Filmtagebuch: deBohli

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 11.10.2020, 10:03

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mid90s
Streaming, Filmingo / Regie: Jona Hill
Mitte der Neunzigerjahre war ich acht Jahre alt und erlebte die Welt aus jungen Augen. Da ich allerdings weder in den USA aufgewachsen bin noch jemals zu einer Skater-Gang gehörte, deckt sich dieses Nostalgiestück von Hill in wenigen Punkten mit meinem Leben. Und leider bietet dieses Regiedebüt nicht mehr, als eine weichgezeichnete Sicht auf damalige Erlebnisse. Auf 16mm-Film gedreht, grobkörnig und ausgebleicht, ist die Story bloss eine Kette von Szenen, ohne wirklichen emotionalen Anker.
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Frances Ha
Streaming, Filmingo / Regie: Noah Baumbach
Noah Baumbach ist einer der wichtigsten Regisseure, den Amerika zurzeit vorweisen kann. Das bewies er selbst bereits vor einigen Jahren mit diesem beschwingten und quirligen Stück über eine Frau in ihren Zwanzigerjahren, im New-Yorker Leben voller Träume und wenig Geld. Greta Gerwig brilliert in der Hauptrolle, die schwarz-weissen Bilder begleiten die Geschichte wunderbar.
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Dolor y gloria
DVD / Regie: Pedro Almodóvar
Die Liebe. Der Schmerz. Das Vermächtnis. Almodóvar verfilmte hiermit wohl viele Gegebenheiten aus seinem persönlichen Leben, vermag es zugleich aber, eine offene Perspektive auf das Künstlerleben einzunehmen. Unglaublich bunt ausgestattet, mit viel treffenden Gedanken zur Liebe, ein toll spielender Antonio Banderas, ein emotionales Alterswerk.
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Amateur Teens
DVD / Regie: Niklaus Hilber
Dialoge in Schweizerdeutsch wirken oft falsch, unecht und zum Fremdschämen. So muss sich der Film von Hilber dies leider ebenfalls vorwerfen lassen, was der intensiven Wirkung aber nicht schädlich ist. Heute stark vorhandene Probleme bei Teenager wie Geltungsdrang, Popularitätsdruck und Sex werden ziemlich lebensecht dargestellt und gehen unter die Haut. Da bin ich mehr als froh, muss ich mich nicht in den sozialen Medien behaupten und eine extreme Fassade aufrechterhalten.
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Future World
DVD / Regie: James Franco, Bruce Thierry Cheung
Was für ein Haufen Müll. Sehr schlecht bei Mad Max und The Bad Batch zusammengeklaut, mit Freunden in der Wüste gedreht, ist dieser endzeitliche Actionfilm in jedem Belang misslungen. Eine Geschichte ist nicht vorhanden, die Schauspieler*innen bleiben blass (ausser Milla Jovovich, die ihr Over-Acting lächerlich perfektioniert), die Action ist langweilig und die Ausstattung lächerlich. Der generische Titel sollte Warnung genug sein. Ich frage mich schon, wieso James Franco für solchen Mist immer wieder Geld erhält.
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Power of the Press
BD / Regie: Lew Landers
Mehr Theater als Film, wird hier vor allem in kleinen Gruppen in aristokratisch ausstaffierten Räumlichkeiten über das Wirken der Presse diskutiert. Etwas zögerlich und langsam, mit erstaunlich wenigen Einblicken in das Herz; den Druckereien. Dafür machen die Fragestellungen zum Thema "Fake News" den Film heute wieder relevanter.
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The People Under the Stairs
Bd / Regie: Wes Craven
Der Film ist überdreht und ein Kind seiner Zeit (das beweist nicht nur die Mode, sondern vor allem die Musik), besonders in den heutigen Diskussionen zu BLM aber mehr als passend. Craven lässt die die weisse Oberschicht als Monster die Schwarzen Ghettobewohner ausbeuten, und am Ende sogar verlieren. Der Spiess wurde hier umgedreht, das reale Böse zwischen den Bluteffekten und Schockmomenten entlarvt.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 11.10.2020, 15:41

mid90s
Auf 16mm-Film gedreht, grobkörnig und ausgebleicht, ist die Story bloss eine Kette von Szenen, ohne wirklichen emotionalen Anker.
Daran merkt man womöglich, dass du 10 Jahre jünger bist als ich. Gerade die Aneinandereihung von Szenen holte mich als Spiegel meiner eigenen Erlebnisse ab. Der Streifen war wie ein Blick durch eine Zeitmaschine in das echte Leben der damaligen Zeit. Ein Umstand, den bisher noch kein Film oder Serie schaffte, da Hommagefilme an vergangene Zeitalter lediglich mit zeitgenössischen Gimmicks innerhalb einer modernen Hochglanzoptik hantieren. Sie sind Zitate, mid90s wirkte, als ob man im Keller eine Kamera von der eigenen Schulaufführung fand. Du bäuchtest das Sequel mid2000. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 11.10.2020, 16:55

Sehr interessant. Ich kann es auf jeden Fall verstehen, dass sich eine andere Generation stärker vetreten fühlt. Wobei der Hauptprotagonist ja eigentlich in meinem damaligen Alter wäre. Und keine Angst, wenn wir diese Retrowelle der Achtziger und jetzt auch vermehrt der Neunziger überstanden haben, werde ich mich bestimmt in den Huldigungen der 2000er Wiederfinden. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 19.10.2020, 10:33

