
Originaltitel: Grindhouse
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Regie: Robert Rodriguez; Quentin Tarantino; Eli Roth; Rob Zombie; Edgar Wright
Darsteller: Rose McGowan; Freddy Rodríguez; Josh Brolin; Marey Shelton; Jeff Fahey; Michael Biehn; Naveen Andrews; Bruce Willis, Kurt Russel, Stacy Ferguson; Nicky Katt; Hung Nguyen; Tom Savini; Carlos Gallardo

Grindhouse- das amerikanische Pedant zum Schmuddelkino, denn in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stand Grindhouse für kleine Kinos, die hauptsächlich Erwachsenenfilme zeigten. Häufig kamen diese Filme aus der Ecke der sogenannten Exploitationfilme, darunter fielen Kung Fu-, Horror-, Action- und Splatterfilme. Generell muss man noch Blaxploitation, Naziploitation und Nunploitation hinzufügen. Vorallem der freizügige Umgang mit Sex und Gewalt machten aus den billigen Filmchen Kultklassiker, die bis heut bei Fans des Billig Kinos geschätzt sind. Aber gerade diese heiklen Themen brachten diese Filme beim Mainstream in Verruf, denn häufig richtete sich Gewalt nicht nur gegen Männer, was üblich war, sondern auch gegen Frauen. Das offene zur Schau stellen von Vergewaltigungen und anderen kruden Sexspielchen waren wohl der Hauptgrund, warum diese Filme häufig das in den USA verschmähte X- Rating bekamen. Aber gerade die Abneigung des Mainstream macht heute den Reiz dieser Filme aus und daher ist es nur verständlich, dass sich zwei große Regiesseure, beide bekennende Fans des Exploitation Kinos, sich durch ihre Filme vor den Exploitern der 70er verbeugen.
Während Robert Rodriguez (im restlichen Review RR) mit seinem Zombiefilm "Planet Terror" eine Hommage an die Zombiewelle der 70er liefert, widmet sich Quentin Tarantino (im restlichen Review QT) dem Slasher/Terrorfilm. Denn die wohl bekanntesten und beliebtesten Streifen dieser Genre's stammen aus den den 70er und 80ern.
So ein paar Kleinigkeiten vorweg, bei der PV wurde die R-Rated Fassung von beiden Filmen gezeigt, also nicht die Langfassungen, die in den deutschen Kinos voraussichtlich laufen wird, Gewaltcuts sind mir zwar keine direkt aufgefallen, ansonsten höchstens im Framebereich bzw. weiss ich, dass Planet Terror nur um eine Gehirnfressszene erleichtert wurde und bei Death Proof eine Autoszene, jedoch waren diese Schnitte Auflagen der MPAA um ein R-Rating zu erreichen. Dennoch wirkten beiden Filme in der Double Feature Variante recht unvollständig, was den Filmen keinen Abbruch tut, da die sleazigen Exploitationreisser aus vergangenen Tagen auch mehr eine Aneinandereihung von Gewalt und Sex waren und das bekommt man hier auch zu genüge geboten, dennoch bin ich gespannt auf die Langfassungen, da die sicherlich die Filme ein wenig runder und lückenloser erscheinen lassen werden. Vorallem wer das Skript kennt, weiss das da noch mehr an Gewalt und harten Szenen auf einen zu kommen, die es nicht in das Double Feature geschafft haben. Ich habe direkt nach der Vorstellung das Skript zur Hand genommen und habe alleine mal im Showdown von Planet Terror verglichen was da noch so sein sollte und ich freu mich jetzt schon unendlich sehr auf die fehlenden Szenen. Ich kann jedoch die Entscheidung verstehen, die Filme in kürzerer Form zu zeigen (sind schließlich immernoch 90 Minuten pro Film plus die Trailer), denn die Laufzeit ist auch so schon enorm hoch. Wenn beide Filme mit je einer Laufzeit von 120 Minuten gezeigt worden wären, hätte das sicherlich zur Frustration einiger Zuschauer beigetragen. Für mich gilt eigentlich immer je länger ein Film desto besser, so lange er gut ist und durch die lange Laufzeit auch gut bleibt. Aber 240 Minuten fürs Kino sind wirklich zuviel des Guten, daher sehe ich es eigentlich eher positiv, dass hier die Langfassungen getrennt gezeigt werden und dann das Double Feature in Kurzform.
Aber genug erzählt nun zu den eigentlichen Filmen:
Planet Terror

