
Originaltitel: Superman Returns
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
Regie: Bryan Singer
Darsteller: Brandon Routh, Kate Bosworth, Kevin Spacey, James Marsden, Parker Posey, Frank Langella, Marlon Brando, Peta Wilson u.a.
Was ist das? Ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein, es ist:

Moppenman, die Reinkarnation von allem, was männlich ist und der Vorreiter in Sachen: stylishe Superheldenoutfits. Diese Kombination aus männlichem Blau und der Signalfarbe Rot ist für sich allein gesehen schon ein feuchtgewordener Frauentraum. Die zugehörigen Accessoires über den leger getragenen Klamotten, nämlich Bier und Girls runden das Gesamtbild vortrefflich ab. Jahre später schlug dann ein anderer Superheld auf der Erde auf. Und ganz ehrlich. Mehr modische Fehlgriffe gehen ja wohl kaum. Einen Einteiler, der hauteng anliegt, kann nun einmal nicht jeder tragen. Und vor allem: was soll der Umhang? Bei Moppenman unterstreicht der Umhang das Legere, das Lockere, das Freie. Bei Superman macht er nur die durch den Einteiler beschworene Aerodynamik kaputt. Und erst die enge Hose in knallrot, die eher hervorzuheben scheint, was fehlt, denn zu unterstreichen, was da ist (wie bei Moppenman). Seltsamerweise konnte sich Superman, wie der andere Knilch hieß, leichter auf Erden durchsetzen. Warum? Nun, Moppenmans Bestimmungen - wie die Vernichtung aller Biervorräte und die Bewahrung der Frauen vor Jungfräulichkeit und Ungeküsstheit - machten es zwingend erforderlich, dass Moppenman Aufgaben delegieren musste. So konnte sich Superman mit Kleinigkeiten wie der mehrfachen Rettung der Welt beschäftigen, während Moppenman den wirklich harten Nüssen nachstieg und sie knackte. Seltsamerweise wurde ihm dies nie gedankt, während Superman sogar eigene Filme bekam, wie zum Beispiel den, in dem folgende Mär berichtet wird:
Superman ist seit fünf Jahren verschwunden und die Welt hat mehr schlecht als recht gelernt, ohne ihren Superhelden Nummer Eins zu überleben. Eines Nachts landet er - wie weiland vor knapp 20 Jahren - erneut inmitten eines Meteoritenschauers bei der Familie Kent im Garten. Er war unterwegs in den Weiten des Alls, um Gerüchten nachzugehen, Teile der Bevölkerung seines Heimatplaneten Kryptons hätten dessen Zerstörung überlebt. Die Ergebnisse dieser Suche waren allerdings eher ernüchternd. Kaum regeneriert von den Strapazen der letzten Jahre, startet Superman als sein menschliches Alter Ego Clark Kent wieder in seinen Job beim Daily Planet und muss erfahren, dass sich viel verändert hat.
Außer Jimmy Olson scheint sich niemand über seine Rückkehr zu freuen. Sein Love Interest Lois Lane ist mittlerweile vergeben und hat sogar ein Kind. Mehr noch, sie ist mittlerweile Pulitzerpreisträgerin aufgrund eines Artikels namens: Warum die Welt Superman nicht braucht. Dass die Welt selber mehr und mehr im Chaos versinkt, ist da nur eine unscheinbare Randnotiz. Doch Clark/Superman soll nicht allzu viel Zeit haben, sich über den wenig herzlichen Empfang den Kopf zu zerbrechen, denn sein Erzfeind Lex Luthor ist aus dem Gefängnis entlassen wurden, hat sich ein beachtliches Vermögen ererbt und ist bereit, die Welt vollends nach seinem Gutdünken umzugestalten. Ein wichtiges Element: Kryptonische Kristalle aus Supermans Festung der Einsamkeit ...


