
Hannibal's Sicht der Dinge: Von House-Dicos, Hintertüren und Huarghs...
Wenn man hier in der Eifel am Wochenende was unternehmen möchte, bleibt abgesehen von einigen indiskutablen Hiphop- und House-Discos eigentlich nur Kino und 2-3 Kneipen übrig. Da bietet der alljährliche Festival-Sommer mit dem nur um die 50km entfernten Monster-Festival „Rock am Ring“ willkommene Abwechslung, gibt’s doch dann wenigstens einmal im Jahr die Möglichkeit anständige Musik abseits der heimischen Stereoanlage zu hören und zusammen mit über 70.000 Leuten handgemachte Musik mit voller Sangeskraft zu begleiten.
Als dieses Jahr am 6. Dezember Metallica als einer der Ring-Headliner angekündigt wurde, war die Freude im Eifelkaff groß und das Ticket schneller gekauft, als James Hetfield „Huargh!“ schreien kann....als anständiger Fanboy verfolgt man aber natürlich auch die weiteren Tourpläne, um eventuelle Proshots (professionell gefilmte Auftritte) abzuschätzen, in den Metallica-Communities Playlist-Tipps abzugeben und so weiter (Freaks halt...;-))....
Ende Dezember kam dann die Bestätigung für das holländische Pinkpop....ein Name, der nicht gerade zu einem männlichen Metal-Konzert passt, obwohl die Holzschuhträger bei der Namensüberlegung gar nicht an sexuelle Aktivitäten an der Hintertür und dazu passende Farben, sondern viel mehr an Pfingsten dachten. Mittlerweile hat aber selbst der letzte Käskopp erkannt, dass der Teil der Welt, der ein paar Meter oberhalb des Meeresspiegels lebt, mit dem Wort „Pink“ diese komische Farbe assoziiert, die mittlerweile immer mehr von den Leuten getragen wird, die jene indiskutable Hiphop- und House-Discos besuchen, gegen die ich hochgradig allergisch bin ;-). Dementsprechend pink erstrahlen auch mittlerweile Festival-Logos, Schriftzüge, Merchandise....aber ich schweife ab....
Wozu die lange Einleitung? Nun, das Pinkpop Festival in Landgraaf fand dieses Jahr exakt eine Woche vor „Rock am Ring“ statt..also eigentlich war ein Besuch beider Festivals ziemlicher Unsinn, angesichts dessen, dass Metallica auf beiden Festivals gastieren. Hier kommt nun die erschreckende, anfangs beschriebene Wochenend-Lage ins Spiel und wir malten uns innerhalb unserer kleinen Festival-Gemeinschaft aus, wie es wohl sein würde, sich am 30. Mai, eine Woche vor „Rock am Ring“ in einer unspektakulären Eifel-Kneipe zu langweilen – immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass im selben Moment knapp 2 Stunden Autofahrt entfernt die beste Band der Welt vor 70.000 Zuschauern rockt. Ein Gedanke, den wir nicht lange ertragen konnten und uns folglich schneller zum Kauf eines Tagestickets entschieden, als James Hetfield „Are you alive?“ schreien kann.
Als der offizielle Verkaufsstart dann im Februar näher rückte, kündigte man in Holland „Porcupine Tree“ neben so unbekannten Headlinern wie „Foo Fighters“ und „Rage against the machine“ an.
Angesichts der hohen vinc'schen Reviewdichte des Stachelschweinbaums und der geographischen Nähe zu Aachen (das Pinkpop findet nur knapp 16km entfernt von dem weltweit einzigartigen Ort, wo die Mammuts noch nicht ausgestorben sind statt) schrieb ich dem Vince umgehend eine PN, ob er nicht Interesse an dieser spannenden Links-Rechts-Kombination von Progressive Metal und dem Trash-Gewitter aus der San Francisco Bay Area hätte....
Nach jahrelanger Überredungs-Übung im gesamten Freundeskreis war die Aachener Reviewlegende keine wirkliche Herausforderung und nur 4 Tage später fand sich folgende Nachricht in meinem PN-Postfach:
Was letztes Jahr in meinem alljährlichen Metallica-Konzertbericht noch als Joke rausgehauen wurde, sollte nun tatsächlich Wirklichkeit werden!Vince hat geschrieben:[...] ich bin definitiv am Haken, du blöder Mistsack!
(07.07.2007)Vince hat geschrieben:Ich glaub, ich muss mal mit dem Hanni auf Tour gehen, dann schreib ich mal ne schöne Gegendarstellung.
Die Tage vergingen und plötzlich war er da, der 30. Mai. Die Kühlbox wurde ins Auto geladen, der Spielplan auf selbige geklebt, ein Handtuch + frische T-Shirts eingepackt, für den Fall, dass es regnen sollte, haargenau auf die Fahrt abgestimmte Musik-Mix-CDs zusammengestellt, die Tickets in Staufächer, der Fotoapperat für Bootleg-Videos und nicht zu vergessen der Red Bull für die nächtliche Heimfahrt....alles war an Bord und der Hannibal'sche Tourbus setzte sich vor den Augen meines angesichts der lauten Musik kopfschüttelnden Vaters nach 11-monatiger Festival-Pause endlich wieder in Bewegung! In Bitburg wurden 3 Mitfahrer eingesammelt und auf ging's nach Aachen....
Der Himmel war überraschend blau, nur wenige größere Wolken, die Eifel flog an uns vorbei und aus den Lautsprechern tönte es „I'm sent here by the chosen one...Can you sing it?“...eine Live-Version, deren Ansage noch eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf dieses Berichts spielen wird, aber dazu später mehr...
