
Technische Daten
Vertrieb: Island (Universal)
Laufzeit: 51:42
Anzahl der Tracks: 14
Extras: Ltd. mit Bonussong und Autogrammkarte, außerdem mit Zugangscode für eine besonders persönliche Internetseite von einem der Bandmitglieder.
Verpackung: Jewelcase
Besetzung:
• Strify - Gesang
• Luminor - Gesang, Keyboard
• Kiro - Bass
• Shin - Schlagzeug
• Yu - Gitarre
Trackliste:
1. Lovesongs (They Kill Me)
2. How Does It Feel
3. Silent Scream
4. Get Off
5. Forever Or Never
6. Escape To The Stars
7. After The Rain
8. She Waits For Me
9. I Don't Believe
10. The Way We Are
11. Dysfunctional Family
12. Heavensent
13. Angel In Disguise
14. The Silent Place
Kritik:
Bevor ich mich meine Aufmerksamkeit der vor mir liegenden Scheibe widme, möchte ich mich bei einem Kollegen bedanken, der dies alles möglich gemacht hat. Dieser mutige Mensch kennt keinen Stolz und wagte sich in die düsteren Niederungen der örtlichen CD Abteilung. Nach einem harten Kampf mit pubertierenden Teenies gelang es ihm eine Special Edition von „Final Attraction“ zu ergattern. Nur seine Seele musste er leider im Austausch zurücklassen.
Doch wer sind diese Cinema Bizarre eigentlich? Sie sind nicht mehr oder weniger als die großen Newcomer des Jahres 2007 und werden unter den Experten schon als Gewinner des nächsten Echos gehandelt, der ja für seine fachkundige Jury bekannt ist. Laut der offiziellen Biographie haben sich die fünf Jungs, die allesamt aussehen wie androgyne Friseure, welche direkt aus Marilyn Mansons Dope Show entsprungen sind, auf einer Anime-Messe anno 2005 zum ersten Mal getroffen. Dort dachte man sich, wenn wir alle schon gleich beschissen aussehen, können wir auch zusammen Musik machen. Kiro, seines Zeichens Mitglied der Band, bezeichnet es als Schicksal und man sollte aufeinander treffen. Insgesamt eine doch eine sehr glaubwürdige Geschichte.
Zwei Jahre später erscheint nun ihr Erstling „Final Attraction“, der nichts weiter als die besten Elemente aus Pop, Rock, New Wave, New Romantic und Elektro miteinander vereinen soll. Aus diesem Konglomerat hat man dann einzigartige Songs geschaffen, welche Körper und Geist berühren sollen. Leadsänger Strify fügt noch hinzu, dass sie die Hörer in Welten entführen wollen, in denen es keine Regeln gibt. Alles andere wäre ja auch langweilig. Die vertonte Anarchie befindet sich also in unseren heimischen CD-Playern, bei drei Songs durfte sich die Band sogar am Songwriting beteiligen.
Genug der Vorworte, lassen wir uns in fremde Welten entführen. Den Beginn macht dann auch gleich „Love Songs they Kill me“, welches die erste Singleauskopplung darstellt und somit auch nicht Fans, zumindest in Ansätzen, ein Begriff sein sollte. Der Song selber ist der frechste Him Rip-Off, der mir jemals unter die Ohren gekommen ist. Im Grunde hat man den Text von „Join me in Death“ nur durch einen anderen ersetzt und alles ein bisschen weicher gespült. Das eigentlich lustige an dieser großen Songwriting Kunst ist aber, dass die darauf folgenden Songs fast alle Love Songs sind, was ihre Musik auf eine neue Stufe der Glaubwürdigkeit hebt. Glücklicherweise lässt man die große Schmalzkeule größtenteils weg, trotzdem sind Lieder wie „After the Rain“ dabei, die einen reflexartigen Brechreiz auslösen. Die Qualität der Musik steigert dies jedoch nicht, denn der kaltblütige Raubzug durch Klassiker der Musikgeschichte nimmt ihren Lauf, vor allem Depeche Mode werden ausgenommen wie ein Schwein auf der Schlachtbank. So muss das zeitlose „Personal Jesus“ für einen Song über Probleme in der Familie herhalten. Ein Thema was es wahrlich noch nie in der Musik gab, da werden ganz neue Horizonte eröffnet. Vor allem wenn der Sänger den Eindruck macht, als würde er sich nebenbei noch mit der Entkrustung seiner Nasenscheidewände beschäftigen, um nicht während des Singens einzuschlafen. So hat er aber immerhin noch etwas mit dem Hörer gemeinsam, der sich mit einem munteren Songratespiel vor dem bevorstehenden Herzstilstand rettet, denn „Personal Jesus“ ist nicht der einzige Depeche Mode Song, der ungeniert für zweifelhafte Zwecke missbraucht wurde. Sogar der gute Marilyn Manson erhält die Ehre, Teile seines Musikguts zur Verfügung zu stellen.
Fazit:
Nachdem man diese geballte Ladung voller innovativer und einzigartiger Musik überstanden hat, weiß man inwiefern das Aussehen der Jungs mit ihrer Musik zusammenpasst. Was als große Individualität vermarktet wird, ist nichts weiter als die Vollendung der Identitätslosigkeit in der Musik. Erschaffene Kunstfiguren, die wie Puppen aussehen und emotionslose Fließbandmusik verschmelzen zu einer großen Blase aus Plastik. Also lasst um Himmels willen die Finger von dieser CD, es sei denn ihr braucht die Schmerzen unbedingt.





