Fatal Move

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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freeman
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Fatal Move

Beitrag von freeman » 29.09.2009, 12:07

Fatal Move

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Originaltitel: Duo shuai
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: Dennis Law Sau Yiu
Darsteller: Sammo Hung, Simon Yam, Tien Niu, Jacky Wu, Danny Lee, Cheung Siu Fai, Maggie Shaw, Lam Suet, Ken Lo, Pinky Cheung Man Chi, Hui Shiu Hung u.a.

Eine Splittergruppe der Triaden Hongkongs wird von den Brüdern Lung und Tung angeführt. Die Geschäfte laufen gut und im Grunde scheint die Spielsucht von Tung das größte Problem der Gangstervereinigung zu sein. Doch da geht ein Drogendeal gewaltig schief und plötzlich brechen bisher unterschwellig schwelende Konflikte offen aus. Konkurrenten drängen in die Kernbetätigungsgebiete der Verbrecherorganisation vor, Lung und Tung werden erpresst und auf einmal ist ihnen Kommissar Liu anscheinend immer einen Schritt voraus und droht die Organisation komplett zu zerschlagen.

Dennis Law schwebte mit seinem Film ein Mischling aus Sha Po Lang und Election vor. Die unbedingt geniale Besetzung, bestehend aus Jackie Wu (eher bekannt als Wu Jing und der Überkiller in Sha Po Lang), Simon Yam (Sha Po Lang und Election) und Sammo Hung (Sha Po Lang) spricht dahingehend Bände und auch die eröffnenden, kalten, farbentzogenen und tollen Bilder von Category III Filmer Herman Yau, der mit seinen eigenen Regieprojekten gerne die Grenzen des Zeigbaren auslotet, erinnern nicht selten an Sha Po Lang und damit den letzten großen Wurf aus Hongkong in Sachen Actionthriller. Storytechnisch dagegen überwiegt vor allem der Eindruck, einen Election Widergänger zuzuschauen, denn Law legt seinen Handlungsfokus zunächst recht eindeutig auf das Funktionieren der Triaden.

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Dabei unterläuft ihm der erste grobe Fehler. Denn er vergisst darüber eine wirklich stringente, packende und vor allem involvierende Handlung zu etablieren. Mit gehörigem Abstand hockt man vor Fatal Move und wird vor allem mit den erstaunlich schwach und oberflächlich gezeichneten Figuren niemals warm. Da hilft es auch nicht viel, dass sie von der Creme de la Creme des Hongkongkinos gegeben werden und sogar Danny Lee (einer der absoluten Superstars des 80er HK-Kinos) zu einer tragenden Rolle als – wen wundert’s? – Kommissar verpflichtet werden konnte. Und so schleicht der Film mehr als die Hälfte seiner Laufzeit dahin, ohne auch nur halbwegs anzudeuten, in welche Richtung die Reise gehen könnte.

Würde er nicht immer mal wieder Jackie Wu auf große Schnetzeljagden schicken, man würde vermutlich irgendwann gelangweilt aufgeben. Doch auf Wu ist Verlass und der kleine Chinese zeigt mal wieder, was in ihm steckt. Leider werden seine im Ansatz kompromisslos harten Aktionen durch eine offensichtliche und teils unnötige CGI Last ihrer Wucht beraubt, was sich vor allem in etwas unpassend einkopierten Blutfontänen äußert. Davon abgesehen macht Wu einfach mal wieder nur irren Spaß und hackt schon in seiner ersten Actionszene mindestens 10 Unterarme ab, nur um im weiteren Verlauf noch diverse Arme, Kehlen und Finger folgen zu lassen. Seine Auftritte verschafften dem Film sogar im sonst nicht gerade zimperlichen Hongkong eine harsche Category III Freigabe und verwehrten dem Film lange einen Kinoeinsatz. Erstaunlich, dass der Streifen es dennoch in seiner unberührten Form zu uns geschafft hat und wir so Zeuge werden, wie Schwerter durch Hinterköpfe getrieben werden, Arme mittels Schrotflinten abgetrennt werden und eine Frau gar heftig gefoltert wird und diverse Zähne und Fingernägel gezogen bekommt. Von förmlich abgeschlachteten Shoot Out Opfern ganz zu schweigen.

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Bei aller Heftigkeit muss man aber auch konstatieren, dass Dennis Law kein rechtes Auge für Actionpacing hat und gerade seine Shoot Outs erstaunlich undynamisch, ja steif daherkommen und eine intelligente oder aufsehenerregende Choreographie missen lassen. Dafür bemüht er sich um realistische Trefferwirkungen und lässt auch mal das eine oder andere Auto in die Luft fliegen. Die Actionhighlights setzen aber dennoch die Martial Arts Einlagen. Dabei besonders das tolle Duell zwischen Sammo Hung und Jackie Wu, dessen Anberaumung aber sehr unfreiwillig komisch geraten ist, in seiner Heroic Bloodshed Ausrichtung gegen Ende aber sehr zu gefallen weiß.

