Silverfox

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
Antworten
Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 49331
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Silverfox

Beitrag von freeman » 17.06.2006, 00:10

Silverfox

Bild

Originaltitel: Gauyat sandiu haplui
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1992
Regie: David Lai, Corey Yuen, Jeffrey Lau
Darsteller: Andy Lau, Anita Mui, Aaron Kwok, Kenny Bee, Gloria Yip, Carina Lau u.a.

Eine Gestalt in einem schwarzen Umhang, nur bewaffnet mit einem Schwert, verschafft sich Zugang zu einem Hochsicherheitsgefängnis ... und wie sie das macht. Sie zieht zunächst das ganze Feuer auf sich, doch scheinen ihr Kugeln nichts anhaben zu können. In den Feuerpausen schlägt sie dann unerbittlich zu und lässt ihre Gegner ihr Schwert spüren. Diese zerfallen in zwei Hälften, verlieren den Kopf und so manchen Liter Blut. Nachdem die Gestalt mit der ganzen Belegschaft ein Halbes gemacht hat, befreit sie Eagle, den wichtigsten Gefangenen, und bringt ihn zu einem abgelegenen Ort. Eagle erkennt in der Gestalt sofort den Scharfrichter der Bruderschaft des Grünen Drachen: Silverfox. Eagle soll für sein Versagen bestraft werden, die Prinzessin Jiu nicht getötet zu haben. Er wurde von einer Frau namens Paradisa am Vollzug seines Auftrages gehindert und geblendet, denn Paradisa trieb Eagle ihre Messer (durch seine schützend vor die Augen gehaltenen Hände) in die Augäpfel ...! Eagle bittet Silverfox die Prinzessin und Paradisa zu töten, was dieser ihm auch verspricht, um kurz darauf Eagle wegzusplattern.

Paradisa muss sich derweil der Avancen ihres Mitarbeiters Mercury erwehren und erwartet die Ankunft von Prinzessin Jius Schwester Wendy. Auch Silverfox schaut mal eben bei ihr vorbei und verstrickt sie in einer Bahnhofstoilette in einen Kampf auf Leben und Tod, den sie nur dank ihres Freundes Leo schwer verletzt überlebt. Für Silverfox hat dieses Duell den Verlust der Fähigkeit des binokularen Sehens zur Folge, für Leo dagegen kommt jede Hilfe zu spät. Paradisa trennt sich daraufhin von Mercury und bittet ihn, während ihrer Abwesenheit ein Auge auf Wendy zu haben. So will sie die beiden aus der Schusslinie bekommen und sich in aller Ruhe Silverfox zuwenden. Doch Mercury denkt gar nicht daran, sich von seiner Angebeteten allzu lange zu trennen ... nicht ahnend, dass die Liebe seines Lebens quasi um die Ecke wohnt ... Ein Umstand, der auch Silverfox sehr zu interessieren scheint ...

Drei Regisseure haben diesen Film hier fabriziert. Dabei ist schon einmal ganz klar, welchen Part Corey Yuen als Regisseur übernommen hat: Die Action, denn diese trägt unverkennbar seine Handschrift. Wireworkintensive Martial Arts Einlagen vom Allerfeinsten! Den Rest des Filmes haben dann David Lai und Jeffrey Lau besorgt, wobei sie einen riesigen Over the Top Comic Strip geschaffen haben, der eine Hongkongtypische Fantasystory in ein modernes Gewand kleidet und dennoch alle Ingredienzien wie ewige Liebe, Prinzessinnen, Todesengel, Königinnen, Piraten usw. enthält. Der comiclike Teil präsentiert dabei Frauen, die von aufspringenden Türen in die Wand gedrückt werden, Granaten, die folgenlos in den Händen der Protagonisten explodieren, seltsame Hongkong Situationskomikeinlagen, die sehr überzogen wirken und freilich die roadrunnergleiche Unverletzbarkeit der Helden. Dies kann aber nicht verhindern, dass die fantastische Grundstory einen Heidenspaß macht, allerdings dauert es so ein wenig, bis man als westlicher Zuschauer in den Film hineinfindet. Hat man sich mit der Ausgangssituation arrangiert, bekommt man eine recht ausgewogene Balance aus knochentrockener, recht harter Action, funktionierender Fantasystory und eben den überzogenen Momenten geboten.