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One Missed Call
BD / Regie: Takashi Miike
Trostlose Bilder, Beton, graue Oberflächen – der erste Teil dieser Trilogie besticht vor allem durch ruhige Aufnahmen und einer trostlosen Atmosphäre. Miike agiert als Regisseur zurückhaltend und schafft es darum, die Feinheiten dieser Technologie-Geistergeschichte herauszuholen. Etwas straffer hätte der Film aber sein dürfen.
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Best Before Death
BD / Regie: Paul Duane
Was hat dieser Mann nicht schon alles gemacht. Und jetzt, mit über Sechzig tourt er für viele Jahre um die Welt, um seine minimalistisch angedachte Kunst an ehemalige Stationen seines Lebens zurückzuführen – Bill Drummond ist eine fesselnde Persönlichkeit. Die Dokumentation begleitet ihn während zwei Jahren und spürt in distanzierten Aufnahmen die Intimität seines Vorhabens auf. Ein grossartiger Film, gefüllt mit anregenden Gedanken.
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Dr. No
BD / Regie: Terence Young
Da No Time To Die erst im April starten wird, kann ich mir in aller Ruhe die Reihe erneut komplett geben. Und dabei merken, wie überholt gewisse Filme doch sind. So auch der Start auf Jamaika – voller Stereotypen, absurden Drachen, nervender Songs und einem verschmitzten Sean Connery. Was bereits hier besticht: Das fantastische Setdesign.
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The New Kids
BD / Regie: Sean S. Cunningham
Ein Film über Selbstjustiz und die böse Jugend, ein Kind der Achtziger. Trotzdem liebenswürdig, besonders, weil James Spader als Bösewicht perfekt besetzt ist, weil der Jahrmarkt ein tolles Setting abgibt – und weil ich bis zum blutigen Ende mit den Kids mitgefiebert habe. Nehmt dies, ihr Lumpen!
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The Lure
BD / Regie: Agnieszka Smoczyńska
Ein polnisches Musical über das sexuelle Erwachen und die Selbstermächtigung von jungen Frauen – eingebettet in Synthie Pop, Wave und den Achtzigerjahren. Ein buntes Vergnügen, das mit Meerjungfrauen in den Hauptrollen noch verrückter wird, blutig gar. Passt nicht nur perfekt in den Oktober, sondern in jede auserlesene Filmsammlung.
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Rabid
BD / Regie: David Cronenberg
Body Horror und Epidemie, ein Film den man eventuell nicht in der aktuellen Situation geniessen sollte. Der junge Cronenberg weiss aber in dieser depressiven Zeit trotzdem zu fesseln, mit dreckigen Bildern, nihilistischen Figuren und einem gnadenlosen Blick auf die Medizin und deren Selbstüberschätzung. Marilyn Chambers gefällt in ihrer ersten Rolle ausserhalb der Pornoindustrie, die Themen der Zombies und Vampire werden geschickt neu präsentiert.
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House
BD / Regie: Steve Miner
Ein Haus will böse sein und schickt herrlich absurde Monster auf den überzeichneten Autorencharakter los. Das macht Spass, ist durchgeknallt und erstaunlich familienfreundlich. Ich verstehe sehr gut, hat dieser Film einen Platz im Kultbereich gefunden und bis heute viele Anhänger. Immer bleibt das Gezeigte leichtfüssig, dafür auch leer.
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Society
BD / Regie: Brian Yuzna
Es fragt sich, was hier stärker übertrieben wurde: Das Körpermonster am Ende des Filmes, oder die sozialkritischen Botschaften. Extremer wurde Body Horror wohl selten dargestellt, hier verschmelzen wortwörtlich Körper, die Oberschicht verschlingt die ärmeren Menschen. Sehr platt in der Aussage, deswegen nicht falsch, sehr langatmig zu Beginn, deswegen aber nicht schlecht. Society ist ein Kuriosum, das bis heute verwirrt und schockiert.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 23.10.2020, 15:03

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From Russia with Love
BD / Regie: Terence Young
Die 007-Reihe geht weiter, mit einem erstaunlich sattelfesten zweiten Film. Die meisten Zutaten der Legende wurden hier bereits beigemischt, der Film begibt sich in ruhiger und realistischer Weise auf die Spuren Hitchcocks. Sean Connery hat sich in der Rolle eingefunden, der von Robert Shaw gespielte russische Gegenspieler ist ein würdiger Antagonist - was im brutalen Zweikampf im Zugabteil mündet. Plus die bezaubernde Daniela Bianchi, was will man mehr?
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Never Rarely Sometimes Always
Kino / Regie: Eliza Hittman
Auf echten Film gedreht, zurückhaltend erzählt und immer nahe an seinen Protagonistinnen - die Arbeit von Hittman ist ein emotionaler Volltreffer, der das leidige Thema der sexuellen Misshandlung und Abtreibung ohne falsche Polemik erzählt. Sidney Flanigan und Talia Ryder sind in ihren Rollen perfekt und transportieren das Geschehen meist ohne Dialoge, die Aufnahmen wirken dokumentarisch real. Und wenn im wichtigsten Moment des Filmes die Mimik und Emotionen von Autumn ohne Schnitt gezeigt werden, dann zerreisst einem dies das Herz.
Für Liebhaber der aktuellen Indie-Musik-Szene dank dem Score von Julia Holter und der Beteiligung von Sharon Van Etten eh ein Muss.
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Alien
BD / Regie: Ridley Scott
Beim Feierabendbier erfuhr ich bei einer Diskussion über Horrorfilme, dass meine Freundin diesen Klassiker noch nie gesehen hatte. Sofort musste dies geändert werden. Natürlich begeistert der Film weiterhin, sieht immer noch genial aus, bewegt sich geschickt zwischen den Genres Science Fiction und Horror, ist ein Meilenstein und zelebriert den phänomenalen Cast. Veronica Cartwright, Harry Dean Stanton, John Hurt, Ian Holm!
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Gamera vs. Gyaos
BD / Regie: Noriaki Yuasa
Wie süss Gyaos aussieht, immer sehr genervt und gelangweilt. Da möchte man das Monster fast an sich drücken. Doch nein, der sprüht seinen gelben Nebel umher, schneidet Gamera fast ein Bein ab und verkriecht sich dann wieder im Berg. Wer kann da noch eine Schnellstrasse bauen oder dagegen protestieren? Zum Glück rettet ein kleiner Junge die Welt mit seinen Ideen und lenkt die Filmreihe in Richtung Kinderprogramm. Da diese dritte Episode der Kaiju-Saga aber erstaunlich spannend inszeniert ist, stört das überhaupt nicht. Noch nicht.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 24.10.2020, 15:05