In Planet Terror breitet sich in einer kleinen amerikanischen Stadt ein Virus aus, der aus den Menschen Zombies macht. Die Infizierten überrennen die Stadt und ein Teil der Bürger setzt sich zur Wehr und versucht der unaufhaltsamen Schar Zombies Herr zu werden. Dabei treffen ziemlich unterschiedliche Charaktere aufeinander, die trotz gewisser Differenzen zusammenhalten müssen um nicht selbst bald ein Lebender Toter zu sein. Allen vorran Cherry Darling ( Rose McGowan) und El Wray ( Freddy Rodriguez). Sie kämpfen Seite an Seite mit Polizisten, Ärzten und ganz normalen Bürgern gegen die Zombieplage, aber ein entkommen ist in weite Ferne gerückt, denn nicht nur Zombies auch eine Spezialeinheit, die den Virus unbedingt für sich haben will, unter Führung von Lt. Muldoon ( Bruce Willis) machen den Überlebenden das Leben schwer.

Das ganze klingt wie ein x-beliebiger Zombiefilm aus den 70ern? Stimmt und genau das ist auch das Ziel von RR gewesen, denn wieso das Rad neu erfinden? Die Story ist natürlich recht mau und auch sonst wird man wenig Tiefe erwarten können, denn was bei einem Zombiefilm zählt ist die Atmosphäre, ein paar obercoole Helden, eine gehörige Portion Splatter und eine schweisstreibenden Inszenierung. Genau das bietet RR in "Planet Terror". Von der ersten Minute an brennt RR ein Actionfeuerwerk sondergleichen ab.

Dabei wird hauptsächlich auf Schusswaffengebrauch wert gelegt, wobei auch schonmal Spritzen und anderes Zeug was rumliegt zweckentfremdet wird. RR fährt hier wahrlich schwere Geschütze auf. Denn von ultrablutigen und brutalen Shoot Outs über halsbrecherische Stunts bis hin zu riesigen Explosionen wird einem alles geboten. Dabei ist vorallem der Splattergehalt enorm, am Anfang feiert man schon ab wenn riesige Blutschwaden bei den Shoot Outs aus getroffen Körpern herausplatzen, aber im weiteren Verlauf des Films wird dies quasi als Standard und Normal betrachtet, denn die Splatterorgie steigt von Minute zu Minute, Gesichter werden zerfressen, Körper werden auseinander gerissen, Köpfe weggeschossen, Gliedmaßen abgetrennt und zur Krönung des ganzen wird auch noch eine Zombiehorde mittels eines Hubschrauberrotors in alle Einzelteile zerlegt, ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich "Planet Terror" als den blutigsten Film bezeichne, der je auf Zelluloid gebannt wurde. Also wer an Blut und Gedärmen seinen Spaß hat, wird mit diesem Film wahrscheinlich seinen persönlichen Gott gefunden haben. Denn hier kommt nichts aus dem Computer, alle Effekte, jeder noch so kleine Bluteffekt ist handmade. Und glaubt mir bei dem Film müssen das mehrere tausend Liter gewesen sein, die dort verspritz wurden. Ob der Film der brutalste ist ,der je gemacht wurde kann man ganz klar verneinen, denn trotz der heftigen Szenen wirkt der Film in keinster Weise brutal, denn durch den sarkastischen und zynischen Unterton bleibt der Film immer auf einer lockeren Ebene, auch wenn sich einem manchmal der Magen umdreht. Also auf keinen Fall was für sanfte Gemüter. RR lässt seinen Film nämlich nie ins lächerliche oder gar komödiantische abdriften, dazu bleibt der Film zu ernst, auch wenn man das ganze mit einem Augen zwinkern betrachten muss.