Darstellerisch weiß Fatal Move durchaus zu gefallen. Sammo Hung – seine Frisur fällt definitiv unter den Begriff Haircrimes – kommt dabei mit am schlechtesten weg. Ihm fehlt einfach die Nuanciertheit eines Simon Yam und nur in einer Szene mit Yam und im Showdown weiß Sammo mit kleinen Gesten zu gefallen. Ansonsten bleibt er erstaunlich schwach, da er wie Simon Yam und alle anderen Darsteller mit den miesen Figurenzeichnungen zu kämpfen hat. Yam merkt man an, dass diese Rolle des Gangsters einfach zu seinem Standardrepertoire gehört. Da sitzt jede Geste, jeder Blick genau da, wo er hingehört, leider scheint er kein Interventionsrecht in Sachen mieser Dialoge gehabt zu haben, denn einige seiner Bonmots sind schon sehr übel. Jackie Wu ist da, um zu kicken, was er auch macht. Und Danny Lee spielt, was er immer spielte: Den Polizisten. Das geht ihm mit viel Charme von der Hand und er bewältigt seine erste große tragende Actioner Rolle seit Jahren fast schon gewohnt sympathisch. Der Rest im Cast ist eigentlich eh nur Fallobst, weiß aber ebenfalls durchgehend mit zurückhaltendem, westlich orientiertem Spiel zu gefallen.

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Optisch kommt der Film, wie bereits erwähnt, eher kalt und unnahbar daher. Yau bebildert Fatal Move dabei zweckmäßig, ohne sich zu sehr an die aktuellen westlichen Gewohnheiten anzubiedern. Demzufolge wackelt hier keine Kamera und ein PG 13 Rating war wohl nie in seinem Sinne. Einzig den Schuh der mangelnden Dynamik in den Actionszenen muss er sich ganz sicher auch anziehen. Musikalisch schlägt sich der Streifen gut, hat aber im Vergleich zu den beiden Vorbildern Sha Po Lang und Election noch einiges an Nachholbedarf ...

Was bleibt ist ein unentschlossener Actionthriller aus der ehemaligen Kronkolonie, der lange nicht zu wissen scheint, was er eigentlich sein will. Dank seiner wirklich gut gesetzten und harsch brutalen Action hat er aber einige Momente, die mehr als nur aufhorchen lassen. Leider bekommt Regisseur Dennis Law in die Action abseits der Martial Arts Explosionen keinen Drive hinein. Und mangelnden Drive muss man auch dem Drehbuch zuschreiben, das zudem die großartige Besetzung zugunsten haarsträubend schwacher Figuren verheizt. Hier war verdammt noch mal viel mehr drin!
:liquid5:

Die deutsche DVD von KochMedia ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten, kommt in guter Bildqualität und einigen ordentlichen Extras. Die deutsche Tonspur ist zum einen nicht sonderlich gut synchronisiert und zum anderen fehlt es ordentlich an Druck.

In diesem Sinne:
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Zuletzt geändert von freeman am 01.10.2009, 08:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von TomHorn » 29.09.2009, 12:35

Schade, alleine der Cast lässt einen schon mit der Zunge schnalzen. Werde aber trotzdem mal ´nen Blick riskieren.
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Beitrag von kami » 29.09.2009, 16:54

Der Film lief übrigens sehr wohl in den HKer Kinos, wenngleich nur mäßig erfolgreich.
Ich sehe den Film ähnlich wie der freeman, konnte mich bei einer zweiten Sichtung aber doch etwas mehr auf die Story einlassen. Da mich auch die CGI-Blutfontänen nicht stören, gibt´s von mir :liquid6:

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Beitrag von freeman » 30.09.2009, 08:13

Der Film lief übrigens sehr wohl in den HKer Kinos, wenngleich nur mäßig erfolgreich.
Laut Interview uffe DVD net ... aber wer weiß, aus welchem Jahr das war ... Bei selbigen kommt Law irgendwie voll wie die Geldhure rüber ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von kami » 30.09.2009, 18:01

freeman hat geschrieben: Laut Interview uffe DVD net ... aber wer weiß, aus welchem Jahr das war ...
Siehe hier

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Beitrag von freeman » 01.10.2009, 08:12

Das sind ja Zahlen ... da merkt man erstmal wieder, dass HK letztlich doch net soooo groß ist :lol:

Review um ein Wort gepimpt ;-)

In diesem Sinne:
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Beitrag von Dr Dolph » 07.10.2011, 03:17

Würde dem auch ne :liquid6: geben.
Der Film unterhält solide, hat ein tolles Staraufgebot und schöne Actionsequenzen. Dennoch wirkt der Film dabei nie heraus ragend und nicht wirklich innovativ.
Mit einer flotteren Story wäre es auf jeden Fall besser geworden.

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