300 + Rise of an Empire

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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300 + Rise of an Empire

Beitrag von freeman » 09.04.2007, 17:26

300

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Originaltitel: 300
Produktionsjahr: 2006
Herstellungsland: USA
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Gerard Butler, Lena Headey, Dominic West, David Wenham, Vincent Regan, Michael Fassbender, Tom Wisdom, Andrew Tiernan, Rodrigo Santoro u.a.

Um 500 v. Chr. war das Perserreich unter Dareios I. bestrebt, seine Hegemonieansprüche auch im griechischen Raum durchzusetzen. Darum begann man um 490 v. Chr. mit einem Feldzug gegen Griechenland, wurde allerdings bei Marathon empfindlich eingebremst. Seine Eroberungspläne gab man aber nie auf und fiel um 480 v. Chr. wieder in Griechenland ein. Diesmal unter dem persischen Großkönig Xerxes I.. Diesem Großangriff sahen sich die Griechen relativ unvorbereitet gegenüber. Doch sie hatten Glück im Unglück, denn der spartanische König Leonidas stellte sich an einem Engpass (den Thermopylen - ein durchschnittlich 15 Meter breiter Pass im Kallidromos-Gebirge) mit seinen Elitekriegern, den Spartiaten, der persischen Übermacht und konnte so für die Griechen im Hinterland etwas Zeit gewinnen. Zwar wurde Leonidas mit seinen Mannen komplett aufgerieben und gingen griechische Metropolen wie Athen in Flammen auf, doch die so gewonnene Zeit konnte man nutzen, um die griechischen Flottenverbände zusammenzuziehen und neu zu koordinieren. So gelang es die Flotte der Perser bei Salamis empfindlich zu schlagen. Nach diesem beeindruckenden Sieg gingen die Griechen in die Offensive, schlugen die Perser erneut bei Platää und beendeten in Folge dessen den Feldzug der Perser.

Aus diesen ohnehin interessanten Geschehnissen pickte sich der in Comickreisen geradezu kultisch verehrte Frank Miller - wie schon der Sandalenfilm "Der Löwe von Sparta" - die Schlacht an den Thermopylen heraus und konzentrierte sich damit auf den heldenhaften Kampf einer gnadenlos unterlegenen Abordnung tapferer Krieger gegen einen übermächtigen Gegner. Dabei scherte sich Frank Miller keinen Deut um historische Genauigkeit. Beispielsweise lehnte er sich eher an die historischen Überlieferungen Herodots an, da dessen Zahlen in Bezug auf die aufeinandertreffenden Heerscharen in ihrer Überzogenheit einfach besser auf eine comiceske Handlung bzw. eine Graphic Novel anzuwenden sind. Denn dass, wie bei Herodot überliefert, die Perser mit einem Millionenheer auf dem griechischen Festland landeten, wird vor allem von der heutigen Geschichtsforschung aufgrund von simplen Berechnungen wie "Fassungsvermögen damaliger Schiffe plus mitführbare Mengen an Lebensmitteln usw." stark angezweifelt. Doch Miller geht es um den Blut, Schweiß und Tränenaspekt des Opfertodes von Leonidas und da spielt die historische Genauigkeit nicht wirklich eine Rolle. Unterhalten sollte seine Graphic Novel und das gilt nun auch für den Film.

Dieser wird aus Sicht des Erzählers Dilios geschildert. Ein Mitstreiter des ehrenvollen spartanischen Königs Leonidas, dem er beinahe bis zum Schluss zur Seite gestanden hat. Der faszinierten Zuhörerschaft berichtet er von einem spartanischen Ritual, in dessen Verlauf kranke, schwächliche und missgebildete Babys getötet wurden. Ein Baby übersteht dieses Auswahlverfahren und wird in "staatliche Obhut" gegeben, wo man es zu einem gnadenlosen Kämpfer erzieht. Nach einem Initiationsritual, während dem der zum Jüngling Gereifte auf sich allein gestellt in der Wildnis überleben muss und sich gar gegen einen riesigen Wolf zu behaupten hat, wird der Junge zu einem Spartiat (Elitekrieger Spartas, die weit über die Landesgrenzen hinaus gefürchtet waren) und im weiteren Verlaufe gar zum König von Sparta. Sein Name: Leonidas. Um 480 v. Chr. steht eine Abordnung persischer Gesandter vor ihm und fordert ihn auf, sich dem gottgleichen Xerxes kampflos zu ergeben. Der stolze König hört sich das Angebot der Perser ruhig bis zum Schluss an und bringt die Überbringer des schmachvollen Kapitulationsangebotes um. Der Senat von Sparta sieht dieses unbeherrschte Tun nicht allzu gerne und stellt sich offen gegen die Mobilmachungspläne des Königs. Auch die Befragung des Orakels, eine Instanz, gegen die sich nicht einmal ein König durchsetzen kann, bringt keine guten Nachrichten für Leonidas. Dass das Orakel längst von persischen Geldern korrumpiert ist, kann er freilich nicht ahnen. Ohne jegliche Rückendeckung seines Stadtstaates versammelt er die 300 besten Kämpfer seines Heeres um sich und bricht offiziell zu einer Art Ortsbegehung auf. In Wirklichkeit bezieht er mit seinen Männern Stellung an den Thermopylen. Ein Engpass, der die Übermacht des persischen Heeres komplett aufhebt und eben durch eine handvoll Männer zu verteidigen ist. Dieses Manöver, das Leonidas schon in dem Kampf gegen den riesigen Wolf geholfen hat, wird nun über das Wohl und Wehe Griechenlands entscheiden ...

