstellen. Vor Ort müssen sie allerdings feststellen, dass ein schwedischer Konkurrent ihre Ideen geguttenbergt hat und diese nun erfolgreich als seine verkauft. Man beschließt den Kummer ordentlich zu ertränken und rückt in eine russische Disco ein, in der alsbald alle Lichter ausgehen. Wortwörtlich. Als man den Vorkommnissen auf den Grund gehen will, beobachtet man, wie seltsame Lichterscheinungen vom "Himmel fallen" und einen Cop bei Berührung zu Asche zerfallen lassen. Und mehr noch, die Lichterscheinungen attackieren gezielt die Zaungäste. Man flüchtet in den Keller der Disco, wo man mit anderen Partygästen tagelang ausharrt. Irgendwann, die Vorräte sind zur Neige gegangen, verlässt man das schützende Versteck und wird einer vollkommen menschenleeren Großstadt gewahr. Auf der Suche nach Überlebenden stolpert man immer wieder über die nun unsichtbaren Aggressoren, die sich nur dadurch ankündigen, dass sie elektrische Geräte in ihrer Umgebung angehen lassen. Sean und Ben beschließen, einem Funkspruch zu folgen, wonach man die letzten Überlebenden mithilfe eines Atom-U-Bootes aus Moskau rausbringen will. Nebenbei erfährt man auch, wie man die Aggressoren zerstören kann, um so einen Widerstand aufzubauen ...

„The Darkest Hour“ ist im Grunde ein echter Blender. Wie die letzten The Asylum Titel klaut man sich munter durch die Filmhistorie, verpackt alles in hübsche Artworks und einigermaßen rasante Trailer und hofft, das möglichst viele Zuschauer darauf hereinfallen mögen, nur um selbige dann förmlich zu Tode zu langweilen mit einer uninspirierten, unlogischen, teils richtiggehend dämlichen Geschichte, bekloppten Dialogen, katastrophalen Figuren und schier endlosem Gelaber. Ja, gesprochen wird viel in „The Darkest Hour“. Sehr viel. Nur zu sagen hat man nichts ... und falls doch, ist es Mumpitz. Es dient jedenfalls nicht dazu, die Figuren zu vertiefen oder irgendwie Spannung in die Chose zu bringen, die nach atmosphärischem Einstieg zum simplen, höhepunktfreien und eben arg geschwätzigen Zug durch Moskau wird, das zumindest für einige hübsche Schauwerte herhalten darf. Zwischendurch steigt immer wieder pseudowissenschaftliches Geschwafel, einige hübsche Logikbomben werden gezündet und die jungen Darsteller wirken von Minute zu Minute nur noch hilfloser. Allen voran Emile Hirsch, der - trotz Jungstarstatus - mit einer erstaunlichen Sicherheit vor allem im Mainstreambereich eine Gurke nach der anderen platziert und als zupackender Held schlichtweg fehlbesetzt wirkt. Er wird flankiert von einem ordentlich aufspielenden Max Minghella, der in Dramen wie Clooneys "Ides of March" allerdings weitaus besser aufgehoben wirkt, einer süßen Olivia Thirlby (mehr kann man zu ihr aber nicht sagen) und einer irre nervigen Rachael Taylor, die der Autor dieser Zeilen (also ich) sonst sehr mag. Allesamt werden vom Drehbuch komplett allein gelassen und können dies auch zu keiner Sekunde wirklich überspielen, was freilich brutal zu Lasten der Spannung geht. So bleiben nur einige wenige überraschende Momente, in denen teils sehr unverhofft Charaktere aus dem Film scheiden, von denen man definitiv geglaubt hätte, dass sie das Ende des Filmes erleben werden. Filmisch ist „The Darkest Hour“ solide umgesetzt. Die Effekte tragen lange Zeit viel zur anfangs dichten Atmosphäre bei, entwerfen sie doch schön apokalyptische Bilder eines zerstörten und menschenleeren Moskaus, doch mit zunehmender Laufzeit werden die Effekte trotz einstürzenden Hochhäusern eher immer schwächer und vor allem fehlt es an richtigem Überbombast, was „The Darkest Hour“ auch im Vergleich zum qualitätsmäßig sonst recht ähnlichen „Skyline“ komplett abkacken lässt. Wenn dann auch noch gezeigt wird, wer nun hinter den Aggressoren steckt, ist dann auch Asylumniveau in Sachen Effektwirkung angesagt. Zumindest kann man die Effekte recht ordentlich kaschieren, indem man den Film durchweg bei Nacht spielen lässt. Dies wird zwar plausibel erklärt, nervt aber mit der Zeit - vor allem durch die die verbliebene Helligkeit schluckende 3D Brille - enorm. Das 3D ist zumindest ganz nett geraten. Ein zwei Effekte springen direkt ins Auge, ansonsten setzt man erstaunlich wenig auf Spektakelbilder in 3D und verschenkt damit eine weitere Möglichkeit wenigstens den Unterhaltungslevel anzuheben.

