44 Minuten, die Hölle von Nord Hollywood

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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freeman
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44 Minuten, die Hölle von Nord Hollywood

Beitrag von freeman » 26.12.2005, 23:19

44 Minuten, die Hölle von Nord Hollywood

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Originaltitel: 44 Minutes: The North Hollywood Shoot-Out
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2003
Regie: Yves Simoneau
Darsteller: Michael Madsen, Ron Livingston, Ray Baker, Douglas Spain, Andrew Bryniarski, Oleg Taktarov, Clare Carey, Alex Meneses, Dale Dye, Katrina Law, J.E. Freeman, Mario van Peebles, ...

90 Prozent aller Cops haben während ihrer gesamten Dienstzeit nicht ein einziges Mal von ihrer Waffe Gebrauch gemacht. An diesem Tag wurden rund 1500 Schuss abgefeuert ... Es war die Hölle ...

Am 28. Februar 1997 stürmten in L.A. zwei schwerbewaffnete Männer eine Bank, um sie auszurauben. Anschließend liefern sich die Beiden mit der Polizei ein Feuergefecht, das 44 Minuten lang dauert. 8 Zivilisten und 12 Polizisten werden an diesem Tag teils schwer verletzt, weil die Polizisten nur mit ihren normalen Dienstpistolen bewaffnet, nichts gegen die schwergepanzerten Verbrecher mit ihren Kalaschnikows ausrichten konnten. Nach diesen Ereignissen in L.A. wird die M-16 den Standardwaffen der amerikanischen Polizei hinzugefügt.

Diese Ereignisse arbeitet der Film 44 Minuten pseudodokumentarisch auf. Dabei sprechen die Darsteller in ihrer jeweiligen Rolle zu einem Kameramann oder man hört ihre Einstellungen, Gefühle und groben Backgrounds aus dem Off. Der Film beginnt am Morgen des Tages und führt die Charaktere kurz ein, wir sehen sie in ihrem privaten Umfeld und teils auch bei einem „Standardeinsatz“. Alles kulminiert in dem Feuergefecht während dem wir auch noch einige Fetzen aus der Vergangenheit der Protagonisten geliefert bekommen. Hauptaugenmerk liegt aber nun auf der möglichst detailgetreuen Aufarbeitung der damaligen Ereignisse.

Die Optik die Regisseur Yves Simoneau auffährt, ist hochinteressant. Gelungene Perspektiven, schnelle Schnitte, flotte Einstellungswechsel, auch bei simplen Dialogen, lassen dieses nervöse, energiegeladene 24 Gefühl aufkommen. Das dieser Film ursprünglich fürs TV gedreht wurde, sieht man ihm wahrlich nicht an (man merkt es nur an den fürs TV typischen Schwarzblenden, die die Werbung einleiten sollten). Der Megashoot-out, der den Film „abrundet“, beginnt nach etwa 30 Minuten blitzschneller Charaktereinführung und macht schon bei dem Banküberfall klar, was jetzt Phase ist:

Urgewaltige Schusskraft, krachlederner Sound und eine vor blauen Bohnen starrende, zum Schneiden dicke Luft. Dazu gesellen sich Bilder von in Zeitlupe die Luft durchschneidenden Bruchstücken von Scheiben, zerschossenen Gegenständen oder Polizeiwagenverkleidungen und Blutwolken durchmischen sich mit diesen kleinen herumflirrenden Teilchen ... Kurz: Es ist ein teils gigantisches, waffenstarrendes Inferno mit präzise gesetzten Zeitlupeneinstellungen und dem immer beibehaltenen 24 Look. Das 24 Prinzip übernimmt man auch insofern, als dass der Shoot Out auch im Film annähernd 44 Minuten dauert. Auch mit blutigen Details wird hier in der Uncut Fassung nicht gegeizt.

Die Darsteller sind allesamt um Realismus bemüht. Kein Overacting, keine Betongesichter, alle versuchen zu handeln und zu reagieren wie Du und Ich. Michael Madsen als Frank McGregor ist sichtlich motiviert bei der Sache, was schon immer ein gutes Zeichen für einen Film ist. Mario van Peebles als Streifencop Henry Jones hat eine zu Beginn etwas überzogen wirkende Gut Mensch Attitüde, bessert sich aber im Verlauf des Filmes. Und Ron Livingston (Band of Brothers) als Mitglied einer Spezialeinheit agiert ebenfalls absolut glaubhaft.

Gelungen ist auch der Soundtrack zu dem Film, der das Geschehen mit stampfenden Sounds noch weiter vorantreibt. Was auch gefällt ist, dass durchaus auch kritische Töne zu diesem - dank lachsen Waffengesetzen hausgemachten - katastrophalen Ereignis fallen, wodurch auch verhindert wird, dass die Polizisten permanent verklärt gefeiert werden.

Eine extralange Notrufepisode (vom Prinzip her ist dieser Vergleich gar nicht so dämlich, wie er klingt) mit guten Darstellern, souveränen Bildern, harter Action nach wahren, schier unglaublichen Tatsachen, die aber nur im Originalton zu ertragen ist, denn die deutsche Synchro klingt nach „feuchte Höschen und harte Riemen“, nicht aber nach einer kernigen Top TV – Produktion.
:liquid8:

Die FSK 18 Fassung von MIB kommt uncut aber mit schwacher Technik. Während die Nahaufnahmen eine ordentliche Schärfe besitzen, verschwimmen die Totalen zu einem seltsamen Brei ohne Details. Der Sound dagegen ist wirklich als gelungen zu bezeichnen.

