Tödliche Gedanken

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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Vince
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Tödliche Gedanken

Beitrag von Vince » 12.07.2007, 17:51

Tödliche Gedanken

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Originaltitel: Mortal Thoughts
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1991
Regie: Alan Rudolph
Darsteller: Demi Moore, Glenne Headly, Bruce Willis, John Pankow, Harvey Keitel, Billie Neal, Frank Vincent, Karen Shallo, Crystal Field, Marianne Leone, Marc Baron, Doris McCarthy

Die Anatomie eines Verbrechens: Man zeigt eine Frau in einem Verhörraum. Ein männlicher und ein weiblicher Cop fühlen ihr auf den Zahn wegen einer Straftat, die bereits begangen wurde. Unter Druck beginnt die anfangs noch sehr selbstsichere Frau zu erzählen. Ein Flashback: Wo es für die Geschichte relevant wird, setzt die Frau den Startpunkt. Jetzt sind wir plötzlich wieder vor der eigentlichen Tat, es wird analysiert, wie es dazu kam. Ein Verbrechen, so die hier unterbreitete These, geschieht nicht “einfach so”; es muss einen Grund haben. Den breitet die Frau, deren Leben inzwischen zerstört ist, vor der Polizei aus.
Doch - Schwenk zurück in die Gegenwart - dieser männliche Bulle, der will ihr irgendwas an der Geschichte nicht abkaufen. Irgendwo ist der Wurm drin...

So oder so ähnlich zieht Alan Rudolph (“Breakfast of Champions”) den Kriminalthriller mit Demi Moore und ihrem damaligen Ehemann Bruce Willis in einer Nebenrolle auf. Ein permanenter Wechsel zwischen den Zeitebenen. Beide bewegen sich abwechselnd, aber chronologisch fort, bis Flashback wie Gegenwartserzählung am Ende zusammentreffen. Ganz klassischer Stoff, zeitgemäß aufbereitet für die Frühneunziger. Die doppelbödige Raffinesse des ein Jahr später folgenden “Basic Instinct” erreicht “Tödliche Gedanken” aber nicht; vielleicht, weil ergerade dergleichen forciert.

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Es ist beileibe nicht so, dass der Zuschauer durch den ihm möglichen Blick in die Zukunft über alle Vorgänge Bescheid weiß; im Gegenteil, der Clou ist der, dass gerade seine Unwissenheit trotz der bereits geschehenen Tat das spannungsfördernde Element im Drehbuch ist. Die Gegenwart ist stark eingeschränkt: Die Perspektive geht nicht über den kleinen Verhörraum hinaus, Kontakt nach außen gibt es keinen. Und was die Vergangenheit betrifft, sie wird subjektiv aus dem Blickwinkel einer Person aufgerollt, an deren Glaubwürdigkeit zumindest zwei Vertreter des Gesetzes rütteln, auch wenn man der Protagonistin als Identifikationsfigur, die sie ist, weitaus mehr Glauben schenkt als die Verhörspezialisten.
Folglich ist wirklich alles, was man zu sehen bekommt, Trug und Schein. Nichts muss wahr sein, außer der Tatsache, dass Cynthia (Moore) die Geschichte offenbar überlebt hat. Ansonsten werden fast beiläufig immer wieder neue schockierende Fakten ans Tageslicht befördert, die für die Beteiligten freilich schon bekannt sind, für den Zuschauer aber neu.

Diese ganze Konstellation hält definitiv bei Laune und auch wenn man die Wichtigkeit mancher Szene für die Erzählung in Frage stellen kann, über ausreichend Suspense sollte man sich normalerweise nicht beklagen müssen.

Die Probleme liegen eher beim Figurenaufbau. Ich weiß nicht, inwiefern die Beziehung zwischen Demi Moore und Bruce Willis in das gemeinsame Engagement eingespielt hat, Fakt ist aber, die Rolle des James Urbanski war ursprünglich nicht für Willis geschrieben worden und auch viel kleiner angelegt. Erst nachdem er in das Projekt einstieg, wurde sie seiner Zugkraft als Star wegen ausgeweitet. Das stellt in bezug auf die Handlung ein Problem dar, insofern, als dass der Ausbau der Figur sich deutlich negativ bemerkbar macht. Sicherlich ist es notwendig zu zeigen, was für ein Ekel Urbanski ist, und Willis verkörpert hier das unsympathische, widerwärtige Gegenstück zu seinem Joe Hallenbeck (“Last Boy Scout”). Aber wirklich interessant ist doch vielmehr die Reaktion der Figuren von Demi Moore und Glenne Headly auf das Verbrechen. Und bis dahin vergehen geschlagene 40 Minuten, fast die Hälfte der Gesamtlaufzeit. Eine Extra-Show für alle Willis-Fans (obwohl Hallenbeck seine mit Abstand interessantere Figur ist), nur wer Schauspieler als der Story zweckdienlich betrachtet und nicht umgekehrt, könnte sich an der Zugabe stören.