Bryan Singers erklärtes Ziel war eine Anlehnung seines Filmes an den ersten (bzw. die beiden ersten) Superman Film(e) mit Christopher Reeve. Ein Unterfangen, das ihm im Grunde wahrlich gelungen ist. Was dem Film allerdings nicht immer zum Vorteil gereicht. Absolut gelungen ist das Casting des Hauptdarstellers, der Reeve wahrlich verdammt ähnlich sieht und seine Rolle fast 1:1 wie Reeve anlegt. Der schusselige Clark Kent geht ihm dabei sogar ein klein wenig besser von der Hand als der Supermanpart, in dem er teilweise ein wenig steif wirkt. Im Großen und Ganzen ist er aber die Idealbesetzung für diesen Part und er entwirft eine durch und durch sympathische Heldenfigur, der auch einige wenige dramatische Elemente zugestanden werden. Weitere Anlehnungen an die Originalfilme sind der Vorspann, der - abgesehen von dem CGI Universum im Hintergrund - genauso in Superman-Der Film vorkam, einige direkt übernommene Textpassagen aus dem Originalfilm, der (freilich getrickste) Gastauftritt von Marlon Brando als Jor-El und natürlich die Widmung des Filmes an das Ehepaar Reeve. Diese Verweise machen einen gehörigen Teil des Charmes dieses neuen Streifens aus.
Doch wie erwähnt gibt es auch hier einige problematische Punkte. Diese betreffen vor allem die Figurenzeichnungen der anderen Charaktere und seien einmal an der Figur des Lex Luthor verdeutlicht: Kevin Spacey hat sichtliche Probleme mit dieser Figur. Es gibt Momente, da merkt man ihm die diabolische Freude am Overacting geradezu an. Darf er den Charakter nicht überziehen, wirkt er seltsam verloren und scheint zu fragen, was er in einem solchen Film zu suchen hat. Diese Inkonsequenz der Lex Luthor Figur gab es auch schon in den Originalfilmen. Man wusste nie, ob er nun ein vollkommen überzogener Bad Ass ist oder nur ein spinnerter Typ mit einigen klaren Momenten. Ein Fehler, den sämtliche andere Neuinterpretationen ausbügelten. Sowohl in Lois und Clark und der Teenieserie Smallville zeichnete man Luthor viel realer als Businessman, smart, sexy, weltgewandt und mit nur leichtem Hang zum Herrischen und Misanthropischen. Zudem sind diese Luthors auch nur wenig älter als in den Supermanfilmen und teils sogar gute Bekannte von Superman, was der Beziehung der beiden eine weitaus tragischere Komponente zukommen lässt als dem Duell zwischen Luthor und Superman in Superman Returns, in dem scheinbar verschiedene Generationen aufeinanderprallen und der Ältere von beiden eher kindisch herumhampelt. In diesem Punkt hätte Singer sich wahrlich mehr von "seiner" Vorlage entfernen sollen.
Doch auch sonst ist seine Supermaninterpretation nicht frei von Problemen. Da wäre zum Einen die restliche Besetzung. Kate Bosworth als Lois Lane ist imo ein schlechter Witz. Blass, austauschbar, langweilig und unerotisch soll sie die Frau sein, die einen Superman verrückt machen könnte? Hallo? Das funktioniert zu keiner Sekunde und die Chemie zwischen Routh und Bosworth ist auch ziemlich unterkühlt! James Marsden als Lois Lanes Lebensabschnittsgefährte lässt sich offenbar gerne von Singer in unbedeutenden Nebenrollen verheizen, allerdings fällt hier dann auch sein schauspielerisches Unvermögen nicht gar so extrem auf. Frank Langella als Perry (Chef vom Daily Planet) habe ich NOCH NIE so passiv und zurückhaltend agieren sehen. Sein Zeitungsredakteur!!! scheint geradezu in einem katatonischen Zustand zu verharren, der es ihm unmöglich macht auch nur für eine Sekunde die Stimme zu erheben. Parker Posey hat das gleiche Problem wie Kevin Spacey: Sie ist herrlich in den Momenten, wenn sie aufdrehen darf und die Schlampe an Luthors Seite gibt, abseits dieser Momente scheint (Zitat Uwe Boll) über ihrem Gesicht ein riesiges Fragezeichen zu schweben. Kurzum, selten hat mir der Cast eines riesigen Blockbusters so wenig gefallen wie hier. Alles scheint komplett unstimmig zusammengewürfelt wurden und wirklich nur der bisher vollkommen unbekannte Hauptdarsteller weiß positiv zu glänzen.