Kurz vor Aachen war es dann soweit, wir folgten Vince' recht detaillierter Wegbeschreibung und standen wenig später vor seinem Haus. Ich klingelte ihn an und meldete mich – wenn ich mich Recht entsinne – sogar mit „Hannibal“....lol...wenig später startete das erste Liquid-Love-Mini-Usertreffen mit Vince, FrancesTM und meiner Wenigkeit. Ohne große Umwege ging’s schnell wieder ins Auto, schließlich wollten bei Landgraaf zehntausende Autofahrer auch genau dahin, wo wir hin wollten. Während der Autofahrt stellten wir fest, dass ich Vince länger kenne, als alle anderen im Auto. Das erste virtuelle Aufeinandertreffen gab's vor guten 6 Jahren im altehrwürdigen DVD Vision-Forum....R.I.P. ;-) Limp Bizkit (und gleich nochmal R.I.P. ;-)), die aus Nostalgiegründen vereinzelt zwischen Metallica und Porcupine Tree aus den Autolautsprechern quitschten, waren damals unser gemeinsamer Nenner. 6 Jahre später haben wir uns musikalisch also wenigstens ein bisschen weiter entwickelt

Welcome Home (Sanitarium??)...
Kurz darauf beginnt auch schon der Stau, überall sind die Autos mit entweder kurz geschorenen oder langhaarigen, meist recht muskulösen Kerlen vollgepackt, die alle dasselbe magische Wort mit den 9 Buchstaben auf ihrer Kleidung stehen haben. Wir sind zuhause!
Nachdem der Stau überwunden ist, stellt sich die Parkplatz-Suche als zeitaufwendiger heraus als gedacht, schließlich finden wir dann doch ein entlegenes Plätzchen. Entlegen im wahrsten Sinne des Wortes, ein Polizist ignoriert unsere Frage, wie weit es denn bis zum Festivalgelände ist komplett. Ein langer Fußmarsch steht uns bevor, welcher von dem immer lauter werdenden Festival-Lärm in Form von „Flogging Molly“ zuverlässig zum Ziel geleitet wird. Zwischendurch Sirenengeheul hinter uns...Polizeimotorräder begleiten eine glänzende Mercedes-Kolonne....wir schauen kurz hin, denken uns nix dabei, drehen unsere Köpfe wieder nach vorne, wo ein dicker Pinkpop-Arbeiter aufgeregt auf die zu einer Nebenstraße abbiegenden Fahrzeugkolonne zeigt....“Metallica! Metallica!“ ruft er aufgeregt mit amüsant holländischem Akzent...sofort drehen wir uns wieder um...die Fahrzeuge sind mittlerweile weg, aber das Teilen der Straße mit einer der größten Rockbands aller Zeiten soll für die nächsten Minuten unser Gespräch maßgeblich bestimmen.

Hier geht’s rein...
Nach ungefähr 45 Minuten Fußmarsch sind wir endlich am Festivalgelände angelangt, also schnell durch die Sicherheitskontrolle durch, noch einmal die Toilette besucht und gleich rein ins Getümmel! Von einer leicht erhöhten Tribüne sehen wir auf ein Menschenmeer von ca 50.000 Musikfans, ein Wahnsinns-Anblick, der trotz grau verhangenem Himmel für den weiten Fußweg entschädigt. Aber wir sind ja wegen der Musik da, also auf zur „Tent Stage“, wo gerade im Moment Korn-Frontmann Jonathan Davis mit seinem Soloprogramm anfängt. In der großen Zeltkonstruktion stehen die Fans dicht an dicht und doch schaffen wir es auf Anhieb in die vordere Hälfte. Das Programm gestaltet sich in diesem Fall allerdings als ziemlich langweilig und austauschbar, die Stücke, die u.a. vom „Königin der Verdammten“-Soundtrack stammen, klingen wie abgespeckte Korn-Lieder und können nur vereinzelt überzeugen. Als zum Schluss das kommt, worauf alle warten, nämlich die Interpretation von einigen Korn-Songs, steigt die Stimmung, bleibt aber Alles in Allem doch eher verhalten.

Orgie: Jonathan Davis mit Band im Zelt...
Da sich auf dem Pinkpop-Festival die Tent- und Center-Stage permanent mit Programm abwechseln, bleibt nicht viel Zeit. Wir schnappen uns was zu trinken, was bei hunderten durstigen Rockern an den Getränkeständen schwieriger ist, als es sich auf den ersten Blick anhört. Dann ertönt plötzlich in der Ferne ohrenbetäubendes Frauen-Geschrei...aja, klarer Fall, „Incubus“ entern die 50m-breite Hauptbühne, die dieses Jahr nur so groß ist, weil Metallica sich weigerten, auf der bisherigen 40m breiten Center Stage aufzutreten. Davon kann man jetzt halten, was man will, für Incubus sind 50m auf den Meter genau 50m zu breit!
(07.07.2007)Frances TM hat geschrieben:Und mit Incubus rechnest du auch gnadenlos ab.
Und um meinem Stil treu zu bleiben, sag ich auch diesmal nicht mehr zu diesen langweiligen Casanovas, vielleicht schreibt der Vince als alter Fanboy ja ein bisschen mehr dazu, beichtete er mir doch zwischendurch, dass er im Besitz aller Incubus-Alben ist. Naja, jeder macht mal Fehler...;-)
Und dann startet das erste Großereignis des Tages...es geht ins Zelt zu „Porcupine Tree“ und FrancesTM & Vince ist die Vorfreude buchstäblich anzusehen. Letztes Jahr hab ich noch derbst über die zurückhaltende Prog-Metal-Performance von „Mastodon“ gewettert, heute stehe ich mit meinen damaligen Diskussionsgegnern in einem Zelt und schaue Steve Wilson zu. Der rockt allerdings mehr, als ich das je von einer Stachelschweinbaum-Live-Performance erwartet hatte. Egal ob Headbanging oder schneller Instrumentenwechseln von Gitarre auf Keyboard und zurück, der musikalische Workaholic hat das Zeltpublikum zu jeder Zeit im Griff und schießt mit seiner Band auf den Punkt sitzende Prog-Salven in die Menge, die sich – wie erwartet – vor allem auf's zuhören konzentriert. Hier und da verirrt sich zwar mal eine Pommesgabel in die Höhe, wird aber meist schnell wieder runtergenommen. In der ersten Hälfte ein zweifellos äußerst gelungener Gig mit deutlicher Spielfreude, perfektem Spiel ohne auch nur den Anflug eines Fehlers, einem knackigen Sound und sehr ansprechender Lightshow. Die zweite Hälfte war dann allerdings total scheiße...

