Interstellar

Schweres Kaliber für einen Massenunterhaltungsfilm. „Gravity“ hat möglicherweise ein wenig den Weg geebnet, den Appetit auf Wissenschaftlichkeit in Verbindung mit der Raumfahrt angeregt, Christopher Nolan hat in der Breite, obgleich die kritischen Stimmen längst lautstark geworden sind, immer noch genug Reputation, um einen Science-Fiction-Film dieser Art in den großen Multiplexen unterzubringen – ohne allzu offensichtliche Schauwerte, ohne Phantastik und vermeidbare Effekthascherei.
So fällt allerdings auch auf, dass Nolans Versuche, Emotionales zu inszenieren, nur marginal über „Armageddon“ hinausgehen, was den Anker des Films, die Beziehung zwischen dem Vater, der ins All flog, und seinen Kindern, die er auf der Erde zurückließ, zu seinem Schwachpunkt macht.
Dafür überzeugt „Insterstellar“ in anderen Bereichen mit dicht gewobenem Facettenreichtum. Nolan meidet Eskapismus und liefert stattdessen Vertrautheiten, die im völligen Kontrast stehen zu der Distanz, die zwischen Erde und Besatzung sowohl räumlich als auch zeitlich steht. Das Wasser auf dem ersten Planeten ist so greifbar, dass man es im Mund schmecken kann, die zyklisch anrollende Wellenwand lediglich ein physikalisch von irdischen Bedingungen abweichendes Phänomen. Die Illusion, es könne da draußen etwas Erdenähnliches geben, gelingt ungleich besser als wohl in jedem anderen Weltraum-Blockbuster, und so regt sie zum Nachdenken über die eigene Position im Universum an, ohne deswegen auf die Metaphern des Phantastik-Kinos zurückgreifen zu müssen.
Es gibt zum Ende hin einen Moment, da scheint dem Regisseur sein Werk in metaphysische „2001“-Gefilde abzugleiten, allerdings deutet er Philosophisches allenfalls an, ohne es jedoch jemals gegen das Wissenschaftliche durchzusetzen. Selbst in den ärgsten Phasen des Surrealismus versucht sich „Interstellar“ in rationalen Erklärungen, und der erzählerische Rahmen auf der Erde, der – das ist einer der größten Clous aus narrativer Perspektive – in einem anderen Zeitfenster abläuft, versiegt niemals, untermauert den dokumentarischen Charakter sogar noch durch Fernsehinterviews mit Überlebenden der Bedrohung, die zu Beginn der Handlung auf der Erde herrscht.
Zimmers vielleicht etwas zu repetitiver Soundtrack und das ausgefeilte, elementar wichtige Sounddesign bekräftigen nochmals das Konzept eines Films, dessen Ideologie man letztlich einfacher attackieren kann als seine eigentliche Umsetzung, die mit Sicherheit zu den bislang größten Errungenschaften Nolans gehört.
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Motel Hell