Und am Ende wird Leonidas beweisen, dass auch Götter bluten ...

Die abgöttisch verehrte Comicvorlage, die hochinteressante und auf puren Heroismus setzende Grundgeschichte (die man zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges vor allem den in Stalingrad eingekesselten Männern immer wieder gerne in Erinnerung rief!!!) und die Reduzierung der Filmhandlung auf das pure archaische Aufeinandertreffen zweier Kriegsmaschinerien verspricht auf dem Papier für Fans testosteron- und adrenalingeschwängerter filmischer Vorschlaghämmer Unterhaltung vom Feinsten. Leider kann 300 diese Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Gründe dafür sind recht vielfältiger Natur. Zunächst muss man anmerken, dass die Geschichte sehr dünn ist. Doch das war die Vorlage von Miller auch schon und simple Handlungen müssen nicht zwingend schlecht sein, um wuchtig zu unterhalten, was gerade die actionaffinen Leser sicher mit einem Kopfnicken bestätigen werden. Dennoch wäre ein wenig mehr geschichtliche Anbindung sehr fein gewesen und ein wenig mehr Tiefgang durchaus wünschenswert gewesen.

Nehmen wir als Beispiel Leonidas Erziehung und seine daraus folgende Einstellung zum Kampf. Diese Episode ist stark, kraftvoll und dank des präzisen Off Erzählers Dilios stringent, spannend und eben wie der gesamte Film sehr geradlinig. Doch leider fehlt genau durch diese Erzählweise die Erklärung der Motivation für diese Vorgänge. Warum werden die Jugendlichen so getrimmt? Entstehen ihnen dadurch Vorteile? Welchen Rang nehmen sie aufgrund der Erziehung ein? Werden sie durch diese Erziehung zu bloßen Kampfmaschinen oder wird auch die Bildung vorangetrieben? Was bedeutet der "schöne Tod", den sie suchen und anstreben? Und und und. Die Folge der fehlenden Motivation hinter den Handlungen und Einstellungen der Figuren und vor allem der Spartiaten lässt den Zuschauer nicht hundertprozentig in den Film hinein. Ein Fakt, der bei den martialischen "Schöner Tod" Reden dringend notwendig gewesen wäre. Denn so laviert man beständig zwischen zweifellos vorhandener Faszination für diese Kriegerkaste und Unverständnis für ihr "lebensmüdes" und den Krieg suchendes Wesen hin und her. Um eine Lösungsmöglichkeit anzubieten, hätte ich mir eine Art Last Samurai ähnliches Konstrukt erhofft, in dessen Verlauf man mehr an die zunächst so fremd erscheinenden Figuren herangebracht wird und dann eben auch verstehen kann, warum sie handeln, wie sie handeln. Ein weiterer Grund für das eher mangelnde Involvement des Zuschauers ist die Tatsache, dass uns bis auf den grandiosen Leonidas nicht wirklich eine Figur näher gebracht wird. Ich war beispielsweise erstaunt, wie wenig Dilios Darsteller David Wenham aktiv ins Geschehen eingreifen darf, immerhin ist dieser dank Herr der Ringe bei Weitem kein Unbekannter mehr. Die Folge dieses "Vorgehens" ist, dass die ersten gefallenen Spartiaten, die man schon ein wenig überinszeniert, nicht viel Eindruck beim Zuschauer hinterlassen und man nicht anfängt im Verborgenen die 300 runterzuzählen ... Kurzum: Irgendwie lässt das Gemetzel vor allem zu Beginn seltsam kalt.

Wo man die Charaktere also seltsam unterentwickelt lässt und sich dabei falscherweise an die "Schlichtheit" der Miller'schen Vorlage hält, baut man dann plötzlich einen seltsamen Storystrang ein, der Tiefgang vorgaukeln soll, dabei aber grandios scheitert. Es geht dabei um die Bemühungen von Leonidas Frau Gorgo, die versucht, den Senat Spartas davon zu überzeugen, das Heer zu mobilisieren. Um der Nebenhandlung Gewicht zu geben, hätte es einiges mehr bedurft, als man letztendlich geboten bekommt. Zunächst hätte es bessere Darsteller gebraucht. Dominic West und Lena Headay (der ich nicht erst seit Brothers Grimm jegliche Form von Leinwandpräsenz abschreibe) sind so unpräsent und langweilig in ihrer Darstellung geraten, dass diese Abschnitte selbst als pure Tempoverschlepper grandios versagen, da sie sich eben nicht zum kurzen Durchatmen von den Metzelszenen eignen, sondern das Tempo gleich komplett aus dem Film nehmen und ihm grandiose Längen verschaffen. Dabei werden obendrein wirklich alle Klischees von Intrigen bei Hofe abgefeiert, was diese Nebenhandlung auch noch genauso vorhersehbar macht, wie es eben dank Geschichtsschreibung der Ausgang des Filmes auch ist. Zwischendrin gibt es ultrakitschige Bilder von Gorgo inmitten eines Sonnenstrahles der Unschuld vor dem spartanischen Senat und die übliche "sexuelle Gefälligkeitseinlage". Viel interessanter wären mehr Szenen aus dem persischen Zeltlager gewesen. Denn alleine die Szene in Xerxes Zelt mit der Kombination aus körperlichen Missbildungen und unverhohlener Sexualität schlägt in punkto Optik und Dekadenz der Szenerie jede Spartanebenhandlungsszene um Längen und beschert dem gesamten Film einen herrlich verstörenden Höhepunkt. Vielleicht hätte man so auch die wirklich grausame Schwarz Weiß Zeichnung von Gut und Böse des Streifens abfedern oder eben comichafter noch mehr überzeichnen und quasi überlebensgroß überhöhen können?

