[Konzert] Axel Rudi Pell - The Skull Crown Tour München 2009

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Ed Hunter
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[Konzert] Axel Rudi Pell - The Skull Crown Tour München 2009

Beitrag von Ed Hunter » 31.01.2009, 00:43

Axel Rudi Pell – The Skull Crown Tour 2009

Special Guest: Mad Max

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Donnerstag, 29.1.2009 – München, Backstage

Mit stattlichen 13 regulären Album-Veröffentlichungen und diversen Compilations und Livemitschnitten in nunmehr 20-jähriger Bandgeschichte zählen die Melodic-Hard-Rocker um den Wattenscheider Blondschopf Axel Rudi Pell zu den konstantesten und erfolgreichsten deutschen Genre-Acts, die ihrer Diskografie mit dem neuen Opus „Tales of the Crown“ jüngst ein weiteres gelungenes Kapitel hinzufügten. In seit „Oceans of Time“ bewährten melodisch-mystischen Midtempo-Gefilden, die den Heavy-Metal der Anfangsjahre nur mehr rudimentär durchscheinen lassen, bietet die aktuelle Scheibe grundsolide Pell-Kost nach erprobter Erfolgsformel, die freilich adäquat auf der zugehörigen Tour präsentiert werden will: Unter dem dem Albumcover nachempfundenen Motto „The Skull Crown“ gastieren ARP, ehe die Festival-Gigs beim Rock of Ages und W:O:A anstehen, vom 25. Januar bis 8. Februar 2009 in sieben deutschen sowie vereinzelten ausländischen Städten und machten dabei am 29.1. im Münchner Backstage Station. Wie schon bei der „Mystica“-Tour vor zwei Jahren hat Pell die whitemetallisch angehauchte Melodic-Rock-Combo „Mad Max“ als Support im Schlepptau, die in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen feiert, ihren aktuellen Jubiläums-Output „Here We Are“ bewirbt und sich als stilistisch optimal passender Anheizer präsentiert.

Der traditionsreiche Genre-Doppeldecker hat in der Hauptsache Konzertbesucher mittleren bis älteren Semesters ins Backstage gelockt und überrascht neben ein paar versprengten Jugendlichen vor allem mit scheinbar nichtexistenter Grenze nach oben – diverse Damen großmütterlichen Alters hätte ich optisch nun nicht gerade als potentielle Besucher eines Hardrock-Konzerts eingeordnet.
Ein Blick zum gleich am Eingang platzierten Merch-Stand verrät, dass ARP-Tourshirts zum überaus humanen Preis von 20€ zu haben sind, Restbestände der „Mystica“-Tour für sagenhafte 5€ an den Mann bzw. die Frau gebracht werden und es für jeden Kauf eine drei „Tales of the Crown“-Tracks beinhaltende Promo-CD sowie Sticker und Postkarten als gratis-Dreingabe gibt – da fällt die Entscheidung, zuzuschlagen, kaum schwer.

