Olympiahalle München, 28.6. 2007

Nach längerer MTV-Clown-Periode, die sein musikalisches Schaffen zur Nebensache degradierte, ist “Prince of Darkness” und legendärer Ex-„Black Sabbath“-Frontman Ozzy Osbourne wieder zurück im Metalzirkus. 2 Jahre sind seit seinem letzten Album „Under Cover“ vergangen, jetzt meldet sich der ehemalige Tauben den Kopf abbeißende Bürgerschreck mit der neuen Scheibe „Black Rain“ zurück. Das düstere Cover, das auch die am Eingang verkauften Ozzy-Shirts ziert, ist überaus stimmungsvoll, die Rezeption der neuen Songs eher zwiegespalten. Die obligatorische Tour führte den Fuckin Prince of Fuckin Darkness für ein einziges Konzert nach Deutschland – Ozzy heizte den Fans am Donnerstag, den 28.6.2007 in der Olympiahalle München ein.
Wer einen in Anbetracht seines berüchtigten jahrelangen Alkohol- und Drogenkonsums und des Alters von immerhin schon 59 Jahren abgehalfterten Schatten seiner Selbst erwartete, konnte sich schnell eines besseren belehrt fühlen: Osbourne überzeugte nicht nur mit erstaunlich kraftvoller Stimme, sondern zeigte sich überraschend bewegungsfreudig und war ununterbrochen am Auf-und-Ab-Hüpfen, wenngleich sich der Rest der Bühnenshow auf das Bespritzen der vorderen Reihen mit Wasserkübeln beschränkte – und natürlich nicht zu vergessen das traditionelle Entblößen seines Allerwertesten.
Doch beginnen wir mit der Vorgruppe: Da Ozzy erneut Stammgitarrist Zakk Wylde mit an Bord hat, ist es nur praktisch, dessen eigene Band „Black Label Society“ den Anheizer spielen zu lassen. Seine Affinität zu publikumswirksamem Gepose kann der wie gewohnt hinter Vollbart und langer Mähne verborgene Gitarrenberserker vor allem hier als Star der Show ausleben: Mit Gitarrenspiel auf dem Rücken, Brustgetrommel und kontinuierlichem In-die-Luft-Spucken leitet Wylde einen lärmenden Heavy-Metal-Orkan, bei dem zwar hin und wieder die Grenze zwischen Musik und purem Krach verschwimmt, der dafür aber weitaus härter und ruppiger über das Publikum hinwegrollt als die spätere Ozzy-Show. Mit Krachern wie „Suicide Massiah“ gibt er, hier neben dem Gitarrenspiel auch als Shouter beschäftigt, jedenfalls einen vielversprechenden Appetizer für die Hauptshow ab.
BLS begannen kurz vor 8, dem offiziellen Konzertbeginn und ziemlich genau um 21.00 Uhr entert schließlich der Hauptact die Bühne: Bevor Ozzy allerdings mit dem Klassiker „Bark at the Moon“ loslegt, wird die sich aus allen Altersklassen rekrutierende, wahlweise aktuelle Tour- oder 70er-Jahre-„Black Sabbath“-Shirts tragende Metal-Gemeinde jedoch von Carl Orffs „Carmina Burana – O Fortuna“ empfangen. Auch wenn nicht zuletzt Metallica (deren „For Whom The Bell Tolls“ auch die freudigen Ohren des Rezensenten beim Betreten der Halle begrüßte) mit ihrem „S/M“-Album bewiesen haben, dass Metal und Klassik durchaus gut harmonieren können (man denke freilich z.B. auch an die Kreationen von „Apocalyptica“), ist dieser Musikstil nun nicht unbedingt das, was man auf einem Metal-Konzert erwarten würde. Dennoch etabliert der kraftvoll-düster aus den Boxen wummernde, geniale Chorgesang die richtige Stimmung, um auf die Ankunft des Prince of Darkness vorzubereiten.