Neben diesen Problemen haben sich auch einige Unebenheiten im dramaturgischen Aufbau eingeschlichen. Am schwersten fällt dabei die vollkommene Abstinenz von Spannung ins Auge. Natürlich sind die Abläufe der Handlung geschichtlich vorgezeichnet und damit das Ende weit vor Filmbeginn bekannt. Dies kann doch aber nicht die Ausrede dafür sein, dass man es ansonsten nicht schafft, in den ausufernden Schlachtenszenen so etwas wie Dramatik unterzubringen. Die Spartiaten sind mir persönlich einfach einen Tick zu unbesiegbar geraten. Natürlich ist das comicesk und damit im Sinne der Vorlage, doch ich habe meines Erachtens schon im Sin City Verriss ;-) dargelegt, dass ich unter einer Comicadaption eben nicht nur das bloße Abfilmen und Nachstellen von Panels verstehe und damit den Mediensprung von einem Medium (Comic) zum anderen (Film) ohne jegliche Form von Anpassung an das neue Medium. Und ja, wenn Miller in seinem 300 derartige Spannung nicht aufbauen kann oder will, dann sollte sich das doch nicht 1:1 auf der Leinwand spiegeln ...

Doch genug der Meckerei. Denn wenn man sich mit dem Umstand anfreunden kann, dass 300 anstatt von einer Story, starken Charakteren und einer gelungenen Dramaturgie vor allem von seiner berauschenden Optik zusammengehalten wird, erlebt man bei diesem Film ein wirkliches Wunder. Denn die Übertragung der Terrakottafarbenen Panels von Frank Miller auf die große Leinwand ist in optischer Hinsicht eine grandiose Meisterleistung. Gedreht im Back-Lot Verfahren agierten die Darsteller vor riesigen Blue- und Greenscreens, wo dann später Hintergründe und Menschenheere digital eingeflochten wurden. Das Ergebnis ist zu jedem Zeitpunkt einfach atemberaubend geraten und dank Farbfilter, Farbreduzierungen (auf vor allem Bronze- und Erdfarben) und Überzeichnungen geographischer Gegebenheiten ein gelungenes Abbild der Graphic Novel Vorlage. Etwas platte Symbolismen wie das jesusartige Abbild von Leonidas gegen Ende oder die herrlich überzeichneten Gestalten in den Reihen der Perser (die teils wie Orke oder irgendwelche Silent Hill Kreaturen anmuten) wirken auf den ersten Blick etwas befremdlich, unterstreichen letztendlich aber vor allem die Herkunft des Ursprungsstoffes. Eine tolle Idee ist die jedweder Form körperlicher Physiognomie widersprechende Ausgestaltung der Xerxes Figur, die vor allem im Vergleich mit den ohnehin hünenhaften Spartanern immer wieder aufs Neue verblüfft. Einzig die der Figur auferlegte Synchronstimme erinnert ein wenig an den Stargate Synchronisationsfehlgriff der Figur des Pharaos ... seltsame Rauschestimmen sind nämlich nicht wirklich bedrohlich ... meiner Meinung nach.

Die Highlights im Film setzen in optischer Hinsicht natürlich die Schlachtenszenen. Insbesondere die Szenen, in denen die Spartaner Kostproben ihrer Phalanx bieten dürfen, sind absolut erstaunlich. Man fragt sich, warum Regisseur Zack Snyder darauf bestand, diese Kampfweise zu dynamisieren, da das zum einen der Kampfart der Spartaner widerspricht (Spartaner brachen fast nie aus diesen Kampfanordnungen aus und verfolgten beispielweise niemals fliehende Gegner) und zum anderen gar nicht nötig gewesen wäre, da alleine schon die "Halten", "Drücken", "Stoßen" Einlagen und die "Keilformation" im Kampf gegen die persische Reiterei zum Besten gehören, was man bisher im Sandalenfilm zu sehen bekommt hat. Doch auch die Ausbrüche aus dieser Phalanx machen einiges her und sind absolut überdurchschnittlich inszeniert und choreographiert. Genial sind dabei vor allem zwei Szenen geraten. Zum Einen der Ausbruch Leonidas aus der Phalanx und der Kampf zweier Spartaner Seite an Seite gegen immer neue heranstürmende Gegner. Beide Szenen wurden im One Shoot Verfahren gedreht und machen aufgrund der virtuosen Einbindung von Fast Forward und Super Slow Mo Einlagen mehr als nur Staunen. Zumal durch rabiate Zooms und schnelle Schwenks immer wieder der Eindruck entsteht, hier könne gar nicht ohne Schnitte gearbeitet wurden sein. Spitze! Doch nicht nur diese Szenen verursachen Gänsehaut. Auch wenn die Spartaner dem Wahnsinn nahe zuschauen, wie Teile der persischen Flotte an der griechischen Küste zerschellen oder Leonidas sich inmitten seiner toten Kameraden gegen gleißendes Sonnenlicht erhebt und seinen Kampfschrei loslässt, dann ist 300 Emotionskino pur, das aufgrund der bloßen heroischen und vor allem martialischen Überzeichnung einen Gänsehautabgang nach dem Anderen bewirken kann.

