
Originaltitel: Alien Vs. Predator
Herstellungsland: Deutschland, Großbritannien, Kanada, Tschechische Republik
Erscheinungsjahr: 2004
Regie: Paul W.S. Anderson
Darsteller: Sanaa Lathan, Raoul Bova, Lance Henriksen, Ewen Bremner, Colin Salmon, Tommy Flanagan u.a.
Paul W.S. Anderson, Regisseur solcher Meisterwerke wie Event Horizon (wirklich gut!), Mortal Kombat (Arbeitstitel: Mortal for your brain), Soldier (als Rambo im All zu gebrauchen, ansonsten ein filmischer Totalausfall) und Resident Evil (naaaaja ...) dreht Alien Vs. Predator! Als ich das vor einem Jahr das erste mal gelesen hatte, dachte ich nur: NEIN! Damals beruhigte ich mich allerdings mit dem Gedanken, dass beide Franchises bisher eigentlich nur gute Filme hervorgebracht haben, wobei Predator 1 und Alien 2+3 sogar zu meinen Lieblingsfilmen gehören. Also so viel konnte dann ja nicht wirklich schief gehen, zumal die Comics Alien Vs. Predator und das Computerspiel ja hervorragend funktionierten und von den Fans mit Begeisterung aufgenommen wurden.
Ein halbes Jahr später kamen neue Bedenken auf. Alien Vs. Predator sollte auf jugendfrei getrimmt werden. Und da war es wieder, dieses NEIN! Diese Bedenken verschärften sich dann mit Sichtung der ersten Trailer. Predatoren, die Netze verschießen, anstatt rumzumetzeln? Oh o! Nun ja, dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen, mit denen ich ins Kino bin.
Die Story selber bildet für Predator 1+2 ein Sequel und für Alien ein Prequel. Die Firma von Bishop Weyland entdeckt mit Hilfe eines Satelliten Hitzesignaturen an einem Ort, wo selbige eigentlich gar nicht vorhanden sein dürften. Unter dem Eis der Antarktis macht man eine Pyramide aus, die von verschiedensten kulturellen Einflüssen geprägt zu sein scheint. Bishop Weyland – schwer erkrankt - möchte nun zu dieser Pyramide, um sich mit Hilfe dieses sensationellen Fundes unsterblich in den Erinnerungen der Menschheit zu machen.
Man stellt schnell ein Team zusammen und reist gen Fundort. Als man dort angekommen ist, stellt sich heraus, dass man gar nicht, wie geplant, 7 Tage Bohrarbeiten verrichten muß, um an die Pyramide unter dem Eis zu gelangen, denn etwas „anderes“ hat schon einen Tunnel „gegraben“. Und da wir in einem Actionfilm sind, hat jetzt natürlich auch keiner Bedenken, dass hier etwas nicht stimmen könnte und man bricht auf gen Pyramide. Dort angekommen löst man unwissentlich einen Mechanismus aus, der eine Alienkönigin aus ihrem Kälteschlaf erweckt und die auch sogleich Alien-Ei um Alien-Ei produziert. Während man die Pyramide untersucht landet ein Trupp Predatoren auf der Oberfläche und macht kurzen Prozeß mit dem an der Oberfläche gebliebenen Teil des Forscherteams, um dann ebenfalls zu der Pyramide aufzubrechen.
Die Predatoren sind hier wegen eines Initiationsritus, bei dem sie gegen die garstigen Aliens bestehen müssen. Die Wärmesignaturen, die die Weyland Firma aufgeschnappt hat, haben auch sie initiiert, immerhin brauchen die Aliens ja Wirtskörper, von denen sie auch bald ordentlich Gebrauch machen, um gleich darauf Menschen wie auch Predatoren empfindlich zu dezimieren. Diesen beiden Spezies bleibt bald kein anderer Ausweg, als zu kooperieren.
Die Story an sich ist somit wahrlich dünn, dient aber eben auch nur als Grundlage, um die beiden beliebten Horrormonster aufeinanderprallen zu lassen. Und dahingehend erfüllt sie ihren Zweck. Unverzeihlich aber sind die teils fast schon grenzdebilen Dialoge zwischen den Charakteren, bei denen man ziemlich schnell zu bezweifeln beginnt, dass da Wissenschaftler am Werk sind. Auch Spannung gibt es wahrlich keine. Der ganze Film dümpelt teils vollkommen belanglos vor sich hin und nur wenn die beiden Alienspezies wie Urgewalten aufeinander treffen kommt Drive und Tempo auf. Das liegt auch an Andersons Drehbuch, welches Figuren generiert, die einen vollkommen kalt lassen und nicht eine Minute interessieren. Und da er zu deren Einführung auch noch geschlagene 30 Minuten braucht, kämpft man da sehr mit dem Schlaf.
Doch selbst wenn die Aliens dann auftauchen, kommt keine Spannung auf, eine Tragödie wenn man sich folgendes vorstellt: Wir befinden uns in einer Pyramide, unter dem Eis, in der es kein natürliches Licht gibt. Dunkle Gänge, uneinsehbare Winkel und man kann nicht mal erahnen, was sich direkt vor einem befindet! Und dieses Potential weiß Anderson NULL zu nutzen! Unglaublich! Auch die Atmosphäre, die er zu Beginn des Filmes in der Pyramide aufbaut, tritt er zugunsten hochtouriger Action komplett in die Tonne. Schade.
