Filmtagebuch: Wallnuss

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Beitrag von Wallnuss » 31.03.2013, 16:42

Also, es ist doch bekannt, dass Schweiger mit "Schutzengel" den Versuch gewagt hat, an Hollywood Actionthriller anzuknüpfen und in Deutschland dieses Genre wieder stärker zu fördern. Und dann darf man dich wohl auch ein wenig mehr erwarten, oder nicht? :wink:

Das mit den Star Trek - Star Wars ist ein Graus, ich mag beide Filmreihen, aber die Hardcore-Fans gönnen sich da nichts :lol:

Was haben die Schweiger-Filme denn da noch, jenseits des Thrillerversuches? Du deutest da ja was an, aber in deinen Kritiken lese ich nichts heraus...
Und weißt du zufällig, wie diese eine Schweiger-Komödie mit Jürgen Vogel heißt? Die fand ich irrsinig komisch! :)

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Beitrag von Cinefreak » 31.03.2013, 22:41

Also, ich fand die emotionalen Szenen recht gut. Du wirst sie aufgesetzt finden, aber mich berührten sie recht gut ;) :lol:

Ich vermute mal du meinst "Wo ist Fred?" ...ich hab den hier noch liegen, aber mich noch nicth rangetraut, ehrlich gesagt

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Beitrag von SFI » 01.04.2013, 07:48

Das mit den Star Trek - Star Wars ist ein Graus, ich mag beide Filmreihen, aber die Hardcore-Fans gönnen sich da nichts
Das liegt aber daran, dass SW ein Märchen für Zwölfjährige ist und ST der Wegbereiter für zukünftige echte Raumfahrer! :lol: Das ist von Natur aus wie Hund und Katz!
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Beitrag von Wallnuss » 02.04.2013, 17:31

Cinefreak hat geschrieben:Also, ich fand die emotionalen Szenen recht gut. Du wirst sie aufgesetzt finden, aber mich berührten sie recht gut ;) :lol:
Immer diese Vorurteile... wie gesagt, der Schweiger hat die eigentlich gut rüber gebracht, aber seine Tochter war ein Totalausfall. Inszenatorisch waren die aber sicher nicht schlecht und hätten mit einer anderen Darstellerin (und einer größeren Fokussierung auf das Thema) bestimmt gut funktioniert.
Cinefreak hat geschrieben:Ich vermute mal du meinst "Wo ist Fred?" ...ich hab den hier noch liegen, aber mich noch nicth rangetraut, ehrlich gesagt
Ja, genau! :)
So hieß der, den muss ich unbedingt nochmal sehen, hab sehr gelacht, und das, obwohl ich eigentlich nicht so der Komödien-Gucker bin (erklärt vielleicht, warum ich mit folgendem Film nicht so ganz warm wurde...)


Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich

War der erste Teil eine unterirdische Ansammlung dümmlicher Faux-Pas, so macht das Sequel mehr Spaß, was aber weniger am nach wie vor einfältigen Script oder den peinlichen Gags liegt, sondern an der Spielfreude, die die Darsteller mitbringen. DeNiro bleibt der coolste im Cast, die Chemie zwischen ihm und Stiller funktioniert dieses Mal sehr schön, Teri Polo und Owen Wilson sind nicht wirklich gut, stören aber auch nie, und Dustin Hoffman und Barbra Streisand sind perfekt besetzt und sorgen für die richtigen Lacher in den richtigen Momenten. Dennoch hat man am Ende das Gefühl, dass alles was man gerade gesehen hat total belanglos und wirkungslos war, die anfängliche Ausgangssituation ist zum Ende hin wieder hergestellt und alle haben sich lieb. Kann man machen, in diesem Falle kommt es aber einfach nur lieb- und planlos rüber, was den relativ "okayen" Gesamteindruck ein Stück weit zu Nichte macht.

:liquid5:

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Beitrag von Wallnuss » 03.04.2013, 00:14

Meine Frau, unsere Kinder und ich

Und zum dritten Mal die selbe Geschichte kaum anders verpackt erzählt. Trotzdem kann der finale Teil der Reihe - anders seine Vorgänger - überzeugen, bietet nette Unterhaltung und einige ungewohnt bissige Dialoge. Die Beziehung zwischen DeNiro und Stiller geht hier endlich auf und vernichtet die zwischendurch immer mal wieder kurz aufkommende Langeweile bis zum Ende hin gänzlich. Die Gags sind diesmal viel spritziger und besser getimet, was ihn im direkten Vergleich zu Teil 1 und 2 wie eine wahre Offenbarung wirken lässt. Owen Wilson und Teri Polo sind auch endlich in ihren Rollen angekommen, während Hoffman und Streisand leider nicht den von ihnen im vorherigen Streifen verursachten Spaß wiederholen können. Natürlich bleibt alles immer noch sehr zahm und harmlos, aber eben interessanter und witziger verpackt.
Fazit: Versöhnlicher Abschluss der Focker-Trilogie, der zwar nie richtig zu begeistern weiß, für einen gemütlichen Filmabend aber gut geeignet ist. Am Ende bleibt der Eindruck, dass durchaus Potenzial in dieser Reihe vorhanden war und man einiges daraus hätte machen können, aber leider weder die Beteiligten vor noch hinter der Kamera mehr als eine Auftragsarbeit in den Filmen gesehen haben. Schade drum!

:liquid6:

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Beitrag von Wallnuss » 03.04.2013, 21:50

Ein riskanter Plan

Belanglos! Vorhersehbar und total belanglos. Mehr fällt einem nach der Sichtung des Filmes eigentlich auch gar nicht ein. Die Story ist schwach und spätestens nach einer halben Stunde sind alle halbwegs spannenden in ihr steckenden Aspekte verschenkt oder abgenagt worden, danach zieht es sich wie Kaugummi, alles wirkt konstruiert oder unfreiwillig komisch, aufgrund der grotesken Situationen. Der nebenher dudelnde Soundtrack nervt irgendwann nur noch und bis auf Ed Harris sind die darstellerischen Leistungen ein einziges Debakel, hier überzeugt keiner auch nur ansatzweise, geschweige denn glänzt. Die Regie kann zum Ende hin ein paar nette Einstellungen verbuchen und auch der Schnitt wirkt ungewohnt dynamisch in vielen eigentlich uninteressanten Szenen, aber das alles lenkt einen nicht davon ab, sich ob der gebotenen Langeweile gedanklich schon mit etwas ganz anderem zu beschäftigen.

