Bandidas

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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freeman
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Bandidas

Beitrag von freeman » 02.09.2006, 17:29

Bandidas

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Originaltitel: Bandidas
Herstellungsland: Frankreich, USA, Mexiko
Produktionsjahr: 2006
Regie: Joachim Roenning, Espen Sandberg
Drehbuch und Produktion: Luc Besson
Darsteller: Penélope Cruz, Salma Hayek, Steve Zahn, Dwight Yoakam, Sam Shepard u.a.

Lebendig gewordene feuchte Träume ... Für viele ist das nicht viel mehr als ein klebriger Fleck in der Schlafanzughose oder ein unschuldig wirkender, weißer Fleck auf dem schwarzen Laken. Für manch andere kann ein solcher feuchter Traum aber auch ganz andere Formen annehmen. Sei es der in Latex gegossene Körper von Kate Beckinsale in Underworld. Die Bikinimodenschau der Jessica Alba in Into the Blue oder die sinnlosen, aber - tschuldigung - geilen Bikiniauftritt von Jessica Biel in Stealth oder Summer Catch. Von dem demnächst erfolgenden Scarlett Johansson Badeanzugauftritt in Woody Allens Scoop ganz zu schweigen. Derartig real gewordene feuchte Träume lasse ich mir gerne gefallen, vor allem muss man(n) dann am nächsten Morgen auch nicht soviel erklären ... Ausser man hat von den Jessicas oder der Scarlett geträumt ... aber das gehört hier nicht her.

In diese Riege "interessanter" Leinwandträume reiht sich nun die neueste Luc Besson Produktion Bandidas ein. Ein Hohelied auf die Schönheit der Latinasexbomben Salma Hayek und Penelope Cruz, die dem Wilden Westen ein gehöriges Face Lifting verpassen und deren schärfste Waffen hundertprozentig nicht in ihrem Halfter stecken. Dementsprechend lancierte Mister Besson auch eine Story, die gar nicht erst vorgibt, zu etwas anderem zu dienen, als die wundervollen Vorzüge seiner beiden Hauptdarstellerinnen in malerische Kulissen zu gießen.

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So entstand eine Mär um böse Amerikaner, die unter Führung ihres megaschleimigen (und megamies und unpassend synchronisierten) Anführers Jackson das Land rechtschaffener mexikanischer Bauern an sich reißen, um darauf eine Eisenbahnlinie zu errichten, die letztendlich zu nichts anderem dienen soll, als die Reichtümer des Landes aus selbigen zu stehlen. Dabei macht Jackson allerdings zwei wesentliche Fehler: Zum einen tötet er Saras Vater und zum anderen reißt er das Land von Marias Vater an sich. Zu seinem Leidwesen erweisen sich beide Frauen als ziemlich wehrhafte Chicas, die fortan eine Bank nach der anderen überfallen, in der Jacksons Vermögenswerte lagern. Auch ein eilig von Jackson herbeigerufener CSI Beamter des Wilden Westens streckt recht schnell seine Waffen vor der holden Weiblichkeit und entpuppt sich als hilfreicher Wegefährte von Sara und Maria. Zum Glück, denn die beiden Schönheiten drohen Jackson allmählich ins offene Messer zu laufen ...

Langer Rede kurzer Sinn. Viel an Story gibt es hier nicht. Bandidas funktioniert wie ein Buddy Movie und bezieht seinen Reiz vor allem aus den Momenten, in denen sich die bezaubernden Hauptdarstellerinnen anzicken und versuchen müssen, sich zusammenzuraufen. Das ist so herzerfrischend leichtfüßig und luftig locker leicht inszeniert, dass man gar nicht anders kann, als sich dem Sexappeal der beiden Heldinnen kampflos zu ergeben. Vor dieser geballten Charisma - Attacke strecken dann auch die anderen Darsteller bald die Waffen und verkommen zu bloßen Randnotizen. Darunter ein Edelmime wie Sam Shepard, der in seinem schönen Kurzauftritt wie ein ironisches Abziehbild des knurrigen Clint Eastwood aus Erbarmungslos wirkt, aber Bandidas leider viel zu kurz beehrt. Steve Zahn wirkt nicht hundertprozentig anwesend. Seine Solo - Auftritte sind seltsam fahrig und unmotiviert, was ich so von ihm noch nicht erlebt habe. Erst wenn er mit Cruz und Hayek aufspielen darf, läuft er zu alter Form auf und sorgt für einige gelungene Schmunzler. Dwight Yoakam als Jackson ist ein mittleres Ärgernis. Er sieht schrecklich aus, hat eine megamiese Synchro bekommen und ist als Bäddie ungefähr so abschreckend, wie die Aussicht, Salma Hayeks enge Coursage könnte unvermittelt aufplatzen. Hier wird viel Potential verschenkt. Vor allem hätte man bei der Besetzung der Bösewichtrolle ruhig auch auf einen echten Womanizer setzen können, der vielleicht noch etwas mehr Feuer in das Beziehungsgeflecht des Filmes hätte bringen können.