deBohli hat geschrieben: ↑
23.10.2020, 15:03
Beim Feierabendbier erfuhr ich bei einer Diskussion über Horrorfilme, dass meine Freundin diesen Klassiker noch nie gesehen hatte.
Hört man ja auch nicht oft. Ich schaue ja unheimlich gerne solche Klassiker mit jemandem, der sie noch nicht kennt und bin dann immer sehr gespannt auf die Reaktion. Meine Frau hab ich allerdings inzwischen so ziemlich über alles aufgeklärt, was zur Pflichtlektüre gehört. Gestern Abend sind wir sogar schon ihre Zweitsichtung zu "The Thing" angegangen. :lol:

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 24.10.2020, 15:15

Ja in dem Genuß bin ich auch Vince und ihre Lücken sind dabei einfach haarsträubend. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von gelini71 » 24.10.2020, 16:03

Meine Frau will diese "Bildungslücken" gar nicht füllen, ich habe es mal probiert aber meistens fand sie die Film "Sterbenslangweilig", "voll öde" oder "passiert da auch mal was ?". Irgendwann habe ich es aufgegeben, soll sie halt dumm sterben :lol:
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 25.10.2020, 07:26

Meine ist immer sehr skeptisch und setzt sich erst einmal mit ihrem Ebook nur dazu, in den meisten Fällen legt sie das aber nach ein paar Minuten weg und guckt dann mit. Am Ende gibt sie dann auch immer zu, dass meine Filmauswahl wesentlich bessere Ergebnisse zu Tage fördert als ihre. Lediglich meine Vorliebe für B-Movies und Exploitation teilt sie nicht unbedingt, auch wenn sie den Reiz nach diversen Sichtungen inzwischen nachvollziehen kann. Wenn sie mal an der Reihe ist, den Film auszuwählen, bleibt sie aber trotzdem weiterhin in ihrer Nische. Meistens interessiert sie sich dann für irgendeinen merkwürdigen, billig gemachten Fantasy-Käse, wo man eigentlich schon am Cover sieht, dass das nix ist. Die Erkenntnis kommt dann immer, wenn der Film läuft.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 25.10.2020, 07:45

:lol: Ich habe immerhin den Vorteil, dass ich alles um ihren bereits vorhanden gewesenen Lieblingsfilm "Der blutige Pfad Gottes" herumbauen kann.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 25.10.2020, 08:13

Haha geil, als ich meine kennengelernt habe, hat sie mich mal gebeten, ihr fünf sehr unterschiedliche Filme zu zeigen, die zu meinen Favoriten gehören oder die unterschiedliche Facetten dessen abbilden, was ich gerne schaue. Der blutige Pfad Gottes war auch dabei und auch ihr Favorit unter den gezeigten Filmen. Scheint ein guter Date-Film zu sein.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 25.10.2020, 08:15

Sehr geil! :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 26.10.2020, 08:04

Vince hat geschrieben: ↑
24.10.2020, 15:05
Hört man ja auch nicht oft. Ich schaue ja unheimlich gerne solche Klassiker mit jemandem, der sie noch nicht kennt und bin dann immer sehr gespannt auf die Reaktion. Meine Frau hab ich allerdings inzwischen so ziemlich über alles aufgeklärt, was zur Pflichtlektüre gehört. Gestern Abend sind wir sogar schon ihre Zweitsichtung zu "The Thing" angegangen. :lol:
Nein, aber auch mir macht dies immer wieder Spass. Alien fand meine Freundin sehr cool, wobei ich mir ihr Alien: Covenant damals im Kino sah und sie Filme mit Ausserirdischen eh sehr mag. Sie war also nicht komplett ahnungslos, was hier auf sie zukommt.

Es war aber eine Ausnahme. Meine sonstige Filmwahl gefällt ihr nicht immer. Ihre Standardaussage wenn ich am Abend vorschlage einen Film zu schauen: "Ja, aber bitte ein Guter." Klappt nicht immer. :lol: Somit bin ich noch nicht ganz an dem Punkt wie du, Vince.
Meine Taktik darum: Ihr 3-5 Filme vorlegen und sie entscheiden lassen. Dann bin ich theoretisch unschuldig. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 01.11.2020, 17:14