:liquid3:

Die letzte Verführung

Wusste vorher nichts über den Film, und war glücklich mal wieder einen richtig schönen Film Noir präsentiert zu bekommen. Die Handlung und die Darsteller sind durch die Bank überzeugend und glaubhaft in jeder Situation, selbst erotische Szenen wirken mal nicht gewollt und erzwungen, sondern gliedern sich schön in den Ablauf ein, Suspense ist reichlich vorhanden und einiges erinnert schon mal an Altmeister Alfred Hitchcock. Gut, der Humor im Film ist etwas seltsam und sicherlich Geschmackssache, mir war es dann oft etwas zu viel des Guten, aber es stört nicht allzu sehr und fällt daher nicht richtig negativ auf. Leider fällt dem Film zum Ende hin (obwohl das alles logisch und klug gedacht ist) etwas ab, dem Autoren fiel dann offensichtlich nicht ein, wie er alles würdig zu einem Abschluss bringen soll (ein Grundproblem im Genre), sodass man am Ende mit etwas gemischten Gefühlen den Abspann mit der herrlichen Musik genießt.
Fazit: Intelligenter und mutiger Thriller, der (fast) die gesamte Laufzeit hinüber Spaß macht und bei dem mit einem etwas intelligenterem und wohlüberlegterem Schluss à la "Das Schweigen der Lämmer" durchaus eine höhere Endnote hätte fallen können.

:liquid8:

Der Tiger hetzt die Meute

Was war bitte das? Dieser 70er Jahre Action-Krimi entpuppt sich als lautes und buntes Spektakel, in dem es nicht nur ordentlich rummst und knallt, sondern auch ruhige Momente gut getimet, interessant geschrieben, schön inszeniert und/oder witzig sind. Natürlich wirkt heute vieles veraltet oder angestaubt, aber wenn man sich darauf einlässt (und die ein oder andere offensichtliche Dummheit im Script übersieht) bekommt man eine sehr unterhaltsame - und ich glaube nicht allzu bekannte - Perle mit Burt Reynolds geboten, der eh immer einen guten Riecher für coole Projekte hatte.

:liquid7:

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Beitrag von Cinefreak » 03.04.2013, 22:01

Ein riskanter Plan belanglos??? Handgemachte Action, coole Stunts, und so schlecht fand ich die Story jetzt auch nicht...versteh ich nicht ;)

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Beitrag von Wallnuss » 03.04.2013, 22:08

Cinefreak hat geschrieben:Ein riskanter Plan belanglos??? Handgemachte Action, coole Stunts, und so schlecht fand ich die Story jetzt auch nicht...versteh ich nicht ;)
Du tust ja so, als wenn handgemachte Action automatisch auf einen guten Film hinweist :wink:
Ich fand ihn da viel zu langatmig und für einen Thriller sind mir da einfach zu viele offensichtlich unwahrscheinliche oder eben vorhersehbare Situationen dabei, die man sich einfach nicht erlauben darf, wenn man nicht möchte, dass der Zuschauer das Interesse am Geschehen verliert, und die grottige Leistung des Darsteller-Ensembles trägt dann natürlich auch noch dazu bei, da fand ich zum Bleistift "Die letzte Verführung" viel greifbarer, was würdest du dem riskanten Plan denn (bewertungstechnisch) geben?

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Beitrag von Cinefreak » 04.04.2013, 11:02

ich lag da bei ca. :liquid7: bis :liquid8:, glaube ich. Wie gesagt, aufgrund der CGI-Überflutung in den letzten Jahren bekommen handgemachte Filme bei mir sehtechnisch einfach einen kleinen Vorschussbonus, weil handmade-Action einfach meistens mehr rockt, und ich fand ihn zudem spannend und packend. Und Logik in Filmen? Ich bitte dich...selbst bei Bullit fällt schon auf, dass am hellichten Tage die Straßen fast leer sind bei der Autojagd. Ich habe bei EIn Riskanter Plan eigentlich nichts erwartet, bekam eine solide handgemachte Autojagdverfolgung ;), ein paar ordentliche Höhenstunts und eine für mich - trotz Ungereimtheiten interessante Story, die Charaktere waren ebenfalls nicht so nichtssagend wie anderswo.

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Beitrag von Wallnuss » 04.04.2013, 16:28

Cinefreak hat geschrieben:Und Logik in Filmen? Ich bitte dich...selbst bei Bullit fällt schon auf, dass am hellichten Tage die Straßen fast leer sind bei der Autojagd.
Jetzt bist du aber bei zwei ganz verschiedenen Dingen, in einem Thriller der Ernst genommen werden will muss die Story eben spannend sein (ist sie nicht, wenn vorhersehbar) und sollte nicht auffallend konstruiert daher kommen (ist sie, wenn zu OFFENSICHTLICH unwahrscheinlich)
"Bullit" hingegen ist ein fantastischer Film, und die Autojagd brillant gemacht, mir ist da nie wirklich irgendwas aufgefallen. Natürlich, wenn man hinterher nachdenkt bemerkt man schon, dass die Straße zu leer war, aber während des Sehens stört es nicht, im Gegensatz zu "Ein riskanter Plan".

Mord im weißen Haus

Hab den schon seit ewigen Zeiten mal sehen wollen, bin aber leider nie ernsthaft dazu gekommen, heute war es dann soweit! Und was soll ich sagen? "Mord im weißen Haus" ist ein durchaus spannender Thriller mit mehreren netten Storywendungen und einem erschreckend guten Wesley Snipes! Natürlich, die Auflösung des Ganzen und die Idee hinter der Verschwörung ist beiweiten nicht neu, aber interessant genug verpackt worden um ein weiteres Mal zu fesseln und zu überzeugen. Leider weiß der Regisseur irgendwie nie so ganz, welches Genre er denn nun grade bedient. Ist der Film anfangs noch ein cleveres Krimi-Drama entwickelt er sich dann im Mittelteil immer mehr zum spannenden Thriller. Das wäre an sich noch kein Problem, doch desto näher man der finalen Auflösung kommt, desto mehr gewinnt die Dominanz der Actionszenen, sodass es am Ende dann tatsächlich noch das ein oder andere Mal ordentlich zur Sache geht. Im Prinzip alles kein Ding, mir war es dann aber doch zu unentschlossen und im Nachhinein war der Film weder Fisch noch Fleisch. Eine stärkere Fokussierung auf EIN Genre wäre daher wünschenswert gewesen, schlecht macht das den Film natürlich noch lange nicht, zumal er durch seine Vielzahl an Ironie in den Dialogen, der schönen Musik von Christopher Young und dem lebhaften Spiel des Casts auch ordentlich Spaß bringt.

:liquid7: ,5

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Beitrag von Cinefreak » 04.04.2013, 21:43

Mord in der weißen Hose :lol: sehe ich übrigens ähnlich wie du, habe ihn aber schon länger nicht gesehen. Fand den Twist am Ende brauchbar und der Film war recht solide meiner Erinnerung nach :wink:

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Beitrag von Wallnuss » 07.04.2013, 18:58

Beim Leben meiner Schwester

Einige werden ihn zu kitschig finden, anderen ist er vielleicht etwas zu emotional und damit zu wenig depressiv, weiterhin kann man ihm sicherlich vorwerfen, dass er manchmal etwas aus den Fugen gerät und zu lange vom Kernthema abweicht, aber ein Angriff auf die Tränendrüse ist dieses US-Drama sicherlich. Und das liegt vor allem an der beinahe schon einzigartigen Leistung von Abigail Breslin, welche man als absolutes Ausnahmetalent bezeichnen kann. Sie gibt jedem Dialog etwas interessantes, meistert jede noch so schwierige Szene auf umwerfende Art und Weise und spielt Cameron Diaz mit einer Leichtigkeit an die Wand, dass es eine Freude ist. Außerdem rutscht der Film durch ihr sehr geerdetes Spiel nie zu sehr ins sentimentale, und bleibt daher erträglich. Die Story ist gut durchdacht und clever umgesetzt, auch wenn mir vieles zu wenig thematisiert wird, einige wirklich spannende Thematiken werden nur angerissen, hier macht man es sich dann etwas zu einfach, auch wenn das Ziel sein mag, den Film zugänglicher für ein breites Publikum zu machen.
Fazit: Emotionales und tränenreiches Drama, dass durch seine Hauptdarstellerin und seine "echte" und "realitätsnahe" ("bedrohliche") Handlung punkten kann, allerdings zu viele Kompromisse für das Massenpublikum eingeht um wirklich großartig zu sein.