Schenkt ihnen nichts, aber nehmt ihnen alles ...

Die dabei aufgebotenen Gewalttätigkeiten sind ebenfalls alles andere als ohne. Dass man dem Film Gewaltverherrlichung vorwerfen kann, ist spätestens nach den ersten Metzelszenen und dem doch arg zynischen Off Kommentar - der scheinbar nur aus One Linern und Durchhalteparolen zu bestehen scheint - keine Frage mehr, doch gerade durch den comichaft überzeichneten Look werden gerade die Gewaltspitzen trefflich abgemildert und vor allem das in exorbitanten Mengen umherspritzende - offensichtlich der digitalen Retorte entstammende - Blut eröffnet ganz neue Formen der Gewaltästhetisierung und erinnert fast schon an Beat Takeshis Blutwolken in Blütenform bei Zatoichi. Optisch muss man also bei 300 wahrlich keinerlei Abstriche machen und dies gilt unisono für den grandiosen Score von Tyler Bates, der vor allem in den martialischen Kampfeinlagen genauso martialisch dahertönt und mit gigantischen Chorälen in die Phalanx treibender Actionscores vorzupreschen vermag. Doch auch in den ruhigeren Momenten findet er immer wieder feine kleine Themen und lässt seinen enorm dominanten Score niemals in der Belanglosigkeit verschwinden.

Das Ergebnis ist ein visuell überwältigender, akustisch grandios donnernder, überlanger Videoclip - mit einem bravourös aufspielenden Gerard Butler als Leonidas - der leider an einigen Längen leidet und den Zuschauer vor allem zu Beginn nicht wirklich packen kann. Zu fremd und diffus erscheinen Motivation und Beweggründe der Figuren und zu simpel kommt das darunter liegende Storykonstrukt daher. Ist man allerdings in der Lage, sich geschlagene zwei Stunden einfach in eine vollkommen fremde Welt fallen zu lassen, bekommt man hier einen Film, für den einst das Kino erfunden wurde. Style over Substance par Excellence ...
:liquid7:

In diesem Sinne:
freeman

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LivingDead bewegt sich zwischen Gut und Böse:

Regisseur Zack Snyder („Dawn of the Dead“) macht keinen Hehl daraus, dass sein Film - ob seiner opulenten Bilderfluten - nicht viel zu bieten hat. Faschistoide Tendenzen hin oder her. „300“ polarisierte das Publikum mal wieder und regte in zahlreichen Foren regsame Diskussionen unter den Kinofans aus. Was haben wir da eigentlich gesehen? „Meisterwerk“? Oder einfach nur „absoluter Bullshit mit radikaler Aussage“?

Nach „Sin City“ ist „300“ nun die zweite Verfilmung eines Graphic-Novels des Zeichners Frank Miller. Stilistisch wirkt auch „300“ wie seine erste Verfilmung und erschafft eine einzigartige Symbiose aus computergenerierten Umwelten mit realen Schauspielern, welche nahtlos ineinander übergehen und die comicartige Verspieltheit mit der Realität verbindet. Durch diesen Duktus entsteht eine Atmosphäre, die sich letztendlich am ehesten mit einem Comic vergleichen lässt. Stellenweise wurden somit die Bilder des Graphic Novel 1:1 übernommen, womit man wahrlich von einer werkgetreuen Umsetzung sprechen darf, welche am ehesten der Intention Millers entspricht.

In „300“ erzählt uns Miller die Geschichte des Leonidas – König von Sparta, welcher mit dreihundert Mann gegen den König der Spartaner Xerxes und seine Armee antritt, um weiterhin in Freiheit, Ehre und Stolz zu leben.
Im Grunde reicht schon dieser eine Satz aus, um die Quintessenz des Stoffes zu erfassen, mehr bleibt da nicht übrig. Doch wie bereits erwähnt, macht Regisseur Zack Snyder auch keinen Hehl daraus, und bietet schon in den ersten Minuten des Filmes grandiose Aufnahmen (aus dem Computer) und demonstriert schon einmal, wo uns die Tour hinführen soll. So sehen wir, wie Leonidas einen Abgesandten des Xerxes, nachdem dieser ihm ein Angebot über seine Forderungen machte, mitsamt seinen Männern in einen Brunnen wirft. Untermalt vom monströsen Soundtrack des versierten Komponisten Tyler Bates („Grindhouse“) werden wir Zeuge, wie einer nach dem anderen in einer spektakulären Slow-Motion-Szene in die Tiefen des Brunnen stürzt. Die Glorifizierung des Todes, die optische Perfektion, die Schönheit innerhalb dieser Grausamkeit, deutet darauf hin, dass Snyder keinen Wert auf ein einzelnes menschliches Wesen legt. Vielmehr mutieren die Männer in seinem Film zu absoluten Tötungsmaschinen, welche nur aus einem Grund handeln: Die Freiheit für ihr Volk. Daraus erfolgt auch die oftmals kritisierte faschistoide Tendenz, und menschenverachtende Szenen, welche sogar noch für Humor unter dem Publikum sorgen sollen (Die Szene, in der Leonidas einen Apfel ist, während sich um ihn herum Leichen stapeln und seine Männer die noch Lebenden mit einem Dolch erstechen lässt). Stellenweise funktioniert das auch ganz gut – wenn man sich darauf einlässt. Doch bestimmt werden viele Zuschauer mit solchen und ähnlichen Szenen ihre Probleme haben.