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Split Second
BD / Regie: Tony Maylam
Rutger Hauer liebt Nikotin, Schokolade und Kaffee. Das reicht aus, um im dystopisch überfluteten London nach einem übernatürlichen Killer zu suchen. Nächtelang, ohne wirkliche Hilfe und in eher unspektakulären Sets. Der Film macht trotzdem Freude, wegen den absurden Einzelheiten, wegen dem Stimmungswechsel von Alastair Duncan und der süssen Kim Cattrall. Low-Budget-Buddy-Cop-Horror-Actioner.
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Antebellum
Kino / Regie: Gerard Bush, Christopher Renz
Der Film tut weh, besonders im ersten Drittel. Die Grausamkeiten der Sklaverei werden gnadenlos aufgezeigt, die Brutalität setzt sich in Kopf und Magen fest. Etwas benommen verliess ich das Kino, leider jedoch stellt sich schnell heraus, dass dem Streifen Aussage und Substanz fehlen. Die Geschichte wäre interessant, zu vieles verkommt aber zu plattem Selbstzweck. Wegen Janelle Monáe, Jena Malone (mit zu wenig Screentime) und den Aufnahmen doch ein Blick wert.
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Babyteeth
Kino / Regie: Shannon Murphy
Eine Schülerin muss sich nicht nur mit ihrem Alltag auseinandersetzen, sondern mit der fortschreitenden Krebserkrankung. Eine Prämisse, die schon zu oft mit allen Klischees ausgeschlachtet wurde. Dieser Film geht zum Glück einen anderen weg, mit schrägen Figuren, tollem Humor und einer bewussten Reduktion in der Exposition. Zusätzlich durfte Ben Mendelsohn endlich wieder mehr zeigen, als sein eindimensionaler Bösewicht. Emotional und empfehlenswert.
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Howard The Duck
BD / Regie: Willard Huyck
Was bei den Comics schon zu mittelmässigen Resultaten führte, war auch für die Verfilmung eine Stolperfalle: Die Macher konnten sich leider nicht entscheiden, ob Howard eine sarkastische Erwachsenenfigur oder ein witziger Abenteurer für Kinder sein sollte. Darum zündet der Film nicht, die Geschichte bleibt halbgar. Scheinbar alles wurde bei Back To The Future geklaut (Lea Thompson, Kostüme, Ausstattung und Musik), die Achtziger zeigen sich von ihrer schrägsten Seite. Unvorstellbar, dass ein solcher Film heute noch als Big-Budget produziert werden würde.
:liquid4:

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Blood Feast
BD / Regie: Herschell Gordon Lewis
Ja, ich habe diese 14-Filme-Kollektion gekauft, also Augen auf und durch. Wobei man bei diesem ersten Gore-Stück teilweise wegschauen möchte, Herschell Gordon Lewis hält lange auf abgetrennte Gliedmassen und blutige Massaker. Schade nur, ist der Film etwas behäbig und die Geschichte dumm. Filmhistorisch betrachtet aber weiterhin sehr interessant. Hail Ishtar!
:liquid4:

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House II: The Second Story
BD / Regie: Ethan Wiley
Nein, das ist kein Horror, das ist ein Achtziger-Abenteuerfilm mit tollen Puppen und Effekten, einem spassig aufgelegten Cast und fantasievollen Umgebungen. Natürlich ist die Geschichte hanebüchen und etwas mehr Grusel hätte gerne sein dürfen, als kleiner Happen zwischendurch passt House II aber auf jeden Fall. Ah ja, wer ist denn nun die Madonna der Achtzigerjahre?
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In the Mouth of Madness
DVD / Regie: John Carpenter
Da kommt ein Freund vorbei und sagt: Dies ist einer der besten Filme von Carpenter. Na gut, wird geschaut und siehe da, die Aussage stimmt. Sozusagen Videodrome mit Büchern, ein tolles Stück Horror ohne billige Schockeffekte und voller wirklich grossartiger Aufnahmen. Das Spiel mit den Metaebenen gerät am Ende etwas aus den Fugen, dafür bleiben diverse Momente lange hängen.
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Scum Of The Earth
BD / Regie: Herschell Gordon Lewis
Scheinbar der erste “Roughie” der Filmgeschichte und der letzte schwarz-weisse Film von Herschell Gordon Lewis, direkt im Anschluss an Blood Feast gedreht. Frauen geraten in die Fänge von erpresserischen und perversen Fotografen und sind diversen Situationen ausgeliefert – das mit der Logik will nicht immer klappen, ist aber kompetent gemacht. Lustig, dass Mal Arnold hier einen Teenager darstellen soll, mit seinen mehr als 30 Jahren auf dem Buckel.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von gelini71 » 01.11.2020, 18:07

Ich habe Dir doch gesagt das die Ente Schrott ist :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 02.11.2020, 07:40

Ach, Schrott ist der Film nicht, sonst wäre die Wertung tiefer. Eher ein Missgeschick in der Filmgeschichte und darum auf jeden Fall interessant. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 07.11.2020, 06:48

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Idiot Prayer – Nick Cave Alone at Alexandra Palace
Kino / Regie: Nick Cave
Alleine und im eleganten Anzug gekleidet durchschreitet Nick Cave selbstsicher den Alexandra Palace in London. Menschenleer ist die bekannte Konzerthalle, nur ein Flügel von Fazioli steht inmitten des warm beleuchteten Saals. Der australische Künstler setzt sich hin, berührt sanft die Tasten und öffnet sein Herz und Geist.
Im Juli als Streaming-Event aufgezogen, ist „Nick Cave Alone at Alexandra Palace“ eine intime und reduzierte Begegnung mit dem Musiker, der im letzten Jahr mit „Ghosteen“ die Welt zu Tränen rührte. Ein Querschnitt seiner gesamten Karriere als Grundlage, gespielt auf dem Klavier und andächtig. Anfängliche Bedenken waren schnell verflogen: Nick Cave im dunklen Kinosaal beim Musizieren zuzusehen ist mehr als berührend.
Zwar wollten meine Gedanken bei den ersten Liedern „Idiot Prayer“ und „Sad Waters“ nicht stillstehen, dann jedoch traf mich die emotionale Wucht von „Palaces Of Montezuma“. Der mit Grinderman aufgenommene Song zeigte in dieser akustischen Variante erst seine wahre Intensität.
Mit dem darauffolgenden „Girl In Amber“ war es endgültig um mich geschehen. Wenn Nick Cave singt und spielt, dann öffnet sich die Welt, man wird auf die nackte Wahrheit reduziert und sieht den Kern der Schönheit. Nicht wenig trugen Kameramann Robbie Ryan und die lichttechnische Gestaltung dazu bei. Mit viel Feingefühl und unterstreichender Geste wurden Lieder und Melodien begleitet, der Alexandra Palace erschien wie verwandelt und zauberhaft. Poesie für verwundete Menschen, Schönheit in absoluter Form.
Mit der bereits vierten Kooperation zwischen Nick Cave und Trafalgar Releasing ist allen beteiligten ein Kleinod gelungen, das lange nachhallt und wie ein Gebet wirkt.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 08.11.2020, 14:22

