[CD] Nick Cave and the bad Seeds - No more shall we part

Liquids kulturelles Sammelsurium.

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[CD] Nick Cave and the bad Seeds - No more shall we part

Beitrag von EatenAlive » 18.06.2007, 18:31

Nick Cave and the bad Seeds - No more shall we part

Bild

Technische Daten:

Label: Mute (EMI)
Tracks: 12
Laufzeit: 68:26
Extras: Keine
Verpackung: Jewel Case

Trackliste:


1. As I Sat Sadly By Her Side
2. And No More Shall We Part
3. Hallelujah
4. Love Letter
5. Fifteen Feet Of Pure White Snow
6. God Is In The House
7. Oh My Lord
8. Sweetheart Come
9. The Sorrowful Wife
10. We Came Along This Road
11. Gates To The Garden
12. Darker With The Day

Kritik:

Nur wenige Künstler erreichen schon zu ihren Lebzeiten, im Laufe ihrer Karriere, einen gewissen Zustand der Unantastbarkeit. Nick Cave hat kann diesen Status Quo für sich verbuchen, vergleichbar eigentlich nur mit einem Johnny Cash. Wie dieser ist Nick Cave ein Mann voller Gegensätze und scheinbarer Paradoxen, die sich wie ein roter Faden durch sein künstlerisches Schaffen ziehen und ihn zu einem scheinbar unversiegbaren Quell der Kreativität werden lassen. Obwohl ihn genau jene Charaktereigenschaften auch schon oft an den Rand der Selbstzerstörung gebracht haben, aufgrund von Drogensucht, Depressionen und schweren Selbstzweifeln.

Im Jahre 2001 veröffentlichte Nick Cave „No more shall we part“, das man wohl als persönliches Opus Magnum eines Mannes bezeichnen kann, der im Laufe seines Lebens viel erlebt hat. Es ist ein Versuch der Begründung der eigenen menschlichen Existenz, verbunden mit all ihren Abgründen und Schwächen, aber auch mit einer letztendlichen Versöhnung und dem finden einer inneren seelischen Ruhe.

Am Anfang der Reise steht jedoch die Katharsis „ As I sat sadly by her side“ , die Reflektion der Erkenntnis, dass das vorbestimmte Schicksal ein Irrglaube ist und der sich damit auftuenden Leere. Der Mensch muss seinen Weg selber finden in einer Welt, die er nur in den Grenzen seines eigenen Mikrokosmus verändern kann. Im Laufe der seelischen Selbstreinigung wird auch zum ersten Mal auf Gott verwiesen, der im Verlauf der gesamten musikalischen Reise als Allegorie verstanden werden kann, er ist ein Symbol für die Leere, Angst, Einsamkeit, Oberflächlichkeit, für die Absurdität des menschlichen Handelns, das zurück Fallen in alte Gewohnheiten und doch wartet man immer wieder auf Antworten von ihm, die er einem aber nicht gibt . Immer wieder greift Nick Cave dieses Motiv auf um transzendale Bilderwelten aufzubauen, mit denen er dann, im Stile der Romantik, im nächsten Moment wieder auf tragisch ironische Weise bricht. So zeichnet er in „Hallelujah“ das Bild eines todtraurigen, einsamen Menschens, der seines eigenen Lebens überdrüssig ist und dessen einziger Bezugspunkt eine Krankenschwester darstellt. Als sich ihm die Chance, in Form einer jungen Frau, bietet aus diesem Teufelskreis auszubrechen macht er aus Angst vor Risiken und Veränderungen einen Rückzieher und kehrt zurück in die traurige Sicherheit. Im Refrain wird jenes gezeichnete Bild durchbrochen von einen an einem zutiefst sarkastisch und zynisch wirkendem „Hallelujah“. Somit sind wir auch schon beim zweiten Punkt der Reise angelangt, der Liebe. Sie scheint die einzige Möglichkeit zu sein für eine kurze Zeit mit der Welt in Einklang zu sein, auch wenn sie viele Rückschläge, Schmerzen und Unsicherheit in sich birgt, so ist wohl doch das Element was unserem Leben einen Sinn gibt. So ist die letzte Textzeile des Albums zwar "It seems so long since you went away and I just got to say that it grows darker with the day”, doch spürt man, in seiner Stimme, eine gewisse Erleichterung. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Poesie eines Nick Caves, viel zu vielschichtig und frei interpretierbar sind seine Texte um sie auch nur annähernd in den enggestrickten Rahmen eines Reviews zu pressen. Zumal das Geschriebene nur meine Ansichtsweise darstellt, ein anderer kommt wahrscheinlich zu einem ganz anderen Ergebnis.

