
Mute Records 1993
Offizielle Depeche Mode Webseite
• Dave Gahan - Gesang
• Martin Gore – Keyboards , Gitarre , Gesang
• Andrew Fletcher – Keyboards , Backing Vocals
• Alan Wilder – Keyboards , Schlagzeug ,Backing Vocals
plus diverse Gastmusiker
Produziert von Depeche Mode & Flood
Aufgenommen in the Villa – Madrid & Chateau du Pape - Hamburg
Abgemischt von Mark „Spike“ Stent im Olympic Studio - London
Tracklist
01. I feel you – 4:35
02. Walking in my Shoes – 5:35
03. Condemnation – 3:20
04. Mercy in you – 4:17
05. Judas – 5:14
06. In your Room – 6:27
07a. Get Right with me – 2:53
07b. Interlude # 4 (Ausschnitt aus dem Swamp Mix von „I feel you“)* – 0:59
08. Rush – 4:37
09. One Caress - 3:32
10. Higher Love – 5:56
Mit * gekennzeichneter Song ist ein nicht aufgeführter Hidden Track
Gesang bei “Judas” & “One Caress” Martin Gore
Nach dem Millioneseller „Violator“ (7 Millionen verkaufte Exemplare) & einer umjubelten Tour sollte nun der nächste große Schlag folgen – doch daraus wurde vorerst nix. In der Band begann es zu krieseln – Dave Gahan war mittlerweile nach Los Angeles umgezogen , lebte dort mit seiner zweiten Frau & kam durch den Einfluß falscher Freunde in die Berührung von harten Drogen. Als die Aufnahmen in einer zum Studio umgebauten Villa in Madrid begannen war Gahan bereit stark Heroin abhängig. Als Mute Records Chef & Freund der Band Daniel Miller nach zwei Wochen die Band im Studio besuchte bot sich ihm ein Jämmerliches Bild: Dave hatte sich in seinem Zimmer eingeschlossen , Martin & Andrew Zeitung lesend auf der Couch & Alan klimperte mehr schlecht als Recht auf den Instrumenten rum. Produziert war zum diesen Zeitpunkt noch kein einziger Ton. Erst der Umzug nach Hamburg brachte etwas Besserung & das Album wurde tatsächlich fertig.
Die Fans waren gelinde gesagt etwas Schockiert als sie die erste Single „I feel you“ hörten – das klang so gar nicht nach Depeche Mode , das war ein Rocksong , stark von Grunge beeinflusst & dominiert von Gitarren. Und als sie den dazu gehörigen Videoclip sahen kam der nächste Schock – Gahan mit langen Haaren , dicken Bart & den Körper mit Tatoos verschönert ähnelte er eher einem Rocker als den netten Synthie Popper der frühen Jahre. Gahan , von dem bekannt war das er ein großer Fan von Rockmusik ist , war es auch der die Band mehr in Richtung Rock drückte.
Und so fängt das Album auch mit „I feel you“ an – einem „Liebeslied das klingt wie eine Kriegserklärung“ (Zitat MusikExpress/Sounds – passt perfekt , deshalb erwähne ich es hier) – der verzehrte Ton eines Zahnarztbohrers tut da noch das übrige dazu. Als zweites kommt „Walking in my Shoes“ & da auch schon die zweite Überraschung: Downbeat wie aus dem Hause Massive Attack , bei Depeche Mode natürlich wesentlich fetter in den Beats. Es ist imo einer ihrer Stärksten Songs – vor allen der sehr gute Text ist sehr erwähnenswert. Mit „Condemnation“ kommt Dave Gahans Lieblingslied – er selber sagt das in Interviews immer wieder das er diesen Song ganz besonders mag – ich selber mag diese Ballade eher weniger. „Mercy in you“ ist einer dieser typischen Depeche Mode Midtempo Nummern die so einige Durchläufe brauchen um richtig zu zünden.
Die zweite Hälfte hat auch einen starken Anfang – „In your Room“ fängt ganz ruhig an & steigert sich in der zweiten Hälfte zu einer ganz großen Hymne. Mit „Rush“ kommen Erinnerungen an alte EBM Tage wieder hoch – vor allen der lange Break in der Mitte macht den Song zu was besonderes. Nach der eher Durchschnittliche Ballade „One Caress“ kommt es zu einem ganz großen Abschluß – „Higher Love“ ist ganz großes Kino & auch so etwas wie eine Hymne. Auf der folgenden „Devotional“ Tour wird dieser Song das Konzert eröffnen.
Depeche Mode haben es mit diesem Album geschafft , die Gruppeninternen Probleme in Kreativität umzubauen. Die einzige Schwäche von „S.o.F.a.D.“ ist das fehlen einer richtig starken Ballade , was aber angesichts der starken anderen Nummern nicht sonderlich ins Gewicht fällt.
Die Fusion von schweren Downbeats a´la Massive Attack mit Rockmusik ist Rundum gelungen , dazu gesellt sich ein Klassisches Schlagzeug (gespielt von Alan Wilder) welches den Songs eine ganz eigene Note gibt. Es gibt noch weitere Premieren – es ist das erste reguläre Album wo die Mitglieder von Depeche Mode auf dem Vordercover zu sehen sind & es ist das erste mal das Gastmusiker mit dabei sind (u.a. ein Streichquartett). Das Album hat starke Songs & durch die Rockelemente ist es auch für Leute geeignet die es nicht so mit Synthiepop haben.
Nach diesem Album werden Depeche Mode auf ihre bis dato längste Tour gehen (14 Monate Non Stop – 174 Konzerte) – und an deren Ende wird die Gruppe komplett am Ende sein. Am 01.07.1995 wird Alan Wilder seinen Ausstieg von Depeche Mode bekannt geben , kurz danach wird Sänger Dave Gahan einen Selbstmordversuch machen. Die Fans müssen 4 Jahren warten bis sie wieder etwas von ihrer Gruppe hören werden...

“Songs of Faith & Devotion – Live Version“
Im selben Jahr kurz vorm Weihnachtsgeschäft veröffentlichten Depeche Mode eine Live Version des Albums. Die Songs wurden im Studio nachbearbeitet & in die gleiche Reihenfolge wie beim Studioalbum gebracht – so ist z.B. „Higher Love“ wieder am Schluß zu hören obwohl das Konzert mit diesem Song begann.
Für das Album wurde kaum Promotion gemacht & es ist auch tatsächlich eher überflüssig. Wer das Studioalbum hat braucht nicht noch die Live Version.