Alles schon pink...das kann nur heißen, dass Metallica gleich kommen...
...nein, war sie natürlich nicht, aber davon hab ich nix mehr mitbekommen, denn der vorhin erwähnte rasend schnelle Wechsel im Bühnenprogramm zwingt mich und meinen Kumpel zum vorzeitigen Verlassen der Stachelschweinbäume, schließlich wollen wir Metallica von möglichst weit vorne genießen. Wir rennen vom Zelt Richtung Center Stage, ich lege noch eine Pinkelpause in Rekordzeit hin und weiter geht’s....voller Freude sehen wir, dass die Türen zum Bereich vor der Bühne noch offen sind. Wir laufen, kommen immer näher, erreichen den Wellenbrecher schließlich und bekommen die Eisentore vor der Nase zugemacht. „No more!“ meint ein mies gelaunter Security zu uns. Wir betteln geschätzte 15 Minuten an dem grimmigen Muskelpaket herum, aber keine Chance. Hinter ihm befinden sich geschätzte leere 50-60m².....Boden, auf dem kein Mensch steht. Erst dann beginnt die Menschenmasse, die sich um die Hauptbühne versammelt...verdammt viel Platz, aber der Kerl lässt sich nicht von unserem Dackelblick beeindrucken.....Befehle sind Befehle oder so ähnlich. Neben uns zetert ein angetrunkener Ire, der nur mal kurz aus dem Wellenbrecher-Bereich raus war „to take a pee“ und nun nicht mehr zu seinen Freunden gelassen wird. Auch seine Überredungskünste können den Security nicht umstimmen....wir suchen uns also eine neue Position möglichst nah am Wellenbrecher und stehen wenige Minuten später in der 15-20 Reihe. Wie immer ist es arscheng, wie immer stinkt es, aber das sind wir ja mittlerweile gewöhnt. „Nächste Woche dann erste Reihe!“, trösten wir uns und warten darauf, dass das Metallica-Intro startet.
Als es soweit ist, gehen die Hände schon im Autopilot nach oben und wie auf Knopfdruck wird die Stimme von Bon Scott bei „It's a long way to the top (if you wanna rock'n roll)“ so gut es geht nachgeäfft, um kurz darauf das Ennio Morricone-Intro „The Ecstacy of Gold“ mit voller Leibeskraft mitzusummen. Wir wissen was als nächstes kommt.....“Creeping Death“ ist jetzt seit 2006 Opener und das wird sich vor der „New Album“-Tour wohl auch nicht mehr ändern. Wie ein altes Hochzeitspärchen haken wir uns gegenseitig ein, um uns im bevorstehenden Getümmel nicht zu verlieren.....Lars Ulrich kommt auf die Bühne, stellt sich auf seine Drums, wirft seinen Becher O-Saft in die Menge und stimmt wie erwartet „Creeping Death“ an. Prompt setzt die Menge sich massiv in Bewegung und wir jubeln, weil wir plötzlich von knapp 70.000 Leuten hinter uns nach vorne gedrückt werden. Für einen kurzen Moment flackert der Gedanke auf, dass wir es vielleicht bis an den Wellenbrecher schaffen und somit eine bessere Sicht haben.....aber nur für einen kurzen Moment, denn schon in der nächsten Sekunde geht’s von 5 gewonnen Metern erstmal 10m zurück, dann wieder 7 vor, 3 zurück, 8 vor, 4 zurück.....und so weiter und so fort......wir gewinnen effektiv nicht einen Meter und befinden uns wieder mitten im Überlebenskampf. Egal in welches Gesicht man schaut, überall ist erstmal pure Verzweiflung, weil alle wollen aus diesem unkontrollierten Durcheinander raus, wo jeder ohne jegliches System einfach nur wild hin und her fliegt. Wer sich nicht auf den Beinen halten kann, ist hier hoffnungslos verloren, aus dieser verrückten Eigendynamik kann man – einmal am Boden – eigentlich nicht mehr lebend rauskommen.
Nach knapp 3 Minuten haben wir uns aus dem Chaos befreit und stehen ein paar Reihen hinter dem Wellenbrecher an der rechten Seite der Bühne. Von hier aus lässt sich das Konzert angenehm und ohne größere Störungen verfolgen, auch wenn's für meinen Geschmack etwas zu weit von der Bühne weg ist....aber egal, die nächste Chance weiter nach vorne zu kommen, gibt’s ja schon nächste Woche am Ring ;-)

Die amerikanischen Thrash-Götter auf der Bühne...