Zu den wirklich genialen Action und Splattereinlagen, die einen Großteil des Films ausmachen, gesellen sich geniale Dialoge und eine Menge Szenenhumor, der vorallem durch die guten Darsteller rübergebracht wird. Neben Stars wie Bruce Willis, der den fiesen Armytypen spielen darf glänzen auch Michael Biehn als Sherrif und viele weitere bekannte Gesichter, wie etwa Tom Savini, der schon in From Dusk Till Dawn als Sex Machine seinen Mann stehen durfte, aber er zeichnet sich wohl eher für die Effekte verantwortlich, die mehr als nur gelungen sind. Natürlich darf auch ein kurzer Auftritt von Quentin Tarantino nicht fehlen, der hier den notgeilen Soldaten mimt und versucht eine unserer Heldinnen zu vergewaltigen. Und genau zu den Heldinnen wollte ich nun kommen Rose McGowan spielt die einbeinige Cherry Darling, sie ist ganz klar der Star des Films. Denn mit ihrer M 16 Protese mäht sie sich nur so durch die Zombiehorden. Ihr männlicher Sidekick Freddy Rodriguez glänzt als Pistolero wie auch als Liebhaber. Aber die geheimen Stars des Films sind Marley Shelton als Dr. Dakota McGraw Block und Josh Brolin als Dr. William Block. Dakota und William liefern sich in Mitten der zerstörten Welt ein Privatduell bis aufs Blut, die wohl spannendsten Szenen gehören klar den beiden.

Und es gibt viele Szenen, die einem in Erinnerung bleiben sollten, denn RR wählt die Locations sowie die Optik mehr als gut, von verdreckten Tittenbars bishin zu zerstörten Strassen ist alles dabei, was das Schmuddelkino auszeichnet. Die von der Zerstörung gezeichnete Kleinstadt ist trist, verwahrlost und hoffnungslos. Die Inszenierung ist auf allerhöchstem Niveau, geniale Kameraperspektiven, toll gewählte Einstellungen und brilliante Kamerafahrten. Der geneigte Mainstreamgucker wird sich sicherlich wundern, warum ich Jahr 2007 Verschmutzungserscheinungen, Striche und Rauschen auf der Leinwand zu sehen ist. Noch viel mehr wird ihn verunsichern, dass die Kamerarolle manchmal Brandlöcher aufweist und er wird völlig kollabieren, wenn die Texteinblendung "Missing Reel" erscheint. Das kann doch nicht sein. Oh doch das kenn es und zwar mit voller Absicht. RR verschmutzt und verdreckt seinen Film so, dass es dem Kino der 70er gerecht wird, er nutzt diese Mittel nie im Überfluss, dass es unschön aussieht, aber sie sind da um das Feeling der 70er zu erzeugen und es gelingt, denn anstatt das diese Effekte stören, erfreut man sich an diesen kleinen aber feinen Ideen. Der Score passt sich dann dem Gesamtbild an, anstatt auf Hip Hop zu bauen, was immer mehr zu Mode wird, lässt RR Synthieklänge erschallen und setzt in den richtigen Momenten auf Rock. Aber vorallem die Synthesizerklänge erfreuen den Rezepienten, denn wenn in Schockmomenten diese typischen Spannungsklänge aus den Boxen donnern, erschreckt man sich nicht, sondern ist fasziniert von dem Ideenreichtum.
Fazit:
Ein Zombiefilm im Stile der 70er Exploitationwelle mit den Mitteln des 21 Jahrhunderts, was habe ich auf diesen Film gewartet. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage das ich meinen persönlichen Nummer 1 Film gefunden habe, es hat bisher nichts vergleichbares gegeben. Dieser Film wird Kultstatus erlangen, wer bisher dachte Romero's Dawn of the Dead, wäre der ultimative Zombiefilm, der wird nach sichten von Planet Terror seine Aussage evtl. revidieren wollen.Dieser Film verdient es hundertprozentig in die Hall of Fame der Alltime Favorites aufgenommen zu werden, denn hier passt einfach alles. Darsteller,Score,Optik,Splatter,Atmo, das Exploitationfeeling.Und alle die jetzt denken, dass ich mich dem Hype der Fanboygemeinde anschliesse, der irrt gewaltig, denn als Kenner des Exploitationkinos war ich mehr als skeptisch, dass Grindhouse funktionieren wird. Aber ich habe mich eines besseren belehren lassen und bin mehr als nur froh darüber im Unrecht gewesen zu sein.