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Harvey Keitel gibt routiniert den hartnäckigen Polizisten, einen modernen Karl Malden (“Zum Schweigen verurteilt”), hochaggressiv und gefährlich, ohne aber darauf zu verzichten, beim eigenen Opfer Verständnis für die unglückliche Position zu suchen, die man als Verhörspezialist nun mal innehat. Das “Good Cop, Bad Cop”-Spiel wirkt realistisch und die direkte Reaktion der Hauptdarstellerin interessant, auch weil sie weiterhin mit der ihr damals noch ganz eigenen Unschuldsmiene durch den Film stapft, die gar keinen Zweifel daran lässt, dass Keitels Figur ein ziemlich mieses Arschloch ist, die arme Frau derart zu belasten.
Glenne Headley macht gleichzeitig einen sehenswerten Wandel von der unterdrückten und (vor allem psychisch) misshandelten Küchenmagd zur eiskalten Ignorantin durch, Das alles ist schön in Grau getüncht, schließlich ist nichts so wie es scheint und da muss ja Gut auch nicht zwangsläufig Gut sein und Böse nicht Böse.

Die Auflösung ist aber verhältnismäßig ernüchternd und enttäuschend. So sehr die vorangegangenen Flashbacks nun auch noch mal neu beleuchtet werden, so sehr plötzlich alles in einem anderen Licht erscheint, tatsächlich hat sich aber doch nicht allzu viel geändert, was die Grundaussage anbelangt. Nein, es ist nicht ganz so, wie zu Beginn vorgegeben wurde, aber es ändert nichts an den harten Fakten, am eigentlichen Kern der Wahrheit, und somit löst sich der gewünschte Mindfuck in Wohlgefallen auf.

Ein nichtssagendes Ende für einen grundsätzlich gar nicht mal so unspannenden Thriller, an dem die Zeit aber inzwischen auch schon etwas genagt hat und dem heute etwas Biederes in seiner Inszenierung anhaftet, obwohl die narrative Struktur oberflächlich gesehen, unter dem Etikett eines Unterhaltungsfilmes, Spannung generiert.
:liquid6:

Die DVD kommt von Columbia TriStar, uncut frei ab 16. Inzwischen auch in der "Best of Hollywood"-Collection in einem Paket zusammen mit "Das Siebte Zeichen" und "Nicht schuldig" im Alphacase erhältlich.

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Beitrag von freeman » 12.07.2007, 20:12

Sehr gelungenes Review, von dem ich das Fazit 1:1 unterschreiben kann. Ein Film, den man sich durchaus anschauen kann, bei dem man aber wirklich nichts verpasst, wenn man ihn nicht sieht ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 12.07.2007, 22:40

lol, den Movie, ich noch nie von gehört hab ;)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
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Beitrag von StS » 13.07.2007, 09:36

Ich mag ja die Filme von AR, aber mit diesem hier konnte ich noch nie sonderlich viel anfangen - würde dem max. 5/10 geben! :wink:

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Beitrag von Vince » 13.07.2007, 10:39

Bist du dann zufällig auch einer von denen, die "Breakfast of Champions" nicht sooo schlecht fanden, wie ihn alle machen? Die Komplettverrisse hab ich da nämlich nie verstanden.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 13.07.2007, 10:42

Breakfast of Champions ist scheisse :lol: :wink:
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
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Nein Mann ich will noch nicht gehen
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Beitrag von Vince » 13.07.2007, 11:09

MysteryBobisCREEPY hat geschrieben:Breakfast of Champions ist scheisse :lol: :wink:
Aber immerhin hat er Nick Noltes reale Entwicklung vorweggenommen. :wink:

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 13.07.2007, 11:17

Vince hat geschrieben:
MysteryBobisCREEPY hat geschrieben:Breakfast of Champions ist scheisse :lol: :wink:
Aber immerhin hat er Nick Noltes reale Entwicklung vorweggenommen. :wink:
lol, kann ich nicht beurteilen, hab den noch nie komplett gesehen ;)
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Beitrag von StS » 13.07.2007, 11:31

Vince hat geschrieben:Bist du dann zufällig auch einer von denen, die "Breakfast of Champions" nicht sooo schlecht fanden, wie ihn alle machen? Die Komplettverrisse hab ich da nämlich nie verstanden.
Auch nicht gerade ein Meisterwerk, aber total verreißen würde ich den Film auf keinen Fall... :wink:

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