Erstens muss man natürlich plakatieren, dass es sich immer noch um einen reinen Unterhaltungsfilm handelt; dazu auch noch um die Verfilmung eines Graphic Novels. Dass man hier keinen Tiefgang, oder eine kritische Auseinandersetzung zum Thema Krieg erwarten sollte, dürfte ebenfalls klar sein. Snyder konzentriert sich somit auch voll und ganz auf den Bombast der Bilder. Und wenn dann das Kriegsgetümmel erst beginnt, und wir Zeugen werden, wie riesige Elefanten eine Klippe hinabstürzen, oder monströse Kreaturen zum Kampf blasen, kann man sich an den durchgestylten Bildern einfach nicht satt sehen. Dass es sich um Bilder aus dem Computer handelt, wird einem auch nur höchst selten klar. Ähnlich wie in „Sin City“ vermag es auch Snyder eine komplett andere Welt zu erschaffen, in der die Gesetze der Natur keine Gültigkeit zu besitzen scheinen. Wenn z.B. die Pfeile der Armee Xerxes die Sonne verdunkeln lassen und die dreihundert Männer des Leonidas dann auch noch zu lachen beginnen, so muss man auch als Zuschauer grienen.
Snyder erschafft eine Welt, welche menschliche Gefühle weitestgehend ausklammert. Hier gibt es keinen Raum für Liebe oder Schmeicheleien. Hass und der Durst nach Blut sind die einzigen Triebe der Dreihundert, welche für einen ehrenhaften Tod kämpfen, auf das sie nie vergessen werden.

Die wenigen Dialogszenen zwischen den Kämpfen hingegen wirken oftmals ebenso synthetisch wie die computergenerierten Umwelten. Somit verkommt auch der Subplot um eine Verschwörung im Königshaus wie störender Ballast, wodurch sich die Geschichte teils selbst ausbremst. Hier offenbart sich dann auch die größte Schwäche des Filmes: Die Hohlheit der Story, welche jedwede Ironie vermissen lässt, sich viel zu ernst nimmt und dadurch abbrüchig wirkt. Hätte Snyder in den richtigen Momenten für etwas mehr Ironie gesorgt, dann würde sein Film sicher besser funktionieren. Doch er beharrt über die komplette Laufzeit des Filmes auf einer unnötigen Ernsthaftigkeit, welche sich immer mehr ermüdend auf den Zuschauer auswirkt. Da helfen auch die wenigen humoristischen Einlagen wenig (welche, wie bereits erwähnt, auch nicht jedermanns Sache sein dürften).
So ähnlich verhält es sich sogar mit den zahlreichen Actionszenen. Anfangs kann man sich an den Bilderfluten kaum satt sehen, doch zunehmend wiederholen sich die Sequenzen und werden gar langweilig, da auch die Action keinerlei Steigerung widerfährt, sondern sich ständig wiederholt. Dass es dann auch keinen wirklichen (Action-) Showdown gibt, ist aber nicht Snyders Schuld, sondern liegt an Millers Vorlage. Dennoch bleibt man leicht unbefriedigt zurück…

Nun, was genau ist nun „300“? Einerseits ist er ein reiner Unterhaltungsfilm und sicher sind die genannten Kritikpunkte zu verkraften, wenn man sich bewusst ist, dass „300“ nichts weiter ist, als ein Knallbonbon mit einer mehr als hohlen Story, welche unreflektiert und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken ein Schlachtengemälde inklusive herber Blutplatte serviert. Doch blickt man einmal hinter diese Fassade, so offenbart sich das Vakuum, welches die optischen Finessen in sich aufsaugt und das synthetische Bauwerk komplett in sich einstürzen lässt. Letztendlich ist „300“ nichts weiter, als ein großer, teurer Unsinn, welcher unter Umständen richtig Spaß machen kann. Nicht mehr – und auch nicht weniger. Zu welcher Fraktion man letztendlich gehört, und seinen Spaß an dem Film hat, und ob einem der faschistoide Grundgedanke sauer aufstößt, oder inwieweit man ihn überhaupt wahrnimmt - das muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch für Gesprächsstoff sorgt der Film allemal. Und das ist ja auch schon was.
:liquid6:
Zuletzt geändert von freeman am 06.03.2014, 09:09, insgesamt 2-mal geändert.
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300: Rise of an Empire

Beitrag von Vince » 09.04.2007, 17:43

McClane schwitzt Blut und Stahl:

300: Rise of an Empire

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Originaltitel: 300: Rise of an Empire
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2014
Regie: Noam Murro
Darsteller: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey, Rodrigo Santoro, Jack O'Connell, David Wenham, Andrew Tiernan, Caitlin Carmichael, Hans Matheson, Callan Mulvey, Scott Burn u.a.

Zack Snyders Schlachtplatte „300“ erhält eine Fortsetzung, die vor allem parallel zu den Geschehnissen des Erstlings spielt: Während Leonidas und die Spartaner an den Thermopylen gegen das Landherr von Xerxes kämpfen, führt der Athener Themistokles eine Flotte in den Kampf gegen die persische Seestreitmacht.