Trailer

Machete
Der Trailer mit dem bekannten und in B-Kreisen beliebten Danny Trejo. Ein Macheteschwingender Rocker metztelt sich mit Hilfe eines Priesters, der Shotguns am liebsten beidhändig abfeuert, durch die Gegnerhorden, vögelt die schönsten Frauen und lässt auch mal ein Auto explodieren. Da sich der Trailer zu Machete in Fankreisen, zu Recht, großer Beliebtheit erfreut, plant RR eine Verfilmung des Stoffes. Man darf gespannt sein.
Werewolf Women of the SS
Der zweite Weltkrieg scheint für die deutschen verloren, aber abseits der Schlachtfelder im Todeslager 13 der SS experimentieren verrückte Naziwissenschaftler an Menschen herum, um Superfrauen zu erschaffen. Heraus kommen Werewolf Frauen mit Hakenkreuzbinde. Der Trailer ist eine Mischung aus Folterterror und Sex. Viele blonde Frauen in SS Uniformen und kurzen Höschen huschen durchs Bild und versüssen einem den sonst so ernsten Grundtenor. Dabei sind Darsteller aus aller Welt in dem Film zu finden etwa Udo Kier als SS Offizier oder Nicolas Cage als FuManchu, letzterer hat nur einen sehr kurzenAuftritt, überzeugt aber durch sein geniales Äusseres und durch seine kranke Lache. In weiteren Rollen sieht man Sheri Zombie und Sybil Danning als sexy SS Schlampen. Bill Mosely als verrückter Wissenschaftler ist auch zu köstlich. Alles in allem ein sehr gelungener Trailer. Rob Zombie liefert hier ein kleines aber feines Werk zur Naziploitation ab.

Don't
Edgar Wright's Don't ist ein Trailer im Stile der Giallofilme aus Italien, ziemlich derb und skrupelos, wobei sowohl auf grafische Gewalt als auch auf psychische Gewalt gesetzt wird. Der Trailer ist ziemlicher Mindfuck, da What if Situationen erstellt werden und dann ihre Folgen gezeigt werden, dabei wird immer ein "Don't" eingeblendet, was für ordentlich Schockeffekte sorgt. Das Ende des Trailers versöhnt einen aber, da er sehr cool und lustig abschliesst. Ein äusserst gelungener und spannender Trailer, ganz im Stile der damaligen Giallo's.
Thanksgiving
Eli Roth, unter Fankreisen schon länger bekannt, erlangte aber erst mit Hostel weltweite Popularität, so ist auch verständlich, dass sein Trailer als letzter gezeigt wird, da dieser den Höhepunkt bildet was kruden Humor und Splatter angeht, die Köpfe rollen im Sekundentakt, klischeebeladene Szenen werden lustig aufgerollt und das ewige von OFF Sprecher eingeworfene "Thanksgiving" rockt einfach. Dabei gibt es aber eine Sache zu bemängeln, Grindhouse stand nie für Zensur und Roth's Trailer ist zensiert, ob beabsichtigt oder nicht ist offen, jedenfalls wurde der Schambereich einer Frau durch Verschmutzungen der Filmrolle verdeckt, was bei der amerikanischen Filmpolitik zum Thema Sex in Filmen, eher auf Zensur schliessen lässt. Schade eigentlich, nicht das man das zwanghaft sehen muss, aber nackte Haut gibt es auch in den andern Trailer und den Filmen. Denn gerade das Thema Nackheit ist bei Exploitationfilmen immer wichtig gewesen. Dennoch ein lustiger und blutiger Trailer.
Death Proof

Eigentlich zwei Filme in einem Film, denn das Konstrukt der Geschichte wird doppelt verwendet. Ein Psychopathischer Killer macht Jagd auf unschuldige junge Frauen, am liebsten killt er sie mit seinem Auto. Denn unser Killer ist Stuntmen und sein Name ist Stuntmen Mike, klingt komisch ist aber so. Zuviel zur Story kann man nicht verraten, da sonst einige Showeffekte verloren gingen würden, die Tarantino bewusst eingebaut hat. Nursoviel sei verraten, Mary Elizabeth Winstead, sie spielt sich selbst, soll bei einem Film mitspielen und ist deswegen mit ihren Freundinnen in der Stadt, alles scheint ganz nett zu sein, bis der psychopathische Stuntmen Mike aufkreuzt und ihr und ihren Freundinnen nach dem Leben trachtet.

