The Lady - Ein geteiltes Herz

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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John Woo
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The Lady - Ein geteiltes Herz

Beitrag von John Woo » 03.05.2015, 18:20

The Lady - Ein geteiltes Herz

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Originaltitel: The Lady
Herstellungsland: Frankreich, Grossbritannien
Erscheinungsjahr: 2011
Regie: Luc Besson
Darsteller: Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge, Benedict Wong, William Hope u.a.

"The Lady" erzählt die wahre Geschichte über das Leben der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.
Nachdem sie in ihr Heimatland Myanmar (Burma) zurückkehrt, um sich um ihre Mutter zu kümmern, erlebt sie mehrere politische Turbulenzen und wird bald von verschiedenen Leuten angefragt, sich unter anderem aufgrund ihrer im Land bekannten Eltern politisch zu betätigen. Nach kurzem Zögern willigt sie schliesslich ein und wird danach zur Vorsitzenden der neu gegründeten Partei "Nationale Liga für Demokratie" gewählt. Dies ruft die an der Macht stehende Regierung auf den Plan.
Aung San Suu Kyi setzt sich über Jahre hinweg für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes ein, und wird dabei während über insgesamt 15 Jahren von der Regierung unter Hausarrest gestellt.

Michelle Yeoh ("Tiger & Dragon", "Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers) und Luc Besson ("Léon - Der Profi", "Malavita - The Family") haben mit diesem Film ein für beide eher untypisches Projekt gewählt, da beide doch eher dem Actiongenre zugeschrieben werden. Gerade im Falle von Yeoh geschieht dies teilweise zu Unrecht, da sie ihr schauspielerisches Talent auch schon in anderen Genres, zum Beispiel im sehenswerten Drama "Die Kinder der Seidenstrasse" (2008) von Roger Spottiswoode unter Beweis stellte.
Luc Bessons beste Werke, da sind sich viele Filmfans einig, findet man in den 90ern - neben dem überdrehten "Das fünfte Element" (1997) dürfte wohl vor allem "Léon - Der Profi" (1994) als sein bester Film gelten.
Später musste man leider ein Qualitätsrückgang in der Filmografie Bessons verzeichnen, wie man auch zuletzt beim umstrittenen Film "Lucy" (2014) feststellen konnte.
Luc Besson konzentriert sich seit längerer Zeit vor allem auch auf die Produktion diverser einfach gestrickter aber unterhaltsamer Actionfilme, sei es der "Transporter"-Reihe mit Jason Statham oder den "Taken"-Filmen mit Liam Neeson.
Wie bei so vielen andere Regisseuren mit erfolgreichen und beliebten Werken aus den 90ern scheint Bessons Filmografie also an Qualität zu verloren zu haben, dabei scheint mit "The Lady" aber ein Film übersehen worden zu sein, der nicht nur unübersehbare Qualitäten aufweist, sondern dem man jederzeit anmerkt, dass er mit Engagement und Leidenschaft inszeniert wurde.

Luc Besson konzentriert sich dabei vor allem auf verschiedene wichtige Ereignisse und Situationen im Leben von Aung San Suu Kyi, beleuchtet dabei aber auch immer wieder die Sichtweise ihres Ehemannes, dem britischen Tibetologen Michael Aris (überzeugend darstellt von David Thewlis) sowie ihrer beiden Söhne.
Michelle Yeoh zeigt einmal mehr, dass sie nicht nur im Actionbereich zu Hause ist und erweist sich als absolute Idealbesetzung. Sie überzeugt gerade auch in den emotionalen Momenten des Filmes. Die erzählte Geschichte kann den Zuschauer so gerade aufgrund ihrer Leistung über die mehr als zwei Stunden Laufzeit überzeugend in den Bann ziehen, wobei man leider gelegentlich einige inhaltliche Defizite respektive Schwächen konstatieren muss.
Einzelne wichtige Lebenabschnitte und Situationen von Aung San Suu Kyi hätten von Luc Besson und Drehbuchautorin Rebecca Frayn teilweise noch detaillierter und nachvollziehbarer untergebracht und dargestellt werden können, insbesondere aber wird auf den politischen Aspekt phasenweise nur unzureichend eingegangen - an diesen Stellen wirkt der Film vermehrt zu oberflächlich. Das ist schade und dadurch wirkt der Film teilweise etwas uneben.
Die Szenen über ihren Ehemann Michael Aris wirken phasenweise sogar fast glaubwürdiger und packender, gerade in den Szenen, in welchen er mit seinen Söhnen alleine in England lebt und lange nichts von seiner Frau hört. Richtig schwierig wird es für Aris dann, als ihm sogar die Einreise nach Burma verweigert wird und er seine Frau während Jahren nicht mehr sehen kann. David Thewlis kann diese Momente der Ausweglosigkeit überzeugend darstellen.