Aber nun zum Konzert, die Setlist der 4 Horsemen bietet im Vergleich zur letztjährigen „Sick of the Studio“-Tour nur wenige Änderungen. Von den neuen alten Lieder im Set sind allerdings zwei recht große Überraschungen dabei, die auch die alljährlichen Metallica-Besucher wie mich äußerst zufriedenstellt: statt der unzählige Male gespielten Halbballade „Welcome Home (Sanitarium)“ gibt es beim Pinkpop die Load-Halbballade „Bleeding Me“ auf die Ohren, die zusammen mit „Outlaw Torn“ eines der wenigen richtigen Highlights der Load/Reload-Ära ist. Als der Song anfängt, drehen sich dutzende Köpfe in der Menge verwundert um, die den Geheimtipp nicht kennen und erkundigen sich bei besser informierten Zeitgenossen nach dem Songtitel. Logischerweise hält sich aufgrund der Unkenntnis die Crowd bei dem Song auffällig zurück, was der überaus gelungenen und kraftvollen Performance der Band allerdings keinen Abbruch tut. Ein absolutes Juwel, dass die Playlist schon jetzt äußerst positiv hervorhebt. Nicht nur bei dem Song gibt sich die Band ungeheuer spielfreudig, auch bei dem „Ride the Lightning“-Opening (Creeping Death, For whom the bell tolls, Ride the Lightning) und dem sofort hinterhergefeuerten „The Four Horsemen“ sind Hetfield & Co auf der Bühne nonstop in Action. Das Publikum wird permanent in die Show mit einbezogen, auch wenn hier lang nicht jeder textsicher ist. Nach der „Load“-Überraschung folgt das erneut komplett durchgezockte „...And Justice for all“, welches bis auf einen vermurksten Abschluss-Akkord perfekt fehlerfrei dargeboten wird. Steigerte sich die Stimme von Frontmann James Hetfield von Jahr zu Jahr nach dem strapaziösen Alkoholentzug, ist sie mittlerweile wieder in fantastischer Verfassung und wirkt so tight und kräftig wie schon seit Jahren nicht mehr.
Die nächste Überraschung folgt mit einem unerwarteten „Reload“-Bundle aus dem seit 1999 nicht mehr gespielten, ungeheuer groovenden „Devil's Dance“ und der Publikumsgranate „The Memory Remains“, bei der im Finale auch der letzte Skeptiker zum Mitsingen der auf der CD von Marianne Faithful gesungenen Melodie mobilisiert wird. Es folgen „Fade to Black“, „Master of Puppets“ und „Whiplash“ und wir merken, dass sich trotz in weiten Teilen bekannter Playlist hier nie Routine einstellt. Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt jeden Songtext abzufeiern, evt. Lücken überwinden wir in dem wir sie mit improvisiertem Kinder-Englisch füllen. Viel interessanter ist allerdings, dass wir durch jahrelangen Live-Metallica-Konsum und aufmerksame Proshot-Analyse mittlerweile die Anfeuer-Aktionen von Mr. Hetfield fast auf den Punkt genau vorraussagen können, was den Spaßfaktor des ganzen nochmal merklich in die Höhe schraubt. Wie im Schlaf integrieren wir die „Can you sing it?“-Frage in den „Creeping Death“-Refrain (aufgrund tausendmal gehörter 2007er-Live-Aufnahmen), wodurch wir jede Menge seltsame Blicke aus allen Richtungen ernten. Der Höhepunkt des Ganzen ist schließlich das „One“-Solo im ersten Zugabenblock, in dem wir abwechselnd mit einer anderen – ähnlich fanatischen – Fan-Gruppe die Lead-Parts mitgröhlen. Der erste Zugabenblock bietet – wie immer – keine Überraschungen und enthält die populärsten Songs der Band („Sad but true“, „Nothing Else Matters“, „One“, „Enter Sandman“) und mobilisiert erneut auch den letzten ruhigen Holländer zum fröhlichen Mitsingen. Mittlerweile ist es auch dunkel und die Songs werden durch wuchtige Pyro-Effekte punktgenau unterstützt. Da ziehen beim Start in die „Enter Sandman“-Strophe riesige Feuerwerks-Körper in den wolkenverhangenen Himmel und tauchen die Szenerie in ein gleißend rotes Licht. Reine Gänsehaut, das Publikum schreit vor Begeisterung und springt munter mit.
Nach einer kurzen Unterbrechung geht’s dann schließlich in den letzten Zugabenblock welcher aus „Last Caress“ und „So what“ besteht. James verabschiedet sich mit einem verschmitzten „Thank you, Good Night!“, auf das das Pinkpop-Publikum mit einem schallenden „NOOOOO!“ antwortet. Alle wissen, dass noch ein Song fehlt...Hetfield fragt, für wie viele es der erste Metallica-Gig ist, anschließend fragt er nach den alten Hasen, welche den Newbies zeigen sollen, was im folgenden Song passiert....doch die meisten wissen das selbst ganz genau. Beim finalen Ankündigen des Songtitels genügt das erste Wort und die Menge vervollständigt die legendären 3 Wörter.......“SEEK....and Destrrrrroy!“ Und einmal mehr werden die Holländer putzmunter. Alles springt, alles feiert, zigtausend Menschen sind in Bewegung und die Band spielt ihre Kill-em-all-Hymne, als wäre es ihr erstes mal. Trotz mittlerweile leichten Nieselregens sind Hetfield, Ulrich, Hammet und Trujillo in einer Spiellaune, wie man sie vor allem 2004 und 2006 nicht immer beobachten konnte. Doch heute ist die Band, trotz der hier und da eher ruhigen Holländer, mal wieder in Bestform und fordert die Menschenmenge bis zum letzten Refrain, bei der sich beim finalen Riff-Orgasmus publikumswirksam bedankt wird, während links und rechts neben der Bühne Flammenwände gen Himmel schießen. Mit dem gewaltigen Showdown, der – ganz egal, wie oft man ihm schon beigewohnt hat – jedes mal wieder auf's Neue umhaut, haben auch die größten Skeptiker ein zufriedenes Grinsen im Gesicht und auch wenn viel mir Bekanntes gespielt wurde, sind „Metallica“ mit dieser Spielfreude immer wieder jeden Cent wert.

Hanni + Old-School-Kumpel mittendrin...