:liquid8:

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe

Vorab sollte ich sagen, dass ich ein riesiger Fan von Dario Argentos Filmografie bin (wobei ich auch genauso viele der Edgar-Wallace-Verfilmungen liebe, ist ja nicht selbstverständlich), und daher vermutlich sehr voreingenommen an seine Werke heran gehe. Natürlich war es mir also eine Freude, mir nochmal sein Regie-Debüt zu Gemüte zu führen und es hat mich erneut begeistert! "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" gilt nicht umsonst als ein absoluter Meilenstein des Giallo, nein, er hat diesen Ruf völlig zurecht. Er ist näher betrachtet sogar das beste Beispiel dafür, wie ein Regisseur eine gewöhnliche und bekannte Story mit einer Vielzahl an ungewöhnlichen Stilmitteln und visuellen Ideen aufpeppen kann, und dass selbst soweit, dass der Film auch nach 40 Jahren seinen Glanz nicht verloren hat und immer noch frisch wirkt. Weiterhin ist es beeindruckend, wie Argento es schafft, seine explizite Darstellung von Gewalt mit Hilfe von Kameraeinstellungen und verschiedener Montagetechniken noch zu verstärken. Schön auch, dass es ihm nebenbei noch gelingt, durch mehrere ins groteske gehende Situationen den Humor nicht auf der Strecke zulassen, der wirklich gelungen in die Handlung integriert ist. Was diesen Krimi jedoch erst richtig großartig macht, ist die Art, wie der finale Plottwist uns präsentiert wird. Genau genommen wird dem aufmerksamen Zuschauer die Auflösung schon nach 5 Minuten gezeigt, ohne das man sie bewusst wahrnehmen würde. Dies ist sicherlich einer der coolsten und spannendsten Clous der Filmgeschichte, welcher allein schon das Ansehen wert ist.
Fazit: Faszinierender Erstling eines tollen Regisseurs, der mit all dem begeistern kann, was er (Argento) in seinem späteren filmischen Schaffen noch perfektioniert. Für das I-Tüpfelchen sorgt nur noch die packende und (wie eigentlich immer) hochklassige Musik von Ennio Morricone.

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Beitrag von Wallnuss » 22.04.2013, 18:43

Das hält kein Jahr

Beziehungskomödien = Gähn! Es gibt bestimmt auch gute ihrer Sorte, mir sind die bisher allerdings immer verborgen geblieben, alles wiederholt sich mehrmals und wirklich lustig wird es zu keinem Zeitpunkt. Da der Humor der Briten jedoch sehr "eigen" ist, konnte man sich im Vorfeld wirklich auf eine eventuelle Perle freuen... und die bekommt man auch! Die Dialoge sind von Beginn an schön ironisch und manchmal auch recht "derb", da bleibt wahrlich kein Auge trocken, was wohl auch der Kunst des Drehbuchautors liegt, allzu gängige Klischees nicht einfach zu überspitzen, sondern mit ihnen zu spielen und den Zuschauer so mit das ein oder andere Mal überraschen kann. Wirklich herzerwärmend oder romantisch geht es (Gott-sei-Dank) nur sehr selten zu, der Fokus liegt eher auf den irrsinnig komischen Situationen, in denen die vier Hauptcharaktere geraten. Als besonders herausragend ist der Australier Simon Baker zu erwähnen, der (wie schon bei "The Mentalist" oder "Der große Crash") jede einzelne Szene dominiert und dessen Spielfreude sich auf das Publikum sofort überträgt. Das Charisma, dass er in der Rolle des schneidigen Guy ausstrahlt ist beeindruckend, und somit hat er auch gleich die besten Szenen des Filmes abbekommen. Ansonsten fällt leider auf, dass der Film zum Ende hin etwas abflacht, und dem Regisseur die Ideen ausgehen, hier hätte man etwas zügiger zum Schluss kommen müssen, anstatt in den peinlichen Bereich abzudriften. (Also, in den der unlustigen Art.) Das macht jedoch all den Spaß den man die gesamte Laufzeit über hatte nicht vergessen.
Fazit: Ungewöhnlicher, überzeichneter und sehr schwarzhumoriger Angriff auf die Lachmuskeln aus Großbritannien. Anders als sonst wird diesmal tatsächlich mit den Eigenarten der Figuren und den Situationen charmant (und eben nicht grob) umgegangen, was grade in Anbetracht der Vielzahl von Machwerken à la "Tatsächlich...Liebe" hoch anzurechnen ist. Mit einem stärkeren Ende hätte hier vielleicht sogar ein richtiges Meisterwerk entstehen können, für ein Genrehighlight reicht es aber trotzdem.

:liquid9:

Tatort: Trautes Heim

Die Kölner-Kommissare Ballauf und Schenk dürften selbst bei Fans der Serie als eines der langweiligsten Tatort-Duos bekannt sein. Weder können Bär und Behrendt durch gutes Schauspiel, noch ihre Drehbücher durch besonders herausstechende Storys begeistern oder gar auf sich aufmerksam machen. Dennoch gelang es dem gestrigen Krimi, den Zuschauer zu unterhalten und mit dem kleinen Lukas fiebern zu lassen. Dies lag hauptsächlich an den menschlichen und realitätsnahen Dialogen, die gut geschrieben und überzeugend rüber gebracht worden. Klar, sonderlich raffiniert wurde es nie, aber das muss es manchmal ja auch gar nicht sein, solange keine Längen aufkommen. Das einzige Mal, wo es wirklich naiv wurde, war als die Motive des Täters näher erläutert wurden, dass grenzte schon stark an Küchenpsychologie und Groschenromane.
Fazit: Spannender und angenehm leichter TV-Krimi, der nicht mehr als unterhalten will und dieses Ziel mit Bravur erreichen kann.