Gerade in der letzten halben Stunde trumpft der Film aber nochmals gross auf, emotionale Momente werden von allen Schauspielern sehr überzeugend dargestellt und der Film schafft es, auch danach noch zum Nachdenken anzuregen.
Nicht nur darstellerisch ist der Film sehr gelungen, auch inszenatorisch weiss der Film zu gefallen. Als Zuschauer erhält man den Eindruck, dass die Filmemacher mit Leidenschaft an diesen Film gegangen sind - etwas, was viele der anderen neueren Besson-Produktionen vermissen lassen.
Man scheint sich auch für keinen Aufwand zu schade gewesen zu sein - es gibt viele schöne Schauplätze und einige recht beeindruckende Massenszenen - Einsätze von Computertricks sind kaum oder gar nicht auszumachen.
Besson inszeniert ruhig und in schönen Bildern von Kameramann Thierry Arbogast, der sich schon für die Kameraführung der meisten anderen Besson-Werke verantwortlich zeichnete. Auch Bessons Stammkomponist Eric Serra schrieb erneut die Musik für diesen Film. Sein Ergebnis weiss durchaus zu gefallen, auch wenn die ganz grossen, einprägsamen Melodien ausbleiben, was aber nicht weiter schlimm ist.

Gegen Ende der Dreharbeiten wurde bekannt gemacht, dass Aung San Suu Kyis Hausarrest aufgehoben wurde. Hauptdarstellerin Michelle Yeoh besuchte sie später sogar persönlich.
Mittlerweile wurde Aung San Suu Kyi, der im Jahre 1991 für ihr Engagement der Friedensnobelpreis verliehen wurde, in Burma zu einer Parlamentsabgeordneten gewählt, wo sie sich weiter für die Demokratisierung ihres Landes einsetzt.

"The Lady - Ein geteiltes Herz" mag nicht perfekt sein und kann auch nicht an die Intensität anderer ähnlicher Filme wie zum Beispiel "Hotel Ruanda" aus dem Jahre 2004 heranreichen. Darüber hinaus ist er natürlich gerade wegen der Laufzeit auch nicht so detailliert inszeniert wie beispielsweise einige Werke von Richard Attenborough und auch viele andere biographische Filme.
Generell wünscht man sich hier mehr Tiefe, an manchen Stellen kratzt der Film zu sehr an der Oberfläche, vor allem auch was die geschichtlichen und politischen Aspekte des Landes Myanmar betrifft.
Dennoch weiss der Film gerade dank den guten Schauspielern zu überzeugen und wenn er es schafft, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und vielleicht auch über den Film hinaus sich über das Leben von Aung San Suu Kyi und die Hintergründe sowie Geschichte des Landes zu informieren, dann hat er auf jeden Fall etwas richtig gemacht.
:liquid7: +

"The Lady" ist in Deutschland sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray von Universum Film erhältlich. Letztere überzeugt mit einer guten Bild- und Tonqualität und hat auch ein paar Extras spendiert erhalten.

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John Woo
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Beitrag von John Woo » 04.05.2015, 10:03

Werdet ihr diese Review auch auf der Hauptseite veröffentlichen? :)

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Beitrag von freeman » 04.05.2015, 10:05

Klaro. Schon vermerkt fürs Umtopfen!

In diesem Sinne:
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