Die Schauspieler sind allesamt ziemlich schwach. Die weibliche Hauptrolle wird von Sanaa Lathan bestritten und ich denke, sie wird sobald keine Hauptrolle mehr bekommen, denn sie ist gnadenlos überfordert in ihrer nicht wirklich anspruchsvollen Rolle. Zudem bekommt sie von Andersons Drehbuch die schlimmsten Sätze in den Mund gelegt, so dass es nicht alleine ihre Schuld ist, was sie da abliefert. Einzig die Figur des Bishop Weyland funktioniert einigermaßen, weil Lance Henricksen ein immer wieder gerne gesehener Darsteller ist, der es versteht, auch in die schlimmsten filmischen Gurken etwas Flair zu bringen.
Die Monster selber wurden einem Face Lifting unterzogen und etwas modernisiert, was aber bei beiden Spezies zu ihrem Vorteil gereicht, weil beide besser als in ihren Vorgängerfilmen aussehen. Dem Predator hat man auch ein paar neue „Spielzeuge“ spendiert, die sich ebenfalls hervorragend in die Serie einfügen. Doch auch bei den Monstern gibt es was zu nörgeln. Immer wenn sie aufeinandertreffen glaubt man nicht zwei Urgewalten treffen aufeinander, nein, man hat viel eher das Gefühl, einem Wrestlingmatch zuzusehen. Wer braucht denn so was?
Die Musik des Filmes ist meines Erachtens ganz passend von Harald Kloser umgesetzt wurden (ein Hans Zimmer Jünger) und kommt vor allem beim Einstieg in den Film hervorragend zur Geltung. Mit zunehmender Laufzeit beugte er sich aber dem Actionkonzept des Regisseurs und die Musik wird belanglos.
Optisch ist der Film auf der Höhe der Zeit. Er bietet einige nette CGI-Spielereien (ein Highlight ist der sich enttarnende Speer!), einige sehr gelungene Kamerafahrten (wobei die besten teils sehr an Event Horizon erinnern), einige sehr gelungene Szenenübergänge und leider (vor allem bei den Kämpfen) die zur Zeit so angesagte MTV Schnittästhetik. Die Action, die ja die meisten Schauwerte liefert, ist ordentlich choreographiert und nett umgesetzt, wirkliche Höhepunkte gibt es aber auch hier nicht. Zumal es deutlich an Konsequenz und Härte fehlt.
Da wir es ja hier mit einem Film für die Fans zu tun haben, will ich den Film auch mal in die Serien einordnen. Also positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass man das Alien nicht verändert hat. Es ist und bleibt eine eiskalte mörderische Bestie, die wohl nie zum netten Nachbarn aus dem All mutieren wird. Hier gibt es auch ein paar schöne Anspielungen auf die Vorgängerfilme, wie ein Bild von Henricksen aus Alien auf einer Zeitschrift und das Kugelschreiberspiel von Weyland, dass die Roboterversion von ihm in Alien 2 mit einem Messer gespielt hat. Doch bei den Predatoren konnte man es sich nicht verkneifen, ihnen einen „historischen“ Background in Bezug auf die Menschheit zu verpassen. Sie wurden von uns Menschen einst verehrt, weil sie uns das Bauen beigebracht haben! *Wie doof ist das denn?* Deshalb haben die Menschen ihnen damals Pyramiden gebaut und sich freiwillig als Wirtskörper für die Aliens bereitgestellt, damit die Predatoren ihren Initiationsritus durchführen konnten. Und angeblich war genau dieser Initiationsritus dann der einzige Grund, warum die Predatoren immer wieder kamen. Da frage ich mich, warum dann die Predatoren in Teil 1 und 2 wahllos Menschen getötet haben, obwohl sie von ihnen als Gottheiten verehrt werden, und warum sie in einem Dschungel und in einer Großstadt ihre Opfer jagten? Falsch abgebogen? Pyramide nicht gefunden? Man hätte die Predatoren einfach lassen sollen, wie sie waren, so macht man ihren Mythos fast kaputt. Zum Glück ist der Oberpredator in Alien Vs. Predator eine so coole Sau, dass man die Predatoren einfach geil finden muss!
Um mal zum Schluss zu kommen:
Für Fans der beiden Franchises dürfte der Film eine herbe Enttäuschung sein, als Actionfilm ist er halbwegs brauchbar, bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück!
Ich kann echt nur hoffen, dass man Anderson das nächste mal, wenn er sich an einer Kultfigur vergreifen will, ordentlich auf die Finger klopft.
Im übrigen bin ich wahrlich gespannt auf den von Anderson angekündigten Director’s Cut seines Filmes, denn immerhin hat er selbigen ja schon bei seinen alten Meisterwerken ebenfalls mehr als einmal angedroht, gekommen ist aber meist nichts, was mich mehr als einmal denken ließ, dass diese Ankündigungen immer nur ein Versuch waren, die Qualität des jeweils aktuell im Kino laufenden Filmes zu entschuldigen. Whatever ...
Die DVD von Fox ist uncut und mit einer wirklich knackigen Bild und Tonqualität gesegnet.

In diesem Sinne:
freeman