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Aber nunja, so kann man sich voll und ganz auf die beiden Hauptdarstellerinnen konzentrieren. Frau Hayek sieht zunächst einmal hinreißend aus in ihren Cowboyklamotten und dem zugehörigen gigantischen Dekollete. Auch hat sie einige wirklich herrliche Momente spendiert bekommen. So sind ihre Schluckaufeinlagen bei Ansicht eines Revolvers einfach zu niedlich. Leider hat man mit ihrer Figur aber auch einen kleinen Fehler gemacht. Sara schwingt gerne pathetische Reden über die Freiheit ihres Landes und den Freiheitskampf an sich. Diese Einlagen - dann meist passend bebildert - verursachen dramaturgische Schlenker, die von dem locker flockigen Ansatz des Filmes wegführen, was Bandidas nicht gut zu Gesicht steht und dafür sorgt, dass man den Eindruck hat, der Film nehme sich ab und an selbst ein wenig zu ernst. Auch Frau Hayek wirkt in diesen Szenen viel zu verbissen und bringt damit den Film ab und zu ordentlich aus dem Tritt. Zum Glück wird sie durch Penelope Cruz immer wieder geerdet. Cruz' Maria ist einfach Gold wert. Ein Bauertrampel ohne Manieren und ungeküsst (was eine der köstlichsten Szenen zur Folge haben wird), wild, unbeherrscht und megasexy. Ein echter Wildfang und Frau Cruz spielt mit einer Nonchalance und einer Spielfreude auf, dass ihr sofort mühelos alle Sympathien zufliegen. Ihre Figur verliert auch nie den Kurs und behält ihre Wildheit immer bei. Den Catfight gewinnt damit Frau Cruz absolut mühelos und man kann ihr nur wünschen, dass es nach Volver und nun eben Bandidas mit der Auswahl der Rollen so weitergeht.

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In den Actionszenen fernab von Frauenwrestling, Haare kämmen und Männer becircen geht es auch ordentlich zur Sache. Der Zuschauer bekommt druckvolle Explosionen ebenso geboten, wie eine hervorragend getrickste Bullet - Time Actionszene in einem Zug. Ansonsten wird viel geritten, geballert und in Banken eingebrochen - alles hochgradig jugendfrei ... versteht sich ja fast von selbst. Wirklich zur Ruhe kommt man hier also selten und selbst wenn, ist da ja sicher gerade Frau Cruz auf der Leinwand zu sehen. Die Westernelemente funktionieren auch hervorragend, auch wenn im Grunde nur alle Klischees abgeklappert werden (staubige Straßen, Saloons, reißende Flüsse, knurrige Cowboys ...), die Ausstattung ist stimmig und auch die ein oder andere schöne Landschaftsaufnahme hat sich in den Film verirrt. Dabei wirkt der Film vom Flair her - trotz europäischer Produktion - eher wie ein amerikanischer Western, was ja nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Kameratechnisch bekommt man hier eine dieser typisch französischen Hochglanzproduktionen geboten, wie sie seit Transporter und Co mittlerweile zum Usus von Bessonproduktionen geworden zu sein scheinen. Technische Schwächen erlaubt sich der Film eigentlich nur im Bereich der Musik. Ausgerechnet Bessons Stammkomponist Eric Serra findet keine Linie für den Film und mixt Westernthemen mit den - seit Leon hinlänglich bekannten - Synthiethemen, die ihn einst groß gemacht haben. Verschenkt.

So präsentiert sich Bandidas als Popcornkino ohne Fehl und Tadel und einer absolut anbetungswürdigen Penelope Cruz. Etwas Feintuning in der Story, weniger überzogener Pathos und viel mehr Zickenkrieg der beiden formidablen Hauptfiguren und hier wäre noch viel mehr drin gewesen. So bleibt ein wirklich feines Chicflic für den ein oder anderen verregneten Nachmittag.
:liquid8:

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 02.09.2006, 17:40

Jeses freeman, brandaktuell :) Schmuckes Review, den Film werde ich mir aber erst auf DVD geben, ein Kinobesuch reizt mich da nicht.... da müssens schon mehr und nackertere Weiber sein.... Dead or Alive ich komme ;)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
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Beitrag von freeman » 02.09.2006, 17:45

Jo, leider sinds in Dead or Alive ja auch immer züchtig verhüllt *schnüff* ... aber so Dekolletes aus der Zeit des Wilden Westens mit DER Füllung haben schon was ;-).

In diesem Sinne:
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Beitrag von kaiserfranz » 02.09.2006, 23:08

Wie gewohnt ne äußerst feine Review! :D Ich muss immer wieder sagen, dass mir die Art, wie du Reviews verfasst, sehr gut gefällt, weil du eben punktgenau das rüberbringst, was du über den Film denkst. Klasse! Das Gespann allein rechtfertigt bestimmt den Eintrittpreis. :wink:

Gruss
kaiserfranz
Oma, bist du noch rüstig?

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Beitrag von freeman » 03.09.2006, 00:09

kaiserfranz hat geschrieben:Das Gespann allein rechtfertigt bestimmt den Eintrittpreis.
Das ist im Grunde die Essenz des Reviews ... Hallabaluza ... was für Ausschnitte ;-)

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Beitrag von Cinefreak » 07.10.2013, 16:49

etwas wenig Action, aber sehr nette Unterhaltung, schönes Review übrigens, freeman :wink:

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