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Horse Girl
Streaming, Netflix / Regie: Jeff Baena
Alison Brie verkörpert in dieser Original-Produktion eine Frau, die durch ihre psychischen Probleme mit der Welt nicht mehr klarkommt. Dabei geht Baena geschickt mit dem Thema um und erlaubt dem Film einige überraschende Stimmungswechsel. Zwar ist die aufkommende Komplexität nur oberflächlich und das Ende zu unbefriedigend, die Sicht auf Schizophrenie dafür ungewohnt anders.
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Cube
Streaming, Netflix / Regie: Vincenzo Natali
Der Film wird nicht schlechter, auch einige Jahre nach meiner letzten Sichtung. Die minimalistische Handlung, die knappe und günstige Ausstattung und die aufkommenden Fragen zur menschlichen Psyche machen immer noch Freude. Erstaunt war ich, wie blutig der Beginn ist und wie laienhaft die Darsteller agieren. Trotzdem, cooles Indie-Ding und bis heute der beste Film von Natali.
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I, Monster
BD / Regie: Stephen Weeks
Knapp mehr als 20 Jahre alt und bereits der Regisseur eines Filmes mit Peter Cushing und Christopher Lee in den Hauptrollen? Weeks galt als grosses Talent, leider ist diese akkurate Nacherzählung des Grusels von "Dr. Jeckyll And Mister Hyde" eher behäbig und zahm herausgekommen. Das liegt vor allem an der statischen Inszenierung, dafür überzeugen die Sets, Schauspieler und gotisch wirkende Stimmung. Fast meint man, eine Hammer-Produktion gesehen zu haben.
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On the Rocks
Streaming, Apple+ / Regie: Sofia Coppola
Rashida Jones in alten Hip-Hop-Shirts, Bill Murray als fleischgewordene Figur der frankobelgischen Comicszene der Siebzigerjahre - diese beiden Aspekte machen viel vom Reiz des Filmes aus. Coppola präsentiert eine erstaunlich typische Beziehungskomödie, deren Ende zu weichgezeichnet ist, dazwischen aber viele spritzige Dialoge bietet. Ein angenehmes Sehvergnügen, das etwas fordernder hätte sein können.
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Housekeeping
BD / Regie: Bill Forsyth
Ein vergessenes Kleinod über Familie, Schwesternschaft und geistige Probleme. Sanft und zärtlich in der Geschichte, toll erzählt mit genügend Leichte und Humor. Besonders Christine Lahti überzeugt in der Hauptrolle, die ländliche Umgebung des amerikanischen Nordwestens lässt die schönen Aufnahmen wie Bilder wirken. Sehr zu empfehlen.
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Le Charme discret de la bourgeoisie
DVD / Regie: Luis Buñuel
Der erste Langfilm von Buñuel, den ich mir angeschaut habe - sofort war ich fasziniert. Als bissige Satire auf die Oberschicht angedacht, besticht der Film mit Tati-artigem Humor und einer simplen Grundlage, die durch Repetition und immer stärker eingebundenem Surrealismus erstaunliche viele Themen und Schwerpunkte aufgreift. Ein Film, der mehrmals betrachtet werden muss, um alle Möglichkeiten und eventuellen Zusammenhänge zu entlarven.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 13.11.2020, 15:38

