Hereditary

Mindfuck, Terror, Psycho-Shocker ... kurzum: was aufs Gemüt schlägt
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Hereditary

Beitrag von Vince » 03.02.2019, 13:10

Hereditary

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Originaltitel: Hereditary
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2018
Regie: Ari Aster
Darsteller: Gabriel Byrne, Alex Wolff, Milly Shapiro, Ann Dowd, Zachary Arthur, Mallory Bechtel, Mark Blockovich, Gabriel Monroe Eckert, John Forker, Austin R. Grant, Rachelle Hardy u.a.

Garantiert nichts für Popcornkauer: Ari Asters Regiedebüt "Hereditary" wagt sich tief in die Psyche seines Publikums und konfrontiert es mit dem Horror der Isolation in einem zerbrechenden Familiengefüge. Das Ergebnis ist nichts Geringeres als ein Kandidat für den besten Film des Jahres 2018.
:liquid9:

Zur "Hereditary" Kritik

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Vince
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Re: Hereditary

Beitrag von Vince » 11.02.2019, 18:05

*verschieb*
Für mich selbst beantworte ich die Frage nach dem besten Film des vergangenen Jahres schon mal mit "ja".

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McClane
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Re: Hereditary

Beitrag von McClane » 12.02.2019, 10:55

Vince hat geschrieben:
11.02.2019, 18:05
Für mich selbst beantworte ich die Frage nach dem besten Film des vergangenen Jahres schon mal mit "ja".
Ich beantworte sie für mich selbst mit "nein". Ich kann den Hype nicht ganz nachvollziehen. "Hereditary" ist ein guter Genrefilm, aber mir die Wurst vom Teller gezogen hat er jetzt auch nicht. Dieser Text, auch wenn er "Hereditary" davon abgrenzt, nutzt den Begriff "Studentenhorror" und der passt eigentlich gut - mit genau dieser Art von Film habe ich ein Problem, obwohl ich die Vertreter dieser Richtung eigentlich alle gut, aber eben nicht überragend fand. Alle ziehen mit so viel Mühe eine zweite Ebene ein, sei es Fremdeln mit dem eigenen Kind ("The Babadook"), Rassismus ("Get Out"), sexuell übertragbare Krankheiten ("It Follows") oder hier eben den Umgang mit Verlust, dass sie anscheinend keine Energie mehr für den Horrorpart haben. Gibt da zwar immer ein paar gruselige Stellen, aber nachhaltig verunsichert oder zumindest kurzfristig auf Habachtstellung bin ich da nicht. Man mag die James-Wan-Geisterbahnen mit dem Modewort Jump Scares schmähen - oft funktionieren die für mich aber besser (und sind auch nicht unbedingt hintergrundlos - bei der Zweitsichtung von "Insidious" ist mir aufgefallen wie viel es da um die Überforderung einer jungen Familie geht). Auch sonst fallen mir zahlreiche Werke ein, die Subtext und effektiven Horror besser zusammenbekommen haben (z.B. "Poltergeist", "Candyman" oder "The Descent").

Aber zurück zu "Hereditary": Ob es daran lag, dass Sascha Westphal der Ansicht war, dass man einen Text über das neue Horrorkino nicht ohne das Spoilern des Endes von "Hereditary" schreiben kann und ich es daher schon vor der Sichtung kannte, daran, dass ein Vorbild
Spoiler
Show
("Rosemaries Baby")
exzessiv von Kritikern und Marketing erwähnt wurde oder daran, dass der Film sehr offensichtlich ist, weiß ich nicht. Aber das Ende war mir schon bald klar (nicht zuletzt wegen des epd-film-Textes) und hat daher keinen Wow-Effekt gehabt, aber Filme, die nur einmalig mögliche Überraschungen bauen, sind ja eh nur Taschenspielertricks. Da hat "Hereditary" mehr zu bieten, wenn er in Hälfte eins als fast reinrassiges Drama funktioniert, sich aber auch durchaus krude Dinge zutraut - etwa wie im Review erwähnte Szene, bei der man denkt "Ist gerade wirklich das passiert, von dem ich denke, dass es passiert ist?" und mehrere Minuten auf die Bestätigung warten muss. Die Darsteller sind super, von Collette als gestresster bis hysterischer Mutter über Byrne als Identifikationsfigur bis hin zu den hervorragend gecasteten Jungdarstellern. Hälfte zwei steigert dann die unheimliche, übersinnliche Komponente, verknüpft Geisterhaftes mit familiären Abgründen und lässt den Zuschauer raten, was nun Einbildung, was Spuk und was die Wiederkehr familiärer Dispute ist. Doch es könnte irgendwie gruseliger sein und wenn das Finale dann zum Budenzauber wird, dann wirkt das wie ein Stilbruch, ebenso wie die Auflösung, die sich vom Hauptthema etwas wegbewegt
Spoiler
Show
von der Verlustangst zum familiär geprägten Erbfluch inklusive Teufelsanbetern
. Manches im Finale ist immer noch schön gruselig
Spoiler
Show
(die Leute auf dem Dachboden)
, manches immerhin erfrischender Quatsch
Spoiler
Show
(die hysterisch an der Decke hängende und den Kopf gegen die Dachbodentür hämmernde Mutti)
, aber Stilbruch bleibt Stilbruch. Wie gesagt: Durchaus ein gelungener Genrefilm, ambitioniert, atmosphärisch und stark besetzt, aber auch nicht ohne Schwächen.