:liquid6:

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Beitrag von Cinefreak » 23.04.2013, 13:26

den hab ich mir gespart. "Schwarzer Afghane" fand ich auch eher durchschnittlich, somit ist kein ausuferndes Tatort-Interesse entstanden wieder ;)

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Beitrag von Wallnuss » 10.05.2013, 12:29

In Time - Deine Zeit läuft ab

Manchmal ist man nach einem Film so erschrocken, dass man gar nicht weiß, was man schreiben soll. Ich versuche mal, meine Eindrücke kurz zusammen zu fassen: Für mich steht der ach-so-hochgelobte "In Time" auf einer Stufe mit Vollgurken wie "Ich bin Nummer Vier", der ebenso nur darauf ausgelegt ist, Teenies zu unterhalten und dabei unglaublich viel Potenzial verschenkt. Auch hier könnte man sagen, dass der Film eine tolle Grundidee hat, allerdings wohl meint, dass das völlig ausreicht, um den Zuschauer zu begeistern! Fehlannahme, interessanter wird er deshalb noch lange nicht, schon gar nicht wenn man so offensichtlich inkonsequent mit ihr umgeht, dass der Zuschauer sich bei zahlreichen Logikfehlern auf die Stirn schlägt und das Kopf-schütteln beginnt! Dazu kommt noch, dass der Film eine (offensichtliche) Bonnie und Clyde - Neuverfilmung mit Robin Hood-Anleihen ist. Und dabei geht er leider viel zu selten wirklich auf das Zeit-als-Währung-Thema ein und erinnert in seinem eher mangelnden Interesse für das Komplexe der Geschichte an Michael Bays Die Insel, ohne jedoch in den Actionszenen dessen Klasse zu erreichen - trotz einer bemerkenswerten Kameraführung von Roger Deakins. Nebenbei erscheint mir auch dieser Kniff, die Zeit mit Geld zu vertauschen und daraus eine Kritik an unserem Finanzsystem zu üben, als viel zu einfach und konstruiert. Nehmen wir ihn weg, was bleibt? Genau, wir haben immer noch exakt den selben Film! Warum also überhaupt diesen Wechsel vollführen? Doch nicht, damit wir lauter jugendliche Schönlinge zeigen können, die die Zielgruppe ins Kino lockt oder? (Ein Schelm, wer so etwas denken sollte.) Solche Sachen passieren nicht, wenn man überlegter und intelligenter an diese durchaus interessanten Themen herangeht und sich dann eine greifbare Handlung drum herum aufbaut, vielleicht auch visuell ein wenig was davon verarbeitet.
Fazit: In der Tat, die Lebenszeit läuft, während man diesen Film sieht und leider kriegt man diese auch nicht wieder zurück. "In Time" ist ein unwahrscheinlich langatmiger, konstruierter und schwach entwickelter Thriller, in dem weder die Darsteller noch der gelungene Score wirklich etwas retten können. So bleibt letztendlich nur noch zu sagen: Ein Film, der vorgibt anspruchsvoll und intelligent zu sein, ist es deswegen noch lange nicht...

:liquid3:

Zu einem Gedanken hat mich der Film dann aber doch noch verleitet - Schaut euch mal eure große DVD oder BluRay-Sammlung an und macht euch klar, wie lange ihr brauchen würdet, all diese Filme nochmal zu sehen... Wenn man sich dessen bewusst wird, ist das schon bis zu einem gewissen Grade beängstigend oder? :)

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Beitrag von Cinefreak » 10.05.2013, 18:22

ICH BIN NUMMER VIER fand ich recht cool damals, IN-TIME, da war ich dagegen auch eher enttäuscht von irgendwie...

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Beitrag von Wallnuss » 18.05.2013, 12:38

Die Auslöschung

Es ist doch immer wieder eine Freude zu sehen, dass es durchaus noch Filmemacher gibt, die sich alt bekannte sensible Stoffe vornehmen und diese auf eine neue interessante Art verpacken können. So ist es auch bei diesem österreichischen Fernsehfilm von Nikolaus Leytner der Fall, dem es in der Tat gelingt, das Thema "Demenz" mal nicht Betroffenheits-heischend, sondern in Form einer differenzierten, feinsinnigen Liebesgeschichte erzählt zu bekommen... ganz groß. Das Drehbuch leistet hier wirklich hervorragende Arbeit und weiß genau, wohin es will und wie es diesen Weg dorthin abwechslungsreich gestalten kann. Sowas sieht man (vor allem im TV-Bereich) sehr selten und daher war man als Zuschauer des öfteren ob des hohen Niveaus angenehm überrascht. Leider jedoch haben sowohl Regina Fritsch als auch Martina Gedeck den ansonsten oft großartigen Brandauer locker und ohne große Mühen an die Wand gespielt, darüber hinaus finde ich, dass der Soundtrack und manchmal auch die Regie leider aus einigen Szenen mehr machen wollten, als wirklich drin steckte. Dadurch scheitert der Film zu oft an seinen eigenen Maßstäben, was ihn für mich nicht berührend genug gemacht hat, um in Erinnerung zu bleiben. Ein wenig irritierend war für mich auch die Tatsache, was für eine seltsam positive Stimmung sich am Ende breit machte, sicher, war das teilweise schon gewollt, aber dann doch etwas viel, zumindest für meinen unbedeutenden Geschmack.
Fazit: "Die Auslöschung" präsentiert sich als ein intelligentes und spannendes TV-Drama, dass so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Good Old Germany in den letzten Jahren in dem Bereich abgeliefert hat und versperrt sich dann auf den letzten Metern nur deshalb den Weg, weil wohl alle den Wunsch verspürten, noch eine Schippe mehr drauf zu legen. Weniger ist eben manchmal mehr und selbst der beste Regisseur vergisst das halt das ein oder andere Mal. Prädikat: sehenswert.

:liquid8:

Der Kaufhaus Cop

Eines muss man dem Cast vor und hinter der Kamera vom Kaufhaus Cop sicherlich zu gute halten: Regisseur Steve Carr und Hauptdarsteller Kevin James waren durchaus bemüht, ein lustiges Crossover aus King-of-Queens und einer Stirb-langsam-Parodie (sprich: Übermacht gegen Einzelgänger als harmlose Disney-Version) zu basteln und haben sich dabei ein paar schöne Anspielungen einfallen lassen. Vor allem in der ersten Hälfte (vor der Übernahme des Kaufhauses) wird hier wirklich gelungen und witzig die Geschichte eines Losers erzählt, der versucht, innerhalb seiner "Welt" die Kontrolle zu behalten. Die angefangene Liebesgeschichte, Blarts Ausrutscher in der Kneipe, die skurrilen Nebenfiguren, all das ist nett gemacht und unterhaltsam, schön auch, dass nicht alles zwingend auf ein Finale hinarbeitet, einiges scheint nur im Film zu sein, um das heterogene und durchaus auch vielseitige Gesellschaftsbild näher zu bestimmen und mit Konturen zu versehen. Doch ein sympathischer Film ist leider noch lange kein guter! Handwerklich hapert es (vor allem zum Ende hin) das ein oder andere Mal ganz gewaltig, die Figur der Tochter nervt und das Drehbuch hat auch nie eine Ahnung, was es eigentlich mit ihr anfangen will, schubst sie aber dennoch immer wieder irgendwie in die Filmhandlung hinein. Am schlimmsten ist jedoch, dass "Der Kaufhaus Cop" als Komödie überhaupt gar nicht funktionieren will, zu viele Gags verlaufen im Nirgendwo. Die Hauptrolle des Paul Blart ist darüber hinaus für meinen Geschmack zu eindimensional gezeichnet, sein "Losertum" ist eines ohne Abgründe oder Haken, weswegen er auch keine wirkliche Entwicklung durchmacht. Es beginnt und endet im Körperlichen. Das böse Scheitern am Polizeiübungsparkur wird aufgehoben in der Jagd auf die Skateboardgangster.
Fazit: Die Ausgangslage war viel versprechend: Ein richtiger Spoof auf das Testosteron-durchsetzte Action-Genre mit dem Aufhänger einmal "Stirb langsam" – die Mutter aller Modernen Actionfilme – durch den Kakao zu ziehen. Was Kevin James, der übrigens auch am moralisierenden Skript mit schrieb, am Ende abliefert, ist eine lauwarme Komödie, die, aufgrund der Gewinn bringenden Familienorientierung, extrem zahn- und humorlos daherkommt und es nie schafft mehr zu sein, als die Summe ihrer Teile. Am Ende bleiben nur brave Witze über dicke Menschen. Bruce Willis wand sich einst durch Luftschächte, Kevin James bleibt darin stecken. Enttäuschend.

