So gestern auch gesehen und zum Glück auch im O-Ton. Ich hatte zugegebener Maßen etwas weniger erwartet. :)
Christopher Nolan besitzt ein Talent, was vielen Mainstream-Regisseuren verwehrt ist. Im gelingt es Unterhaltung und Anspruch miteinander zu verknüpfen. Insofern konnte sich Nolan keine bessere Comicvorlage als Spielplatz aussuchen. Sein „Batman Begins“ war noch ein Experiment in dem er sich an den Stoff herantastete, die Charaktere aus der Taufe hob und vor allem die Möglichkeiten auslotete. Erst mit „The Dark Knight“ erschließt sich worauf er eigentlich hingearbeitet hat. Fast schon virtuos strickt Christopher Nolan die Figurenkonstellationen. Da wäre der nihilistische Joker, der die Existenz von moralischen Werten anzweifelt und die einzig existierende Gerechtigkeit in der Anarchie sieht. Sein eigentlicher Feind ist somit die Person des idealistischen Harvey Dent. Schafft er es dieses zu brechen, erweist seine Theorie über die sozialen Gefüge als richtig. Zwischen diesen beiden steht Batman, der Harvey Dent bewundert und doch insgeheim weiß, dass er dem Joker näher ist als er sich eingestehen will. Sie unterscheiden sich nämlich nur in der Art ihres Handels. Der Joker schafft aus einem objektiven Blickwinkel heraus immer nur die Ausgangssituation, über das weitere Schicksal entscheiden die Menschen selber. Batman dagegen handelt rein Emotional und damit subjektiv. In dieser Dreierkonstellation ist er eigentlich der Schwächste und nur ein Spielball Jokers. Erst als Harvey Dent zu Two Face mutiert, wird er von der Realität eingeholt.
Ein Tim Burton zeigte einst Figuren, die den Anschluss an die Gesellschaft verloren hatten. Christopher Nolans Figuren dagegen sind Teil ein dieser, mehr sogar, sie reflektieren sie. Durch den Charakter des Jokers wird dieses als fest erscheinenden Sozial und Gesellschaftsgefüge ins Wanken gebracht. Der Mikrokosmos Gotham City wird zur Schneekugel durch die der Zuschauer blickt. So ist „The Dark Knight“ ein einziger großer philosophischer Diskurs, dessen Kern die Frage nach der Existenz von Gut und Böse ist.
Ganz perfekt ist der Film aber auch nicht. Gerade zum Ende hin greift Christopher Nolan des öfteren zu tief in die technische Trickkiste. Das sieht zwar nett aus ist aber vollkommen unnötig und schadet dem realistischen Grundton des Filmes. Auch der fast schon respektlose mit Scarecrow ist etwas schade. Alles in allem ist „The Dark Knight“ aber ein Meilenstein für den Comicfilm, da er zu den wenigen Vertretern seiner Art gehört, die auch dem künstlerischen Anspruch ihrer Vorlage gerecht werden.