Rory Calhouns breites Dauergrinsen führt den satirischen Strich der Backwood-Horrorgroteske an und gibt dabei zugleich das Statement, dass man die insbesondere durch „Texas Chainsaw Massacre“ vitalisierte Welle nicht kommentieren kann, ohne selbst eine gesunde Portion Wahnsinn an den Tag zu legen. Doch nicht nur den Aspekt der geistigen Deformation greift „Motel Hell(o)“ aus Hoopers Kettensägenklassiker auf, sondern auch gleich die Kettensäge selbst, und zwar als ultimatives Symbol für die explosive Mischung aus Irrsinn und Rage, die dem Zielpublikum genau das gibt, wonach es verlangt. Es möchte Kontrollverlust sehen, den Ausbruch aus der Mäßigkeit und Ordnung.
So ist der Plot eine prall gefüllte Piñata voller dunkler Geheimnisse, die sich windend nach der Oberfläche sehnen und dadurch für den Zuschauer - im Gegensatz zu den oft völlig arglosen Nebenfiguren - so deutlich wahrzunehmen sind, dass ihm in jeder Sekunde ein überdeutliches Augenzwinkern zugeworfen wird, das man unbedingt zurückwerfen muss, so man die Signale wahrnimmt. Doch kann das flache, grelle Wortspiel auf der Leuchtreklame des Motels überhaupt Zweifel an der Intention streuen?
Kevin Connor geht in seinen Ambitionen so weit, sich nicht auf Backwoodslasher-Elemente zu beschränken, sondern auch Motive aus dem Zombie- und Invasionsfilm zu übernehmen, womit er nochmals verdeutlicht, keinen ernstzunehmenden Genrebeitrag liefern zu wollen, sondern eine reflexive Wortmeldung, ein Resümee in Neonbuchstaben. Bis hin zur ziemlich unpraktisch aussehenden Schweinsmaske ein gelungenes Unterfangen.
Spider Baby

Kontrastreich und in schrägen Winkeln gefilmt, lässt sich Jack Hills Schwarzweißfilm bezüglich seiner Gattungszugehörigkeit zu Beginn kaum festnageln, entpuppt sich schließlich aber doch als intelligente, weil weitergedachte Bezugnahme auf den klassischen amerikanischen Horrorfilm. Lon Chaney Jrs Beteiligung, dessen Rolle als Wolfsmensch in einer Szene auch neckisch angedeutet wird, ist dafür sicherlich das größte Indiz. Chaneys Charakter wird Verzweiflung und Resignation getrieben, der Star zahlreicher B-Horror-Movies spielt im Alter von 62 Jahren passenderweise einen Chauffeur, der damit beschäftigt ist, eine Familie aus Psychopathen vor der Außenwelt zu verstecken, die gerade jene Art von „American Psycho Horror“ bedient, welche derzeit beispielsweise von Rob Zombie reanimiert wird.
Nicht von ungefähr erinnert die Konstellation auch stark an die damals gerade erst ausgelaufene Sitcom „The Munsters“ und mehr noch gar an das Konkurrenzformat „Addams Family“; insbesondere Sid Haigs Darstellung eines tumben, sabbernden Riesen passt sowohl in diesen Rahmen als er auch das Frankensteinmonster rezitiert, als Wesen, das die Verantwortung für das eigene Handeln nicht selbst trägt, sondern bei Anderen findet.
Hill gelingt es oftmals, der Dynamik zwischen Haig und den beiden weiblichen Hauptfiguren (Carol Ohmart und Beverly Washburn als diabolische Furien) eine Besonderheit zu entlocken, die im eher traditionellen Rahmen des Films fast schon als modern-visionär zu beschreiben ist und mit dem progressiven Charakter mancher Russ-Meyer-Werke anbandelt. Der Regisseur ist dazu bereit, Handlungsmotivationen nicht etwa in Ursprüngen zu ergründen, sondern durch den wagemutigen Sprung aus dem psychologischen Raster hinaus. Ein faszinierender Film insofern, als dass er klassische Horrormotive mit dem freigeistigen Schwung der späten 60er Jahre zeichnet.
Knights of Badassdom