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Mad Max

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Großartige Bühnenaufbauten sind im ca. 1000 Leute fassenden Backstage nicht an der Tagesordnung, Mad Max bekommen allerdings nicht einmal ein eigenes Backdrop spendiert – von Anfang an begrüßt das Schlangen- und Totenkopf-gezierte ARP-Banner die alsbald den Innenraum füllenden, zahlreich erschienen Zuschauer im Stage-Hintergrund.
Pünktlich um 20.30 Uhr betreten die Namensvettern des kultigsten Endzeit-Kriegers der 80er denn auch die Bühne, haben die komplett weiße Einheits-Montur der letzten Tour wieder gegen normale Kleidung eingetauscht und legen wie erwartet mit dem Opener des aktuellen Opus „Here We Are“ los: „Caravan“, bereits auf Platte ein Hardrock-Juwel vor dem Herrn, entfaltet freilich live erst recht die beabsichtigte Wirkung und beschert den Mannen um Leadsänger Michael Voss einen überzeugenden Einstieg nach Maß, hinter dem auch die Folgesongs „Where The Winds Blow“ und „Here We Are“ kaum zurückstehen – letzteres hat mit der soften, akustischen Studioversion erfreulich wenig zu tun und wird im Rahmen der dem Song innewohnenden Möglichkeiten kurzerhand in souveräne Hardrock-Kost transferiert. Dieser Linie bleiben Mad Max auch mit der folgenden Zeitreise ins Jahr 1986 treu: „Night of Passion“, der Titelsong ihres gleichnamigen Hitalbums der Hairspray-Ära, besitzt seinen Klassikerstatus nicht umsonst und auch „Family of Rock“ sowie das extrem coole, in bester 80er-Hairmetal-Tradition gehaltene „Little Princess“ vom 2007er „White Sands“-Album rocken amtlich. Dabei legt die Band eine unglaubliche Spielfreude an den Tag und gliedert Michael Voss das Set durch zahlreiche enorm sympathische, von dezenter Nostalgie („Ja, damals waren Metal-Bands noch in der Bravo…“) durchsetzte Ansagen. Die Mischung aus harten und zunehmend auch in softere Balladengefilde wechselnden Songs gelingt Mad Max dabei sehr gut und auch seinen Job als Pell-Anheizer nimmt Voss mit zahlreichen die frohe Erwartung des Meisters schürenden Ansagen ernst. Der steuerte als einer zahlreicher Musiker-Freunde der Band auch etwas zum aktuellen „Here We Are“-Album bei, nämlich das von Voss euphorisch angekündigte „Don’t Talk It All Over“, das den Verheißungen der Ansage zwar nicht ganz gerecht wird, live aber immerhin besser funktioniert als in der recht durchschnittlichen Studio-Variante. Gegen Ende des mit einer Stunde Spielzeit für eine Vorband recht großzügig bemessenen Gigs greifen Mad Max auf den obligatorischen und vom noch verhältnismäßig zurückhaltenden Publikum entsprechend begeistert rezipierten Sweet-Klassiker „Fox on the Run“ zurück und beschließen den Auftritt mit dem tollen, enorm eingängigen Melodic-Rock-Ohrwurm „Hollywood Angels“ aus dem Repertoire von Voss’ Zweitband Casanova.

Setlist (leider nur aus dem Gedächtnis, daher unvollständig und ohne Gewähr):

Caravan
Where The Winds Blow
Here We Are
Night Of Passion
Family 0f Rock
Little Princess
Don’t Talk It Over
Fox On The Run
Hollywood Angels

:liquid8:

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Axel Rudi Pell

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Nachdem Mad Max ihre Aufgabe somit gar formidabel erfüllt haben und ich mich in die zweite Reihe vorgearbeitet, beträgt die Umbaupause für Meister Pell nur eine knappe halbe Stunde und dient zum optischen Bühnen-Tuning mit einigen zusätzlichen das aktuelle Coverartwork präsentierenden Bannern und Lightshow-Gerätschaften.
Pünktlich um 22.00 Uhr gehen die Lichter aus, sorgt eine am Boden montierte Discokugel für von einem Intro vom Band begleiteten Light-Zauber und entern kurz darauf die Herren Pell, Gioeli, Terrana, Doernberg und Krawczak die Bühne: Infolge des für Pell-Verhältnisse fast schon revolutionären auf „Tales of the Crown“ vorzufindenden Traditionsbruchs, nicht nur auf ein Instrumentalintro zu verzichten, sondern auch mit „Higher“ anstatt eines High-Speed-Krachers eine Midtempo-Hymne als Opener zu platzieren, muss für den live-Startschuss im Gegensatz zur adäquat mit „Fly to the Moon“ eröffneten „Mystica“-Tour diesmal ein Klassiker herhalten: „Tear Down The Walls“ von Gioelis zweitem Pell-Engagement „The Masquerade Ball“ markiert den Auftakt des Gigs und geht trotz technischer Schwierigkeiten mit dem Mikrofon mustergültig nach vorne: Während Keyboarder Ferdy Doernberg nicht nur den ganzen Auftritt über fröhlich strahlt wie ein Honigkuchenpferd, sondern sich auch als fleißiger Publikums-Animateur präsentiert, offenbart vor allem Sänger Johnny Gioeli seine herausragenden Frontmann-Qualitäten und überzeugt nicht nur mit einer exzellenten gesanglichen Leistung, sondern zeigt sich auch als perfekter Entertainer, der keine Sekunde stillsteht, als Kontrast zum weitgehend in einem Bewegungsradius von einem Meter festgefrorenen Pell sportliche Höchstleistungen beim Toben über die Bühne erbringt und so oft wie möglich seine in der Hauptsache auf das Wort „Scheiße“ fokussierten Deutschkenntnisse in die Ansagen-Waagschale wirft.