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freeman glänzt im Sonnenlicht:

„300: Rise of an Empire“ ist Überwältigungskino in seiner reinsten und pursten Form. Der Film lanciert Bilder, die man in dieser Form noch in keinem Film gesehen hat. Am meisten begeistern dabei die irren Seeschlachten, die nichts von dem üblichen Kanonengeballer plus Enterhakengewerfe haben, das einem sonst in den Sinn kommt, wenn man an Seeschlachten denkt. Auch begeisternde taktische Finessen kommen in diesen Momenten zum Zug. Der unfreiwillige Humor des Vorgängers weicht einem grimmigen, durchaus gewollten Humor und in allen Belangen legt der Film einfach diverse Schippchen auf Zack Snyders Vorgängerfilm drauf.

:liquid9:

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Beitrag von daemonicus » 09.04.2007, 17:45

Vince hat geschrieben:Sympathisch-nüchterne Kritik. Bin froh, mal wieder eine Meinung abseits der beiden Extreme ("Boah, voll der Meisterwerk ey!" vs. "Iiih, wadden Scheiß") zu hören.

Btw. das hier:
... seltsame Rauschestimmen sind nämlich nicht wirklich bedrohlich ... meiner Meinung nach.
Aber sowas von Dieter! Wären wir nen Horrorfilmforum, hätte ich das schon längst inkl. Poll zur Rede gestellt: Verfremdete Stimmen: Gruselig oder nicht? Denn imo hat das null Effekt, wenn plötzlich irgendein Vieh mit einer elektronisch verzerrten Stimme labert. Da müssen schon Effektemeister am Werk sein, die es schaffen, dass sich die verfremdete Stimme dann auch wirklich organisch anhört.
Ich hab das Original gesehen, kenne daher die deutsche Synchro nicht. Aber auch im Original haut einen die Stimme nicht vom Hocker.

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Beitrag von kami » 14.04.2007, 08:57

Bin alles in allem doch ziemlich begeistert vom Film, ist in meinen Augen das der ultimative heldisch-archaische Metzelstreifen überhaupt, würde mich über eine Nibelungen-Adaption in dem Stil freuen.
Leider war die 300-Optik nicht gänzlich homogen, einige wenige eher banale Einstellungen verhindern den völligen visuellen Orgasmus.
Ansonsten wird gerockt, bis die Körperteile fliegen, und klar ist das Verhalten der Protagonisten nach heutigen Maßstäben faschistoid, aber die sollte man eben nicht anlegen.
Insgesamt ist 300 für mich der Film, der CONAN für mich nie war, hatte im Kino spontan Lust, mir auf der Brust rumzutrommeln! :D
:liquid8:
P.S.: Wäre auch an einer ernsthaften Aufarbeitung des Stoffes interessiert

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Beitrag von The Punisher » 14.04.2007, 10:59

War gestern auch drinne bewertung teile ich mit freeman, allerdings war ich auch ziemlich müde was eine 100%ige steigerung um 1 oder 2 punkte macht wenn ich ihn nochmal auf DVD sehe :lol: . Der Typ aus dem Rat ist ein echter Arsch gewesen, was der mit Königin Gorgo gemacht hat war ja wohl das letzte :wink:
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Beitrag von StS » 14.04.2007, 11:00

War gestern das zweite Mal drin: Hat seine 8/10 halten können! :D

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Beitrag von Joker6686 » 14.04.2007, 13:04

Ersmtal mein Feedback zum Review, ist irgendwie voll an mir vorbeigegangen, dass das hier drin ist :? Feines Review wie eigentlich immer :)

Film hab ich nun zum 3ten Mal gesehen und bleibe bei meiner 8/10.

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Beitrag von freeman » 15.04.2007, 01:14

kami hat geschrieben:P.S.: Wäre auch an einer ernsthaften Aufarbeitung des Stoffes interessiert
Hm? Was heisst dieser Kommentar?

In diesem Sinne:
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Beitrag von kami » 15.04.2007, 13:02

freeman hat geschrieben:
kami hat geschrieben:P.S.: Wäre auch an einer ernsthaften Aufarbeitung des Stoffes interessiert
Hm? Was heisst dieser Kommentar?
Das ich die Perserkriege auch gerne mal im Rahmen eines nicht comichaft überhöhten Historienspektakels, welches auch ruhig etwas komplexer sein dürfte, verarbeitet sehen würde.

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Beitrag von freeman » 15.04.2007, 21:41

Aaaaah ... ok ... Alexander? ;-)

Ja, stimmt aber wirklich, so nen richtigen Brecher zu genau diesem Thema gibt es ja wirklich nicht. Kennt hier eigentlich jemand den Löwen von Sparta? Weil zu DDR Zeiten lief der imo einige Male bei uns auf DDR 2 und da hab ich den sicher auch 2-3 mal gesehen und den als sehr gut in Erinnerung ... Allerdings ist das auch schon wieder Jahrzehnte her ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Joker6686 » 15.04.2007, 21:58

Jo klar, hab die DVD hier. Ist imo einer der gelungeneren Sandalenfilme. Natürlich auch dementsprechend "spektakulär", aber dennoch ganz nett anzuschauen wenn man auf diese alten Schinken steht.

