Free Fire

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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freeman
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Free Fire

Beitrag von freeman » 24.08.2017, 18:15

Free Fire

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Originaltitel: Free Fire
Herstellungsland: Frankreich, Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2016
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Cillian Murphy, Brie Larson, Armie Hammer, Jack Reynor, Noah Taylor, Sam Riley, Sharlto Copley, Patrick Bergin, Michael Smiley, Enzo Cilenti u.a.

Im Boston der ausgehenden 70er geht ein Waffendeal ganz fürchterlich schief und endet in einem schier endlosen Shootout, bei dem irgendwann jeder auf jeden zu schießen scheint und auch noch unvermutete weitere Parteien auftauchen, um amtlich blaue Bohnen zu verteilen. Dazu lakonischer Humor, klasse Schauspieler und eine feine Optik und fertig ist der Actionspaß.
:liquid7:

Zur Kritik von "Free Fire"

In diesem Sinne:
freeman

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Vince
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Beitrag von Vince » 08.11.2017, 09:15

Man nehme: Schlaghosen, Afros, einen Van, eine Lagerhalle und eine Kiste voller Waffen. Man studiere ein frühes Guy-Ritchie-Flick, streiche das ganze Gelaber und erkläre den finalen Schusswechsel zum alleinigen Handlungsmerkmal. Dann lehne man sich zurück und hoffe darauf, dass das Experiment irgendwie gelingt – im Zweifelsfall hat man ja zumindest einen Arsch voll Action in der Hinterhand.

Ganz reizlos ist die Anatomie eines außer Kontrolle geratenen Waffendeals sicher nicht, gerade weil Ben Wheatley seine meist schrillen Figuren im Affenzahn etabliert hat und schon sehr früh in der Handlung den baldigen Warenaustausch anmeldet. Namen wie Cillian Murphy, Armie Hammer, Sharlto Copley und Noah Taylor klingen schon auf Anhieb nach Cowboy-Showdown und als der erste Schuss abgefeuert wird, schwirren längst die Funken in der Luft.

Die meisten großen Shoot-Outs der Filmgeschichte liegen aber nicht ohne Grund unter einer Viertelstunde Laufzeit oder werden, wie im offensichtlichen Vorbild „Reservoir Dogs“, gleich ganz im Off abgehandelt. Dramaturgisch gerät „Free Fire“ spätestens dann unter Druck, als die ersten Schusssalven verstummt sind. Die Gesetze der Ballistik haben zu diesem Zeitpunkt zwar für verschobene Verhältnisse gesorgt, Tote, Verletzte und neue Feindbilder geschaffen, aber es bleiben ein paar Momente betretenen Schweigens, in denen nicht so ganz klar ist, wie man die Situation über 90 Minuten vor der endgültigen Eskalation bewahren will.

Meist bekommt Wheatley die Situation gerade so durch eine verrückte Einzelaktion einer seiner Figuren wieder in den Griff oder er schiebt einfach neue Interessensgruppen nach, mit denen die Situation noch komplizierter wird. Die Anstrengung ist aber schon an dem schwarzen Humor zu spüren, der angestrengter wirkt als vielleicht beabsichtigt.
Zuletzt fehlt auch noch eine gute Pointe, die überhaupt den ganzen Irrsinn rechtfertigt. „Free Fire“ ist mal was anderes, aber nicht ganz so mittendrin, wie aufgrund der Prämisse versprochen wird. Eine nette Erinnerung, weshalb auch Actionfilme auf Dialogpausen setzen.
:liquid5:

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McClane
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Beitrag von McClane » 18.01.2018, 06:57

Eine filmische Zeitreise. Weniger in die 1970er, in denen der Film spielt, denn trotz Outfits und Frisuren könnte der Film beinahe in jeder anderen, sofern handylosen Ära spielen. Sondern in die 1990er, als Kino und Videomarkt mit Tarantino-Rip-Offs überschwemmt wurden, in denen cool-durchgeknallte Gangster Sprüche ablassen und sich gegenseitig umnieten. Nicht umsonst muss man bei dem Lagerhallen-Setting öfter an "Reservoir Dogs" denken (siehe auch Vince' Anmerkung).
Nur irgendwann trägt das ganze Geballer irgendwann nicht mehr, verbrauchen sich die bemühten Running Gags schnell. Hoho, da ist mal wieder jemand aus Versehen von einem der eigenen Leute angeschossen worden. Noch dazu besitzt Wheatly wenig Gespür für Rauminszenierung, kann die Topographie der Lagerhallen nicht vermitteln - einem Jaume Collet-Serra wäre das nicht passiert. Immerhin überzeugt die Besetzung meist: Sharlty Copley sieht man auch zum wiederholten Male gern als Durchgeknallten, Armie Hammer war selten so cool wie hier und der Rest geht auch in Ordnung. Einzige Ausnahme: Jack Reynor, der mit seiner Performance wohl den Titel als Nervensäge des Jahres erarbeiten wollte.
Insgesamt dümpelt der Film vor sich hin, da sich nach den ersten Schusswechseln bereits alle Freund-Feind-Verhältnisse klar gefestigt haben und das Eingreifen der dritten Partei viel zu marginal ist um noch irgendetwas daran zu ändern. Wie bei jedem Tarantino-Rip-Off, das was auf sich hält, muss noch der eine oder andere leicht splattrige Moment dabei sein (hier das unschöne Zusammentreffen eines Kopfs und eines Reifens), aber als Experiment des filmlangen Shoot-Outs eher gescheitert, trotz einiger guter Momente.

:liquid5:
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