Normalerweise leiten „Metallica“-Konzerte bei uns immer eine Depri-Phase an, da wir wissen, dass wir bis zum nächsten mal wieder mindestens 1 Jahr warten müssen. Dem ist heute nicht so...begrüßten wir uns morgens noch mit „Noch 0 Mal schlafen“ heißt es nun „Noch 8 Mal schlafen“ und die Rockwelt ist wieder in Ordnung ;-)
Jetzt gilt es aber erst mal die abgesprengte Prog-Gruppe wieder zu finden. Immer noch das „Seek & Destroy“-Finale summend finden wir die drei Anspruchs-Metaller schließlich und wir treten langsam und äußerst erschöpft den Heimweg an. Das Fazit von Vince könnt ihr in seiner Review lesen.....allerdings durfte der Sack, während ich mir was zu Trinken kaufen war, den Drumstick von Lars Ulrich anfassen, den ein Fan am Ende des Konzerts gefangen hatte und nun überall stolz herumzeigte.
So far, auf der Heimfahrt passierte eigentlich nichts Spannendes mehr, wodurch ich ohne Umwege zum Fazit komme:
Metallica: Immer wieder gut, aber auch immer wieder enorm anstrengend. Die wenig variierte Setlist sorgte für leichte Enttäuschung auf hohem Niveau, was allerdings durch die 2-Load/Reload-Überraschungen im Set, sowie die enorme Spielfreude der Band wieder fast vollständig aufgehoben wurde. Ein Konzert, dass sich dennoch hinter dem Übergig auf dem letztjährigen „Rock Werchter“-Festival einreihen muss, denn der war an Playlist, Überraschungen und Fan-Gesängen einfach noch eine Klasse stärker, denn die holländischen Festival-Gänger scheinen doch eher die ruhigen Genießer zu sein und nur bei den Überhits auszuflippen.
Setlist:
Creeping Death
For Whom The Bell Tolls
Ride The Lightning
The Four Horsemen
Bleeding Me
...And Justice For All
Devil's Dance
The Memory Remains
Fade To Black
Master Of Puppets
Whiplash
Nothing Else Matters
Sad But True
One
Enter Sandman
- - - - -
Last Caress
So What
Seek and Destroy
Porcupine Tree waren in der Hälfte, die ich gesehen hab, ein wahnsinnig guter Live-Act, dessen Bühnenpräsenz ich so nicht mal ansatzweise erwartet hätte. Spielerisch 1 zu 1 auf CD-Niveau und dennoch eine recht dynamische Performance gepaart mit Top-Sound und noch besserem Licht.
Incubus waren lahm und gelangweilt wie immer.
Jonathan Davis erweckte fast Mitleid als 08/15-Korn-Kopie und konnte trotz gesanglich wie immer starker Leistung kaum Akzente setzen.
Forentreff-technisch: Gerne wieder und dann auch gern im größeren Rahmen! Das Konzert-/Festivaljahr 2009 kommt bestimmt... ;-)
Zu guter Letzt zum Pinkpop Festival an sich, bzw. zu dem, was ich mitbekommen habe: Organisatorisch ist das älteste europäische Festival (kam ein Jahr nach Woodstock) nicht ganz optimal. Die Infrastruktur ist stellenweise mit den ungeheuren Menschenmassen überfordert, was vor allem auf's Festivalglände an sich zutrifft, wo das Menschenmeer kaum Möglichkeiten hat, sich ein wenig aufzuteilen. Sound-technisch gab's nichts zu bemängeln, auch die Bühnentechnik hat tadellos funktioniert. Negativ anzumerken ist noch, dass die Leinwände der Center Stage erst für den Headliner angeschaltet wurden, so dass „Incubus“ & „Flogging Molly“ nicht auf den Leinwänden übertragen wurden, was nicht wirklich fan-freundlich ist, womit wir auch schon beim größten Kritikpunkt wären...die Securities waren schon bei uns überdurchschnittlich unfreundlich, doch dann sah ich gestern folgendes Video des „Rage against the machine“-Auftritts und war massiv geschockt, dass so mit zahlenden Kunden (130 Euro für eine 3-Tageskarte, 70-80 Euro für ein Tagesticket) umgegangen wird.
KLICK (ziemlich weit am Ende)
Daher kommt die Festivalwertung nur auf
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Und das meint der Vince...
"Die rechte Spur ist die beste Spur", Pt. 1
Ich sitze abmarschbereit im Wohnzimmer und lasse noch Al Bundy nebenher laufen, während ich auf einen Anruf warte, der dann in etwa um 14:50 Uhr erfolgt. Ich nehme ab und ein Krackseln und Rauschen ertönt und dann hat der Hanni, den ich immerhin - wie wir später noch erörtern - schon seit 6 Jahren kenne, endlich eine Stimme.
Minuten später hat er auch ein Gesicht, denn zusammen mit dem Rest vom Fest wartet er bereits auf dem Parkplatz vor meinem Haus. Naja, nicht alle sind da. Die einzige Frau aus der Truppe ist grad noch mal eben gegenüber in den Oberforstbacher Hof, um - na was wohl - noch mal aufs Klo zu gehen. Frauen halt. ;)
Die Weiterfahrt nach Landgraaf verläuft eher intuitiv als mit Sachverstand, trotzdem ist das Festivalgelände recht schnell gefunden, wenngleich die Holländer uns, glaub ich, ein bisschen foppen wollten. Da ist das Pinkpop den Schildern nach angeblich einmal geradeaus, auf dem nächsten Schild rechts, dann doch wieder geradeaus. Zum Glück hatte einer von uns nen ganz tollen Fahrlehrer, dessen Lebensweisheit "Die rechte Spur ist die beste Spur" uns das Leben rettete. Nach rechts also. Danke, unbekannter Fahrschullehrer.
