Hard Truth, The

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Vince
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Hard Truth, The

Beitrag von Vince » 28.07.2006, 01:49

The Hard Truth

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Originaltitel: The Hard Truth
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1994
Regie: Kristine Peterson
Darsteller: Michael Rooker, Eric Roberts, Lysette Anthony, Yvonne Farrow, Nicholas Cascone, Ray Baker, Heather Cummings, Michael Edward Rose, Brian Markinson, Lee Wessof, Don Yesso, Charlie Brewer, Katherine Cortez, Reg E. Cathey, Douglas Rowe, Greg Kuper u.a.

Frau Peterson hat uns schon einige kleine Gottesgeschenke gemacht. Marc Dacascos ließ sie mit viel Schmackes durch die “Kickboxer”-Reihe schreddern und dem “Critters”-Franchise vermachte sie seinen gnadenlosen Tiefpunkt mit dem dritten Teil. Zwischen diesen beiden Meilensteinen des Niveaus führte sie zudem noch Eric Roberts in ein Caper-Movie, dessen Caper-Elemente allerdings aufs Rudimentärste zurückgefahren werden. Die Rede ist von “The Hard Truth”. Kündigt sich darin zunächst ein vergnüglicher Actioner an, dreht sich schon bald alles zu einem Verschwörungsthriller, bei dem das Misstrauen regiert. Roberts, Michael Rooker und Lysette Anthony sind das Dreigespann, das hier gemeinsam ein Ding drehen will und sich dabei selbst auf den Füßen steht.

Von neuen Perspektiven, den dreckigen Copthriller (sprich: Copthriller, bei denen auch die Cops keine Saubermänner sind) auf frische Art anzugehen, will Peterson offenbar gar nichts wissen, denn was man hier zu sehen bekommt, ist eine Schablone von einer Filmhandlung. Rooker will uns die Vermittlungsperson sein, wir sollen aus seiner Warte das Geschehen beobachten. Das tun wir, und was wir sehen, ist mal wieder die Ungerechtigkeit der Vorgesetzten gegenüber den hart arbeitenden Ermittlern. Rookers Figur Jonah Mantz erschießt einen Mörder auf der Flucht und wird dafür unberechtigterweise gerügt. Also quittiert er den Job (“Sie wollen mich kündigen? Ich mach’s Ihnen leicht! Hier, meine Marke!”) und beschließt, sich einfach mal durch einen Raub von 3 Millionen Dollar aus dem Tresor des Stadtrats zu revanchieren, wobei er Hilfe von seiner Freundin Lisa (Anthony) und einem ehemaligen Einbrecherass (Roberts) bekommt. Letzteres muss er dazu aber erpressen...

Leicht vom Restgeschehen abzunabeln ist die actionlastige Exposition, in der Jonah Mantz den wahnsinnigen Killer (gespielt von Charlie Brewer, der vom Auftreten her zeitweise wie Vincent Schiavelli in “Ghost - Nachricht von Sam” wirkt) durch eine U-Bahn-Station jagt. Hier bestimmt Style den Handlungsverlauf, nicht Logik: Eine ganze Polizistenkompanie vermag es nicht, den Irren zu erschießen, der da wie bescheuert mit seiner MG herumrattert. Vor der U-Bahn werden dann munter Passagiere niedergestreckt, bis Mantz sein Opfer im Visier hat und ein wirklich cool anzuschauendes, aber unglaublich naives Schussduell zwischen U-Bahn-Tür und Angel die Fronten klärt. Rooker schreit da auch mal voller Inbrunst “HALTSTOPPMOMENTSTEHENBLEIBENHALTSTOPP!” (Als wenn ein einfaches “Halt!” nicht genügen würde), zudem kann er sich wohl immer sicher sein, dass ihn eine tödliche Verletzung nicht ereilen kann, sondern höchstens mal ein blauer Fleck von einer Kugel, die in die kugelsichere Weste eingeschlagen ist - eben der typische “Nur ‘ne Fleischwunde”-Effekt, der in “Last Action Hero” mit Arnie so hübsch persifliert wurde. Und anschließend im Spiegel kontrolliert wird das Ganze dann auch noch mit einem schmerzerfüllten Blick.

Das soll mit der Action soweit für den Anfang schon alles gewesen sein, doch der Männerstoff ist noch nicht vorbei; es folgen in der nächsten halben Stunde rund vier Sexszenen zwischen Rooker und Anthony, und höchstens eine wäre nötig gewesen, um zu verdeutlichen, worauf die Story hinauswill (eben auf die Dreierkonstellation Rooker/Anthony/Roberts zwischen Treue und Verrat). Alles weitere ist reiner Voyeurismus, da ist nix mehr mit künstlerisch wertvoller Nacktszene.