Storytechnisch gibt es ähnliche Probleme. Zunächst einmal ist der Film viiiiieeeeeel zu lang! Für 2,5 Stunden Laufzeit hat er schlicht und ergreifend viel zu wenig zu erzählen, was vor allem in der ersten Stunde extrem auffällt, weil man hier mit dem langweiligen Gebalze von Lane und Kent bombardiert wird. Auch nach dem gigantischen Showdown findet Singer kein Ende und lässt seinen Film mal eben 20 Minuten weiterlaufen. Dabei erklärt er Sachen, die bereits offensichtlich sind und ausreichend erklärt wurden (ich sage nur Lois' Sohn) ohne irgend einen neuen Ansatz liefern zu können. Verstohlene Blicke zur Uhr bleiben dann wahrlich nicht aus. Auch mit der Logik im Film hapert es teils extrem. Ok, das ist eine Comicverfilmung, das schließt Logik ja meist von vornherein aus. Wenn der Film dann aber seine eigene, ihm inhärente und mühsam aufgebaute Logik über Bord wirft, stößt das mir als Zuschauer schon extrem auf. Als Beispiel sei einmal der Umgang mit Kryptonit genannt. Einmal reicht die bloße Erwähnung und das Vorhandensein von zwei Splitterchen, um Superman zum Schlaffsack verkommen zu lassen, zwei Minuten später wächst ihm ein massiver Kryptonit Ast fast hinten rein und es stört ihn nicht die Bohne! Sehr seltsam. Auch wirklich interessante Ansätze des Filmes verkommen recht schnell zu einer Nullnummer. So heißt Lois Lanes Pulitzerbeitrag: Wie die Welt ohne Superman auskommt. Dieser wirklich interessante Ansatz/Punkt spielt im gesamten Film aber absolut keine Rolle, sondern wird eher ad absurdum geführt, so dass man sich fragt, wie Lane mit so einem Lügengeschichtchen einen Preis gewinnen konnte, immerhin versinkt die Welt um sie herum in Angst und Schrecken. Auch atmen die Leute ziemlich schnell durch, sobald Superman wieder auf der Bildfläche erscheint. So wirklich ist da also nichts von wegen: Wir können auch ohne Supi. Hätte man versucht derartige Punkte mit mehr Selbstvertrauen anzugehen und einen Helden gezeichnet, der mit sich und der Welt hadert, der Film hätte vermutlich eine Tiefe bekommen, wie sie in einem Superheldenfilm dieses Kalibers wohl kaum jemals jemand vermutet hätte. So beschränkt man sich hopp di hopp auf das Trio Lane, Kent, Luthor und verfällt in alte Rollenschemas. Verschenkt.
Dennoch ist Superman Returns kein vollkommener Schuss in den Ofen. Denn so lang der Film auch sein mag, wirkliche Langeweile kommt zu keinem Augenblick auf. Dies liegt an den Szenen, die Superheldenfilme nun einmal ausmachen und an Gigantomanie wohl kaum zu übertreffen sind. Schon der erste Superman Einsatz ist ein wahrgewordener Actiontraum vom Allerfeinsten an dem alles stimmt: wahnwitziges Tempo, enormer Aufwand, spektakuläre Tricks, unglaubliche Optik und sogar ironische Brechungen fanden ihren Weg in diese Szene, in der Superman eine drohende Katastrophe für ein Shuttle und seine Abschussbasis abwendet. Diese Szene macht denn auch unvermittelt Lust auf mehr und das bekommt man dann auch. In weniger aufwändigen Szenen blitzt dann das durch, was Superheldenfilme im allgemeinen ausmacht: Wir bekommen die Fähigkeiten des Helden teils wundervoll augenzwinkernd, dann wieder über die Maßen spektakulär dargeboten. In kleineren Intermezzos werden dann sogar Ansichten und Zerstörungen von Metropolis geboten, dass man sich in einem The Day After Tomorrow II versetzt fühlt und sich fragt, wie gigantisch das wohl noch alles werden kann. So angeheizt beginnt man sich regelrecht auf den großen Big Bäng am Ende zu freuen. Leider bleibt der irgendwie aus. Zwar ist der hier betriebene Aufwand wieder enorm, die Trickspezialisten fuhren Sonderschichten und es kracht und knallt an allen Ecken und Enden, doch irgendwie steht sich hier so manches Element gegenseitig im Weg. Ein Schiff geht unter, Superman geht fast drauf, Inselgruppen entstehen und und und. Irgendwann ist man schlicht und ergreifend absolut übersättigt und die Spannungskurve geht massiv nach unten. Schade. Ein Eyecandy bleibt der Showdown dennoch mühelos.


Optisch ist der Film eine Art Mittelweg aus düsterer Heldenmär a la Batman Begins und überdrehten, poppig bunten Comiceinlagen wie zum Beispiel in Fantastic Four ohne jemals in eine der beiden Richtungen extrem auszuschlagen. Er lanciert dabei Bilder, die modernste Technik auf seltsam alt wirkende Mode und Interieurs treffen lässt, was dem Film einen etwas entrückten Touch gibt und eben auch wirklich ein wenig so wirken lässt, als sei er noch zu Reeves Supermanzeiten entstanden. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Dies garnierte John Ottman mit einem wirklich tollen Score, der vor allem in den Actionszenen bombastische Ausmaße annimmt, dabei aber das nette Ur-Thema von John Williams immer wieder einzuflechten versteht.
Was bleibt, ist eine Comicverfilmung, die wohl die spektakulärsten und pompösesten Actioneinlagen überhaupt lancieren kann, optisch absolut stimmig umgesetzt wurde, einen grandiosen Score an Bord hat und in Brandon Routh die Idealbesetzung für die Hauptfigur gefunden hat. Dem stehen allerdings einige echte Probleme gegenüber, die dem Film viel von seiner Durchschlagskraft nehmen. Vielleicht erhält Singer die Möglichkeit für einen zweiten Teil und vielleicht schafft er es dann Modernisierungen vorzunehmen und seine interessanten Ansätze zu vertiefen. Es sei ihm vergönnt.

In diesem Sinne:
freeman