Auf den als zweiten Song des Abends platzierten „Tales of the Crown“-Opener „Higher“ folgt mit „Warrior“ eine Reise in die Vergangenheit, genauer gesagt das Jahr 1994, als auf „Between The Walls“ noch der bis vor kurzem bei „Journey“ aktive Jeff Scott Soto den Vokalisten-Posten der Pell-Band innehatte: Doch auch diesen Song meistert Gioeli, wenngleich der Schwerpunkt der Setlist klar auf seinem mit der 98er Überscheibe „Oceans of Time“ seinen Ausgang nehmenden Schaffen liegt, mit Bravour und stellt seine herausragenden Qualitäten auch bei der Interpretation des alten ARP-Materials unter Beweis.
Es folgt die obligatorische Solo-Show von Schlagzeug-Monster Mike Terrana, der akrobatische Fingerfertigkeit beim unablässigen Durch-die-Luft-Werfen seiner Drumsticks genauso unter Beweis stellt wie seine in ein geniales Heavy-Trommel-Feuerwerk entladene Kraft, zu deren ergänzender Demonstration er im Anschluss in Gestalt einer ironischen Mucki-Posershow von Johnny Gioeli geladen wird.
ARP wären nicht ARP, böte das live-Material nicht Variantenreichtum zur geläufigen Studio-Ausführung und somit wird nun zum groß angelegten Medley-Part geblasen: „The Masquerade Ball“ geht in den im dem Publikum überlassenen „Wo-oh-oh“-Refrain großartige Stimmung und Atmosphäre evozierenden „Between the Walls“-Klassiker „Casbah“ über, anschließend spielt man kurzerhand nichts anderes als den John-Denver-Klassiker „Country Roads“ (!) an und sorgt damit für einen enormen Fun-Moment, ehe eine Kurzfassung des epischen „Tales of the Crown“-Titeltracks den Abschluss der Einheit markiert. Nun ist es an Ferdy Doernberg zu solieren, was der Strahlemann seinem während des Spiels auf der Bühne spazieren getragenen Keyboard an Klängen entlockt, gestaltet sich jedoch als eher durchwachsene Angelegenheit – da hätte man lieber noch ein zweites Mal Terrana oder alternativ Bassist Volker Krawczak ranlassen sollen. Der „Kings and Queens“-Kracher „Strong as a Rock“ fordert im Anschluss fleißige Publikums-Shouts, ehe die Stromgitarre beiseite gelegt und zum Akustik-Part des Sets übergegangen wird.
Als aus dem Publikum „Fool Fool“-Forderungen erschallen, greift Axel kurz zum Mirko, um zu fragen, ob die Leute denn auch was Ruhiges hören wollten, andernfalls könne man die Akustik-Gitarren ja auch zu Brennholz verarbeiten – das bleibt den guten Stücken zum Glück erspart und stattdessen intoniert man in entspannter Atmosphäre und sitzender Stellung die gelungene „Tales of the Crown“-Nummer „Northern Lights“, ehe die ARP-Ballade der ARP-Balladen schlechthin ansteht: „Oceans of Time“ ist schlicht ein Traum und wird von Gioeli gar wundervoll dargeboten.

Im Anschluss wird wieder die E-Gitarre in die Hand genommen und zum Schlussspurt des regulären Sets angesetzt: Nach dem beliebten „Rainbow“-Cover „Temple of the King“ stellen ARP unter Beweis, dass sie wissen, was sie an ihrem exzellenten 06er Output „Mystica“ haben und beschließen die reguläre Spielzeit mit einem Hit-Double des „Tales of the Crown“-Vorgängers: Zunächst der eingängige Gute-Laune-Kracher „Rock the Nation“ und zum Abschluss das 8-Minuten-Epos „Mystica“, dessen Refrain einmal mehr lautstarke Publikumsaktivität erfordert und das mit einem ausgedehnten Instrumentalpart aufwartet, der Meister Pell, der sich im Lauf des Gigs sehr songdienlich spielend stets erstaunlich zurückhielt und die Show ganz und gar Gioeli überließ, noch einmal die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Solo gibt.

