Resurrection of the little Match Girl

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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freeman
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Resurrection of the little Match Girl

Beitrag von freeman » 06.04.2006, 00:16

Resurrection of the little Match Girl

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Originaltitel: Sungnyangpali sonyeoui jaekin
Herstellungsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 2002
Regie: Jang Sun-Woo
Darsteller: Lim Eun-kyeong, Kim Hyun-sung, Kim Jin-pyo, Jin Sing, Myeong Kye-Nam, Jung Doo-Hong, Ta Kang u.a.

Ju ist Lieferant einer Fast Food Kette und nicht nur in seinem Job ein Loser vor dem Herrn. Mit Null Durchsetzungsvermögen gesegnet, wird er von allen nur verarscht oder - und das viel häufiger - einfach komplett ignoriert. Doch immer wenn er allein ist, mutiert sein Leben zu einer Art Videospiel, in dem er versucht ein Mädchen zu retten, dass Feuerzeuge verkauft. Anfangs ist er alles andere als erfolgreich, je intensiver er sich aber mit dem "Spiel" auseinandersetzt, umso erfolgreicher kommt er von Level zu Level. Ziel des Spieles ist, dass das Mädchen mit den Feuerzeugen in der Kälte eines natürlichen Todes stirbt und dabei an den Spieler (Ju) denken soll. Dies gestaltet sich nicht gerade als einfach, denn immer neue Figuren tun alles, um das Mädchen mittels einer Bleivergiftung vorm Erfrieren zu "retten" ...

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Wer hier wen und warum gerade über den Haufen ballert, erschließt sich dabei zu keiner Sekunde und der Film will das auch gar nicht erst erklären .... vielmehr wischt er es mit einem simplen: Ist doch nur ein Spiel! hinfort. Und damit muss man sich erst einmal arrangieren und auch sonst, ist der Film ein einziges riesengroßes Rätsel, denn wo sich Matrix gern kryptisch gab und versuchte den Zuschauer vor eine Wand aus Rätseln zu setzen (die man dann etwas zu simpel wieder einriss) sitzt man nun vor Resurrection of the little Match Girl und sieht wahrlich gar kein Land mehr ... Hier werden mit einem Verve die Realitätsebenen vermischt, dass man irgendwann absolut nicht mehr weiß, was Spiel und was wirklich real ist. Anfangs erleichtert die Optik noch die Trennung, doch irgendwann lässt auch sie den Zuschauer allein und schlägt munter Purzelbaum um Purzelbaum. Spätestens bei der großen Jagd auf den Schmetterling ist dann alles aus. Insofern ist es für das eigene Unterhaltungslevel wichtig, inwiefern man als Zuschauer in der Lage ist, einfach mal abzuschalten und einfach nur zu genießen, was da an Eindrücken auf einen einrast und derer gibt es teils wahnwitzig viele ...

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Das Interessanteste an dem Film ist die Matrixartige Anknüpfung an ein Märchen, hier das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Hans Christian Andersen. Sein Märchen handelt von einem Mädchen, das Schwefelhölzer verkaufen soll, an einem ganz besonders kalten Tag aber keines absetzen konnte und sich darum nicht nach Hause traut. Um sich zu wärmen, hockt es sich in einen Hinterhof und entzündet Schwefelholz um Schwefelholz und denkt dabei an seine kürzlich verstorbene Großmutter ... am nächsten Morgen findet man das Mädchen, erfroren und dennoch lächelnd ... Trauriger und schöner geht es im Grunde kaum noch und es liefert eben das Grundkonstrukt des Filmes, dass man aber spätestens zur Mitte des Filmes recht rigoros wieder fallen lässt. Dies ist insofern schade, dass der Vorspann die gesamte Vorgeschichte des Mädchens mit den Schwefelhölzern herrlich bebildert ... Es zeigt Elemente wie das sinnlose Feilbieten der Schwefelhölzer (hier Feuerzeuge), die viel zu großen Schuhe des Mädchens, die niemals im Leben Wärme spenden können (im Märchen geht dem Mädchen ein Schuh abhanden, welchen der Finder als Wiege für sein Neugeborenes nutzen will) und wie es sich einen Platz sucht, um hier Feuerzeug um Feuerzeug zu entzünden. Dies wird in herrlichen Bildern transportiert. Fast vollkommen farblos, mit Helligkeitsschwankungen und dominanter Musik versehen kommt fast Stummfilmfeeling auf. Dieser interessante Ansatz wird dann schnell fallen gelassen und durch ein unglaubliches Stilmittelbombardement ersetzt. Hierbei lernen wir zunächst Ju in seiner realen Umgebung kennen. Alles ist trostlos, verharmt und abgerissen. Arbeitslosigkeit dominiert und ganze Familien hausen in beengtesten Wohnräumen. Dementsprechend bleibt die Optik recht trist und wirkt ein wenig wie mittels Digitalvideo gefilmt. Einen kurzen Ausbruch bietet der Traum Jus, der Actionspielmäßig alle Angestellten eines Büros umnietet und schon einmal anzeigt, in welche Richtung der Film weitergehen wird, denn diese Spielebene wird nun immer bedeutender werden und damit wird sich auch die Optik komplett ändern. Von Level zu Level dominieren andere Farbgebungen und Farbfilter. Zeitlupen wechseln sich mit Zeitrafferaufnahmen ab, Jumpcuts fließen in den Film ein und gelungene CGIs (unter anderem Bullet Time) machen sich breit. Und während man nun die ganze Zeit glaubt, man befinde sich in dem Spiel, beginnen plötzlich diverse Anspielungen den Zuschauer zu verwirren und lassen die Realitätsebenen vollkommen verwischen, da ändern diverse Statusanzeigen, die Auskunft über die Charaktere oder die Bewaffnung geben, per Sprechblasen geführte Dialoge oder wachsende Skills und Stärken Jus nicht mehr viel, hier ist nichts mehr nur Spiel und nur Realität. Spätestens wenn während des kryptischen Showdowns zwei Enden angeboten werden, wobei eines realistisch daherkommt und eines eben Computergameartig actiontechnisch übertrieben wird und happy ausgeht, was sich zudem mühelos in die Realität überträgt, ist die Verwirrung komplett, aber das Auge satt ... Kurzum: optisch ist der Film überragend!