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Re: Hereditary

Beitrag von Vince » 12.02.2019, 18:08

Wie gerade schon im gf geschrieben: das ist wohl relativ klar eine Sache der subjektiven Wahrnehmung. Natürlich funktioniert gerade so etwas wie "Hereditary" bei jedem unterschiedlich. Es ist schon auffällig, dass mir alle von dir genannten Vergleichsfilme (Babadook, It Follows, mit Abstrichen auch Get Out, ich würde dann noch Mother! dazunehmen wollen) überdurchschnittlich gut gefallen haben.
Dabei bin ich ja bekanntermaßen auch kein Jump-Scare-Verächter. Der erste "Insidious" hat mich damals richtig gepackt, diese Sorte Horrorfilm empfinde ich aber eher als Event Movie. In der Endabrechnung gibt mir so etwas wie dieser hier einfach noch mehr, weil es eben nicht nur um die Mechanik geht.

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Re: Hereditary

Beitrag von McClane » 13.02.2019, 07:35

Ich habe allen genannten auch eine 7/10 gegeben, schlecht finde ich die keinesfalls. Aber ich finde es eher schade, dass sie mich in erster Linie auf einer abstrakten Ebene packen, über die ich dann nachdenke und reflektiere, aber selten das Gefühl verursachen, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Und das muss sich ja nicht ausschließen, wie man an meinen genannten Beispielen zu sehen. "Poltergeist" mag amerikanische Familienverhältnisse auf andere Weise behandeln als "Hereditary", eben auf satirische Weise mit einer Ladung Konsumkritik, aber danach habe ich mich gefragt, ob unter meinem Bett eine lebendige Clownspuppe lebt. Und dass, obwohl ich a) zu dem Zeitpunkt aus dem Spielzeugalter bereits raus war und b) nie eine Clownspuppe besessen habe. Im Falle von "Hereditary" hatte ich keine Angst davor, dass
Spoiler
Show
irgendeiner meiner Verwandten in der Vergangenheit mal Wirtskörper für einen Höllenfürst war und ich der nächste sein könnte.
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Re: Hereditary

Beitrag von Vince » 13.02.2019, 18:00

Irgendwie denkst du mir da zu sehr etwas hinein, das eine Abhängigkeit des Horrors von der Handlung bzw. dem Dargestellten unterstellt. Würde ich das so sehen, könnte ich mich sicherlich bei "Hereditary" auch kaum gruseln. Aber hinter dem sicherlich etwas abstrakten Plot sind doch durchaus greifbare Dinge verborgen, die viel tiefer bohren als irgendein blöder Clown unter dem Bett (und du weißt, ich mag fiese Clowns eigentlich). Du sagst, die abstrakte Ebene und das ganz reale Gefühl des Gruselns müssen sich ja nicht ausschließen - das ist in meiner Wahrnehmung bei "Hereditary" auch überhaupt nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, die Art von Grusel, die einem physisch zusetzt (Gänsehaut, steigender Puls,...), habe ich in den Horrorszenen von "Hereditary" und deren Andeutungen im Drama-Teil in einer Intensität wahrgenommen, die mir definitiv kein anderer Horrorfilm des Jahres geben konnte. Der letzte vergleichbare Film war da wirklich "Mother!".
Aber dieses Empfinden kann man sich eben nicht aussuchen; es ist da oder halt nicht. Was aber ganz zweifellos feststeht: Der Regisseur wusste ganz genau, was er da gemacht hat. Wirklich gute, effektive Dinge erreichen selten jeden Adressaten.

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