Gängige Fantasy- und Effektfilme täuschen Gigantomanie vor, zeigen bombastisch animierte Welten und Kreaturen. „Knights of Badassdom“ hingegen zeigt nichts davon und lässt seine Darsteller dennoch so hadern, als ob. Von Riesenwasserfällen wird gesprochen, als man vor einer Wasserpumpe steht; als saftige Weiden bezeichnet man das ausgedorrte Eck davor. Weit mehr als „Fanboys“ & Co. hat dieser Film den Kniff raus, die Vorstellungskraft des gängigen Rollenspielnerds gleichermaßen zu bewundern wie zu verspotten. Dämlich sehen sie aus, wie sie da in ihren bescheuerten Rüstungen im Rund stehen und hochgestochene Nichtigkeiten verbreiten, und doch verführt die schillernde Vielfalt, mit der sie ihre Umwelt wahrnehmen, zum Neid.
Visuell macht das die Chose natürlich recht unspektakulär, zumindest solange nicht tatsächlich vermehrt Effekte auf der Leinwand erscheinen. Hier kippt es dann in zweierlei Hinsicht: Einerseits wird es optisch zugänglicher, andererseits geht langsam der Biss verloren, der sich überwiegend aus der Demontage des Eskapismus zehrte. Auch gibt Regisseur Joe Lynch („Wrong Turn 2“, Rahmensegment aus „Chillerama“) hier seinem Drang zum Derberen immer öfter nach, selbst wenn es mal nicht hundertprozentig passt.
Die angenehm bunte Besetzung mit Peter Dinklage, Ryan Kwanten, Steve Zahn und Summer Glau allerdings sorgt dafür, dass der Spaß nie ganz verloren geht.
Logan’s Run

Was vielleicht überraschen mag: Michael Andersons SciFi-Klassiker hält nicht unbedingt den Erwartungen an eine große Buchadaption stand, sondern funktioniert eher auf der Ebene der Schauwerte. Für einen komplexen dystopischen Diskurs über das Wesen des Menschen, den der Plot andeutet, ist das Drehbuch im Detail nicht ausgeklügelt genug. Hauptdarsteller Michael York rauscht von einer Szene in die nächste und wird während seiner Suche nach den Ursprüngen sozialer Organisation praktisch von den spektakulären Sets und Bauten erschlagen. Die Teilnahmslosigkeit und unerbitterte Logik der gesellschaftlichen Ordnung, mit der sich der Läufer auseinandersetzen muss, und der primitive Einschlag, der ironischerweise am Ende der technischen Evolutionskette wieder aufblitzt, sorgt für offensichtliche Parallelen zu „Planet der Affen“, insbesondere, als sich Logan später aufmacht in die Außenwelt, die eine spektakulär von der Natur zurückeroberte Welt aus urbanen Relikten zeigt.
Strukturell und visuell ist „Logan’s Run“ also trotz mittelmäßig gealterter Spezialeffekte hochinteressant (die Außenaufnahmen der Kuppelstadt im Vorspann weisen klaren Modellcharakter auf, werden durch eine hervorragende Kamerafahrt aber dennoch ideal in Szene gesetzt), inhaltlich sind gegenüber den anderen großen Klassikern dieser Zeit jedoch Abstriche zu machen.
American Graffiti

Mehr als nur das Portal zu “Star Wars”: “American Graffiti” ist wohl einer der wenigen „puren“ Filme, die dem ursprünglichen Zweck des Kinos am nächsten kommen. George Lucas betont die Relativität von Erfahrungen, bewertet nicht nach ihrer Dauer, sondern nach ihrer Intensität. Während der Werdegang einiger Hauptfiguren vor dem Abspann nur in kurzen Texttafeln festgehalten wird, dehnt sich die gesamte Handlung auf eine einzige Nacht und scheint dabei in jedem einzelnen Augenblick wichtiger zu sein als alle Folgejahre zusammen.
Mit autobiografischer Motivation schildert der Regisseur und Autor also ein paar Stunden im Leben einiger Jugendlicher der frühen 60er Jahre, greift dabei sämtliche Eigenarten der Zeit mit geschultem Auge auf und rechtfertigt auch nie die Dummheiten, die ein Erwachsener in das Verhalten der törichten Halbstarken interpretieren würde. Er weckt eine Sehnsucht nach dieser ganz speziellen Vergangenheit, selbst für jene, die zu spät in die Welt geboren wurden und niemals an ihr teilgenommen haben.
Natürlich ist diese Art von Nostalgie berechenbar. Zu nicht unwesentlichen Anteilen wird sie vom 40-teiligen Soundtrack angekurbelt, der praktisch in Dauerschleife Rock’n’Roll-Oldies unter die Szenen legt, doch gerade die Musik macht „American Graffiti“ zu einem einmaligen Filmerlebnis, das an magischen Momenten nicht arm ist, von „I love you“ bis Wolfman Jack.