Der wird dann auch mit frenetischem Jubel begrüßt, sagt seinerseits mit einem freundlichen „Hello, you fuckers“ guten Tag und startet gleich mit dem Klassiker „Bark at the Moon“. Was der Rezensent in Studioform nie als wahres Highlight des Osbournschen Schaffens empfand, präsentiert sich live spätestens wenn die ganze Halle mit zur Bühne gereckten Pommesgabeln den titelgebenden Refrain brüllt, als gelungener Auftakt eines gelungenen Konzerts. Sollte man angesichts des frisch publizierten „Black Rain“-Albums nun eine Vielzahl neuer Stücke erwarten, sieht man sich auf positive Weise überrascht: Anstatt der neuen Scheibe haut Ozzy lieber einen Klassiker nach dem anderen raus, macht nach dem Opener gleich mit „Mr. Crowley“ weiter und hat spätestens dann gewonnen, wenn die noch junge Setlist das Meisterwerk „War Pigs“ aus seligen Sabbath-Zeiten zutage fördert. Die Parts der Strophen werden immer abwechselnd von Osbourne und dem Publikum gesungen, der Madman lässt seine Fans traditionell „Just Like Witches At Black Masses“ brüllen und evoziert spätestens jetzt eine grandiose Stimmung.
Da der gute Mann aber halt doch nicht mehr der jüngste ist, gönnt er sich zusammen mit dem Rest der Band erst mal eine knapp 10-minütige Verschnaufpause, in der Zakk Wylde exzessiv seine Gitarre malträtieren darf. Da sich das Endlos-Solo allerdings mehr durch Krach als Klasse charakterisiert, ist es kein Fehler, dass Ozzy schließlich zurückkehrt und unter anderem mit „I Don’t Know“ und „I Don’t Wanna Change The World“ weitermacht.
Mit fortschreitender Zeit animiert der Prince of Darkness sein Publikum kontinuierlich dazu „(to) Go Fuckin Crazy“, lässt vor jedem weiteren Lied „I Can’t Fuckin Hear You“-brüllend „One More Song“-Chöre anstimmen und startet damit in die krönende Schlussphase. Der Refrain der eingängigen Ballade „Mama, I’m Coming Home“ ist wieder ein klarer Fall für Publikumsaktivität, anschließend wird mit dem Überhit seiner Solokarriere schlechthin, „Crazy Train“, die Bude gerockt – Ehrensache auch hier, dass Ozzy seinen Fans die Aufgabe überträgt, nach jeder Strophe „I’m Going Off The Rails on a Crazy Train“ zu brüllen und zum Finale der Überklassiker überhaupt: Traditionell schließt der Fürst der Finsternis mit dem Black-Sabbath-Kracher „Paranoid“.
Auch wenn man sicher noch einiges hätte hinzufügen können (erstaunlich, dass man sich die Kommerz-Ballade „Dreamer“ schenkte und wenn man schon „War Pigs“ spielt, hätte man die Fans doch auch noch mit „Iron Man“ verzücken können), ist das Konzert nach exakt eineinhalb Stunden vorbei – zwar etwas kurz, dafür aber überaus gut.
Fazit: Ozzy zeigt allen, dass man ihn noch nicht abzuschreiben braucht: Eingängiger Metal, ein Klassiker nach dem anderen und eine gute Support-Band – was will man mehr?


Setlist:
BLS:
New Religion
Been A Long Time
Suffering Overdue
Bleed For Me
Suicide Messiah
Fire It Up
Black Mass Reverends
Concrete Jungle
Stillborn
Ozzy:
Intro (Carl Orff Carmina Burana)
Bark At The Moon
Mr. Crowley
Not Going Away
War Pigs
Believer
Road To Nowhere
Suicide Solution (+ Solo Zakk)
I Don’t Know
Here For You
No More Tears
I Don’t Want To
Change The World
Mama I’m Coming Home
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Zugabe:
Crazy Train
Paranoid