Leider gestaltet sich die Parkplatzsuche recht problematisch. Vom offiziellen Parkplatz werden wir abgewunken. "Allesch voll", befiehlt der Mann mit der Kelle uns, gefälligst weiterzufahren.
Was folgt, ist richtiggehend eine Landwanderung. Kilometerweit sind überall an der Straße die Autos geparkt, ohne Lücke.

Es verschlägt uns also in die naheliegende Ortschaft, von der aus wir einen mindestens dreiviertelstündigen Gang zum Gelände antreten. Der Hanni schien mir den Holländern ja nicht so ganz zu trauen, ich glaub der hat sich den ganzen Tag Sorgen um seinen Van gemacht. Verständlich, immerhin war es das einzige Auto im meilenweiten Umkreis mit einem deutschen Kennzeichen. Und bald ist ja EM, wer weiß wie aggressiv unsere Nachbarn da sind.
Dann aber haben wir es in den Hauptstrom geschafft und überschreiten das Eingangstor, um einen riesigen Asphalt- und Rasenplatz zu betreten, der schon gefüllt ist mit - zu 20 Prozent pinkfarbenen - Menschenmassen. Ich hatte das Gefühl, ich bin da in der weiblichen Kontrast-Community unseres babyblauen Liquidlandes geraten. Im hinteren Nordosten erhebt sich die Hauptbühne, rechts von ihr ein großes Zelt, gegenüber der Bühne eine Ansammlung von Fress- und Saufbuden. Die Bands haben bereits längst begonnen zu spielen. Flogging Molly "haben schon fertig", um es mit Trappattoni auszudrücken, was mich jetzt nicht soo traurig macht; ein "mix van leerse folk en punkrock", wie die Pinkpop-Homepage es beschreibt, gehört jetzt nicht so in mein Jagdrevier.
Im Zelt beginnt aber gerade Jonathan Davis mit seiner Show, einer Mischung aus Korn und Soloprojekten wie der Arbeit am "Queen of the Damned"-Soundtrack. Also rein da.

[/b]Von kreischenden alten Weibern: Jonathan Davis[/b]
Wir kommen erstaunlich gut durch die Menge, weil überall Lücken im Zelt sind, die wir nutzen, um so weit wie möglich nach vorne zu gelangen. Der Sound ist sehr überzogen, gerade durch den vielseitigen Gebrauch der orientalischen Instrumente endet vieles in einem Fiepen im Ohr, das einen Grundmatsch von Gitarre, Bass und dem weinerlichen Kreischen Davis' übriglässt. Ich glaube, die Holländer haben das mehr genießen können als wir, denn ich denke, das wäre der perfekte Soundtrack gewesen, wenn man hackebreit zugekifft wäre.
Die Stimmung im Zelt hatte leider auch eher was Zugekifftes. Ganz vorne wurde etwas gesprungen, ansonsten war die Reaktion des Publikums eher verhalten und viele verließen die Stätte auch schon vorzeitig.
Davis selbst hatte im übrigen etwas von einem panisch zappelnden alten Weib, was durchaus für eine gewisse Atmosphäre sorgte: denn wie Davis so dahockte (einen Großteil der Performance absolvierte er im Sitzen) und wild gestikulierte, während er das Mike bearbeitete, erinnerte mich an die böse alte Hexe aus "Hänsel und Gretel". Etwas Ausschmückung des Saals in die Richtung und die Illusion wäre perfekt gewesen.
Als erster Appetizer war das durchaus okay; die Tatsache, dass sich der Saal nach dem "Thank you" unmittelbar leerte, zeigt aber auch ein wenig, welchen Stellenwert der Auftritt beim Publikum hatte: den einer Attraktion eines Themenparks, der man für die Dauer des Spiels interessiert folgt, in der man aber nur einen mechanischen Ablauf sieht und dem man deswegen keine Aufmerksamkeit mehr zeigt, sobald die Show vorbei ist.
Von kreischenden jungen Weibern: Incubus
Jetzt folgt der relaxteste und zugleich (für mich) angespannteste Teil des Tages. Eine Stunde noch bis Porcupine Tree. Zitter. Schwitz. Die Zeit nutzen wir, um den einstündigen Incubus-Auftritt eher aus der Ferne zu verfolgen. Incubus performen von der Main Stage aus; wir sind gut 100 Meter entfernt und entschließen uns, ein paar Getränkemarken zu kaufen, trotz der riesigen Schlangen vor dem offenbar einzigen Kartenhäuschen. Nebenbei lassen wir uns von Mr. Brandon Boyd ganz entspannt besäuseln. Als die Menge dann kreischt, beweist Hannibal ein vortreffliches Gehör, als er in der Charakteristik des Publikumkreischens einen feinen Unterschied zu normalem Publikumkreischen ausmacht. Das hier ist primär Weibergekreische! Und ich komme nicht umhin, ihm zuzustimmen. Trotz der Tatsache, dass ich selbst alle Incubus-Alben im Regal stehen habe und nicht umhin will zuzugeben, mich gefreut zu haben, als das schicke "Stellar" auf der Setlist erschien.

Weibergekreische aus der Nähe...der Incubus-Sänger könnte sich auch mal wieder die Haare schneiden...
Ejaculatio Praecox: Porcupine Tree
So, und man mag es kaum glauben, aber nicht alle waren primär wegen Main Act Metallica da! Der gute Frances TM und ich kokettieren ja seit jeher lieber mit progressiven Tönen und offenbar sieht man uns das konditionierte Sabbern angesichts des unmittelbar bevorstehenden Auftritts von Porcupine Tree schon an, denn der Rest der Gruppe entlässt uns beide um 19 Uhr herum vorzeitig ins benachbarte Zelt, wo ich folgerichtig natürlich auch meinen persönlichen Höhepunkt des Tages erlebe.
