Widows - Tödliche Witwen

Filme abseits des Actiongenres mit Actionhelden (irgendwie so in der Art).
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McClane
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Widows - Tödliche Witwen

Beitrag von McClane » 17.11.2018, 10:05

Widows - Tödliche Witwen

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Originaltitel: Widows
Herstellungsland: USA/Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2018
Regie: Steve McQueen
Darsteller: Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki, Cynthia Erivo, Colin Farrell, Brian Tyree Henry, Daniel Kaluuya, Carrie Coon, Jacki Weaver, Liam Neeson, Garret Dillahunt, Robert Duvall, Jon Bernthal, Lukas Haas, Garret Dillahunt u.a.

Steve McQueens vierter Spielfilm „Widows“ ist eine Mischung aus Drama, Thriller und Heist Movie, in der drei Witwen (Viola Davis, Michelle Rodriguez, Eliabeth Debicki) einen Raub planen, nachdem ihre kriminellen Männer im Kugelhagel der Polizei sterben und ein Gangster Schulden von ihnen eintreiben will. McQueen schrieb das Drehbuch zusammen mit „Gone Girl“-Autorin Gillian Flynn.

:liquid7:,5

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Re: Widows - Tödliche Witwen

Beitrag von Vince » 29.09.2019, 12:20

Frauen, die das Heft in die eigene Hand nehmen, haben in den letzten Jahren nicht unerheblich den Zeitgeist gefärbt. "Widows" reflektiert diesen Zeitgeist sicherlich effektiver als alberne Fantasy-Komödien wie "Ghostbusters", auf deren Holzhammer-Feminismus die weibliche Stimme im Film bis dato vorwiegend beschränkt blieb. Indem Steve McQueen ein gesellschaftspolitisches Gesamtraster erstellt, will er aufzeigen, dass die Ausbeutung des jeweils schwächeren Gliedes in der Kette längst durch alle Schichten gesickert ist. Er portraitiert sie parallel im Kontext der Politik, des Business und des Einfamilienhauses, er zieht Querbezüge zwischen den Ebenen und erschafft auf diese Weise ein ambitioniertes Modell selbstzerstörerischer urbaner Existenz.

Zeitgleich kommt man aber nicht umhin zu bemerken, dass auch auf der Agenda gestanden haben muss, die Mechanismen des Heistfilms und Thrillers komplett auszureizen. Die Kamera filmt spektakulär aus Fluchtwagen, falsche Fährten werden gelegt, Arschlöcher lassen stets kamerareif ihren miesen Charakter heraushängen, Drohgebärden in Wolf-gegen-Reh-Situationen sind für den Spannungsaufbau zuständig und der Gangsterboss von Welt profiliert sich nach wie vor mit psychotischen Ausbrüchen, um eine Wolke der Angst um sich herum zu erzeugen. Zumindest im Film hat sich diesbezüglich nichts geändert; neu ist allenfalls, dass die Realität inzwischen gleichgezogen ist.

Was McQueen nicht gelingt, ist eine Synthese der Genre-Elemente und der Inhalte. Als Thriller ist "Widows" sagenhaft zäh, worunter wiederum auch die Charaktermomente leiden. Viola Davis, Elizabeth Debicki, Cynthia Erivo und Michelle Rodriguez wirken stark und setzen das Anliegen ihrer Figuren überzeugend um... und doch bleibt man seltsam distanziert von ihren tollkühnen Plänen, den unvollendeten Job ihrer Männer zu Ende zu führen.

Es ist am Ende eher die Grundidee, in der sich die große Tragweite des Stoffes zeigt, weniger die Umsetzung. McQueen liefert ein wenig von allem in der Überzeugung, aus den Einzelteilen etwas Größeres als die Summe der Teile generieren zu können; ein schwieriges, aber machbares Ziel, wie die Filmgeschichte zu mehreren Gelegenheiten unter Beweis gestellt hat. Wenn aber wie in diesem Fall die Interaktion zwischen zwei Ebenen, hier der Form und des Inhalts, nicht hundertprozentig glückt, bleibt nur wenig mehr zurück als der gute Wille.
:liquid5:

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Re: Widows - Tödliche Witwen

Beitrag von freeman » 17.02.2022, 19:36

Gut geschriebener und nett konstruierter Thriller, der dank starker Besetzung bis in kleinste Nebenrollen, versierter Regie und feiner Spannungskurve topp unterhält. Einzig das überflüssige und ziellose Gewese um Korruption in hohen politischen Ämtern hätte sich Steve McQueen schenken sollen. Das schwächt seinen Thriller und streckt ihn ein wenig zu sehr.
:liquid7:

In diesem Sinne:
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Re: Widows - Tödliche Witwen

Beitrag von deBohli » 18.02.2022, 08:47

Dann pflanze ich meine Meinung auch noch rein:

Bei Steve McQueen hätte ich weniger Thrillerelemente und mehr stechende Gesellschaftskritik erwartet (muss hier Gillian Flynn oder der Vorlage die Schuld zugeschoben werden?), trotzdem ist der Film sehr gelungen. Bis in die letzte Rolle perfekt besetzt, mit grossartigen Aufnahmen und Kameraplatzierungen gesegnet und abseits der konventionellen Genrestandards packend erzählt. Die Verdichtung von TV-Serie zu Kinofilm ist geglückt.
:liquid8:
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