Star Trek: Voyager - die komplette Serie
In Ermangelung an tauglichen Netflix Serien und kontroverser Trek-Neuausrichtung, einmal mehr die bis seinerzeit schwächste Trek Serie durchgelutscht, die dank des aktuell bodenlosen Trek-Niveaus dennoch eine Wohltat ist. Ließe man die klassischen Füllfolgen weg und schnitte die 7 Staffeln auf je 13 Folgen zusammen, dann würde sich sogar eine herausragende Serie ergeben. Komisch, dass man aktuell bei zehn Folgen pro Staffel Picard nicht einmal eine gescheite Folge hinbekommt.

Dass die 42. Sichtung nicht langweilt, ist auch der Wechsel in den zuträglichen O-Ton zu verdanken, bei dessen Übersetzung man häufig den Kopf schütteln darf. Was gibt es sonst für Auffälligkeiten? Mitunter kreative Drehbücher, die allenfalls etwas unter den angestaubten Produktionswerten leiden. Sämtliche Statisten, die sich zusammen mit einem Hauptcharakter in einer sie ebenfalls betreffenden Situation befinden, reden nie und stieren nur teilnahmslos durch die Gegend. Ob das einen vertragsrechtlicher Grund hatte? Die recht kleine Crew besteht über die 7 Jahre zudem aus deutlich mehr Visagen, auch hier scheint man immer wieder neue Statisten in die Uniformen gesteckt zu haben. Hat man die Serie schon einige Male durch, bleibt indes mehr Zeit für Szenen im Hintergrund. Gerade in Gefechtssituationen, wild tippende Statisten auf LCARS Panelen ohne Funktion. Über den inflationären Shuttle und Torpedo-Verschleiß gibt es wiederum genug Fanzusammenschnitte. Eine neue Erfahrung aber, dass Star Trek: Online nunmehr als Zitatereigen für Voyager taugt, denn viele Begriffe wie Strahlungsarten, Gerätschaften, die eher beiläufig in der Serie erwähnt wurden und in Vergessenheit gerieten, fanden bei Star Trek: Online ihren funktionalen Einzug. Hervorzuheben ist freilich der zelebrierte Humanismus und die gute Charakterentwicklung mit subtilem Humor. Emotionale Momente beim Zuschauer gibt es zuhauf, freilich ohne hysterisches Zutun der Protagonisten wie bei Discovery. Apropos Discovery, während man dort noch über LGBT Pronomen debattiert, kämpfen in Voyager schon Hologramme um Menschenrechte und Gleichstellung. Dafür hätte es heute einen grünen Shitstorm gegeben, Entenstopfleber zu kredenzen. Meine liebste Trek Serie wird Voyager nie, aber in Zeiten von Genozid-Trek und Drehbuch-Rotz, eine nostalgische Zeitreise an einen Wohlfühlort.