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Beitrag von freeman » 15.04.2007, 22:05

Im Zusammenhang mit 300 wird eben immer die Kampfchoreo des Klassikers hervorgehoben und das ist eben ein Punkt, an den ich mich gar net mehr erinnern kann. Die Schlachten kommen beim Löwen eben grundsätzlich gut weg ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Joker6686 » 15.04.2007, 22:09

Ja ich meinte jetzt auch eher Effekte usw., also die Schlachten und das typische spartiatische Vorgehen in Hoplitenformation (??),ihr wisst was ich meine, wird dort sehr cool dargestellt und auch die Statisten sind da zu 1000den anzutreffen, also nen Blick issa mal wert, alleine um mal den Vergleich zu haben ;)

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Beitrag von Samir » 29.04.2007, 11:17

gestern auch endlich gesehen, visuell wirklich überweltigend mit nem tollen Butler welche über eine recht dünne Story hinüberweg sehen läßt. Ein wenig kommt dann auch auf was sich schließlic auch bei mir auf die endnote auswirkt. :liquid7: ,5 gibt es aber immer noch von mir

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Beitrag von Carcass77 » 01.05.2007, 18:09

Mir hat er auch sehr gut gefallen, allerdings nicht so überragend, wie fast überall (Ausnahme anscheinend hier) getönt wird. Dazu war mir der Film zu sehr auf das Gemetzel und den Pathos reduziert.

Von mir gibt's eine :liquid8: ,5

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Beitrag von Vince » 25.08.2007, 01:17

Was hat sich da für ein umfassender Diskurs über faschistoide Tendenzen losgetreten, die mancher Kritiker meinte, in dem ästhetischen Kampfgetümmel ausgemacht zu haben. Was wurde gewarnt, moniert, kritisiert, wie wurden Einsprüche erhoben und Vorsicht empfohlen.
Zu Recht.
Natürlich wird ein gebildeter Mensch mit gesunder Einstellung zu Politik und Gesellschaft sich auch nicht von der Glorifizierung einer Rasse in einem stolzen Off-Kommentar, der die heldenhaften Aktionen seiner 300 beschreibt, wie sie bei Blitz und Regen dastehen und ihren Erfolg bis auf den letzten Bluttropfen auskosten, auch nur ansatzweise beeinflussen oder irritieren lassen. Einem Medium wie dem Film darf man nicht eine solche Zugkraft zusprechen, sonst überschätzt man seinen Einfluss maßlos. Der Effekt auf labilere Persönlichkeiten sieht dagegen anders aus; in dem Maße, wie Zack Snyder Frank Millers Comicreihe adaptiert und ohne jegliche ironische Brechung Ehre, Stolz und Standfestigkeit zu den einzig wahren Werten ernennt, kann zumindest inspirativ wirken. Es ist deswegen nicht unangemessen, dass die Diskussion stattfindet; dabei sollte es allerdings auch belassen und Aktionismus jedweder Art umgangen werden.
Es ist auch vielmehr ein anderer Ansatz, der der zweiten vollwertigen Medienadaption nach "Sin City" zum Verhängnis wird.

Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Er denkt und er fühlt. Er empfindet Dissonanzen, zweifelt an sich und seiner Welt und handelt oftmals irrational. Er ist ein Individuum. Das emotionale Kino fußt auf diesen Eckpfeilern.

Zweifel gibt es in "300" nicht. Zwei Stunden lang wird ein und derselbe Vortrag gehalten: "Wir kämpfen für unsere Freiheit". Es gibt kein menschliches Versagen, der Plan der Spartaner läuft wie eine geölte Maschine. Er ist schließlich eine Sage, überliefert von einem Überlebenden. Daher auch die Monster, der Blutregen, die maßlosen Übertreibungen. Dreihundert Mann bewegen sich wie ein Wall durch eine klinisch-bronzene Welt. Nie musste der Regisseur drei Tage am Drehort warten, bis endlich das richtige Licht herrschte und die Gunst der Stunde genutzt werden konnte, um zu drehen - das wird einfach mit einem Knopfdruck am Computer gelöst. Handlung und Optik gehen eine unzertrennliche Symbiose ein: die Eindimensionalität.

"300" ist die totale Stagnation, ein Moment, ein Augenblick, der künstlich auf zwei Stunden ausgeweitet wird. Den Dialogszenen zwischen den Kämpfen fehlt das Menschliche. Ein nach Schema X verlaufender Verschwörungsplot macht den Kohl nicht fett, denn am unumstößlichen Plan des Leonidas ändert all das nichts. Wenn die Kamera sich nicht gerade digital windet und zwischen Slow- und Fast Motion wechselt, um das Blut zu einem eleganten Tanz aufzufordern, ist das ganze Werk ein großes Nichts. Keine Geschichte - bloß ein Nichts. Wenn also überhaupt, absorbiert "300" seinen (Wieder-)Ansehwert einzig und alleine aus den zugegeben recht unterhaltsamen Kampfszenen. Ein schwacher Trost für den Verrat an den überlebenswichtigen Regeln des narrativen Kinos.
:liquid4: , maximal noch mit einer ,5 hinten dran.

