Gott bewahre, ein Teamzusammenstellungsfilm! Das bedeutet: Eine Versammlung wichtiger Entscheidungsträger am runden Tisch, sieben lange Einführungen am Stück (als wären uns in den letzten Jahren nicht schon genug Superhelden sonstwo eingeführt worden) und das auch noch ohne Ertrag. Wenn man schon einen halben Film lang darauf verwendet, jeden einzelnen Charakter ohne jedes Gespür für das Medium Film vorzustellen wie bei einer Castingshow, sollte man doch zumindest darauf vertrauen können, anschließend ein komplexes Bild eines jeden DC-Villains bekommen zu haben. Wer sich von der anschließenden Team-Mission im Kampf gegen ein Zalando-Model nun aber spannende Gruppendynamik unter Killern erhofft, setzt aufs falsche Pferd.
Nehmen wir nur Killer Croc: Dekoriert mit Gitterstäben, Ketten und Maulkörben wird er zum bestialischen Hannibal hochgejazzt, nur um später wie Dave Bautista in "Guardians Of The Galaxy" zum muskulösen Knuddelbären zu mutieren, dessen spitze Zähne im beschuppten Gesicht schon fast einladend wirken. Oder Will Smith, dessen Star-Image die Durchschlagskraft seiner Figur Deadshot entscheidend hemmt. Jai Courtney hat nicht einmal eine weitere Ausführung verdient. Und dann eben Margot Robbie, die als Harley Quinn mit allerhand Vorschusslorbeeren überhäuft wurde, die Vorlage optisch auch durchaus gut trifft (man darf sich dann auch sicher sein, dass David Ayer jeden Winkel ihres Körpers zu Genüge scannt), deren Wahnsinn aber ironischerweise mit jeder Minute zu verpuffen scheint, die sie mit den anderen Psychopathen durchs Kriegsgebiet stolziert.
"Suicide Squad" unterliegt durchgehend dem Missverständnis, eine Gruppe von Verrückten zu Sympathieträgern in einem Blockbuster für die Massen formen zu können, ohne ihre Verrücktheit zu riskieren. Was da letztlich aber durch die Häuserruinen streift und gegen wandelnde, schwarze Marshmallows kämpft, ist bloß noch Superheldenware von der Stange; wenn nötig, kann jeder Ant-Man die Klappe so weit aufreißen wie das hier zusammengestellte Killerkommando. Unterschiede gibt es da keine mehr, ganz egal wie grell neonfarben die Plakate zum Film gestrichen werden.
Aus diesem Irrtum resultiert dann auch das Gefühl, man schaue einfach eine Gruppe von Freaks dabei zu, wie sie om Startpunkt in die Zielgerade einlaufen, wo ein CGI-gepimptes Wesen wartet, wie man es in jeder Großproduktion von 2016 gesehen hat. Bezeichnend, dass es die Cameos und Randfiguren sind, die in "Suicide Squad" am besten funktionieren: Batman natürlich, der wie ein Aggressionsstimulator bei jedem Villain wirkt, dem er in die Quere kommt, aber auch der Joker, den Jared Leto mit einer Verve zum Leuchten bringt, die Sehnsucht weckt nach einem neuen Batman-vs-Joker-Film, ohne jede Wehmut, was Heath Ledger betrifft.
DC war doch mit "Batman v Superman" eigentlich auf dem richtigen Weg, doch das hier ist radioaktiver Neon-Abfall, aus dem gleichen Plutoniumstab geschnitzt wie der unselige "Batman und Robin" aus dem Jahr 1997.