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Canción sin nombre
Streaming, Filmingo / Regie: Melina León
In körnigen, schwarz-weissen Aufnahmen gedreht, mit beengendem, fast quadratischem Format, zeigt der Film die unterdrückte und hoffnungslose Lebensweise im Peru der Achtzigerjahre. Willkür beherrschte die Politik und Wirtschaft, Kinder wurden teilweise nach der Geburt entführt. Davon handelt die Geschichte, basierend auf realen Gegebenheiten. Eine realistische und berührende Story um die Suche nach Gerechtigkeit. Ein beeindruckendes Regiedebüt.
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Cronofobia
Streaming, Filmingo / Regie: Francesco Rizzi
Verlust und Einsamkeit, wie geht man damit um, wie erholt man sich von der Trauer? Dieser Film aus der italienischsprachigen Schweiz geht den Fragen mit einem grossartigen Drehbuch auf den Grund. Nicht nur die Angst vor dem Verlauf der Zeit, und somit vor Veränderungen, steht im Zentrum, sondern die Frage nach Empathie und Liebe. Fesselnd, zu Beginn geheimnisvoll und immer intensiv. Die Schweizer Filmszene konnte mich schon lange nicht mehr so stark beeindrucken wie hier.
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House III – The Horror Show
BD / Regie: James Isaac
Warum dieser Film als dritter House gilt, keinen Plan. Denn hier darf sich ein Slasher-Geist durch die Familie eines Polizisten schnetzeln, Lance Henriksen versucht ihm verzweifelt Einhalt zu bieten. Viel Blut, ein paar tolle Situationen und sich zuspitzender Hass zweier Männer – kann man machen.
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Punch-Drunk Love
BD / Regie: Paul Thomas Anderson
Wieso nur habe ich diesen Film erst jetzt gesehen? Ja, PTA ist ein grosser Meister, doch mit dieser eher leichten Übung im Gebiet der RomCom hat er sein definitives Werk abgeliefert. Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman und sowieso der gesamte Cast spielen phänomenal, die Aufnahmen sind atemberaubend, Szenenaufbau, Drehbuch, Musik und Choreografie der Shots aus einer anderen Welt. Jedes Detail ist perfekt, keine Sekunde ist überflüssig. Wow! He Needs Meeee…
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I’m Thinking of Ending Things
Streaming, Netflix / Regie: Charlie Kaufman
Ob ich den Film begreifen werde, wenn ich ihn mir zehn Mal angeschaut habe? Eventuell, nach der Erstsichtung bleibt vor allem ein verwirrtes Gehirn zurück. Nicht nur hatte ich das Gefühl, der Film entzieht mir Energie, die Geschichte um ein scheinbares Familienessen wechselte immer wieder Gewand, Gesicht und Perspektive. Sehr freute ich mich, Jessie Buckley, Jesse Plemons, Toni Collette und besonders David Thewlis zuzuschauen, die Hürden des Kaufman-Drehbuches machen trotz der sperrigen Art Spass. Was bleibt: Wir sind alle einsam, irgendwie verloren und hoffen auf mehr Liebe.
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The Deep
BD / Regie: Peter Yates
Spielt die Geschichte bei dieser Buchverfilmung wirklich eine Rolle? Eigentlich reicht es doch, Nick Nolte und Jacqueline Bisset leichtbekleidet beim Tauchen zuzuschauen. Schätze werden gefunden, Lumpen hinters Licht geführt, weisse T-Shirts durchnässt. Robert Shaw spielt genau gleich wie in Jaws, der heimliche Star ist das Meer und die beeindruckenden Aufnahmen unter Wasser.
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House IV
BD / Regie: Lewis Abernathy
Das war’s, die Reihe ist abgeschlossen. Ein letztes Mal darf sich ein Haus gegen böse Absichten wehren, dieses Mal mit der Kraft indigener Geister. Böse Stiefbrüder mit Immobillienplänen voller Renditeträume gegen ein Mädchen im Rollstuhl, unheimliche Fantasien gegen reale Trauer. Konfus, ziellos und trotzdem unterhaltsam.
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Finding Vivian Maier
DVD / Regie: Charlie Siskel, John Maloof
Ist es schlimm, wenn man künstlerisch tätig ist, seine Werke aber nicht veröffentlichen möchte? Muss man als Frau weiterhin mit einem Mann zusammen sein und diesen ehelichen, um als normal zu gelten? Maloof als selbsternannter Entdecker von Vivian Maier und zugleich Doku-Regisseur über diesen Umstand, schafft es leider nicht, sich in eine andere Person zu versetzen und sein Geltungsdrang herunterzuschrauben. Somit ist diese Dokumentation über die fast vergessene Fotografin aus New York zwar wegen ihrem Werk beeindruckend, zugleich aber befremdend.
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Aquarela
DVD / Regie: Viktor Kossakovsky
Wasser, das mächtige Element, voller Kraft und Gefahr, voller Schönheit und Leben. Ohne Narration oder Erklärungen wird man in diesem Dokumentarfilm um die Welt getragen, immer mit der Wucht im Zentrum. Auseinanderbrechende Eismassen, vernichtende Stürme in den USA, der grösste Wasserfall der Welt – Wunder und Ängste zugleich. Ein eher meditativer Film, der mich mit den Aufnahmen fesselte.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 14.11.2020, 14:09

"I'm thinking of ending things" hab ich mir auch letzte Woche angesehen - für mich sogar womöglich der beste Film des bisherigen Jahres, auch wenn es da natürlich nicht viel Konkurrenz gab. Aber Kaufman ist eh eine sichere Nummer bei mir. Besonders die Szenen bei den Eltern habe ich genossen, Toni Collette und David Thewlis hauen hier mal so richtig einen raus.

Aquarela interessiert mich auch, nur da nervt mich, dass es in Deutschland mal wieder nur eine DVD gibt... und das ausgerechnet bei so einem Thema.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 14.11.2020, 19:27

Das stimmt, Kaufman ist für mich gleichermassen immer ein sicherer Wert. Adaptation müsste ich mir wieder einmal geben. Den fand ich immer fantastisch.

Das Thema mit der DVD ist wirklich schade, besonders, da der Film eigentlich mit 96 Frames gedreht wurde. Das müsste man in besserer Qualität sehen dürfen.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 18.11.2020, 11:08

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For Sama
DVD / Regie: Waad al-Kateab, Edward Watts
Ein solcher Film sollte eigentlich weder besprochen noch bewertet werden. Mit der Dokumentation über ihr Leben in Syrien während des Krieges hat Waad ein Stück geschaffen, dass tief unter die Haut geht und allen Menschen im Westen gezeigt werden sollte. Brutal, ehrlich und tieftraurig – trotzdem niemals ohne Hoffnung und Schönheit.
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The Blob
BD / Regie: Irvin S. Yeaworth junior
Wenn Burt Bacharach zum Titellied anstimmt ist klar; bei diesem Horrorklassiker ist nicht alles wie gewohnt. Das ist gut so, kann sich der Film bis heute behaupten und überzeugt mit tollem Drehbuch, schönen Sets und gelungenen Effekten. Die Modelle und Blobereien sehen immer noch gut aus, Steve McQueen ist für die Hauptrolle mehr als geeignet. Macht Freude.
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Trespass
BD / Regie: Walter Hill
Ein moderner Western, ein Kammerspiel über Belagerung, die volle Dröhnung Hip-Hop im Hollywood-Mainstream. Der grösste Reiz erfolgt aus der Gegenüberstellung von Ice Cube / Ice T und Bill Paxton / William Sadler, die Geschichte ist zum Vergessen, die Shoot-Outs ganz spassig. Eignet sich wunderbar, für eine anspruchslose Abendunterhaltung. Vor allem weil gewisse Bilder und Momente echt prätentiös geil aufgezogen sind. Ry Cooder an der Gitarre mischt ebenfalls mit.
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Brain Dead
BD / Regie: Adam Simon
Der Film sieht zwar aus wie eine billige Produktion für einen Privat-TV-Sender, möchte aber gerne in den Reigen der wegweisenden Gehirn-Schocker gehören. Klappt nicht ganz, dazu verkommt das Verwirrspiel mit Bill Pullman und Bill Paxton leider zu schnell zu einer seelenlosen Reihe von Traumbildern und Fantasien. Dafür erhält man eine satte Portion Mode und Stilbewusstsein der späten Achtziger / frühen Neunziger.
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Walkabout
BD / Regie: Nicolas Roeg
Mit seiner ersten Regiearbeit definierte Roeg gleich, wie wichtig Zeit und Wahrnehmung für seine Karriere waren. Dieser vielschichtige Film um zwei Geschwister, die sich mit einem Aborigine durch den Outback schlagen müssen, besticht durch fantastische Schnitte, sehr offensichtliches Day-For-Night und einer Betrachtung des modernen Lebens, die nicht ohne Sarkasmus auskommt. Bis heute eine Erzählung, die dank ihrer Form zum Nachdenken anregt.
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Kajillionaire
Kino / Regie: Miranda July
Familie, Wärme und Zusammenhalt – wenige Personen wachsen in einer Konstellation oder einem Haushalt auf, in dem es nichts zu bemängeln gibt. Julys persönlicher Blick auf das gemeinsame Leben ist wunderbar ungefiltert und subjektiv – und funktioniert darum im Verbund mit den absurden Figuren, Situationen und ausgefallenen Bildern perfekt. Wäre hätte zudem gedacht, dass Gina Rodriguez allen die Show stiehlt? Schön auch, Richard Jenkins wieder einmal auf der Leinwand zu sehen.
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The Villainess
BD / Regie: Jung Byung-gil
Korea versucht sich immer wieder darin, den Rachefilm neu zu erfinden. Das hat bei der Vengeance-Trilogie sehr gut funktioniert, bei diesem Actioner nicht so ganz. Ja, es geht rasant zur Sache, das (CGI-) Blut spritzt – doch mit all den Kameraspielereien ging in den Fights etwas die Übersicht flöten. Ebenso bei der Geschichte, die komplex sein möchte, dadurch ab der Mitte des Filmes eher langweilt. Kim Ok-bin zuzuschauen macht aber viel Freude.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 22.11.2020, 10:19