Der neueste Beitrag von QT...Ja was soll man dazu sagen? QT hat bewiesen, dass er ein Ausnahmetalent ist mit Filmen wie Pulp Fiction und Reservoir Dogs, jedoch halte ich verblendetes Fanboytum bei ihm vollkommen Fehl am Platz, denn so ein Übertalent ist er nicht und der Hype um seine Person mag bei manchen Filmen gerechtfertigt sein, aber Death Proof beweist, dass er eben doch nicht das Genie ist, das manche ihm zugestehen. Death Proof ist langweilig. Klar Tarantino's Dialoge sind mal wieder einsame spitze, aber das ist irgendwo auch das Problem an den Film. Death Proof leidet unter einer Dialoglastigkeit die seinesgleichen sucht, selten habe ich mir so sehr Spannung und Abwechslung gewünscht wie bei diesem Streifen. Es wir geredet und geredet und geredet. Nunja das wäre ja bei einem Drama oder so nicht schlimm, aber wenn man eine Hommage an das italienische/amerikanische Terrorkino erwartet, dann ist man schon mehr als enttäuscht. Denn anstatt Terrorfeeling und Action zu bringen, bringt Tarantino garnichts. Es gibt 2 längere Szenen, bei denen es zu einem Blechschaden kommt, die eine ist recht splattrig ausgefallen, die andere ist irgendwo zu langatmig und nicht dynamisch genug. QT parodiert viel mehr das Exploitationkino, indem er obligatorische Szenen aus bekannten Streifen kopiert, etwa das Auto mittels einer Rampe durch die Luft fliegen lassen oder das " Auto durchs Werbebanner fahren". Das Ende könnte man als recht lustig betrachten, wenn man mit einer anderen Einstellung an den Film geht, jedoch ist es in meinen Augen keine Verbeugung sondern eine Verarsche des Schmuddelkinos. Ich bin von diesem Film mehr als enttäuscht und ärgere mich eigentlich noch mehr darüber, dass erst Planet Terror und dann dieser Stinker gezeigt wurde. Klar muss man QT einen guten Regiestil zugestehen und auch sonst ist alles inszenatorisch top, die Dialoge sind lustig und die Darsteller gehen in Ordnund, Kurt Russel ist ziemlich cool drauf, aber was bringt das, wenn der Film nicht hält was er verspricht. Ich hatte mich auf ein blutiges Terrorspektakel gefreut und bekam den wohl unblutigsten QT Streifen ever, naja abseits von Jackie Brown. Leider wurde hier viel Potential verschenkt, denn wenn er schon das 70er Jahre Kino mit seinen unfreiwillig komischen Szenen kopiert, dann wenigstens richtig. Denn das sleazige Feeling kommt erst zum Schluss auf. Meiner Meinung nach der bisher schlechteste QT Film.

------------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------
freeman grindet ;-)
Grindhouse

Eines Tages, so will es die Legende, schaute Robert Rodriguez bei seinem Kumpel Quentin Tarantino vorbei, um sich mit ihm über ein weiteres gemeinsames Projekt zu unterhalten. Dabei erspähte er in den Räumen des filmwütigen Tarantino ein Poster eines Grindhousedoublefeatures und ließ sich von Tarantino über diese Art Filme aufklären. Wenige Augenblicke später stand fest: Das neueste Projekt der beiden kreativen Köpfe wird ein Film, der den Regeln eines Grindhousedoublefeatures entsprechen sollte. Beide wollten einen knapp einstündigen Kurzfilm aufgeladen mit Sex und Gewalt (die Lieblingsthemen der trashigen Grindhousefilmvorlagen) drehen, die man dann mittels gefakten Trailern von befreundeten Regisseuren zu einer Einheit verbinden wollte: Dem ultimativen Grindhousefilm. Leider ging das Projekt vor allem finanziell nicht auf, weshalb man die beiden Kurzfilmbeiträge um diverse Filmminuten auffüllte und sie auf Spielfilmlänge streckte, so dass man sie in der alten Welt, die mit dem Begriff Grindhouse eh nichts anfangen konnte, als Einzelfilme der Regiederwische verkaufen konnte. Auch hier bisher leider nur mit eher geringem finanziellem Erfolg.

