
Technische Daten
Label: Equal Vision
Laufzeit: 47:30 Min.
Anzahl der Tracks: 12
Extras: 4 Track Live-CD
Verpackung: Jewel Case im Pappschuber
Tracklist
01. Cut Down All The Trees And Name The Streets After Them - 2:37
02. The Dark Trail - 4:30
03. Quarter Past - 4:51
04. Problem!? - 1:56
05. Semi-Fiction - 4:25
06. Oh! The Casino!? - 2:17
07. Sledgehammer - 6:01
08. Seattlantis - 4:01
09. Ex-Creations - 3:09
10. Shhh!!! If You're Quiet, I'll Show You a Dinosaur - 2:44
11. Caught Up - 2:30
12. Man a Plan a Canal Panama - 8:20
Kritik
Nach vier Alben (die ersten beiden unter dem Namen "Thirty Years War") und einer EP, wurde Anfang Mai das neue Monster der US-Amerikaner um Mastermind Thomas Erak über den großen Teich zu uns hinübergespült. Das Bemerkenswerte: Alle drei Trojaner sind gerade mal Anfang 20. Aber da Quantiät noch nie etwas über Qualität gesagt hat, wollen wir und die Musik anhören: "Mhmm….aha….. Was? Die sollen so jung sein?! Das glaub ich dir nicht. Wie können die denn ihre Instrumente schon so gut beherrschen?.... Der Vater vom Gitarristen war Sessionmusiker bei den Eagles? Ja, aber das erklärt noch gar nichts. Und außerdem klingt das eher als ob die vom Metal beeinflusst sind, und von Prog-Rock, Rush oder so. Wie 'ne Mischung aus The Mars Volta und den Blood Brothers. Nur noch abgedrehter und gleichzeitig melodischer … wie bei Rush halt." So, oder so ähnlich kann man die Musik von The Fall of Troy wirklich beschreiben. Schublade auf – Progressive Hardcore Metal rein – Schublade zu. Und das von der ersten Sekunde des selbstbetitelten Debüts an. Die erste war gleichzeitig die Härteste, weil Ungeschliffenste. Es folgten die famose "Ghostship-EP" und ein zweites Album namens "Doppelgänger". Dieses klingt leider (aus heutiger Sicht noch mehr) nach einem Update des Erstlings, nicht nur weil man vier Lieder von "The Fall of Troy" neu einspielte (Grund: Unzufriedenheit mit der Produktion). Im direkten Vergleich hatte "Doppelgänger" zu wenig Neues zu bieten. Mosh-Parts, Breaks, Chaos, Screamo-Singo… alles schon in der Form dagewesen. Nichtsdestotrotz eine süchtigmachende Platte. Außerdem der erste Kontakt für die meisten Europäer mit The Fall of Troy.
Nun, zwei Jahre später, ist der Manipulator da. Es kann verzeichnet werden: Fortschritt auf der ganzen Linie. Der Chaosfaktor wurde reduziert. Die Songs sind durchweg strukturierter und versierter ohne eingängier zu wirken. Zehn Durchläufe, mindestens, sind nötig um sich in dem Wust an Soundeskapaden zurecht zu finden – gefühlt werden mehr geboten als zwölf Lieder. Fortschritt ebenso in den Skills der Musiker. Thomas Erak hat noch nie so gut gegniedelt (und gesungen). Der unangefochtene Alleinunterhalter ist er aber nicht mehr. Vor allem Schlagzeuger Andrew Forsman hat viel dazugelernt. Er knüppelt nicht mehr wie ein Parkinsonkranker, sondern hält sich oft angenehm zurück, was den Liedern gut tut. Außerdem war die Double Bass längst überfällig.
[EDIT: ich hab das letzte album "Doppelgänger" nochmal aufmerksam gehört und festgestellt, dass der drummer da auch schon bei manchen liedern double bass spielt, aber sooo in den hintergrund gemischt... unfassbar lol]
Zu den Texten sei nur soviel gesagt, dass Tom Erak nicht mehr alles mit kruden Metaphern verklausulieren muss. Die textlich anscheinend zusammenhängenden "Quarter Past" und "Oh! The Casino!?" sind ersten Liebes-/Leideslieder der Band überhaupt. Sonst geht es, passend zur Musik, makaberer zur Sache. Offensichtlich Anspielungen auf Bücher wie "Der Herr der Ringe" oder "House of Leaves" gibt es hingegen keine mehr. Man wird eben erwachsen…
Der Sound wird indessen zum ersten Mal der Instrumentierung wirklich gerecht, voller ist er geworden, hat aber dafür etwas an Härte eingebüßt. Nach ein paar Durchläufen erkennt man dies jedoch als logischen Schritt an. Einmal weil die Platte abwechslungsreich wie nie ist und zum anderen weil die Knüppel-Passagen besser zur Geltung kommen. "Sledgehammer" und "Ex-Creations" seien hierbei besonders hervorgehoben. Beide sind so genial böse, dass Metal-Bands wie Iron Maiden oder Manowar sich daneben vorkommen müssten wie irgendein zusammengecasterer Pop-Act.
Dann gibt es diese neue, ungewohnte Seite an The Fall of Troy. Gleich die ersten drei Lieder wollen den Hörer mit ihrer scheinbaren Einfachkeit in die Irre führen. So kommt "Quarter Past" mit Bluesrhythmus und ungewohnter Popstruktur daher. "Semi-Fiction" kratzt nach je zwei Strophen und Refrains mit einem The-Mars-Volta-ähnlichem Gitarrenorgasmus noch die Kurve. "Oh! The Casino!?" klingt in den Strophen – und zum Glück nur da – schon sehr nach Weezer (sozusagen die Antithese von komplexer Musik…). Doch dies ist neben dem seltsam blutleeren Opener der einzig wirkliche Kritikpunkt an der Platte. Was man von dem Akustikausflug "Caught Up" halten mag, sei jedem selbst überlassen. Progressiv ist das aber allemal.
Die Glanzlichter geben sich gleichwohl sowas von die Klinke in die Hand, dass man schon gar nicht mehr glauben will wie jung die eigentlich sind. Bestimmte Lieder herauszugreifen bringt wenig, da fast alle mit den gleichen Zutaten ausgeschmückt sind: vertrackter Rhythmus, Breaks, Gitarrengefrickel und natürlich die herrlichen Melodiebögen. "A Man a Plan a Canal Panama" treibt den Wahnsinn in seinen acht Minuten auf die Spitze und ist deshalb der vielleicht beste TFOT-Song.
Kurz gesagt, mit "Manipulator" erweisen die drei Jungspunde ihren alten Veröffentlichungen keinen Gefallen. Ganz schön alt sehen diese nun aus… Und das neue Album ist schon für 2008 angekündigt. Schlagen können The Fall of Troy nur sich selbst.