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Nightcrawler

Kino entlarvt Fernsehen – ein Medium zerfleischt das andere und damit indirekt auch sich selbst. Wer „Nightcrawler“ sieht, unterzieht sich automatisch einer Selbstreflexion, die im besten Fall in einer Neubewertung der eigenen medialen Aktivitäten mündet. Eine Handlung, die so realitätsnah mit der Beschreibung eines umkämpften Arbeitsmarktes beginnt, mit dem die meisten Zuschauer selbst Erfahrung haben, nimmt mit jeder Szene schleichend an Schockwirkung zu, bis man schließlich fassungslos dasitzt und mit dem Kopf schüttelt. Wirklich erschütternd ist aber der Umstand, dass selbst am Ende, nach all den unglücklichen Fügungen und den individuellen Entscheidungen des von Jake Gyllenhaal in Method-Acting-Manier entworfenen Journalisten, eine prinzipielle Glaubwürdigkeit der Geschehnisse durchaus erhalten bleibt. Der stimmungsvoll meist bei Nacht spielende Thriller zerstört mutwillig das Vertrauen in einen ganzen Berufszweig, spricht dabei aber auch so manche Wahrheit aus, die bei genauem Hinsehen auch ohne diesen Film für jeden ersichtlich wäre, es aber aufgrund der manipulativen Kräfte des Fernsehens nicht immer ist. Packend gespielt, hochwertig inszeniert.
Galaxina

Schädelbrechend bescheuerte Parodie auf die SciFi-Operas der 60er und 70er. Hier macht man sich nicht viele Gedanken um einen Plot, sondern stellt diesen eher über Fragmente der Vorbilder zusammen, unter anderem mit „Star Wars“ (diverse schräge Alien-Kneipenszenen), „Star Trek“ (das Bereisen fremder Welten), „2001“ (der von dominierte, im Gegensatz zu Kubricks Filmen aber völlig undurchdachte Einsatz klassischer Musik) und nicht zuletzt „Barbarella“ (eher Playbabe als Hauptdarstellerin: Dorothy Stratten). Im Deutschen noch die allgemeine Spencer-Hill-Synchronisation dazu, und fertig ist der fragwürdige Weltraumspaß. Worum es überhaupt geht, erfährt man dann nach etwa zwei Dritteln der Laufzeit, bis dahin schweben Galaxina und ihre schrägen Gesellen einfach mal durchs All und rezitieren vergangenes Kino ohne erkennbare Zusammenhänge. Zeitweise funktioniert die Billigkeit des Films nach Trashformel, mitunter allerdings wird der Unsinn in absurde und nicht mehr nachvollziehbare Bahnen gelenkt, was insbesondere im Mittelteil zu langatmigen Passagen führt. Der Stratten wiederum fehlt es an Ausstrahlung sowie an der von Jane Fonda vorgegebenen Vielfalt der Kostümierung. Mit Roger Vadim am Steuer wäre das wohl nicht passiert.