In diesem Sinne:
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Beitrag von Joker6686 » 11.01.2007, 13:45

Mein Bodycount zu dem Film ist jetzt auch online.

Bei Interesse am Link PN.

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kami
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Re: 44 Minuten, die Hölle von Nord Hollywood

Beitrag von kami » 11.01.2007, 14:01

freeman hat geschrieben: Die FSK 18 Fassung von MIB kommt uncut aber mit schwacher Technik. Während die Nahaufnahmen eine ordentliche Schärfe besitzen, verschwimmen die Totalen zu einem seltsamen Brei ohne Details. Der Sound dagegen ist wirklich als gelungen zu bezeichnen.
Die dt. Tonspur läuft aber zum Großteil asynchron, was bei so gut vertonten Ballereien schon mehr als schade ist.

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Beitrag von C4rter » 30.04.2009, 21:59

"44 Minutes" beschäftigt sich mit einem der längsten Schusswechsel der Geschichte des LAPD. 2 schwer bewaffnete und in Kevlar-Panzerung vermummte Bankräuber, legen sich nach ihrem Bankraub mit der Polizei an.
Der Film gibt sich halb dokumentarisch. Die Szenen werden immer wieder unterbrochen, von Interviews, die die Schauspieler in ihren jeweiligen Rollen geben. Nach etwa 30 Minuten kleiner Charakter-Einführung beginnt dann der Banküberfall und eine wirklich riesige Ballerei. Man kann sich ungefähr vorstellen was damals 1997 dort los gewesen sein muss. 2 Leute mit automatischen Waffen gegen 20-30 Cops. Dies klingt zunächst nach einem schnellen Ende, aber durch die exzellente Panzerung der Bankräuber waren die Polizisten mit ihren Pistolen chancenlos. Kopfschüsse hätten geholfen, aber auf die Entfernung und durch das Dauerfeuer der Räuber, war ein genaues zielen mit der 9mm Pistole scheinbar unmöglich. Einzig das SWAT konnte hier noch was ausrichten, aber die standen grad im Stau.
Der Film wirkt recht wahrheitsgetreu und daher kommt alles auch recht packend inszeniert rüber. Das Schauspiel der Beteiligten stimmt, die Action sowieso. Der Doku-Stil ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber recht brauchbar. Die Qualität der deutschen DVD ist allerdings nicht die Beste. Besonders die Interviews sind stark grobkörnig. Teils wohl so gewollt, aber das sieht schon arg VHS-Mäßig aus. Insgesamt ist "44 Minutes" schon anzusehen, dass er fürs TV gedreht wurde, gehört aber auf jeden Fall zu den besseren Vertretern.
Knappe:

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Beitrag von McClane » 02.05.2009, 11:36

Jup, sehe ich auch so: Schöner Ansatz mit dem Dokumentarischen, auch wenn es dadurch die eine oder andere Schwäche gibt, z.B. eine leichte Eintönigkeit bei besagtem Shoot-Out und die lange Exposition. Doch insgesamt überraschend spannend, hübsch anzusehen und mit seinem Realismus durchaus zum Nachdenken anstimmend.

Knappe :liquid7:
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Beitrag von kami » 02.05.2009, 12:55

McClane hat geschrieben: und mit seinem Realismus durchaus zum Nachdenken anstimmend.
Wirklich? Worüber denn?

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Beitrag von freeman » 04.05.2009, 08:20

Naja, also so in Richtung Waffenvernarrtheit der Amis zum Beispiel? ;-) Oder wie gefährlich der Polizeidienst sein kann? Mir fällt da viel ein. Und mir sagt man immer, ich sei durch die Actiongülle verroht :lol:

In diesem Sinne:
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Beitrag von McClane » 04.05.2009, 09:01

Jo... außerdem die Bewaffnung der Polizei, die der Ausrüstung der Verbrecher unterlegen ist. Wenn ich mich recht entsinne, sind die Cops in den USA daraufhin besser ausgerüstet worden. Oder auch krass finde ich die Szene, in der die Cops einen der ihren zum Waffenladen schicken, damit der adäquate Wummen kauft (man bedenke: die jeder US-Bürger mit Lizenz ebenfalls kaufen kann).
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Beitrag von Wallnuss » 31.10.2010, 22:55

Der Film hat tolle Ideen setzt sie jedoch nicht immer genauso gut um.Das ist schade denn aus dem Stoff hätte einer der größten Filme aller Zeiten werden können.Naja,letztendlich ist es doch nur leichte Unterhaltung.

:liquid7:

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Beitrag von Seemi » 01.11.2010, 09:54

Ich seh den FIlm ständig in den Wühlkisten liegen und hab immer davor zurückgeschreckt den mitzunehmen. Wenn der wirklich so gut ist, werd ich den wohl doch mal mitnehmen.
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Beitrag von StS » 01.11.2010, 10:25

Ist auf jeden Fall solide, der Streifen. Die deutsche Synchro ist aber wohl unter aller Sau (berichtete mir ein Kumpel)... :wink:

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