:liquid4: ,5

Zombieland

Quizfrage: Was braucht die Filmwelt nach unzähligen miesen Vertretern eines eigentlich toten Genres nun wirklich nicht mehr? Richtig, Zombiefilme! Bildet "Zombieland" von Regiemann Ruben Fleischer da eventuell eine Ausnahme? Die Antwort lässt sich mit einem "vielleicht" beantworten. Doch ich will vorne anfangen: Der Beginn dieser Parodie im Stile von Edgar Wrights "Shaun of the Dead" lässt einen auf ein echtes Highlight hoffen. Auf sehr stilvolle und wohlüberlegte Art und Weise werden uns die Überlebensregeln des Protagonisten vorgestellt und dabei immer wieder kreativ selbst ins Bild mit eingebunden (ein Running-Gag, der sich durch den gesamten Filmverlauf zieht). Doch schon sehr früh ist dann absehbar, dass dies eben genau das sein wird, an dem "Zombieland" letzten Endes scheitert – An seinen Regeln. Denn Regel Nr. 1 lautet offenbar: "Egal, wie sinnlos die von dir gezeigten Situationen auch sind, denke immer daran, glaubwürdig zu sein!" Soll genauer gesagt bedeuten, dass bei aller Lockerheit der Vernichtung von Zombies zwangsläufig alle Sinne mit von der Partie sind, und dass dementsprechend die Lautstärke der Abschlachtung als Masse anziehen muss. Nur leider kann man als wachsamer Zuschauer die Tatsache nicht ignorieren, dass, auch wenn wir es hier mit einer Action-Parodie zu tun haben, nur ein paar, natürlich super schnell Infizierte unterwegs sind, die dann Jagd auf die Überlebenden machen, von denen es aber seltsamer Weise auch nur eine winzig kleine Masse gibt. Die, die wir jedoch zu Gesicht kriegen, sind allesamt interessant und toll besetzt, Harrelson, Stone und die (unterforderte) Breslin wissen mit ihrem Charisma umzugehen, einzig Eisenberg geht im direkten Vergleich etwas zu sehr unter. Dafür wird uns so ziemlich in der Mitte des Filmes ein genialer Cameo von "Bill-Fucking-Murray" geboten, was für eine sau coole Anspielung auf einen kleinen Lasagne-liebenden Kater und allseits bekannte Geisterjäger sorgt! (Wer den Film kennt weiß, wovon ich spreche.) Zum Ende hin haut man dann nochmal richtig auf die Kacke, wenn in einem bombastischen Actionfinale auf einem Vergnügungspark ohne Ende gesplattert und dies alles mit einem gigantischen Score gepaart wird. Das macht jedoch nicht vergessen, wie langwierig die vorherigen Gruppendynamischen-Konstellationen teilweise gewesen sind, zudem bleiben einem vor allem die tiefgründigeren Momente negativ im Auge, da diese vor dem absurden Background unfreiwillig komisch wirken.
Fazit: Independent-Zombiefilm für die MTV-Generation: Vorhersehbar und klischeebedienend auf der einen Seite, dafür auf der anderen technisch absolut einwandfrei. Ein spaßiges Wechselbad aus nett inszenierter Action, die jedoch leider jegliche Spannung vermissen lässt und nur durch plumpe Schockeffekte kurzzeitig zu erschrecken weiß, wenig bedrohlicher Endzeitstimmung, ein angenehmer Cast – ein wahrer Feel-Good-Streifen, mehr Roadmovie-Komödie denn Zombiefilm. Klar, den Lauf der Geschichte erahnt man schon nach den ersten 10 Minuten, hat der erfahrene Filmfan alles irgendwo schon mal gesehen. Nichtsdestotrotz ein kleiner sympathischer Zombie-Snack für zwischendurch, der – ähnlich wie ein Twinkie – kurzzeitig sättigt, leicht schmeckt und nicht belastet.

:liquid6:

Die neunschwänzige Katze

In diesem Giallo führt Dario Argento gekonnt die Linie seines packenden Erstlings ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") fort und so dürfte es wohl weder verwundern noch unbemerkt bleiben, dass auch die Story nur eine simple Variation des Vorgängers ist. So haben wir dieses Mal als Protagonisten einen Blinden, der Zeuge von Geschehnissen rund um einen Mord wird und versucht zusammen mit einem Journalisten auf eigene Faust den Fall zu lösen, was auch wieder einmal so klingt, als hätte man es schon tausendfach gesehen, ganz so einfach ist es aber natürlich nicht. Die Hauptrollen wurden superb mit Oscarpreisträger und Knollennase Karl Malden und James Franciscus besetzt und beide kann man als einen absoluten Gewinn bezeichnen. Auch dieses mal macht es wieder sehr viel Spaß anzusehen, wie geschickt es Argento gelingt, mit den Erwartungen seines Publikums zu spielen und diese mehrfach bewusst völlig ins Leere laufen lässt. Ein wenig an den großen Plot-Twist der Handschuhe erinnert zum Beispiel die Tatsache, dass der erste Mord nicht zu dem Zeitpunkt stattfindet, wo man ihn eigentlich erwartet. Dario zitiert aber nicht nur sich selber, sondern nimmt (beispielsweise mit der vergifteten Milch - "Verdacht") auch Anleihen beim Meister Alfred Hitchcock höchst persönlich. Leider muss man sagen, dass es ihm zwar gelingt, den Film mit einem echten Knall, einem Paukenschlag, enden zu lassen, dafür jedoch die Auflösung eher schwach geraten ist und auch die Hintergründe fast gänzlich unbeleuchtet bleiben.
Fazit: Erneut ein faszinierender Giallo, der dazu fähig ist, aufgrund seiner zahlreichen Stärken dem Zuschauer langfristig im Gedächtnis zu bleiben, in Summe allerdings einen Ticken schwächer als das vorherige Werk Argentos daher kommt.