Am Ende steht ein rotzenhohler und peinlicher Epilog und die Figuren sagen, wie im ganzen Film, mit erstarrter Miene bleiernen Dialogmüll auf, bis der Abspann durchzurollen beginnt. Und kaum ist man aus dem Kino raus, setzt wieder ein wenig der The Asylum Effekt ein: Man vergisst, was man gerade sah, steht vor dem Plakat, findet es wieder irgendwie cool und hat den Eindruck, zumindest ansatzweise ganz nett unterhalten worden zu sein. Und verdammt nochmal, man würde sich vermutlich sogar eine Fortsetzung ansehen ... Dabei weiß man es doch eigentlich besser ... Aber nur so hat The Asylum bis heute überlebt ... und selbst die hatten noch nie so bekloppte Ideen wie „The Darkest Hour“, wo man Katzen ganze Faradaysche Käfige überzieht, Rüstungen aus Schlüsseln klöppelt und Handys beim Angehen sofort losklingeln. Manchmal braucht es einfach solche Filme ... MANCHMAL ...
:liquid4:

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Beitrag von StS » 25.04.2012, 21:31

Werd ich mir nichtsdestotrotz gewiss mal ansehen. Schlimmer als "Skyline" wird er schon nicht sein... :lol:

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Beitrag von SFI » 26.04.2012, 06:59

Ich fand den Trailer schon seltsam C-movie mäßig im Handy Look, aber vielleicht wird ja trotzdem ein Skyline Kracher daraus. :lol:
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Beitrag von freeman » 26.04.2012, 08:31

@ Stefan: Pour moi schon

@ Timo: Pour moi nope

;-)

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Beitrag von kami » 26.04.2012, 12:33

Film hat mir recht gut gefallen, auch wenn ich bei der Alieninvasions-Thematik eher den bombastischen Ansatz schätze. Aber Krawall-Filme gab's natürlich in den letzten Jahren zur Genüge, so dass der eher auf Atmosphäre und Spannung angelegte Ansatz von THE DARKEST HOUR durchaus überzeugt. Hapern tuts beim Film eher im Bereich Charaktere, die vorhandenen sind blass und klischeehaft, so dass der emotionale Gehalt eher schwächlich ausfällt. Die Effekte sind weitesgehend gelungen, der Vergleich zu ASYLUM-Produktionen ist hier völlig fehl am Platz. Mit dem Effektspektakel von SKYLINE kann und will es THE DARKEST HOUR leider nicht aufnehmen, die Bilder des menschenleeren Moskau sind aber recht beeindruckend. Insgesamt sehe ich den Film en par zu SKYLINE, die Schauwertdefizite werden durch die nicht ganz so behämmerten Charaktere und die doch bessere und originellere Handlung wettgemacht.
Gute :liquid6:

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Beitrag von freeman » 26.04.2012, 20:38

Der Asylumvergleich bei den Effekten bezieht sich übrigens ausschließlich auf die Aliens und die Effekte um sie herum. Nicht jene, als sie stylische Lichtfiguren waren, sondern jene, wo man sie sieht ... oder wenn sie zerstört werden. Und diese Effekte empfand ich als absolut peinlich ... eben Asylumniveau ;-) Egal.

Btw. Im Bezug auf die Handlung überhaupt den Begriff "origineller" zu verwenden, und sei es nur im Vergleich zu Skyline, ist dann mindestens genauso fehl am Platze ... :lol:

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Beitrag von Vince » 26.12.2012, 08:08

Unter der Unsichtbarkeit und der schnellen und unproblematischen Weise der Tötenungsmethoden des Gegners hat "Darkest Hour" sichtlich zu leiden, fällt es ihm doch schwer, eine grundsätzliche Spannung überhaupt erst zu initiieren. Wenn Menschen in Sekunden zerbröseln, da sie kaum erst in Kontakt geraten sind mit den Energiefeldern, die sich da Aliens schimpfen, fehlt natürlich das dramatische Moment des Lichterauslöschens. So erklärt sich auch, weshalb die wenigsten SciFi- und Monsterfilme auf unsichtbare, omnipotente Gegner setzen, denn trotz seiner durchaus vorhandenen Alleinstellungsmerkmale verfällt der Film immer wieder in mühsame Anlehnungen an andere Filme. So entsteht dann auch eine mit Filmen wie "Pusher" oder "Jumper" vergleichbare Leere, zumal die blassen Schauspieler praktisch nichts aus ihren Rollen machen. Auf der Habenseite steht immerhin Moskau, das als Schauplatz bei weitem nicht so überfilmt ist wie ein New York und das in menschenleerer Gestalt wirklich schön anzusehen ist; auch der Unterhaltungsfaktor hält sich zumindest konstant im Mittelmaß, ich hätte da ein schnelleres Abflachen in die absolte Langeweile erwartet.
:liquid5:

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Beitrag von SFI » 26.12.2012, 15:57

Irgendwie doch ganz solide geraten, zwar ist die SciFi Komponente doch stark ausgedünnt, aber immerhin bewegen sich die Schauspieler auf solidem Niveau. Das Aliengerüst hat man in der Art auch noch nicht gesehen, quasi die biblische Heuschreckenplage aus dem All.

:liquid6:
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