Miracle - Das Wunder von Lake Placid

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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freeman
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Miracle - Das Wunder von Lake Placid

Beitrag von freeman » 24.01.2006, 16:43

Miracle - Das Wunder von Lake Placid

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Originaltitel: Miracle
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2004
Regie: Gavin O'Connor
Darsteller: Kurt Russell, Eddie Cahill, Michael Mantenuto, Patrick O'Brien Demsey, Kenneth Mitchell, Nathan West, Noah Emmerich, Patricia Clarkson u.a.

Die 70er Jahre: Die Welt befindet sich mitten im Kalten Krieg und die USA hat fast schon überbordende Probleme. Watergate, der Vietnamkrieg geht verloren, das Flitzen wird zum Volkssport, die Amerikaner ziehen sich mehr ins Privatleben zurück (Videospiele boomen), Elvis stirbt, Chemieunfälle und Strahlungsaustritte in Kernkraftwerken beherrschen die Medien, die Inflation hat das Land am Wickel, die NASA gibt das Wettrennen gegen die Sowjetunion ins All auf und auch sportlich darbt das Land vor sich hin. So verliert die USA bei den Olympischen Spielen im Basketball gegen die Sowjets. Kurzum, das Land liegt moralisch am Boden ...

In dieser Phase will Herb Brooks das US-Eishockey reformieren und spricht für eine Stelle als US-Teamtrainer vor. Ziel der Eishockeyliga ist es, eine weitere Schmach der USA bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid zu verhindern. Umso mehr verwundert es Herb, dass er trotz seiner radikalen Ideen die Stelle bekommt, erfordert sein Vorhaben, die Stärken des kanadischen Eishockeys mit denen des russischen zu kombinieren und auf das amerikanische Spiel anzuwenden, doch einen vollkommenen Neuanfang für das US-Eishockey.

In Rekordzeit stellt Herb ein neues Team auf die Beine (es gab damals noch keine feste Nationalmannschaft. Diese rekrutierte sich jedes Jahr aus neuen Collegespielern!) und unterzieht es einem eisenharten Training in dem er die Einzelgänger, die obendrein diverse private Animositäten miteinander ausfechten, zu einer funktionierenden Einheit zusammenschweißt ...

Der Name, der vorne auf dem Shirt steht, ist verdammt noch mal wichtiger als der, der hinten draufsteht!

Über seinen Job als Trainer vernachlässigt Herb seine Familie, die allerdings nach anfänglichen Schwierigkeiten hinter ihm steht, will sie doch Herb vor allem auch deshalb unterstützen, weil er eine vor Jahren widerfahrene sportliche Niederlage vergessen zu machen hofft ...

Die ersten überraschenden Erfolge im Wettkampf lassen nicht nur Herb und sein Team Hoffnung schöpfen ... nein, auch die darbende Weltmacht Amerika fasst wieder Vertrauen und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten. Seinen Höhepunkt findet die Entwicklung im Spiel der USA gegen die übermächtigen Russen, bei dem die ganze Nation an den Fernsehern hängt ...

Nichts drückt die Befindlichkeiten einer Nation so gut aus, wie der sportliche Erfolg. Geht es der Nation gut, klappt es zumeist auch im Sport. Klappt es im Sport, schöpfen auch vom Sport unberührte Bereiche der Gesellschaft Hoffnung. Warum das so ist, weiß keiner so recht, dass es aber irgendwie wirklich funktioniert, zeigte das Wunder von Bern, dass in Deutschland immer wieder stellvertretend für den Startschuss des Aufbruches des zerbombten und geschlagenen Landes in die Wirtschaftswunderzeit steht. Und genau einen solchen Knalleffekt hatte das Wunder von Lake Placid für die USA ...

Bei einer Thematik wie dieser spielen freilich Pathos und Patriotismus eine gewichtige Rolle. In diesem Film stört aber vor allem der - freilich vorkommende - Patriotismus und die damit verbundene Überzeichnung der bösen Russen nicht wirklich, dazu ist der Film zu mitreißend inszeniert und atmet den schieren Pathos. Insbesondere die Szenen auf dem Eis sind dynamisch, rasant und hocheffektiv inszeniert. Mark Isham findet dazu den rechten Gänsehautscore und spätestens wenn der Moderator mitten im Spiel schreit: "Glauben sie an Wunder!" ist der kalt den Rücken herunterlaufende Schauer perfekt.

Das Wunder von Lake Placid atmet freilich nicht nur Pathos, sondern auch viel Zeitkolorit. Die Musikstücke sind passen gewählt und haben einen hohen Wiedererkennungswert, die Frisuren animieren zum Lachen, die Bärte sind der Burner und die Kleidung mit ihren Karomustern einfach wundervoll geschmacklos. Die dadurch erreichte Authentizität steht dem Film freilich gut zu Gesicht!

Kurt Russel ist als Trainer absolut ideal besetzt. Er gibt Herb als eine Mischung aus gnadenlosen Menschenschinder und einsichtigen, hochintelligenten, immer mit Bedacht handelnden Menschen, der dennoch ab und zu vollkommen über die Strenge schlagen kann und die Gesundheit seiner Spieler gefährdet. Dabei formt er aber IMMER unbemerkt den Teamgeist, ein Ziel, für den ihn jedes Mittel recht und billig erscheint. Tja, und solche Rollen beherrscht Russel im Schlaf! Die jungen Darsteller des US Teams liefern eine gute Ensembleleistung, bleiben aber als Einzelpersonen nicht in Erinnerung. Am Ende, vor dem Finale, werden gar Gesichter der Mannschaft gezeigt, die vorher nicht ein einziges mal zu sehen waren, zumindest erinnert man sich als Zuschauer nicht daran, sie bereits gesehen zu haben ...

Wenn man nicht der heutigen Unsitte anheim gefallen ist, bei "USA, USA" Chören oder geschwenkten US-Flaggen die Augen zu verdrehen und überbordenden Pathos mit Patriotismus zu verwechseln, findet man in Miracle einen mitreißenden Sportfilm mit einem kraftvoll aufspielenden Kurt Russel und hervorragend inszenierten, spannenden Eishockeysequenzen!
:liquid8:

Eine deutsche DVD ist von Buena Vista erschienen ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Joker6686 » 02.10.2007, 11:19

Das wir von dem nen Review hier haben. Hamma! :lol:

Bin ja begeisterter Sportfilmfan und hab mir den mal bestellt. Nach deinem Review bin ich ja arg gespannt.

Hab gestern erst " We are Marshall " gesehen, der mich leider nur teilweise überzeugt hat. Das Problem an Footballfilmen ist, dass sie sich alle mit einem messen müssen und es nicht schaffen. Denn Any given Sunday ist einfach der ultimative Footballfilm.

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Beitrag von freeman » 02.10.2007, 17:34

Jau, der kam sogar am WE im TV ... irgendwann nachmittags bei ARD ... ein Hoch auf meine Gebühren :lol:

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Beitrag von Joker6686 » 02.10.2007, 18:57

Habe momentan kein Fernsehen bin also voll und ganz auf die DVD Sammlung angewiesen :wink:

Gleich erstmal Essen gehen und Kino und dann schau ich den heut Nacht denk ich.

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