:liquid9:

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Beitrag von Cinefreak » 20.05.2013, 11:16

ZOMBIELAND sehe ich deutlich stärker als du. Alleine schon die irren Wendungen und das Geschwisterpäärchen sowie viele klasse Gags - z. B. die geheimnisvolle Villa ;) - machen unglaublich Spaß. Ich glaube, der bekam bei mir

:liquid9: oder so, weil er mir irre gute Laune gemacht hat einfach

Ruben Fleischers "30 Minuten oder weniger" fand ich übrigens auch nicht übel. Viell. etwas hinter Zombieland, aber doch sehenswert, eben eine nette Mischung aus etwas ACtion und Comedy mit skurrilen Figuren

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ARD schlägt RTL, Johnson nur sich selbst + neues von Argento

Beitrag von Wallnuss » 25.05.2013, 14:52

24 Milchkühe und kein Mann

Schön, dass auch die ARD es manchmal noch schafft, einen wirklich herzhaft lachen zu lassen. Während Sat-1 mit katastrophalen Comedy-Ausflügen das Niveau immer tiefer hängt, so schafft es Regisseur Thomas Kronthaler mit diesem Film schön, eine simple Geschichte frisch und charmant zu inszenieren. Einen wahren Feel-Good-Streifen hat man genau genommen vorliegen, der besonders dann immer trumpfen kann, wenn der mittlerweile alltägliche Rassismus sein Gesicht zeigt und eine gewisse Gesellschaftskritik durchaus erkennen lässt. Natürlich gibt es aber auch sehr viele lustige Momente, vor allem in den Dialogen und den eigentlich emotionalen Szenen drängt sich immer die Sitautionskomik in den Vordergrund, welche sich vor den aktuellen deutschen Komödien von Schweiger und Schweighöfer nicht verstecken muss. Einziges Manko ist vielleicht, dass die Darsteller alle noch etwas unerfahren scheinen, aber Potenzial ist jetzt schon deutlich erkennbar.
Fazit: Unterhaltsam, berührend, angenehm... Das ARD zeigt dem RTL, wo der Hase Fernseh schaut und ganz nebenbei auch qualtativ, welcher Storch die Nase vorne hat. Erfreulich. :)

:liquid7:

Faster

Mit "Faster" versuchen Dwayne Johnson und Regisseur George Tillman Jr. einen kurzen und kompromisslosen Rachefilm im Stile des 70er Jahre Actionkinos zu drehen. Die Stärken dieser Vorbilder konnten sie dabei in der Tat gelungen umsetzen und übernehmen. Leider haben sie auch die Schwächen fröhlich mitkopiert. Doch fangen wir vorne an: Gott was habe ich mich gefreut, "The Rock" endlich in einer wirklich ernsthaften Rolle bestaunen zu dürfen, nach dem er in "Welcome to the Jungle" zwar physisch überzeugen konnte, allerdings dann doch noch etwas zu viel rumwitzelte. Und in der Tat, ernst war der Film auch und auf übertriebene Scherze wurde durchgehend verzichtet. Die Rachestory beginnt sehr gradlinig, kurzweilig und lässt am Anfang beinahe alles über seinen Protagonisten im Dunkeln, was einen schönen Spannungsaufbau bringt und einem mit dem ersten harten Mord einen "What-the-Fuck-Moment" verpasst. Leider kommt dann gar nicht mehr allzu viel. Die Actionszenen sind eine totale Enttäuschung, zum einen lassen sie die Brutalität der Ermordungen vermissen, zweitens sind sie handwerklich klar unter dem durchschnittlichen Niveau des aktuellen B-Movies. Gut, wenn also schon die Schauwerte nicht stimmen, dann vielleicht die Charaktere. Nein! Auch hier Fehlanzeige. Die Hauptfigur wird zunehmend uninteressanter, desto mehr man über sie erfährt, der "Killer" ist eine totale Katastrophe, schlecht gespielt, hat peinlche Dialoge mit seiner Freundin und macht eigentlich kaum Sinn im Film und die "Cops" hat man wohl direkt aus dem Tatort geklaut, genau wie die Suche nach dem ominösen Auftraggeber, die nach dem "Whodunnit"-Prinzip verläuft und daran krankt, dass man kaum viele Figuren hat, welche für eine Auflösung taugen könnten. Nach 30 Minuten weiß der erfahrene Filmfan wie der Hase läuft und kann dann genauso gut ausschalten, da der Film ausschließlich auf diese paar allseits bekannten Wendungen hinarbeitet. (Obwohl die letzte dann sicherlich nett ist, wenn auch eher in eine Comic-Verfilmung passen würde.) Die Story ist dahingegen eigentlich ziemlich gut, wenn auch schwach erzählt, so finde ich sie im Kern durchaus interessant, in einigen Dialogen blitzt immer mal wieder durch, was für ein grandiosen Film man daraus hätte basteln können, wenn man sich konsequenter auf die ergebnislose Jagd "The Rocks" konzentriert hätte, als sich in sentimentalen Nebenfiguren zu verlieren.
Fazit: Eine an sich nette Handlung kann am Ende nicht darüber hinweg täuschen, dass man sich am Set nicht genug Gedanken über einen vernünftigen Spannungsbogen und glaubhafte Charaktere gemacht hat. Stattdessen enttäuscht erneut der Versuch, durch übertrieben coole Einlagen eine Hommage an die großen Vorbilder Lundgren, Stallone, Norris oder Schwarzenegger zu drehen, die all das vermissen lässt, was diese zu Legenden gemacht hatte. Vor allem in den Actionszenen, denen jegliche Rasanz fehlt, fragt man sich, welcher Idiot den Film "Faster" nennen konnte. Erhöhten Pulz habe ich jedenfalls nicht gespürt.

:liquid3:

Vier Fliegen auf grauem Samt

Auch Dario Argentos dritter Film ist ein lupenreiner Giallo aus dem Lehrbuch. Doch im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Die neunschwänzige Katze") wagt er diesmal noch einige Variationen mehr. So ist bei den vier Fliegen noch viel weniger so, wie es zunächst scheint, Ambiente und Stilistik erscheinen zudem um einiges moderner als die in der Beziehung recht klassisch angehauchten Vorgängerfilme. Die bereits in der neunschwänzigen Katze eingeführten fantastischen Elemente werden weiter ausgebaut, kulminierend in der berühmten Netzhaut-Szene, in der mittels futuristischer Technik der letzte visuelle Eindruck auf der Netzhaut einer Toten reproduziert wird. Klingt abgedreht, passt aber gut in den Film rein und ist hervorragend inszeniert. Handlungstechnisch geht es um einen Musiker, der vermeintlich einen Passanten tötet und im Anschluss von einem Unbekannten erpresst wird. Der Musiker nimmt die Verfolgung auf und wie man sich denken kann werden dadurch die Dinge noch schlimmer. (Witzig, dass es bei den Geschichten von Dario anfangs immer so klingt, als hätte man sie schon tausendfach gesehen, nur um dann fest zu stellen, dass dem nicht so ist.) Natürlich ist der Film optisch wieder ein Fest, brauch man noch erwähnen, dass besonders die Mordszenen wieder extrem einfallsreich gefilmt worden sind? Ein wenig kurios jedoch mag es erscheinen, dass Prügelchef Bud Spencer hier eine kleine Rolle hat, die sich am Ende als bedeutend herrausstellt. Mich (als alten Buddy-Fan) störte es kaum, ein wenig ungewohnt ist es aber garantiert.
Fazit: Der König des Giallo schlägt wieder zu und beweist auch bei seinem dritten Geniestreich, was in ihm steckt. Die Klasse seiner Erstlinge kann er zwar nicht erreichen, doch dafür schaft er es erneut, einen Krimi der Extra-Klasse abzuliefern, welche vor visuellen Ideen nur so überquilt. Die Schlussszene mit dem Auffahrunfall in Ultrazeitlupe zu Morricones getragener Musik ist dann der absolute Höhepunkt eines durch und durch gelungenen Films.