Das schelmische Grinsen, mit dem der Frontmann seine „Good Night“-Ansage ins Mikro haucht, räumt jegliche potentiellen Zweifel an der Existenz einer Zugabe schon im Vornherein aus.
So kehren ARP nach 90 Minuten Spielzeit und einer kurzen Pause denn auch noch einmal zurück und machen mit „Fool Fool“ vom 1996er „Black Moon Pyramid“-Album einen Abstecher in die Prä-Gioeli-Ära, dessen Refrain freilich noch einmal der Stimmgewalt der Fangemeinde anvertraut wird. Dass die Band-Überhits „Call Her Princess“ und „Snake Eyes“ bedauerlicherweise unter den Tisch fallen, macht die Pell-Crew zum Abschluss mit einer unerwarteten Überraschung immerhin halbwegs wett: „Eternal Prisoner“ vom gleichnamigen Soto-Debüt markiert das Finish des Gigs, wenngleich der Song nicht ausgespielt, sondern als von zwei Refrain-Einheiten eingerahmter Instrumental-Exzess angelegt wird. Nach 105 Minuten Spielzeit gehen die Lichter wieder an und setzen damit den Schlusspunkt unter einen hervorragenden Pell-Gig, der zwar wie bei der Masse an genialen Klassikern nicht anders zu erwarten eine hohe Anzahl nicht gespielter Perlen aufweist, dafür jedes Lied, das gespielt wurde, aber absolut exzellent präsentierte.

Setlist (ohne Gewähr für den Zeitpunkt der Soli):

1. Intro
2. Tear Down The Walls
3. Higher
4. Warrior
5. Drumsolo
6. Medley: Masquerade Ball / Casbah / Country Roads / Tales of the Crown
7. Keyboard Solo
8. Strong as a Rock
9. Acoustic: Northern Lights
10. Acoustic: Oceans of Time
11. Temple of the King
12. Rock the Nation
13. Mystica
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14. Fool Fool
15. Eternal Prisoner

:liquid9:

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Da der Rückweg nach draußen unweigerlich ein zweites Mal am Merch-Stand vorbeiführt, wobei die günstigen T-Shirt-Preise wohl leider durch absolut überteuerte Kapuzen-Sweatshirts ausgeglichen werden sollen, führt am Erwerb eines solchen trotz sich beklagenden Geldbeutels angesichts des genialen Gigs kein Weg vorbei – und nebenbei treffe ich in der Schlange auch noch unversehens meinen Nebenmann vom letztjährigen Judas-Priest-Konzert im Zenith wieder.

Fazit: Die Melodic-Hard-Rock-Veteranen um Saitenhexer Axel Rudi Pell lieferten in bester Spiellaune und unterstützt von einer nicht minder gut aufgelegten und überzeugenden Support-Combo einen hervorragenden Auftritt ab, der ihren guten Ruf beispiellos untermauert und abgesehen von der Menge viel zu vieler Meisterwerke, die ihren Weg nicht in die Setlist fanden, keinen Grund zur Klage lässt. Exzellent!
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Beitrag von jack warrior » 31.01.2009, 11:17

Fein fein :=) :rockon: :rockon: :rockon: :rockon: :rockon: :rockon: :rockon: :rockon: :rockon:
mehr gibts zu pell live nicht zu sagen ;)

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Hannibal
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Beitrag von Hannibal » 31.01.2009, 11:33

Sehr schöne Review, Ed!

Allerdings muss ich sagen, dass ich wissentlich noch nie was von Axel Rudi Pell gehört habe...ich glaub das muss ich dann mal gleich auf Youtube nachholen :-) *duck und weg*

EDIT: Krass, trifft fast zu 100% meinen Geschmack, besonders der Gesang ist perfekt....die werden wohl in sehr absehbarer Zeit in meinem CD-Schrank landen...

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Ed Hunter
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Beitrag von Ed Hunter » 31.01.2009, 13:55

Hannibal hat geschrieben:
EDIT: Krass, trifft fast zu 100% meinen Geschmack, besonders der Gesang ist perfekt....die werden wohl in sehr absehbarer Zeit in meinem CD-Schrank landen...
:yeah:

Weiß jetzt natürlich nicht, welchen der vier Sänger du erwischt hast, aber wenn ich ein paar Alben-Empfehlungen machen darf, wären das "Wild Obsession" (mit Charlie Huhn), "Eternal Prisoner" (mit Jeff Scott Soto) und "Oceans of Time" (mit Johnny Gioeli). :)
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