Steven Wilson betritt die Bühne - und steht da wie ein Rockstar... oder eher eine Gottheit. Das nach unten gerichtete Gesicht ist durch das hineinfallende Haar und den einfallenden Schatten eine schwarze Ebene, die Arme hängen locker und der Hüftbereich ist nach vorne gerichtet, die Gitarre in typischer Rockerpose wie ein Phallussymbol synchron dazu ausgerichtet. Langsam scheint Wilson Gefallen an der Rolle gefunden zu haben, wenngleich seine Erscheinung nach wie vor nichts mit der Extrovertiertheit, der Publikumssuche einer Band wie Metallica zu tun hat. Aber es wird jetzt auch mal "YEAH" geschrien, das "Thank you" ist nicht mehr so zaghaft gehaucht wie etwa auf der "Arriving Somewhere..."-DVD... und sogar der Headbanger kommt deutlich zum Vorschein.
Zum Einstieg gibt's "Fear of a Blank Planet", den Opener des aktuellen Albums. Auf einer Videoleinwand im Hintergrund wird das Musikvideo projiziert, während die Menge tobt und die Metal Forks in die Höhe schnellen. Kein Vergleich mehr zum Publikum von Jonathan Davis, was mich ein wenig überraschte, da eigentlich zu erwarten war, dass Porcupine Tree auf diesem Terrain ein Auswärtsspiel absolvieren würden - denkste! Da wurde mitgesungen, geschrien, gerockt, Zugehörigkeit demonstriert.

Die britischen Prog-Götter auf der Bühne...
Eher obligatorisch ging es weiter mit "The Sound of Muzak", aber für jemanden wie mich, der seine mutmaßliche Lieblingsband zum ersten Mal live sieht, ist man dankbar für solche Obligatorien. Bei der Botschaft des Songs möchte ich immer wieder mitnicken und das macht es verdammt einfach, sich komplett in die Musik fallen zu lassen, wenngleich die Inhalte für die Band selbst durch das häufige Spielen womöglich schon wieder redundant geworden sind. Zumindest aber merkt man ihnen das nicht an.
Nun würde man bei der kurzen Spieldauer von nur einer Stunde womöglich eher kompakte Songs erwarten; umso mehr überrascht das nun Folgende. "Do you want Progressive Rock?!?", ruft Wilson, der den Begriff in Interviews oft nicht auf seine Band anwenden wollte, in die tobende Menge und liefert selbiger nun den absoluten Wahnsinn: Die Blow-Your-Head-Off-Fully-Loaded-Album-Version von "Anesthetize"!
Was jetzt geschieht, sind 15 Minuten Himmelreich. Der wabernde Sound, die unheilandrohenden Tribaldrums, im Mittelteil das metallische Gewitter und dann der Ausklang. Zugegeben, die Zeit eilt und bei dem Ausklang schaut man schon unruhig auf die Uhr, weil man ja noch mehr hören will, aber diesen Song live ausgekostet zu haben, ist ein Erlebnis, das mit nichts zu vergleichen ist. Insbesondere das Schlagzeugspiel Gavin Harrisons, der von Oldschool-Fans nach dem Ausstieg Chris Maitlands nie hundertprozentig akzeptiert wurde, werde ich als denkwürdig in Erinnerung behalten.
Irgendwo mitten im Song erreichen uns dann auch die anderen drei Jungs und Mädels und Hannibal kann einen Teil des Stücks in Bild und Ton festhalten.
Schließlich gibt es "Open Car" mit seiner verführerischen Mischung aus Melancholie und Headbang-Flair, das sich für Liveauftritte natürlich sehr gut eignet; besonders der live-exklusive Metalausbruch in der Mitte, der auch schon auf der "Arriving Somewhere"-DVD zu bewundern ist, kommt dabei richtig fett rüber.
Dann folgt mit "Way Out of Here" der dritte und letzte Song von "Fear of a Blank Planet" und besiegelt auch eine gelungene, sehr homogene Auswahl der Songs, die zusammenpassen wie ein eigenes Album. Erfreulicherweise wird uns auch noch eine Auskopplung aus "Lighbulb Sun" beschert, nämlich "Hatesong", der hinterfotzigste, zynischste und mit Sicherheit einer der geilsten Songs der Briten. Diesmal steht Bassist Colin Edwin im Vordergrund und bereitet ein ultracooles Gezupfe vor, das als eines der ersten von Porcupine Tree überhaupt den Weg in den Metal gefunden hat. Mit dem groovigen "Halo" werden wir dann entlassen. Es gibt zum Abschluss Standing Ovations und "We want more!"-Rufe, aber da nebenan unmittelbar sofort die Hauptattraktion des Abends erfolgt, fiel das wohl leider nicht in den Bereich des Möglichen.
Huargh: Metalli-fuckin-ca
Okay - besser kann es nun nicht mehr werden, die Anspannung ist dahin, die Müdigkeit schleicht sich langsam ein, aber egal wie man bei der Auswahl seiner Bands persönlich die Präferenzen verteilt, vor einem Live-Auftritt der legendären Metallica muss man ganz einfach Ehrfurcht zeigen. Und als die ersten Takte des "The Good, the Bad and the Ugly"-Themas erklingen, ist sie da, die Ehrfurcht. Selbst Petrus zeigt Ehrfurcht, als er, der sich bis dahin komplett trocken gehalten hatte (obwohl dunkle Quellwolken teils anderes vermuten ließen), mitten in "Whiplash" seinen Regen auf die Erde schickt. Sozusagen "Whipsplash".