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The Killing
BD / Regie: Stanley Kubrick
Die dritte Arbeit von Kubrick als Regisseur ist vom Massstab her zwar noch weit von seinen späteren Grosstaten entfernt, zeugt aber von seinen Fähigkeiten. Der Film Noir lässt mehrere Handlungsstränge geschickt tanzen, besticht durch starke Aufnahmen und wartet mit einem Setpiece beim Raubüberfall auf, das bis heute nur genial genannt werden kann. Verbrechen lohnt sich? Eher Filmemachen.
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Killer’s Kiss
Der zweite Film ist als Bonusmaterial auf der BluRay enthalten, reicht zwar nicht ganz an den Nachfolger heran, unterhält aber ebenfalls gut. Die Geschichte ist zwar träge und wenig aufregend, zwei Elemente retten den Streifen aber: Die geschickte Parallelmontage zweier Leben zu Beginn und das überragende Setdesign des finalen Kampfes. Die Umgebung einer Schaufensterpuppenfabrikation wird zu einem Haus der Trugschlüsse und Konturen, Schauspieler und Puppen ergänzen sich in den durchkomponierten Shots perfekt. Passt in den Noirvember.
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Sisters
BD / Regie: Brian De Palma
Wenn sich De Palma mit den Splitscreens austobt, dann drückt die Genialität des Regisseurs stark durch. Obwohl der Film sonst eher zurückhaltend inszeniert ist und die Geschichte mit erstaunlich vielen Elementen des Giallo aufwartet, findet schnell eine Sogwirkung statt. Das Thema des Voyeurismus im Zentrum, die Unterdrückung der Frau im Berufsleben geschickt eingebaut. Ein lohnenswertes Frühwerk.
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Eyes Of Laura Mars
BD / Regie: Irvin Kershner
Die Namen hinter den Kulissen und vor der Kamera reichen schon aus, um diesen Film zu empfehlen: Eine Story von John Carpenter, Regie von Irvin Kershner, tolle Leistungen von Faye Dunaway, Tommy Lee Jones, Brad Dourif und René Auberjonois (diese Haare!), plus Fotografien von Helmut Newton. Die leicht supernatürliche Geschichte um eine Mordserie im Mode-Metier ist von der ersten Minute an packend und macht nicht einmal mit dem plötzlichen und eher unlogischen Ende missmutig. Denn auch hier gilt: Giallo lässt grüssen.
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Diamonds of the Night (Démanty noci)
BD / Regie: Jan Němec
Das soll das Debüt von Jan Němec sein? Wahnsinn, ein solch genial durchdirigierter Film voller symbolträchtiger Bilder, der praktisch ohne Worte auskommt. Die Flucht zweier Jungen aus einem Deportationszug in Richtung KZ verwandelt sich in ein Wechselspiel aus Erinnerungen, Sehnsüchte, Träume und Fantasien. Die Realität splittet sich auf, die Grausamkeiten des Krieges werden ohne Offensichtlichkeit bebildert. Fesselnd und berührend.
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Cosmos
BD / Regie: Andrzej Zulawski
Ein menschliches Dasein ist Chaos und verengte Perspektive zugleich, man schafft es selten über die eigenen Fixpunkte hinauszublicken. Dadurch entsteht ein Kosmos voller Konflikte und verpasster Liebe – im letzten Film von Zulawski als atemloser, humoristischer und teils surrealer Strudel dargestellt. Grossartig gespielt, präzise geschnitten und am Ende als Tor zur Realität mit durchbrochener Metaebene fungierend. Das muss erarbeitet werden, das beinhaltet keine Pointe – dafür viel Lehrmaterial.
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Mank
Kino / Regie: David Fincher
Für das Verständnis wäre es wohl besser gewesen, Citizen Kane vor dem Kinobesuch zu schauen. Trotzdem, Mank überzeugt als filmische Studie des alten Hollywoods ohne den Klassiker von Orson Welles gesehen zu haben. Dpielt die Entstehung des Drehbuches schlussendlich eine untergeordnete Rolle, Fincher hat nach der Story seines Vaters eine Betrachtung von Amerika geschaffen, die nicht nur die damalige Zeit ohne Verklärung oder falsche Nostalgie abbildet, sondern zugleich viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft findet.
Politische Machenschaften, der republikanische, geldgeile Sumpf, in dem Existenzen mit einem Fingerschnippen zerstört wurden. Nein, das Studiosystem war keine heile Welt voller Träume, sondern ein brutaler Kampf der Unterdrückung, Sexismus und rechten Tendenzen. Dargestellt in wundervollen Bildern, inklusive gefakten Filmrollen-Kennzeichnungen und einem blechern anmutenden Ton. Die damalige Ästhetik hat Fincher perfekt getroffen, auch wenn der Film deswegen seine Einzelteile wie Kamera, Schnitt und Ausstattung nicht hinter der Gesamtheit verbergen kann – und ja, das Drehbuch hätte ironischerweise gestrafft werden können.
Gary Oldman brilliert in der Hauptrolle, und obwohl die "Schnutz"-Momente mich an seine Darbietung von Churchill erinnerten, zeigt er sich hier offen und real. Dazu eine tolle Lily Collins und ausdrucksstarkes Ensemble. Ein Film, der seine Zeit benötigt, mit fortlaufender Länge aber die wahre Dichte offenbart und viel mehr als nur unterhält.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 26.11.2020, 13:25