Getragen werden die 12 Songs von Nick Caves tiefer melancholischer Stimme und zu großen Teilen von seinem Piano Spiel. Ab und zu wird er gesanglich von einer Frauenstimme unterstützt, die immer einen angenehm ruhigen Gegenpart bildet. Die anderen Bandmitglieder halten sich Instrumental über weite Strecken zurück, nur zum Ende der einzelnen Lieder spielen sie meistens etwas druckvoller auf, wobei vor allem die Streicherparts eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen. So sind die größtenteils balladesken Stücke musikalisch gar nicht so einfach einzuordnen, aber starke Jazzanleihen sind zu jeder Zeit präsent.

Fazit:


Es ist schwer das Gesamtwerk in Worte zu fassen, die ihm auch gerecht werden. Das Album bietet nicht die Art von Musik, welche einen schon beim oberflächlichen zuhören aus den Socken haut. Vielmehr funktioniert alles auf gedanklicher Ebene mithilfe der Phantasie. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den Texten ist somit Pflicht, wenn man diese Hürde aber überwunden hat, bekommt man 12 Lieder geboten, die allesamt wunderschöne, tieftraurige und melancholische Bilderwelten beschreiben. Nick Cave hat irgendwie das Wunder vollbracht alle empirischen Eindrücke, die er im Laufe seine Lebens schon gesammelt hat, auf einen Tonträger zu bannen.

:liquid10:
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Beitrag von urgh » 18.06.2007, 18:55

Ich habe die ersten beiden Nick Cave & The Bad Seeds Lps (Anfang der '80er erschienen. Titel: "From Her To Eternity" und "The Firstborn Is Dead") und fast alles von den Neubauten (Blixa Bargeld).
Damals war das alles noch um zwei bis drei Stufen roher. Genial ist das Cover von "Tupelo". Fällt mir jetzt aber spontan nicht ein, von wem das Original stammt...
Hab eine Version von John Lee Hooker. Bin mir aber nicht sicher ob das Original von ihm stammt (zum googeln hab ich momentan auch keine Lust :? ).

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Beitrag von EatenAlive » 18.06.2007, 19:02

Jo ist von ihm, hab ich auch hier die Scheiben, ein reines Cover ist der Song ja nicht, eher von ihm inspiriert ums mal flauschig auszudrücken. :lol:

Edit: Blixa Bargeld und die Einstürzenden Neubauten sind eh genial, von den hab ich auch alles.
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Beitrag von Hannibal » 18.06.2007, 19:14

Und auch hier schaffe ich die Verknüpfung:
Nick Cave kenn ich jetzt nur vom Metallica-Album "Garage Inc", wo sie sehr gelungen den Song "Loverman" covern. Deine Review (Respekt, ein richtig geiles Teil) macht mich aber neugierig, weil ich Johnny Cash sehr mag und die Thematik der Songs sich ziemlich mit meinem Weltbild zu decken scheint. Hm...ich glaube, die liegt irgendwann demnächst mal in meinem Einkaufswagen...

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Beitrag von Carcass77 » 18.06.2007, 20:35

Wow, schönes Review, ich beeindruckt von Deiner musikalischen Bandbreite als Hörer.

Wobei die CD eher was für meine Freundin wäre als für mich (und das ist jetzt nicht abwertend gemeint ;))...

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Beitrag von daemonicus » 18.06.2007, 20:40

1a, hab natürlich Nick als auch Blixa und seine Mannen in mein herz geschlossen. Feurio! :D Und auch live war ich schon ein oder zwei mal dabei.
Sozusagen meine Hausbands. Und was halt sonst noch so Gruft und Indie mässig angesagt war. Sonic Youth oder Pixies oder Nitzer Ebb oder Sisters, ach ich glaub ich hab alles gehört. :D

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Beitrag von EatenAlive » 19.06.2007, 08:31