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Dumm und Dümmehr

Schon immer lag die Vermutung nahe, dass der besondere Charme der 1994er Farrelly-Komödie „Dumm und Dümmer“ als einmalige, unwiederholbare Angelegenheit verstanden werden musste. Zu sehr lebt der Film vom Momentum der beiden Hauptdarsteller, von den Gegebenheiten am Set, von der Improvisationskraft und dem Timing.
20 Jahre später bestätigt die offizielle Fortsetzung nun diese Vermutung. Dabei hätte man keine bessere Überleitung als den Eröffnungsgag finden können, um die verstrichene Zeit zu überbrücken. Ziel dieses so späten Sequels konnte schließlich nichts anderes sein als die Zeit anzuhalten, und genau das wird hier gemacht. Harry und Lloyd leben immerhin in ihrem ganz eigenen Universum mit einer ganz eigenen Sprache.
Leider verführt das die Farrellys aber zu einer Quasi-Wiederholung des ersten Films, einem neuen Road-Movie mit einer Szenenschau, die teilweise ganze Konstellationen des Originals nachbaut. Was damals aber schräg, spontan und unerwartet war, ist heute mühsam und verkrampft. Zwei Jahrzehnte sieht man der praktisch unveränderten Aufmachung Carreys und Daniels zwar nicht an, tatsächlich haben sie Beide ihre alten Harry- und Lloyd-Marotten noch hundertprozentig im Repertoire, doch ein Blick in ihre Augen entlarvt die Müdigkeit und den Zwang, noch einmal einen Hit zu landen.
Nett einerseits all die Cameos der Nebendarsteller des ersten Teils und die unveränderten Schauplätze, doch selbst in Harrys grauer Wohnung herrscht eine Aura des Zwangs. Der Plot sollte ja nicht einmal so relevant sein, aber selbst hier herrscht eher Flaute; war die Suche nach Kofferbesitzerin Mary als solche bereits eine ausgemachte Dummheit und der Weg nach Aspen eine Abfolge irrwitziger Zufälle und Verwechslungen, ist die Suche nach Harrys Tochter ja immerhin nachvollziehbar, selbst wenn der Hauptgrund der Suche für den Normaldenkenden befremdlich ist. Auch Rachel Melvin kann als Dummchen-Spross keine wirklichen Akzente setzen.
Es gibt einige wenige gute Momente, insgesamt aber eine enttäuschende Rückkehr ins Leben der beiden größten Idioten auf diesem Planeten, denen im Alter nun ungewollt auch ein Stück Traurigkeit anhängt.

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Dexter – Season 7

Wer in TV-Serien auf plötzliche charakterliche Veränderungen allergisch reagiert, erlebt mit der siebten “Dexter”-Staffel vermutlich seinen persönlichen Pollen-Frühling. Dem heftigen Twist-Moment zum Ende von Season 6 ist es zu verdanken, dass Dexters Weg und derjenige seiner Schwester Debra krasse Wendungen nehmen. Bewusst werden die Urprofile der Pendants aus der ersten Staffel gegen den Strich gebürstet, was schon allein dem natürlichen Umstand geschuldet ist, dass eine Serie nach sieben Jahren nun mal in aller Regel über den Zenit ihres Plotkerns hinausgelaufen ist und sich unweigerlich dem Ende nähert, so dass man Neues vermitteln muss, um eine Chance auf Spannungserhaltung zu bekommen.
Das funktioniert nur bedingt; mag man Dexters teilweise widersprüchliches Verhalten aufgrund seiner Unnahbarkeit noch akzeptieren können, mutet die Entwicklung Debras mitunter befremdlich an und scheint ganz im Dienste der Spannungsausreizung zu stehen – ein allzu durchschaubarer Sachverhalt.
Was in dieser Serie weiterhin funktioniert, ist die vogelwilde Konzeptualisierung, die mit jeder Staffel neu ausgerichtet wird. Nachdem Season 6 also ähnlich wie Season 4 mit John Lithgow einen bzw. zwei charakterstarke Antagonisten zum Fixpunkt aufbaute, wird die Handlung nun wieder auf verschiedene Plotstränge dezentralisiert. Neuzugang Yvonne Strahovski funktioniert in diesem Zusammenhang ganz gut, ein Subplot um Joey Quinn hingegen verläuft komplett im Sande.
„Dexter“ kämpft um einen würdigen Abschluss und zieht die Sache damit schon jetzt unschön in die Länge, ist dabei aber noch um Längen unterhaltsamer als ähnliche Formate und vor allem immer wieder für eine Überraschung gut.
American Horror Story – Coven