Die alten Herren liefern ein Ensemble aus insgesamt 18 Tracks, in Sachen Härtegrad sehr wechselreich. Der erste Block ist fucking oldschool pur! Dreimal Lightning (Creeping Death, Ride the Lightning, For Whom the Bell Tolls), einmal Kill (The Four Horsemen) wird aufs Publikum losgelassen. Und sofort bilden sich - vermutlich verteilt auf das gesamte Publikum - überall Moshpits wie gefährliche Wasserstrudel. Ich komme darauf, weil ich zwar relativ weit von der Mainstage entfernt stehe, dennoch genau am Ufer eines Moshpits stehe und gerade noch so nicht selbst mit reingezogen werde. Kaum auszudenken, wie es da vorne beim Hanni aussieht! Werden wir ihn je lebend wiedersehen? Klare Sache, in punkto Aggression findet in diesem Moment die gewaltigste Entladung statt. Mein Fuß tut schon weh - nicht vom langen Stehen, sondern weil mir so eine Monster-Rockerbraut beim Jumpen die ganze Zeit auf die Füße steigt.
Dann wird's etwas gemischter. Im Mittelteil bekommt alles Mögliche seine Chance: Puppets, Justice, das Black Album, Load und Reload wechseln sich gegenseitig ab, allerdings eher mit wenig Überraschungen, sieht man vielleicht mal von "Devil's Dance" ab, auf das ich persönlich aber auch gut hätte verzichten können etwa zugunsten eines Songs wie "The Unnamed Feeling" vom vollständig ignorierten "St. Anger". Dass dann bei all den Standards (sogar das heißgeliebte wie vielgehasste "Nothing Else Matters" wurde gespielt) ausgerechnet auf meinen Lieblingssong "Sanitarium" verzichtet wird, ist für mich mehr als schade und wohl einfach blödes Timing, bedenkt man, wie oft er sonst Teil eines Liveauftrittes ist.
Am Ende folgt ein leises "Thank you & Goodbye", das Hetfield mit einem Schmunzeln vorträgt, welches es nicht schwer macht zu erraten, dass da noch was kommt. Klar kommt da noch was. "Do you want to go back into your pit?", stellt der Frontmann eine rhetorische Frage, die ganz standesgemäß mit einem dicken "NO!" beantwortet wird, vice versa mit der Frage "Do you want more?!?" - Yeah, Hetfield, you motherfucker, lautet die Antwort des Metalheads direkt hinter mir.
Also wird zum Abschluss in Windeseile "Last Caress" und "So (FUCKIN) what" durchgezockt. Und natürlich muss alles mit Tradition besiegelt werden: im letzten Song des Abends haben die alten Hasen den Grünlingen zu erklären, was man zu Antworten hat, wenn Hetfield sagt "Searchiiiiiing..."...
Pyrotechnisch wird indes ein beeindruckendes Feuerwerk abgebrannt, speziell bei den Kriegsszenen vor "One" gibt's ordentlich Radau und von den meterhohen Feuersäulen, die am Ende intervallmäßig in die Höhe schießen, wird man sogar noch gratis gewärmt so spät am Abend im Regen im T-Shirt.
Hannibal wird in seinem Review-Part sehr wahrscheinlich sein Augenmerk noch stärker auf Metallica richten, wen wundert's - zumal er eh den besseren Überblick hatte, weil er mit seinem Kumpel so früh wie möglich hin ist, während wir anderen, wie es sich gehört, zuerst PT zu Ende geguckt haben. ;) Generell ist es aber natürlich ein Erlebnis, erstmals jene Band live zu sehen, deren Größe man anerkennen muss, ob man sie nun mag oder nicht. Der Hanni sprach von einem routinierten Auftritt und das glaube ich ihm auch (zumal ich ja schließlich wenigstens im TV schon einige Gigs verfolgt habe), aber immerhin, die Spielfreude, sie war da, und wenn Rob Trujillo den Kreisel macht, muss man dabei einfach Spaß haben.

Die Menschenmassen von schräg oben...
"Die rechte Spur ist die beste Spur", Pt. 2
Das war's. Nach der dreiteiligen Zugabe und einer ausführlichen Verabschiedung mit Plektron-und-Drumsticks-ins-Publikum-Gewerfe kommt ein holländischer Veranstalter auf die Bühne und brabbelt was von wegen "Dat was de eerste dag van het Pinkpop. Aub de bekers opheffen!". Die Massen bewegen sich gen Ausgang, wir laufen noch quer gegen den Strom, um zum T-Shirt-Stand zu gelangen. "Ein T-Shirt muss sein", sagt sich der Hannibal und denkt nicht an den möglichen Fall, dass er Geld für ein neues Auto sparen muss, wenn seines geklaut oder ausgeschlachtet worden wäre.
Der Durst zwingt Hannibal und Frances TM noch zu einem Stand. Währenddessen kommt ein Holländer auf mich zu und fragt: "Ken jij Lasch Ujisch?" Ich sage: "wat?" Er wiederholt auf brüchigem Deutsch: "Kenne Sie Larsch Ulrisch?" Ich nicke. Er hält uns stolz einen Drumstick hin, den wir dann alle drei mal der Reihe nach berühren dürfen. Hanni kommt zurück, nicht ahnend, dass er gerade die Chance verpasst hat, ein Stück Holz zu berühren, das nicht mal eine Stunde zuvor direkt in Gottes Händen gelegen hat. Die Welt ist manchmal ungerecht. ;)
Nach einem langen Marsch (der mir diesmal doppelt so lang vorkommt wie auf dem Hinweg) kehren wir zurück zum Auto, das noch mit allen Details an seinem Platz steht, und treten die Heimreise an. Sie gelingt, weil wir uns immer rechts halten. Die rechte Spur ist halt immer noch die beste Spur.
Jonathan Davis:
Incubus:
Porcupine Tree:
Metallica:
> für mich hätten die einfach Sanitarium bringen müssen! Aber One und For Whom the Bell Tolls waren auch ok.
An Bleeding Me hatte ich gar nicht mehr gedacht, das war natürlich auch geil.






