American Hunter - Niemand ist gnadenloser

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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American Hunter - Niemand ist gnadenloser

Beitrag von Cyborg Cop » 21.02.2008, 20:09

American Hunter – Niemand ist gnadenloser

Bild

Originaltitel: American Hunter
Herstellungsland: Indonesien/USA
Produktionsjahr: 1988
Regie: Arizal
Darsteller: Christopher Mitchum, Bill Wallace, Mike Abbott, Ida Iasha, Roy Marten u.a.

Puh, also der Film macht es dem Reviewer leicht und schwer zugleich. Leicht, weil man sich hier ganz auf die Action konzentrieren kann (die Story ist sowieso nicht nennenswert), schwer, weil man meiner Meinung nach grade so einen Film schwer adäquat beschreiben kann, dieses spezielle Feeling beim Schauen, was der Film vermittelt.

In den 80ern kamen eine ganze Reihe derartiger Actionfilme aus Indonesien, etwa „The Stabilizer“, „Final Score oder „Der Intruder“ (letztere beiden sollen sogar recht derbe sein). Der Regisseur von American Hunter, Arizal, war an diesen Filmen maßgeblich beteiligt. Oft sieht man auch dieselben Gesichter in den Filmen, wie Christopher Mitchum oder Peter O’Brian, der hier nur eine Nebenrolle hat.

Für das Land Indonesien sind diese Filme sicher A-Produktionen, im internationalen Vergleich aber locker C-Filme. Man sieht den Filmen an, dass sie noch mal eine ganze Ecke billiger als z.B. gängige US-B-Filme aus den 80ern und 90ern gewesen sein müssen. Aber ich möchte auch gleich klarstellen, dass das nur bedingt etwas über die handwerklichen Fähigkeiten der Filmcrews aussagt. Dazu später noch mehr.

Worum geht es in dem Film?

Ich deutete es bereits an, die Story ist hier nicht der Rede wert. Es geht um einen wertvollen Mikrofilm mit irgendwelchen wichtigen Sachen drauf, der den (offensichtlich) Amerikanern gestohlen wurde. Jake Carver (Christopher Mitchum), „ein knallharter Interpol-Agent“ (so der Covertext), soll das Ding wiederbeschaffen. Kurioserweise bleibt die ganze Zeit über unklar, wer den Mikrofilm gestohlen hat und wer ihn grade hat. Eine ganze Reihe Unterwelt-Größen sind damit beschäftigt, sich den Film abzuluchsen, entweder mit legalen oder illegalen Mitteln. Ziemlich zu Anfang stattet Carver wohl einem lokalen Unterwelt-Boß (Peter O’Brian) einen Besuch ab, der sich jedoch nicht kooperationsbereit zeigt. Dessen Sekretärin Janet weiß offensichtlich auch etwas über den Mikrofilm. Der international tätige Gangster Adam alias Judas (Bill „Superfoot“ Wallace) ist allerdings der Hauptkontrahent von Jake Carver. Es dauert denn auch nicht lange, bis sein Gefolge sich an Carver heranmacht. Im Verlauf des Films wird Janet gleich zweimal hintereinander von Judas’ Leuten entführt und beide Male von Carver wieder befreit.

Es deutet sich auch so etwas wie eine Beziehung zwischen Carver und Janet an, allzu viel Zeit hat man dafür aber nicht verwendet.

Jedenfalls werden am Ende hier die Fronten geklärt.

Ich hab jetzt schon versucht, alles Mögliche aus der Story herauszuholen (ok, dann gibt’s da noch diesen Medizinmann und Mentor von Christopher Mitchum, einen Polizisten der Carver zur Seite steht), aber diese Dinge sind eigentlich nicht zwingend für die Handlung erforderlich, sie dienen eigentlich nur als Füllmasse.

Anhand der weiter oben gemachten Bemerkungen kann man sich sicher vorstellen, dass die die Dialoge, gelinde gesagt, nicht sehr geschliffen sind. Manchmal gibt’s auch nur ein simples „Arschloch“ zu hören, vorwiegend kreisen die Gespräche und Dialoge um den Mikrofilm, irgendwelche Handlanger werden beschimpft oder gleich gekillt, weil sie mal wieder Mist gebaut haben. Das liegt sicher auch an der deutschen Synchro, will ich aber nicht beschwören (kenne ja den O-Ton nicht).