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Anima
Streaming, Netlifx / Regie: Paul Thomas Anderson
Nein, ein Schauspieler ist Thom Yorke nicht, ihn durch die Aufnahmen von PTA stolpern und tanzen zu sehen, macht trotzdem Spass. Was an den gelungenen Choreografien, Lichtspielereien und natürlich der Musik liegt. Eine Viertelstunde an Bildern zum Album «Anima», eine stilvolle Erweiterung der Klangschöpfung.
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The Squid And The Whale
Streaming, Netflix / Regie: Noah Baumbach
Wenn sich die Eltern scheiden lassen, ist das keine einfache Angelegenheit. Besonders, wenn sich der Vater als Egomaniker entpuppt. Trotzdem kann man daraus positive Lehren ziehen und an der Situation wachsen – was Baumbach mit diesem kleinen Film auf schöne Weise zeigt. Endlich wieder einmal Laura Linney zuschauen war gleichermassen erfreulich. Nur: Wie kann es sein, dass so wenige Leute «Hey You» von Pink Floyd kennen?
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Hard To Be A God
BD / Regie: Aleksei German
Solch eine Ansammlung an Dreck, Unrat und Ausscheidungen habe ich noch nie zuvor in einem Film gesehen. Ebenso ist diese drei Stunden andauernde und mäandernde Kette von Eindrücken und Szenen unvergleichlich. Theoretisch eine Geschichte erzählend, vielmehr aber bloss eine Phantasmagorie, deren Botschaften in Schlamm und Kot steckenbleiben. Quälend, verwirrend, einzigartig. Ein Meisterwerk, ein Fiebertraum.
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Captain Fantastic
DVD / Regie: Matt Ross
Nein, die Moral und den Ausgang dieser Geschichte wollten mir nicht zusagen. Es wäre zwar interessant, die Aspekte der unterschiedlichen Lebensweisen (gesellschaftskonform gegen freigeistig und naturverbunden) zu untersuchen, Ross entschied sich allerdings für ein kitschiges Happy End, bei dem Viggo Mortensen und extreme Farben nicht über die konservative Denkweise hinwegtäuschen. Top dafür Charlie Shotwell und das Cover von G’n’R.
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Jane Got A Gun
DVD / Regie: Gavin O’Connor
Jane hat eine Waffe, schiesst damit, rettet ihren Ehemann zwar nicht, findet dafür zur ersten Liebe zurück. Da soll noch einer sagen, Schiessereien hätten keine positiven Aspekte. Und genauso stumpf, wie das klingt, ist dieser Film. Mit netten Bildern in Erdfarben gehalten, allerdings voller Rückblenden (schlechtes Storytelling!) und egaler Charaktere.
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Valerie and Her Week of Wonders (Valerie a týden divů)
BD / Regie: Jaromil Jireš
Das sexuelle Erwachen, die lustvollen Verlockungen, die Untiefen der Fantasie, die gesellschaftlichen Restriktionen, die moralischen Widersprüche von Glauben und Kirche. All dies und noch mehr verpackt in Surrealismus, Märchen und wunderschön gestalteten Aufnahmen. Dieser Film bricht nicht nur mit der damaligen New Wave, sondern betört bis heute mit Optik und Klang. Vielschichtig, verzaubernd, für immer im Herzen.
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The Life Aquatic with Steve Zissou
BD / Regie: Wes Anderson
Ja ok, Anderson ist nicht der grösste Poet, wenn es um die Inhalte seiner Filme geht. Trotzdem vermag er es, menschliche Emotionen in seinen künstlich konstruierten Umgebungen und Sets zu erzeugen. Bill Murray und Jeff Goldblum spielen sich hervorragend selber, Willem Daffoe darf einen deutschen Akzent zelebrieren, die Stop-Motion-Animation der Meerestiere macht alles zu einem zuckersüssen Vergnügen. Wer vermisst da schon das Blut bei den Schiessereien oder die intellektuelle Tiefe.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Nachtwaechter » 26.11.2020, 18:55

Ahhh... "The Squid and the Whale" dürfte mir als zynischem Egomaniker entgegen kommen. Zumal ich Baumbach für "Marriage Story" dankbar bin. Der war mir zu nah an der eigenen Realität...
"Nur der verrückte glaubt er sei nicht verrückt!" Zenmeister Taisen Deshimaru

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