Von der absurd zusammengewürfelten Horror-SciFi-Mixtur, die Staffel 2 bot und bei der man das Gefühl hatte, sie hätte vier großartige separate Staffeln ergeben, hätte man nicht alles übereilt in 13 Folgen gepackt, nimmt die dritte Runde “American Horror Story” Abstand und schweift zumindest thematisch weniger ab. „Coven“ knüpft zwar Verwandtschaften zwischen klassischen Horrorthemen und deckt etwa Übereinstimmungen zwischen Hexen-, Zombie-, Voodoo-, Vampir- und Okkulthorror auf, zieht auch Linien zwischen Klassik, Moderne und Postmoderne, verlässt aber erfreulicherweise seltener den Pfad des plausiblen Zusammenhangs. Es gibt tatsächlich mal wieder so etwas wie einen Anfang und ein Ende. Selbst wenn der rote Faden in der Mitte etwas zerfasert, denn die größtenteils wieder recycelten Darsteller kochen aller mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen und bedienen eigene Schlüsselthemen; ob Femme Fatale (Jessica Lange), Harry-Pottresse (Taissa Farmiga / Gabourey Sidibe / Emma Roberts), Frankensteinmonster (Evan Peters) oder Voodoo-Priesterin (Angela Bassett), die Serie spielt wieder ihren unbedarften Charme aus, alles in einen Topf zu werfen, bekommt die Mischung aber immerhin gut genug hin, dass der Rahmen einigermaßen intakt bleibt und erst im Nachhinein deutlich wird, wie viele Kuchen hier tatsächlich angeschnitten werden. So etwas wie echte Spannung oder intensiven Grusel erzeugt man damit natürlich nicht, dazu ist „American Horror Story“ schlichtweg zu ruhelos und ungeduldig. Und doch freut man sich darauf, in „Freak Show“ weitere Horrormotive um die Ohren gehauen zu bekommen.
House of Cards – Season 2

Nein, Frank Underwood hat den Zuschauer nicht vergessen. Nach einer Weile, in der man sich vom schnellen, düsteren Storytelling der ersten Episode hat einlullen lassen, richtet er seinen Blick wieder direkt in die Kamera und gedenkt im Folgenden, dies wieder öfter zu tun. Er stellt sich dabei weiterhin nicht als Freund oder Geistesverwandten des Publikums dar, sondern ist sich seiner Rolle als Anschauungsobjekt für die bösartige Natur des Menschen durchaus bewusst.
Derweil der Plot sich um noch mehr Bitterkeit bemüht und mit einem unerwarteten Schockmoment gleich am Anfang nicht die schlechtesten Karten dafür hat, legt Kevin Spacey wieder genug Nuancen in seine Mimik, dass man sich unwohl fühlt, ihm dabei zuzuschauen, wie er sich über Seinesgleichen einerseits zynisch aus einer Metaposition heraus auslässt, andererseits sein eigenes Wesen voll auslebt. Vielleicht ist die zweite Staffel mehr noch als die erste durchsetzt mit komischen Momenten, mit Situationen, in denen die Wahrheit sich wenigstens innerhalb eines Büroraums als platzendes Ventil kurz offenbart. Sympathie sucht man dennoch weit und breit vergebens, was die Identifikation erschwert. Einem parasitären Schwulst dabei zuzusehen, wie er sich mit hinterlistiger Intelligenz ohne Unterlass gegenseitig zu zerfleischen versucht, birgt Spannung, kaum aber Nährboden für Empathie; BBQ-Besitzer Freddy Hayes (Reg E. Cathey), dem abschnittweise ungewohnt große Bedeutung zukommt, bildet hier eine Ausnahme.
Nicht geändert hat sich die Dramaturgie; Underwood wird regelmäßig vor Probleme gestellt, die er aber im Endeffekt immer zu lösen weiß, so dass er seinen Weg im Weißen Haus zu machen weiß, was die Verzweiflung der Zuschauerschaft möglicherweise nochmals erhöht. Weiterhin eine packend geschriebene Serie, deren Pessimismus in einigen Momenten möglicherweise überbordet und ins Karikaturistische fließt. Sie funktioniert nur für ein Publikum, das sich dem Bösen nähern und es studieren möchte, um es zu verstehen; nicht für ein solches, das auf der Suche nach Freunden ist.
Falling Skies – Season 2