So fantastisch die Story auch anmuten mag, die Highlights bilden die Einlagen von Corey Yuen, der hier in jeder Actioneinlage Staunen macht. Unbändiger Stilwillen trifft auf eine optische Souveränität und choreographische Brillanz, die ihresgleichen sucht! Dabei hagelt es auch noch Ideen im Sekundentakt. Es setzt eine frühe Form der Bullet Time bei Messern, die Schusswaffen hinterlassen riesige Einschusslöcher und die Hieb und Stichwaffen werden durch alle Körperteile getrieben. Vor allem Silverfox macht wahrlich keine Gefangenen und treibt manchem Kontrahenten sogar die beiden Teile einer zerbrochenen Tür durch den Körper! Unglaublich. Man schießt auch mit speziellen Waffen, wie der Atemnotkanone, die lustigerweise den Film Schwarz Weiß werden lässt! Dann gibt es noch ein Bumerangschwert und Silverfox ist in der Lage, sich selbst zum Engel des Todes zu dopen, eine Art God Mode, die es ihm ermöglicht, durch Leute zu gehen, ihnen dabei Lebensenergie abzusaugen und sie zu einem seiner Mitstreiter werden zu lassen. Die Schusseinlagen sind auch sehr eigenwillig geraten: Nach jedem Schuss wird die Handfeuerwaffe mindestens einmal in der Hand um ihre Achse gedreht und dabei die Schusspose gewechselt ... Kurzum, wenn hier irgendwas rockt, dann alles, was mit der Action zu tun hat. Einen Pferdefuss bei der Actioninszenierung gibt es allerdings: Die blutigen Konsequenzen der ersten Actioneinlage in dem Gefängnis werden mittels Schaufensterpuppen dargestellt, SICHTABR! Das gibt es im weiteren Verlauf des Filmes dann glücklicherweise nicht mehr. Die optische Souveränität endet glücklicherweise nicht mit den vor Energie und Dynamik strotzenden Actionszenen, sondern wird auch in den Handlungsszenen auf einem überdurchschnittlichen Niveau gehalten und präsentiert unwirkliche, überzeichnete Settings und farbintensive Bildkompositionen inklusive eigenwilliger Perspektiven.

Bei den Darstellern gibt es Licht und Schatten. Da sind auf der einen Seite Andy Lau als Mercury und Anita Mui als Paradisa, die sich eher an den westlichen Schauspielstil halten, während der Rest des Castes - abgesehen noch von dem Silverfox Darsteller Aaron Kwok - hongkonglike teils gnadenlos überzieht. Der daraus resultierende "laute" und "aufgeregte" Schauspielstil mag den meisten nicht gefallen, zu diesem, in allen Belangen überzogenen Actioncomic passt es sogar irgendwie. Einzig der Humor wirkt ab und an zu derb und unpassend. Die Musik des Filmes kommt vollständig aus der digitalen Retorte und hat ein paar herrliche Themen an Bord, die insbesondere bei den Auftritten von Silverfox an Terminator erinnern.

Silver Fox ist ein in allen Belangen überzogener, in den Actionszenen geradezu rauschhafter Actioncomic wie ihn nur die Chinesen gestemmt bekommen!
:liquid7:

Eine uncut Version gibt es in den Videotheken zu leihen, die mit einer FSK 18 vom Label Splendid kommt. Eine DVD gibt es in Hongkong von dem Label Universe.

In diesem Sinne:
freeman
Zuletzt geändert von freeman am 22.02.2007, 02:04, insgesamt 1-mal geändert.
Bild

Benutzeravatar
Joker6686
Action Fan
Action Fan
Beiträge: 3335
Registriert: 19.02.2006, 13:24
Wohnort: Dortmund

Beitrag von Joker6686 » 17.06.2006, 00:32

Fettes Review as allways

Film klingt interessant,mal sehen obse den bei uns in der Theke haben *g*

Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 49331
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Beitrag von freeman » 06.02.2007, 01:19

Seit kurzem gibt es von VCL eine DVD ... hat irgendwer eine Ahnung oder irgendwo was gelesen, ob die uncut ist? Weil 15 Euro für Cutmist ist mir dann ein wenig zuviel des Guten ...

In diesem Sinne:
freeman
Bild

Benutzeravatar
kami
Action Fan
Action Fan
Beiträge: 4567
Registriert: 10.06.2006, 17:39
Wohnort: Leipzig

Beitrag von kami » 06.02.2007, 08:50

Schöne Rezi, freeman, wobei Du vergessen hast, den wahren Star des Filmes zu erwähnen, nämlich den DoP Peter Pau, der den Film mit seiner surrealen und gleichzeitig wunderschönen Bildsprache erst funktionieren lässt. SAVIOR OF THE SOUL ist ein stranger Film, wie er eigentlich nur aus HK kommen konnte, eine Art Modern Day-Arthouse-Wuxia-Pian.
8/10

Es gibt übrigens noch einen zweiten Teil vom gleichen Regie-Team, diesmal leider eine grausam alberne Klamotte, deren wenige gelungene Actionszenen die Pein, die der Rest erzeugt, nicht kompensieren können.
3/10

Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 49331
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Beitrag von freeman » 22.02.2007, 02:03

By the Way ist die deutsche DVD uncut ... Ofdb Eintrag

Yippieh ...

In diesem Sinne:
freeman
Bild

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 0 Gäste