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Storytechnisch kann man dies nur bedingt behaupten ... Wie bereits erwähnt, gefällt die Märchenanbindung, aber das zunehmende Abgleiten der Story aus erklärbaren Gefilden schadet dem Film, denn es wirft den Zuschauer aus der Story ... dazu trägt das Figurenarsenal viel bei. Hier taucht immer neues Kanonenfutter von irgendwoher auf und man weiß nicht, in welcher Verbindung es mit der ganzen Angelegenheit steht! Da der Film - wie bereits erwähnt - auch keine Anstalten macht, dieses Figurengewirr zu entknoten, wird man mit dem Film und seinen Figuren nicht wirklich warm. Doch der Film findet hierfür, neben der Optik, eine weitere immer gern gesehene Lösung: Nach zähen ersten 30 Minuten reiht er einfach Actionszene an Actionszene und lässt die meisten neuen Figuren eh nach wenigen Minuten über den Jordan gehen. Die Action ist dabei nett choreographiert, Wireworkdurchzogen und bietet innerhalb der auf Hochglanz getrimmten Martial Arts Einlagen und Shoot Outs durchaus auch ein zwei Härten. Das Highlight setzt der Amoklauf des Mädchens mit den Feuerzeugen, dass sich irgendwann gut 20 Minuten lang zu dem hervorragenden klassischen "Ave Maria" mit einer MP 5 von Schauplatz zu Schauplatz metzelt und alles umnietet, was ihr einst ein Leid angetan hat oder schlicht kein Feuerzeug kaufen wollte. Den Sinn hinter der Aktion zu hinterfragen ist müßig, aber die Wirkung ist enorm. Die letzte halbe Stunde des Filmes birst dann vor Action, Energie und Ideen, von denen man zwar nichts mehr versteht, aber der Bildersturm betäubt eh alle Sinne.

Die Darsteller schlagen sich dabei beachtlich. Bekannte Gesichter konnte ich keine ausmachen aber das Little Match Girl ist meganiedlich! Die einzigen Charaktere, die ein wenig nerven, weil sie extrem overacten, überleben die erste Actionszene nicht und so bleibt hier darstellerisch wahrlich alles im Lot, verzichten doch alle anderen Darsteller auf diese relativ unbeliebte Form des Schauspiels. Die gespielte Musik ist ebenfalls sehr gut und bietet vor allem koreanische Musikstücke aller Couleur: Pop, Klassik, asiatisch angehauchte Instrumentalstücke und ein hammergeniales Nu' Metal / Metalstück auf koreanisch! Respekt!

Nach zähem Beginn punktet der Film mit viel Action und überbordenden Stilwillen überfordert aber mit einem wilden Storyverlauf, bei dem sich mehr als einmal ein großes "Warum das Ganze?" in den Gesichtern der Zuschauer abzeichnen dürfte ....
:liquid6:

Die DVD kommt mit einer FSK 18 uncut in annehmbarer Bild- und Tonqualität von ION New Media ...

In diesem Sinne:
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Vince
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Beitrag von Vince » 06.04.2006, 00:28

Not bad! Hört sich ja sehr verspielt an. :wink:

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Samir
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Beitrag von Samir » 06.04.2006, 09:11

sehr gutes Review! Stand schon öfters vor der DVD und hab sie liegen gelassen , hörte sich für mein geschmack ein wenig abgedreht an. Naja mal gucken vielleicht hol ich ihn mir ja um zu gucken wieviel wert deine Meinung eigentlich ist ;)

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freeman
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Beitrag von freeman » 07.04.2006, 00:13

Samir hat geschrieben:wieviel wert deine Meinung eigentlich ist ;)
Aktuell 8.90 Euronen (beim Saturn) :lol:

In diesem Sinne:
freeman
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Samir
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Beitrag von Samir » 07.04.2006, 00:47

freeman hat geschrieben:
Samir hat geschrieben:wieviel wert deine Meinung eigentlich ist ;)
Aktuell 8.90 Euronen (beim Saturn) :lol:

In diesem Sinne:
freeman
ne soviel ist mir deinen Meinung mit sicherheit nicht wert ;)

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Joker6686
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Beitrag von Joker6686 » 10.06.2006, 01:49

Was ein kaputter Film :lol: Ich weiss nicht was ich davon halten soll...am Anfang kam ich noch klar aber nach ca. 30 Minuten hab ichs aufgegeben zu versuchen zu verstehen was dieser Film soll.Dieser Film ist echt Reizüberflutung pur.
Ich sach nur Makrele :00000694 :00000694 :00000694

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