Funktionierte die erste Staffel noch vor allem über die einführende Präsentation des Konzepts als solches, geht es in der zweiten nun ans Eingemachte: Kann die SciFi-Widerstandsgeschichte auch in einem fortlaufenden Handlungsbogen, sprich im Serienalltag Akzente setzen?
Sie hat es verflucht schwer. Es reicht nicht, sich an Formate wie „Walking Dead“ zu lehnen, indem man durch Einöden tuckernde Wohnmobile zeigt und kleine Gesellschaftsordnungen, die sich in veränderter Umgebung ihr eigenes Zuhause geschaffen haben, insbesondere wenn sie soziologisch so schwach durchleuchtet werden wie hier. Erstaunlich zäh ziehen sich die immerhin nur 10 Episoden, zeigen hier und da mal platzende Alien-Köpfe (und nur solche) oder Rangeleien auf Menschenseite, derweil im übergeordneten Handlungsbogen kaum Bewegung herrscht.
Noch dazu wird jede Gelegenheit genutzt, Pathos und Patriotismus zu einer hochbrisanten Mischung zu formen, was sich vor allem auf Will Pattons Charakter niederlegt, der nicht nur eine peinliche Rede hinter sich bringen muss.
Das funktioniert alles sehr einfach, weil die Aliens, wenn auch für eine anspruchslose Unterhaltungsserie gerade noch akzeptabel animiert, kaum Empathie erzeugen; abgesehen von einem Exemplar, das im Gesicht entstellt ist, bemüht man sich hier auch um keinerlei Details.
Enttäuschend dann auch der abrupte Final Twist zum Ende, den man ebenso mitten in eine Season hinein hätte platzieren können, was den Verdacht nahe legt, kaum mehr als eine Halbstaffel einer typischen 22-Episoden-Season zu sehen; dramaturgisch jedenfalls werden keine Argumente für die kurze Gesamtlaufzeit geliefert. Macht nicht Appetit auf mehr.
30 Rock – Season 6

Ungebrochen die Comedy-Serie, der es wie am ersten Tag gelingt, aus dem Nichts die komischsten Situationen zu generieren. Ob sich Tracy nun als Ghetto-Balzruf auf den Schmerbauch klatscht oder Liz einen Rap mit Botschaft an den Tag legt und sich dabei mal wieder bis auf die Knochen blamiert, ob Jenna Kinderteilnehmer einer Castingshow gnadenlos zusammenscheißt und selbst bei jeder Gelegenheit eine penetrante Gesangseinlage unterbringt, ob Kenneth seinen Pagen-Idealismus unters Volk bringt oder Cherie sich nach schwer erreichbaren Gegenständen bückt, selbst nach sechs Staffeln bleibt „30 Rock“ eine ganz eigene Nummer. Sie muss nicht einmal ihre unzähligen Running Gags aufgeben; wenn diese begnadete Truppe von Comedians hochpräzise ihre Gesichter verzieht, kann man sich das immer und immer wieder ansehen. Bleibt Staffel 7 auch noch auf diesem Niveau, trat die Serie genauso ab wie sie damals in den Ring stieg: als Champion.
Weitere Sichtungen:
Death Race 2
Fast and the Furious 7
Northmen – A Viking’s Saga
Auge um Auge
Avengers – Age Of Ultron[/b]