Ich würde den Film hier nicht reviewen, wenn es kein Actionfilm wäre. Das Level, die Menge an Actionszenen ist hier verdammt hoch, es passiert eigentlich ständig was. Das ist wieder mal so ein Film, wo eine Minimalhandlung nur als Kitt für die Masse an Actionszenen dient. Da gibt es aber dann leider Licht und Schatten. Großformatige Action scheint den Machern nur bedingt gelegen zu haben. Als Negativbeispiele seien da mal die Autoverfolgungsjagd am Anfang und die Hubschrauberverfolgung genannt. Die Hubschrauberverfolgung ist wirklich langweilig und lahmarschig inszeniert, bei der Autojagd zuckeln die Kontrahenten mit vielleicht 50 Sachen durch die Gegend, anstatt hier das Gaspedal durchzudrücken.

Punkten kann der Film da schon eher bei den Shootouts und Kloppereien, von denen es ebenso reichlich gibt. Bei den Shootouts sind blutige Einschüsse in der Regel als solche erkennbar, die Schlägereien zwar nicht so fetzig wie in einem guten 80er-Movie aus Hong Kong, wirken dafür teilweise realistischer und dennoch sehr gut gemacht.

Man kann insgesamt sagen, dass die Action sehr facettenreich ist. Schlägereien mögen dominieren, aber ansonsten wird fast die ganze Bandbreite abgefackelt, die das Genre zu bieten hat

Habe den Film jetzt das zweite Mal gesehen und fand ihn wesentlich kurzweiliger, als beim ersten Mal. Je nach Stimmung kann die Dauer-Action wohl langweilen oder unterhalten.

Insgesamt ist die Action zwar wesentlich bescheidener, als beispielsweise bei einer US-Big-Budget-Produktion, aber alles, was hier an Action gezeigt wird, dürfte Handarbeit pur sein und ist dem Können von Stuntmen, FX-Spezialisten und derartigen Leuten zu verdanken. Man darf nicht vergessen, dass der Film aus den späten 80ern ist. Stonewashed-Jeans-Klamotten konnte man nahezu überall tragen, ohne schief angesehen zu werden, im ganzen Film wimmelt es nur so von Schnauzbart- und Vokuhila-Trägern. Meist fährt man in Autos aus den 70ern durch die Gegend, dazu dann die oftmals völlig sinnfreien Dialoge, teilweise sehr billige Locations (ich erwähne nur mal die braunen Kacheln in Janets Bad). Zwar gibt’s auch ein paar schöne Aufnahmen von Indonesien (teilweise sind viele Palmen zu sehen, exotische Pflanzen), aber der Film ist nun wirklich kein Urlaubsvideo.

Besonders die im letzten Abschnitt angesprochenen Kleinigkeiten sind es, die „American Hunter“ zu einem astreinen Trash-Actionfilm machen.

Fazit: Die Story passt auf eine Briefmarke, dafür gibt es hier Action am laufenden Band, die zugegeben meist recht bescheiden, aber eigentlich immer handwerklich gut gemacht ist. Das kann, je nach Stimmungslage, unterhalten oder langweilen, dafür ist der Film ein absolut typisches Beispiel, wie billige Actionfilme in den 80ern ausgesehen haben.

:liquid5:

Glücklicherweise gibt es seit gar nicht so langer Zeit eine deutsche DVD, hinten steht drauf „Im Exklusivvertrieb von Laser Paradise“. Ich kann allen negativen Befürchtungen den Wind aus den Segeln nehmen. Die DVD auf jeden Fall gut ansehbar, was auch an dem gut erhaltenen Master der Firma Atlas International liegen dürfte. Ungeschnitten ist die DVD auch, O-Ton fehlt. Die DVD ist schon für weit unter 10€ zu haben. Die kJ-Freigabe wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber ganz ohne ist der Film auch nicht.

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Beitrag von freeman » 22.02.2008, 08:50

Muchas Gracias für dat Review ... Das Cover hab ich in diversen Shops schon zigfach gesehen, aber ganz ehrlich keinen Indonesienkracher dahinter vermutet. Eher nen 08/15 Krimi. Wie man sich täuschen kann ...

In diesem Sinne:
freeman
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Beitrag von Cyborg Cop » 22.02.2008, 10:39

Das Cover, was ich gepostet habe, scheint von der Astro-VHS zu sein, aber das DVD-Cover sieht ähnlich aus. Von daher paßt es.

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