Erstaunlicherweise beruhigen sich dann die massiven, teils ins Lächerliche abgleitenden B-Parts des Films, als Eric Roberts ins Geschehen eingreift. Sicherlich bleibt “The Hard Truth” über seine komplette Laufzeit im B-Bereich alleine schon durch die Prämisse (“The Hard Truth” steht hier für das Gesetz der Straße, dass Erfahrung alles andere wettmacht), aber mit Beginn des Mittelteils baut sich die Story sehr ruhig, fast behäbig auf, als wolle er vorsorglich alle Möglichkeiten offenhalten, souverän zu bleiben. Das gelingt beileibe nicht immer (wieso verlangt Roberts von Anthony, dass sie sich auszieht, als er sie mit geladener Waffe überrascht? Und wieso weist Anthony Roberts den Weg zur Toilette, als Rooker die Szene auflöst? Weil er sich vor Angst in die Hosen gemacht hat?). Die offensichtlich lächerlichen Momente bleiben aber gering, was auch Roberts’ abgeklärtem Auftreten zu verdanken ist. Er spielt so selbstverständlich, dass er dem etwas nervös agierenden Rooker die Schau und dem Zuschauer die Identifikationsfigur stiehlt. Man weiß nämlich nun nicht mehr so recht, zu wem man stehen soll, und vielleicht ist das sogar ganz gut so, denn immerhin ist es ja das erklärte Ziel, den Zuschauer über die Charakterkonstellationen im Unklaren zu lassen. Nicht, dass das funktionieren würde, denn Charakterentwicklung findet kaum statt. Erst mit dem Plottwist ändern sich schlagartig sämtliche Persönlichkeiten so ziemlich aller Beteiligten, was dann so abrupt kommt, dass man sich am Popcorn verschluckt. Sofern man daran nicht erstickt ist, darf man dann wieder über das hilflose Drehbuch lachen, das meint, es könne dem Zuschauer eine solche Wendung am Ende servieren, nachdem zuvor in Sachen Figurenzeichnung so gut wie nichts getan wurde.

Und das ist schon schlimm, denn den drei Protagonisten wird ja so viel Zeit zum Quatschen zugestanden, dass der eigentliche Geldraub eher nebenbei abläuft. Ausgeklügelte Planungen à la “Ocean’s 11" oder “The Score” sollte man tunlichst nicht erwarten, ein einfaches rein und raus aus dem Büro des Stadtrats und ein bisschen Computerhackerei muss da genügen.

Dennoch überrascht es, dass es trotz dieser verplemperten Zeit, die man für sinnvolle Charakterentwicklung, Action oder noch mehr Nacktszenen hätte verwenden können, nie wirklich langweilig wird. Auf eine mir unbegreifliche Art fesselt das Geschehen an den Bildschirm, und sei es nur, weil man sehen will, wie Roberts Rooker verarscht. Die Zeiten des himmelhohen Schwachsinns, wie man ihn bei den “Critters” im dritten Anlauf ertragen musste, haben sich doch tatsächlich etwas geändert.

Eine Empfehlung will ich selbstverständlich nicht aussprechen, aber ganz Banane ist “The Hard Truth” dann auch wieder nicht. Eric Roberts-Groupies kommen vermutlich auf ihre Kosten, bestimmt er den Cast durch seine erhabene Selbstverständlichkeit doch ganz klar. Geballert wird nur anfangs und am Ende etwas, und streckenweise ist der Streifen wirklich richtig dumm; wie durch ein Wunder ist dennoch nicht die Langeweile an der Macht. Wobei sich das vermutlich bei einer zweiten Sichtung ändern dürfte, denn einen Langhaltswert traue ich diesem belanglosen Ding nun nicht zu.
:liquid4:

Die DVD von Warner / VCL ist besser, als man meinen könnte: Zwar ist kein Originalton vorhanden und das Bild ist 4:3 (wobei mir nicht bekannt ist, ob das das Originalformat ist), auch die Extras beschränken sich auf ein paar Filmografien, doch der Film kommt ungeschnitten ab 16, überrascht mit animierten Menüs und Bild- und Tonqualität sind weitestgehend ordentlich (abgesehen von ein paar Ausnahmen).

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Beitrag von freeman » 29.07.2006, 00:24

*lach* als der mal im TV kam, bin ich nur wegen ihr dran geblieben: Lysette Anthony und um zu sehen ob sie in dem Film auch blank zieht. Weil in der Phase damals hat die mir richtig gut gefallen und ich war mehr als nur auf der Suche nach mehr Haut LOL. Eine erste Kostprobe hatte ich bei einer Tales from the Crypt Folge erhalten ... Und die gefällt mir vom Gesicht her immer noch verdammt gut. An den Film selber kann ich mich ehrlich gesagt - trotz deiner Inhaltsangabe und Kritik - wirklich nur noch marginalst erinnern ... Achja: Schönes Review ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Vince » 29.07.2006, 00:27

Danke...
Ich find die Lysette jetzt aber nicht so wirklich toll. Ich will's mal so ausdrücken: Als Roberts sie mit der Waffe bedrohte und befahl, sie solle sich ausziehen, da war's mir egal, ob sie's macht oder nicht. :wink:

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Beitrag von freeman » 29.07.2006, 00:38

Gut so, behalte ich die Lysette eben für mich ... aber komm dann net angerannt und heul rum ... gelle? ;-)

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