Dabei kamen wir in Deutschland zunächst in den Genuss des Tarantinostreifens Death Proof. Hier erzählte uns Tarantino die Mär von Stuntman Bob, der mit seinem todsicheren Stuntauto am liebsten heiße kleine Sexmiezen um ihr ach so junges Leben brachte. Am liebsten mittels Frontalcrash. Und nicht ohne sie vorher mit seinem Charme und seinen herrlich kaputten Anmachsprüchen zu becircen. Viel mehr Story brauchte Tarantino für sein Road Movie nicht und es fällt dem Zuschauer auch nicht wirklich auf. Denn Tarantino nutzt seinen Beitrag für ein furioses Spiel mit dem Medium Film, das er bis ins kleinste Detail an die Filme anpasst, die er damals als Jungspund in den Trashkinos bewundert hat. Kratzer und Laufrolleneinschnitte laufen über das Bild, der Ton springt an diversen Klebestellen, manchmal fehlen auch gerne einige Filmsekunden. Ab und an liegt der Film auch schräg im Projektor. Die Illusion ist vor allem in der ersten Stunde absolut perfekt und so mancher Kinobesucher, der nur im neuesten Tarantino war, nicht aber im neuesten Grindhousemovie, steht wild gestikulierend an der Kasse und verlangt wegen der miesen Bildqualität sein Geld zurück. Doch Tarantino geht noch weiter. Kurz darauf hat der Projektor wohl einen Hack und präsentiert uns nur noch schwarz-weiße Bilder. Megaedel komponiert, nur kann da nicht mal einer was richten im Vorführraum? Und *zack* schon springen wir in den letzten Part und erleben eine auf Hochglanz getunte Verfolgungsjagd von zwei Musclecars, die für eine der beiden beteiligten Parteien ein unfeines Ende nehmen wird.

Mittendrin brennt Tarantino ein vor Zitationswut geradezu berstendes Feuerwerk ab, das den Film- und Tarantinofan mit feucht glänzenden Augen zurücklässt und einen Regisseur präsentiert, der inzwischen sogar sich selbst mit Verve und Ideenfreude abfeiert. Da bildet ein Kill Bill Klingelton nur die Spitze des Eisberges. Und Tarantino pusht und pusht seinen Streifen und lässt seine gewohnt brillanten Dialoge in einer Menge auf den Zuschauer niedergehen, dass Death Proof irgendwann weniger eine Rückbesinnung auf den Grindhousefilm ist, als vielmehr die Rückbesinnung auf Tarantinos ureigenste Wurzeln. Das hat einen Film zur Folge, der mit tollen Darstellern - allen voran der megageniale und saucoole Kurt Russell als Stuntman Bob -, einem gewohnt hervorragenden Soundtrack, einem, dem Konzept geschuldeten, sehr interessanten Stilmittelbombardement, dem heißesten Lapdance der Kinogeschichte und den geilsten Dialogen seit Jahrzehnten zu punkten versteht, der aber durch die Füllszenen - vor allem in den ersten 30-40 Minuten - enorme Tempoeinbußen zu verzeichnen hat, die Death Proof ein wenig unrund erscheinen lassen. Doch Death Proof kann genug Elemente aufbieten, um diese kleine "Unstimmigkeit" aufzuwiegen.
Da hat uns der Quentin was Feines angerichtet:


