
Hollow Man II
BD / Regie:
Direkt für den Heimkinomarkt produziert, versucht sich die theoretische Fortsetzung zum lüsternen Film von Paul Verhoeven schon gar nicht an kritischen Botschaften. Hier geht es nur darum, dass ein unsichtbarer Killer zur Strecke gebracht werden muss. Die stupide Geschichte wird von mittelmässigen Schauspieler*innen getragen und vermag es zu keiner Sekunde, Spannung aufzubauen. Ein unsichtbarer Feind war nie so langweilig wie hier.

Animal Factory
BD / Regie: Steve Buscemi
Dramatische Filme über Gefängnisinsassen verfügen über eine eigene Dynamik, Buscemis zweite Regiearbeit gibt sich in dieser Hinsicht erstaunlich zurückhaltend und ruhig. Mit starker Besetzung und authentischen Aufnahmen überzeugt das Gesehene, könnte aber etwas mehr Tragweite verkraften. Interessant hingegen die sanften Aspekte möglicher Beziehungen und Liebesbekenntnisse zwischen den Mannen.

Irreversible
BD / Regie: Gaspar Noé
In keiner Weise befürworte oder unterstütze ich Gewalt und sexuelle Unterdrückung gegenüber Frauen. Als weisser Cis-Mann hadere ich oft mit meiner persönlichen Wahrnehmung vieler Probleme dieser Welt, möchte ich mich aber von solchen Taten klar distanzieren. Womit wir beim springenden Punkt von Noés zweitem Spielfilm «Irreversible» wären: Mit der minutenlangen und gnadenlosen Darstellung einer Vergewaltigung suggeriert der Film nicht eine glorifizierte und fantasiegefüllte Projektion solcher Taten, sondern konstruiert einen Spiegel für die Zuschauer*innen.
Mit Anbindung an das Exploitation-Genre erweckt «Irreversible» die stete Frage: Wieso geniesst und sucht man gewisse Darstellungen oder Standards in Filmen? Wieso fühle ich mich durch die Werke von Herschell Gordon Lewis oder Genreklassiker wie «The Last House On The Left» unterhalten? Durch die umgekehrt chronologische Erzählweise und der direkten Konfrontation mit realistisch dargestellter Gewalt (welche zu keiner Sekunde sexuelle Lust generiert oder eventuelle Vorstellungen nährt) unterwandert Noé die typischen Vertreter solcher Stilrichtungen. Das Prinzip des Rape-And-Revenge wird dekonstruiert, die eigentlichen Mechanismen und Befriedigungen zerschmettert.
Ohne den typischen und gewohnten Ablauf wird aus dem Schrecken eine alles zerstörende Geburt durch den Untergang, die nicht nur die Theorie der Entropie über das gesamte Leben stülpt, sondern Fragen zu Vorbestimmung und Fragilität der scheinbaren Sicherheit in unseren Leben aufwirft. Ob absichtlich oder zufällig (der Film wurde stark improvisiert und mit sehr kurzem Drehbuch in eigentlich chronologischer Reihenfolge gedreht), je weiter man vordringt, desto bitterer werden die fröhlichen und ausgelassenen Momente der Geschichte und jede neue Szene verändert das Bisherige. Aus der eventuellen Vorahnung und möglichen Gier wird eine depressive Gewissheit. Das Fortschreiten der Zeit wird zu einem nihilistischen Prozess, die Entscheidungsfreiheit einzelner Menschen ohne Genuss zerdrückt. Schicksal und Freiheit treten ihren ungleichen Kampf an.
«Irreversible” ist durch die Verbindung all dieser Gedanken und Bildern ein extrem aufrüttelnder Film, dessen gezeigte Gewalt in keinem Verhältnis zu jeglicher Rechtfertigung steht. Noés Arbeit deswegen allerdings als verherrlichend oder krank abzutun, würde den zugleich entstandenen Aussagen und Wirkungen aber Unrecht tun. Ob der Film sich mit dem ebenfalls auf BluRay veröffentlichten «Straight Cut» nicht all diesen Tiefen und Untersuchungen beraubt, wird sich zeigen.
Le temps detruit tout.
Addendum: Die technischen Aspekte des Filmes sind meisterhaft, von Kamera, Schnitt, Ausleuchtung über Musik und Sounddesign beweist Noé sein grosses Talent als Fillmemacher und führt viele Elemente ein, die seine kommenden Produktionen sogar noch weitertreiben werden.












































































