Hotel Artemis

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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McClane
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Hotel Artemis

Beitrag von McClane » 15.02.2020, 13:58

Hotel Artemis

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Originaltitel: Hotel Artemis
Herstellungsland: USA/Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2018
Regie: Drew Pearce
Darsteller: DJodie Foster, Sterling K. Brown, Sofia Boutella, Jeff Goldblum, Brian Tyree Henry, Jenny Slate, Zachary Quinto, Charlie Day, Dave Bautista, Kenneth Choi, Josh Tillman, Evan Jones u.a.

„Hotel Artemis“, die erste Spielfilmregie von Drew Pearce, vermischt Science Fiction, Action und Thrillerkammerspiel zu einem Stück Film auf Tarantinos Spuren. Im titelgebenden Etablissement, in dem verletzte Gangster verarztet werden, tummeln sich Stars wie Jodie Foster, Jeff Goldblum und Dave Bautista, deren Wege sich in einer schicksalhaften Nacht kreuzen.

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Re: Hotel Artemis

Beitrag von Vince » 16.02.2020, 14:43

Kommentar vom 12.02.2019:

Eine weitere Apokalypse, von der man nichts mitbekommt außer die Randerscheinungen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist kostengünstig und regt im besten Fall auch noch die Vorstellungskraft an. Der Nachteil: Wenn man sich dumm anstellt, sieht es so aus, als wolle man sich einfach nur billig um die eigentlichen Schauwerte drücken.

Auf das "Hotel Artemis" jedenfalls fällt höchstens hin und wieder mal der Scheinwerfer, wenn sich zufällig eine abgefeuerte Leuchtrakete ins Viertel verirrt oder schwer gepanzerte Cops (der martialischen Judge-Dredd-Schule) einen Gesetzesbrecher um den Block jagen, in dem das marode wirkende Gebäude sich versteckt wie ein Transformer im Vorgarten. Ein paar Bankräuber mit futuristischen Totenkopfmasken lassen das Chaos von "The Dark Knight" wieder aufleben, während der neonfarbene Wahnsinn von draußen an das strikt abgeriegelte Gebäude hämmert, als werde gerade die Purge Night gefeiert. Innen hält Jodie Foster als Chef-Krankenschwester das Zepter, die wie ein greisenhaftes Überbleibsel ihrer "Panic Room"-Figur die Spreu vom Weizen trennt, indem sie souverän entscheidet, wer reingelassen wird und welche Regeln unter ihrer Obhut gelten. Sie ist nur wenige Sekunden im Bild, da ist bereits glasklar, dass sie nicht nur das schauspielerische Highlight des dystopischen Kammerspiels sein wird, sondern überhaupt jeden anderen Aspekt dieser Produktion übertrifft. Die Agoraphobie ihrer Rolle mag eine selbstzweckhafte Barriere um den eingeschränkten Geltungsbereich der Handlung ziehen, sie wird aber unverschämt gut gespielt. So gut sogar, dass man glauben könnte, dieser Film zimmert allen hart arbeitenden Kräften des Gesundheitswesens das längst überfällige Denkmal.

Obgleich der restliche Cast in der Pflicht steht, Tarantinoismen nicht aussterben zu lassen (wobei die Codenamen der Patienten basierend auf den vergebenen Zimmern mehr als hilfreich sind), tragen auch sie ihren Teil zur Unterhaltung bei. Bei hastigen Gelegenheitskonversationen in Gemeinschaftsräumen oder zwischen Tür und Angel ergeben sich fetzige Wortgefechte, die fast mehr Action austeilen als die eigentliche physische Variante, die sich in ein paar Kabinettstückchen wie kurzen Schießereien, Handgemengen und artistischen Martial-Arts-Einlagen (im Abendkleid) erschöpfen. Dabei werden diverse Stereotypen so künstlich am Leben erhalten wie der angeschossene Bankräuber im Operationssaal: Zachary Quinto etwa als aggressives Papasöhnchen mit Psycho-Potenzial, Jeff Goldblum als enigmatischer Gangsterboss, der nicht einmal mehr furchteinflößend auftreten muss, um sich des Respekts seines Umfelds sicher zu sein, oder Charlie Day als legitimer Nachfolger von Rob Schneider. Nur Dave Bautista ist irgendwie sein ganz eigenes Klischee, ein knuddeliger Riese, der dem Modell Türsteher etwas Herzliches hinzufügt, das man immer wieder gerne sieht.

Während das in düstere Ecken versunkene und nur von den grellen Signalfarben der eigenen Reklametafel beleuchtete Hotel eine durchaus stimmungsvolle Kulisse abgibt, weiß das Drehbuch mit der ewigen Mexican-Standoff-Situation allerdings leider recht wenig anzufangen. Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit werden umständlich an das situative Szenario montiert und die Motivation der Figuren bleibt vergleichsweise oberflächlich. Dass man wenig darüber erfährt, was da draußen vor sich geht, wirkt dadurch weniger geheimnisvoll als vielmehr unbefriedigend. Die Regie lässt darüber hinaus eine klare Linie vermissen, verirrt sich immer wieder in Sackgassen und trägt dazu bei, dass den gar nicht so dummen nächtlichen Smalltalks nicht mehr Tiefe zu entnehmen ist. Wenn man bedenkt, welche Dinge ein Alfred Hitchcock bis Sonnenaufgang in einem Apartment mit einem Mörder, einer Leiche und einigen Partygästen bewegen konnte; dagegen fühlt sich eine Nacht im Hotel Artemis an, als sei die Zeit stehen geblieben.
:liquid6:

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