Von den Trailern, die in den USA zwischen den beiden Filmbeiträgen liefen, bekommen wir in Deutschland leider nicht viel mit. Ob man nicht die Traute hatte, die vor Sex und Gore berstenden kleinen Kurzfilmmeisterwerke zu präsentieren oder ob man meinte, die Trailer würden nicht mehr ins Konzept passen, in jedem Fall ist die Unterschlagung der Trailer ein echter Affront. Dieser schmerzt den Filmfan in Anbetracht des Machete Trailers, der es vor den Rodriguez Beitrag geschafft hat, nur noch mehr, denn dieser rockt schon tierischst die Bude. In diesem Trailer sehen wir Rodriguez Buddy Danny Trejo als Auftragskiller Machete, der bei einem seiner Aufträge hintergangen wird und mit Hilfe einer auf seine Harley gebastelten Minigun und eines pumpgunschwingenden Priesters brutale Rache an seinen Auftraggebern nimmt. Das Ergebnis mutet an wie die Kurzfilmfassung eines dritten El Mariachi Teiles und macht einfach eine Heidengaudi, zumal Cheech Marin als Priester einen Knallerspruch nach dem anderen präsentiert und Danny Trejo einige hinreißend übercoole Auftritte hinlegen darf.

Nach diesem (ebenfalls von Robert Rodriguez inszenierten) Trailer ist in Deutschland dann endlich Robert Rodriguez eigentlicher Beitrag Planet Terror an der Reihe. In diesem Streifen geht es um ... Zombies. Und diese ... ja ... sie jagen Menschen. Diese Menschen erwehren sich ihrer Haut und das war es. Wie sein Kollege Tarantino gibt Rodriguez keinen Pfifferling auf eine halbwegs plausible Geschichte. Und mehr noch, Rodriguez macht sich einen Jux daraus, sein Publikum hinters Licht zu führen. Freilich erlaubt durch die "Regeln" des Grindhousekinos, wo es nicht selten vorkam, dass einmal ganze Filmrollen irgendwo verschütt gegangen sind. Wen juckt schon, was der Film in diesen Minuten zu erzählen hatte? Und so reißt in Planet Terror der Film bei einer heißen Sexszene, die Kinoleitung entschuldigt sich mittels Texttafel für das Fehlen der eigentlich folgenden 20 Minuten und *schwupps* sitzen wir mitten in einem Zombiegemetzel, sehen vollkommen neue Figuren und Figurenkonstellationen und zwei Figuren bestätigen einander, dass man die jeweils gerade erfahrenen Hintergründe zu den Ereignissen und den Charakterbackgrounds nie wieder erwähnen werde. Das ist eine so dermaßen schlitzohrige und schräge Idee, dass man in einer Tour den Boden küssen möchte, auf dem Rodriguez, der in den letzten Jahren eher durch inspirationslose Arbeiten (jupp, auch Sin City) auffiel, umherwandelt.

Dass Planet Terror auch ohne große Erklärungen oder Hintergründe funktioniert, zeigt das Glücksgefühl, das man nach dieser Tour de Force durch das Splatterkino empfindet. Denn Planet Terror ist eine echte Glücksbombe! Dies resultiert weniger aus dem Spielen mit den Regeln des Grindhousekinos, als vielmehr aus der Ideenwut des Robert Rodriguez! Der Mann ersetzt ein abgefressenes Bein eines Charakters durch ein Maschinengewehr - wie die Figur diese Waffe abfeuert, ist ein herrliches Logikproblem, das einen aber wirklich zu keiner Sekunde juckt -, lässt seinen Hauptcharakter die Flucht mit dem genialsten Fluchtfahrzeug aller Zeiten antreten (von 0 auf 80 in 4 Sekunden!) und ist irgendwann der Meinung, Tarantino müssten endlich mal die Eier abfaulen. Here we Go! Das war sicher die Rache von Rodriguez für die insgesamt doch arg erbärmliche darstellerische Performance von Kumpel Quentin als Army GI. Doch Rodriguez macht auch sonst keine Gefangenen. Rose McGowan verliert ihr Bein, Bruce Willis mutiert zu einem Eiterhaufen, Michael Biehn versucht noch im Todeskampf seinem Bruder Jeff Fahey das Rezept für dessen Barbecuesoße zu entlocken, Kleinkinder schießen sich selber das Hirn raus und Fergy von den Black Eyed Peas bestätigt ihre größten Kritiker, indem sie als "brainless Bitch" in der Gegend liegt. Danke Robert, Danke!
Danke auch für den Splatterirrsinn, den du uns hier kredenzt. So wie in deinem Film saftete es noch in keinem anderen nach einem simplen Einschuss. Auch die Kopfzerplatzszenen rocken einfach die Bude. Und ich sehe es irgendwo genau wie du: Wenn man einen Hubschrauber hat, sollte man ihn auch zum Zombiekillen einsetzen. Überhaupt scheinen diese Einlagen in diesem Kinojahr zu einer Art Kult zu werden, nutzte doch schon 28 Wochen später einen Hubschrauber zum Zombiematsch produzieren ein und sogar Smartie Clive Owen ließ einen Kontrahenten eher geschnetzelt als gerührt in den Rotorblättern eines Hubschraubers zurück. Mehr davon.