Sorry. ;)

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Beitrag von Sir Jay » 25.08.2007, 12:53

ich hab den streifen zwar noch nicht gesehen, glaube aber, dass ich das ganze ähnlich sehen werde wie du, ich meine die von dir erwähnten kritikpunkte sind sachen auf die auch ich allergisch reagieren kann X.x

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Beitrag von SFI » 25.08.2007, 13:38

Einfach mal nicht alles hinterfragen und die optische Bombastkanone auf einen wirken lassen geht nicht oder? Da fragt man sich wie ihr all das sinnlose und doch schöne auf dieser Erde genießen könnt. :lol:

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Beitrag von Vince » 25.08.2007, 15:01

SFI hat geschrieben:Einfach mal nicht alles hinterfragen und die optische Bombastkanone auf einen wirken lassen geht nicht oder? Da fragt man sich wie ihr all das sinnlose und doch schöne auf dieser Erde genießen könnt. :lol:
Also dieser Spruch kommt anscheinend immer ganz automatisch, wenn man mal was am ach so tollen Meisterwerk zu kritisieren hat, das ach so publikumsträchtig war. :roll: Ich würde mal sagen, in Anbetracht der Tatsache, dass es jede Menge sinnlosen Scheiß gibt, den ich liebe, und dass ich der letzte bin, der grundsätzlich immer alles hinterfragt, ist der Vorwurf komplett haltlos...

Ich kann sehr wohl eine Bombastkanone auf mich wirken lassen, aber wenn die mich nach zwei Stunden immer noch mit dem GLEICHEN Scheiß vollquatschen wie schon in der ersten Sekunde, dann wird es halt langweilig.

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Beitrag von Sir Jay » 25.08.2007, 16:41

ich kann auch mit der größten bombastkanone nichts anfangen, wenn der inhalt nicht meinem geschmack entspricht. Bestes Beispiel Sin City.

Sieht toll aus, ist aber irgendwie hohl.
Ja ich schaue viele hohle Sachen, doch da ging mir das selbstzweckhafte gesplattere gegen den strich, und um was es da eigenltich genau ging weiß ich bis heute nicht :lol:

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Beitrag von freeman » 26.08.2007, 13:50

Vince hat geschrieben:
SFI hat geschrieben:Einfach mal nicht alles hinterfragen und die optische Bombastkanone auf einen wirken lassen geht nicht oder? Da fragt man sich wie ihr all das sinnlose und doch schöne auf dieser Erde genießen könnt. :lol:
Also dieser Spruch kommt anscheinend immer ganz automatisch, wenn man mal was am ach so tollen Meisterwerk zu kritisieren hat, das ach so publikumsträchtig war. :roll: Ich würde mal sagen, in Anbetracht der Tatsache, dass es jede Menge sinnlosen Scheiß gibt, den ich liebe, und dass ich der letzte bin, der grundsätzlich immer alles hinterfragt, ist der Vorwurf komplett haltlos...

Ich kann sehr wohl eine Bombastkanone auf mich wirken lassen, aber wenn die mich nach zwei Stunden immer noch mit dem GLEICHEN Scheiß vollquatschen wie schon in der ersten Sekunde, dann wird es halt langweilig.
Allmächt, der Liquid hats doch gar net so gemeint ... :lol:

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Beitrag von Hannibal » 26.08.2007, 14:43

Vince hat geschrieben: Wenn die Kamera sich nicht gerade digital windet und zwischen Slow- und Fast Motion wechselt, um das Blut zu einem eleganten Tanz aufzufordern, ist das ganze Werk ein großes Nichts. Keine Geschichte - bloß ein Nichts.
Ganz interessant finde ich, dass das genau das ist, was "Begotten" imo war, mit dem Unterschied, dass der dir womöglich sogar gefallen würde, obwohl er noch viel sinnloser als "300" ist, aber jeder sagt es sei Kunst...
Und hey, klar hinterfragst du. Du analysierst Filme auf grandiose Weise, wo 80% der hier ansässigen Forenuser vor dem Fernseher sich an nichts denkend die Eier kraulen und sich einfach nur berieseln lassen. Das ist sozusagen gleichzeitig FLuch und Segen irgendwie ;-)
Ich finde "300" ist einer dieser klassichen Erwartungs-Filme. Je nach dem, was man sich vorstellt, wird man hier entweder maßlos enttäuscht oder der Film trifft exakt den eigenen Geschmack. Und was kann man bei "300" anderes erwarten, als ein vollkommen oberflächlich aufgeblasenes Knallbonbon? Da wurde doch überall drüber geschrieben, mehr Style over Substance geht ja fast gar nicht, dagegen war selbst "Sin City" hochkomplex. Mit dem Wissen im Hinterkopf kann man hier sehr wohl seinen Spaß haben, denk ich und vermutlich hat Timo das auch so gemeint. Das suggerierte doch auch schon der Trailer, die Kinoposter, ja geradezu alles...perfekt geölte Männerkörper in brachialen Rüstungen mit fettem Six Pack und heroischem Blick Sätze wie "Heute nacht speisen wir in der Hölle" loslassen und dann schon fast Hetfield-like in die Kamera grunzen. Was hast du erwartet? Ein Kriegs-kritisches Antiken-Epos? Einen cleveren Polit-Thriller im alten Sparta?

MFG
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Beitrag von freeman » 26.08.2007, 14:50

Nun basht doch den armen Vince net so ... der hat erst vor kurzem mühsam das Dragon Tiger Gate durchschritten und durchlitten und nune noch so ne Katastrophe ... der budelt sich noch ein ... der arme ... der Vince ;-)

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Beitrag von Hannibal » 26.08.2007, 14:55

Basht doch niemand den Vince ;-) Wir lieben ihn ja doch...irgendwie ;-)
Außerdem hat er unseren "300" derbst gebasht, da muss jeder normale Mensch mit Gegenwind rechnen ;-)

MFG
Hannibal

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