:liquid8:

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Von Street-Art und anderen Merkwürdigkeiten...

Beitrag von Wallnuss » 14.06.2013, 23:26

Exit Through The Gift Shop

"Exit Through The Gift Shop" ist großartig. Kritik zu Ende! Ich hab alles gesagt, was wichtig ist... Na gut, man will auch wissen wieso! Meinetwegen. Bei "Exit Through The Gift Shop" handelt es sich um einen Film des berühmten Street-Art-Künstlers Banksy, der sich vor allem mit Hilfe seiner geheimen Identität und seiner besonders ausgefallenen Motiven einen Namen in der Kunst-Szene gemacht hat. Nun kommt ein Reporter, der in seine Kamera vernarrt ist und mit diesem Umfeld bestens vertraut ist daher und würde gerne eine Reportage über den rätselhaften Visionär drehen. Stattdessen jedoch, dreht Banksy den Spieß um und erstellt eine Dokumentation über seinen Bewunderer, der nicht nur ein spannendes Leben bereits geführt hat, sondern auf den als Street-Art-Legende "Mr. Brainwash" noch einiges zu kommt... Kurz gesagt: Natürlich handelt es sich hier keinesfalls um eine echte Aufarbeitung realer Geschehnisse, sondern um eine im Grunde recht klassische Mockumentary, die vor allem durch ihre zahlreichen Bezüge auf die aktuelle Kunstbranche und die gesellschaftskritischen Aspekte dieser in mehrfacher Hinsicht punkten kann. Am meisten Spaß macht der Film jedoch, wenn er sich selbstironisch auf die Schippe nimmt, unter anderem bei einem Post-9/11-Anschlag aufs Disneyland oder bei der Verwandlung des Reporters in sein neues alter Ego, schön auch die spätere Anspielung auf die Batman-Figur. Wie man es bei einer Mockumentary erwartet, sind Schnitt, Kameraführung und Soundtrack recht schwierig zu bewerten, da man hier nicht nach den üblichen Maßstäben vorgehen darf. Ich persönlich fand das erschaffene Flair jedenfalls angenehm und realitätsnah, letztendlich würde es den Bildern tatsächlich gelingen, dem Zuschauer eine Doku vorzugaukeln. Doch wer den Charakteren auch nur irgendetwas glaubt, sobald sie den Mund aufmachen, dem ist nun wirklich nicht zu helfen. (Und das meine ich im positiven Sinne.)
Fazit: Clevere Fakeversion eines potenziellen zukünftigen Arte-Dauerbrenners, die auf der einen Seite authentisch den Beginn einer Kunstbewegung aufzeigen und analysieren kann, gleichzeitig allerdings auch durch zahlreiche ausgefallene Ideen am Ende künstlerisch sogar beinahe ansprechender wirkt, als alles, was "Mr. Brainwash" bisher zu Stande gebracht hat. (... und bringen wird!) Unterhaltsam, lehrreich und erinnerungswürdig. So macht Kunst Spaß!

:liquid9:

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Beitrag von Wallnuss » 23.06.2013, 11:51

The Bunnyman Massacre

Und wieder ein Horrorfilm aus der Sorte "Trash", der so viele schöne absurde Ideen hat, aber einfach keinen Spaß macht. Soetwas bricht einen Film, der von einem Kettensäge-schwingenden Killer im LSD-Hasenkostüm erzählt natürlich sofort das Genick. Dieser blanke Schwachsinn ist es dann auch, der einen selbst die Laune an den okayen Akteuren und der sehr gelungenen Kameraarbeit komplett versaut und mich dazu gebracht hat, den Film nicht ganz zu Ende anzusehen, weswegen an dieser Stelle auch die Bewertung entfällt. An dieser Stelle jedoch noch mal eine Warnung: Diesen Film bitte nicht nüchtern genießen.


Willkommen bei den Sch'tis

Da haben wir sie endlich mal. Die Franzosen beweisen, dass man auch völlig ohne irgendwelche Respektlosigkeiten lustig sein kann und es auch oberhalb der Gürtellinie durchaus viele Fettnäpfchen zu betreten gibt. Gut, die Story ist völlig ohne jedwede Überraschungen und spielt das ein oder andere Mal zu oft mit den Vorurteilen. Die Darsteller jedoch bieten hervorragende Slapstick-Sketche und hier muss vor allem die deutsche Synchronisation gelobt werden, die (soweit man das als Nicht-Franzose beurteilen kann) gekonnt und spritzig die Dialoge übersetzt und auch die irren Dialekte bei behalten hat, was dem ganzen eine gewisse Authenzität verschafft. Es bleibt spaßige Comedy mit mehreren guten Lachern, warum die Franzosen aber so abgehen bei diesem Film, wird man als Deutscher wohl zwangsläufig nicht verstehen können.

:liquid7:

Revolver

Es ist ein Giallo, es ist ein Road-Movie, es ist ein lupenreiner Action-Kracher, ein Drama, ein Politthriller und hat viel von einem Buddy-Movie. - Dieses 1973 erschienene "Crossover" von Sergio Sollima funktioniert tatsächlich auf so vielen verschiedenen Ebenen und überrascht den Zuschauer mit zahlreichen Wendungen und Ideen. Überflüssig zu erzählen, dass die beiden präsentesten Darsteller (Fabio Testi und Ollie Reed) perfekt besetzt sind, das Spiel von letzterem ist eine wahre Offenbarung, wenn man so möchte. Die Story ist zwar eigentlich schnell erzählt und nichts allzu besonders, profitiert aber enorm von der temporeichen Inszenierung und der fantastischen Musik des Ennio Morricone, die Tarantino-Fans vielleicht aus "Inglourious Basterds" kennen könnten. Revolver überzeugt währenddessen als klassischer Reißer der 70er Jahre: Er ist hart, er ist grimmig, gewalltätig, menschenverachtend... und kann den Zuschauer dennoch auch in den emotionaleren und leiseren Momenten berühren und mitreißen. Empfehlenswert vor allem auch für Fans von Dario Argento.