Auch optisch geht Rodriguez in seinem Film back to the Roots ... also zu seinen eigenen. Dreckig und schmutzig kommt Planet Terror daher. Mit trashig anmutenden Einstellungen, die nur aus einer Art Budgetarmut herrühren können. Grobkörnig erscheint das Filmmaterial und sein Verbündeter ist die Dunkelheit, spielt sein Streifen doch in einer einzigen Nacht und kann man dies immer für nette Licht und Schattenspielereien ausnutzen. Dazu kommen dann die gewohnten Kratzer und Filmfehler, die dem Filmkonzept geschuldet sind, von Rodriguez aber mit weniger Verve bedient werden als von Tarantino. Dafür federn sie ab und zu trefflich das derbste Gemansche ab, da der Film zumeist in den krachledernsten Szenen "verrückt" spielen darf. Unter diesen Bildern pumpt ein Score, der über weite Strecken an die meisterlichen Soundteppiche eines John Carpenter erinnert. In den Splattereinlagen darf dann der von Rodriguez geliebte Schweinerock übernehmen und mehr als passend das Zombiegekille untermalen. Darstellerisch braucht man sich dann hier keinen falschen Illusionen hinzugeben, denn die Darsteller waren offensichtlich am Set, um ihren Spaß zu haben und das merkt man dem Film an. Hier wird mit One Linern um sich geschmissen, als würde in Zukunft eine Art Embargo für diese Art von Kommunikation eingeführt werden und viel Sinn steckt da nicht dahinter. ABER: es rockt! Und zwar gewaltig. Zwar ist das Auswendiglernpotential deutlich geringer als bei dem Tarantinobeitrag, aber egal.

Planet Terror will einfach nur 90 Minuten lang eine Heidengaudi machen und Planet Terror macht 90 Minuten lang eine Heidengaudi. Zwar merkt man auch Planet Terror in den Eingangsminuten an, dass die zusätzlichen Füllszenen etwas Verve und Tempo aus der schrägen Filmchose herausnehmen und irgendwie würde man nach einmal drüber schlafen schon gerne wissen, warum da nun eigentlich wer wem die Eier abgeschnitten hat ... doch geschenkt. Planet Terror präsentiert wie Death Proof einen Regisseur, der in seinen ureigensten Jagdrevieren plündert und einfach nur amüsant spaßige, vollkommen überzogene und vor schrägen Ideen überlaufende Unterhaltung der Güteklasse A präsentiert.

Im Großen und Ganzen kann man also das Projekt Grindhouse nur als vollkommen gelungenen Kniefall vor einer Art Kino bezeichnen, wie wir es heute gar nicht mehr kennen. Alleine diese Reaktivierung einer längst vergessenen Kinozeit und zwei Regisseure, die sich von ihrer allerbesten Seite zeigen, sind das Eintrittsgeld oder eben demnächst den DVD Preis hundertprozentig wert. Vielleicht kommen wir dann auch mal in den Genuss der Beiträge in ihren ursprünglichen Längen, um abschätzen zu können, ob die Filme in der Langfassung nun wirklich gewonnen oder verloren haben. Und man kann nur hoffen, dass der deutsche Verleih wenigstens auf den DVDs auch die anderen Faketrailer von unter anderem Eli Roth und Rob Zombie präsentieren wird, immerhin wollen wir doch alle einmal Nicolas Cage als Fu Manchu in Werewolf Women of the SS erleben ... oder etwa nicht?
In diesem Sinne:
freeman