Carcass77 hat geschrieben: Wobei die CD eher was für meine Freundin wäre als für mich (und das ist jetzt nicht abwertend gemeint ;))...
Hätte ich auch nicht so aufgefasst, dass beiweist nur das deine Freundin Geschmack hat.:wink:
daemonicus hat geschrieben:1a, hab natürlich Nick als auch Blixa und seine Mannen in mein herz geschlossen. Feurio! Sehr glücklich Und auch live war ich schon ein oder zwei mal dabei.
Sozusagen meine Hausbands. Und was halt sonst noch so Gruft und Indie mässig angesagt war. Sonic Youth oder Pixies oder Nitzer Ebb oder Sisters, ach ich glaub ich hab alles gehört. Sehr glücklich
Jo das sind alles gute Sachen, allein von Sonic Youth hab ich glaub ich 27 Scheiben. Aber du hast noch Philip Boa & The Voodooclub vergessen, der gehört defintiv noch dazu. Nick Cave selber hab ich gerade erst wieder Ende letzten Jahres live gesehen.
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Beitrag von daemonicus » 19.06.2007, 09:08

Ach oller Philip, natürlich. Mit Schnuckel Pia. :D

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Beitrag von Vince » 19.06.2007, 12:32

Einmal mehr ein sehr ordentliches Ding und ich kann mich Hannibal und Carcass anschließen: Loverman kenn ich als gelungenes Metallica-Cover, ich bin über deine Bandbreite erstaunt und meine Richtung ist es nicht. :wink:

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Beitrag von EatenAlive » 19.06.2007, 12:59

Vince hat geschrieben:Einmal mehr ein sehr ordentliches Ding und ich kann mich Hannibal und Carcass anschließen: Loverman kenn ich als gelungenes Metallica-Cover, ich bin über deine Bandbreite erstaunt und meine Richtung ist es nicht. :wink:
Manchmal lohnt es sich aber über seine Grenzen hinaus zu schauen. :wink:
Ne früher war ich auch nicht so, aber ich hab mich nach dem Abi 2 Jahre lang als DJ verdingt und so mehr oder minder meinen Lebensunterhalt verdient, da ich noch nicht so recht wusste was ich machen will. Irgendwann fängt man dann halt an herum zu experimentieren und du lernst ganz automatisch auch andere Sachen kennen.
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Beitrag von Vince » 19.06.2007, 13:08

EatenAlive hat geschrieben: Manchmal lohnt es sich aber über seine Grenzen hinaus zu schauen. :wink:
Ja, aber alles zu seiner Zeit. Ich bin ja gerade erst vor ein paar Jahren aus meinem NuMetal-Schneckenhaus gekrochen, jetzt bin ich bei der progressiven Musik angelangt und die eröffnet ja von Natur aus unzählige neue Wege und Richtungen. Der Kauf von "Ayreon" ist für mich schon ein ziemlich großer Schritt, aber wir wollen uns fürs Erste ja nicht zu weit hinauswagen. :lol:

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Beitrag von Carcass77 » 19.06.2007, 20:25

EatenAlive hat geschrieben:[Aber du hast noch Philip Boa & The Voodooclub vergessen, der gehört defintiv noch dazu. Nick Cave selber hab ich gerade erst wieder Ende letzten Jahres live gesehen.
Kennst Du noch das Voodoocult-Projekt, das Philip Boa gemacht hat? Das war gar nicht mal schlecht...

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Beitrag von EatenAlive » 19.06.2007, 20:34

Jo Voodoocult war ganz netter Trashmetal, am ersten Album haben ja sogar Dave Lombardo und Petrozza mitgewirkt. Hat ja leider bloß noch fürn Nachfolger gereicht, der mir nicht ganz so gut gefallen hat.
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Beitrag von daemonicus » 19.06.2007, 23:10

Ne der zweite Longplayer war nix. Aber den ersten hab ich auch. :D

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Beitrag von Frances TM » 20.06.2007, 17:45

Hannibal hat geschrieben:Hm...ich glaube, die liegt irgendwann demnächst mal in meinem Einkaufswagen...

MFG
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Mann bist du gut, EatenAlive. :lol:

EatenAlive hat geschrieben:Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Poesie eines Nick Caves, viel zu vielschichtig und frei interpretierbar sind seine Texte um sie auch nur annähernd in den enggestrickten Rahmen eines Reviews zu pressen. Zumal das Geschriebene nur meine Ansichtsweise darstellt, ein anderer kommt wahrscheinlich zu einem ganz anderen Ergebnis.
Ich mag Alben, die wie Prismen wirken. Auf jeden Fall vorgemerkt für den Herbst.

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