:liquid8: ,5

James Bond 007: Blood Stone (X-Box 360-Version)

Wer sich jetzt die Augen reibt - Bei Blood Stone handelt es sich um ein Videospiel von Activision Blizzard, dass auf der James Bond Lizenz aufbaut. Ich weiß nicht ganz, ob das hier reinpasst, geschweige denn angebracht ist, aber mein Name steht auf dem Therad hier, also soll es nicht mein Problem sein. Blood Stone beginnt ganz Bond-Like mit einer PTS in Athen, die sich gewaschen hat und (trotz etwas ruckeliger Sequenzen) einen guten Vorgeschmack auf das bietet, was noch kommen wird. Der Song "I´ll take it all" klingt gar nicht so übel (jedenfalls besser als Adeles "Skyfall"), leider hat man sich bei der Title-Sequence recht eindeutig an Casino Royale orientiert, weswegen der Fan relativ desinteressiert zuschaut. Die danach erzählte Story rund um Biochemische Waffen inklusive eines Verwirrspiels um den wahren Drahtzieher ist wirklich interessant erzählt (man merkt, dass echte Drehbuchautoren am Werk waren) und genauso stellt man sich den Plot eines kommenden Bond-Abenteuers vor. Modern und doch irgendwie klassisch, ohne auf Traditionen zu verzichten. Erfreulich ist natürlich auch, dass die deutschen Stammsprecher von Tanner, "M" und 007 ihre Figuren vertonen, was einem die Handlung gleichnoch viel näher bringt und in gewissen Situationen einfach richtig rockt. Leider hat man aber auch viel Potenzial verschludert. Die Spielgrafik ist zwar okay, aber nicht auf dem neuesten Stand und bei den Bewegungen der Charaktere sieht es deshalb öfters mal sehr kernig und ungelenkt aus. Die Steuerung nervt und stellt einen manchmal vor unschöne Herrausforderungen. Künstliche Intelligenz haben die Gegner zwar schon, diese ist aber selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad so schwach ausgeprägt, dass sie einem eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten sollte. Action ist dagegen natürlich reichlich vorhanden, mir war es aber schon fast etwas zuviel, hat man gerade drei Gegnerorden erledigt, kommen im nächsten Raum nochmal zwei dazu, die es stupide abzuballern gilt. Zwar könnte man sie durchaus auch geschickt und auf komplizierten Wege mit den Fäusten erlegen, aber warum, wenn es mit dem MG doch schneller geht. Klingt jetzt vielleicht etwas hart, andersherum war es wirklich so, dass ich mir als Spieler schon selbst eigene Aufgaben überlegt habe, was sicherlich nicht Sinn der Sache sein kann. Hier hätte ich mir mehr Ermittlungsmissionen gewünscht, die es zwar gibt, durch das jederzeit wählbare Smartphone aber nicht eine graue Zelle fordern sollte. Spielspaß bieten jedoch die abwechslungsreichen Verfolgungsjagden mit dem Boot oder Automobil in den verschiedensten Territorien. Zwar sind die aufkommenden Probleme, die die fahrenden Gegner einem bereiten nicht immer ganz ausgewogen, aber gestört hat es mich zumindest nicht. Der Showdown ist dann auch mein persönliches Highlight, tolle Dialoge zwischen Bond und seinem Hauptgegner (der es sich sogar erlaubt, Bonds Patriotismus zu beschimpfen) und abschließend nochmal eine kurze und einprägsame Actionszene mit einem geheimnisvollen Ende.
Fazit: Bond-Feeling macht sich bereits zu Beginn breit und lässt dem Fan vor allem dank Originalsprecher und filmreifer Story das Herz aufgehen. Leider ist dahinter ansonsten ein bestenfalls durchschnittlicher Shooter, der bereits auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nach 4 Stunden zu Ende ist und dessen guter Sound nicht über ein unausgewogenes Gameplay und die blasse Grafik hinwegtäuschen kann.

:liquid7:

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Beitrag von Wallnuss » 05.07.2013, 15:15

Killer Elite

Bei diesem Film bleibt einem nichts anders übrig, als sich der Allgemeinheit anzuschließen, denn "Killer Elite" bietet in der Tat viele spannende Momente, angenehme und größenteils handgemachte Actionszenen und einen Cast, der in dieser Konstellation voll aufgeht und das trotz des meist eher farblosen Statham in der Hauptrolle. Dennoch schafft er es insgesamt nicht, den Zuschauer mitzureißen oder gar mehr zu sein als nur die Summe seiner Teile. Dies liegt wohl vor allem an der Handlung, die zwar auf einer wahren Begebenheit beruht, aber trotzdem vom Regisseur ein wenig straffer und zielgerichteter erzählt hätte werden dürfen und die Lovestory hätte ich zugunsten einer höheren Dynamik am Ende dann vielleicht sogar ganz weggelassen. Ebenso mag es sich komisch anhören, entspricht jedoch den Tatsachen, wenn man sagt, dass die eigentlich cleveren Dialoge es sind, die den Film das ein oder andere Mal merklich ausbremsen und damit einen Teil des Spaßes verderben. Das mag, angesichts des ohne hin eher leichten Streifens, alles dann doch nicht so stark ins Gewicht fallen, wie es jetzt vielleicht klingt, kann der Film doch die gesamte Laufzeit den Zuschauer sehr schön unterhalten und bleibt sicherlich dank vieler interessanter Ideen noch längere Zeit im Kopf, wirkt aber im Nachhinein zu wenig kohärent.
Fazit: Gewohnt kurzweiliges Abenteuer mit den bekannten Kinostars Statham, De Niro und Owen, die am Ende wahrscheinlich am wenigsten dafür können, dass der Zuschauer zwar befriedigt sein wird, sich jedoch auch rasch die Frage stellt, ob es nicht gradliniger und knapper vielleicht um einiges aufregender gewesen wäre.

:liquid6:,5

Chronicle - Wozu bist du fähig?

Leider ein Film, bei dem ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich sicher bin, was ich von ihm halten soll, stellt er doch offensichtlich den stilistischen Versuch dar, ein Crossover zwischen dem Superheldengenre und einem Found-Footage-Movie zu sein. An sich finde ich diesen Ansatz gar nicht so schlecht, aber warum bloß, musste das in einer solch aufgesetzten und inkonsequenten Farce enden? Tödlich für die Idee des Filmes ist dabei vor allem der Showdown, in dem dieses Konzept einfach nicht von vorne bis hinten durchgezogen wurde. Schnell kommt der Verdacht auf, der Film sei nur deshalb so inszeniert worden, um eventuelle Mängel sowohl in der Handlung als auch in der technischen Seite zu verbergen. Und so ganz falsch scheint der auch nicht zu sein, denn solche gab es nur zu genüge. Die erste Hälfte, in der die Protagonisten dabei sind, ihre Fähigkeiten auszutesten war eigentlich sogar noch recht unterhaltsam und auch die Darsteller waren hier auf einem ansehnlichen Niveau. Wenn dann aber die ersten Streitereien auftreten und es zur Eskalation kommt stimmt nix mehr - Keine nachvollziehbaren Motivationen, keine erkennbaren langsamen Entwicklungen, keine Raffinesse und (was natürlich am schlimmsten ist) kein bisschen Spannung. Grade das Finale ist nochmal ein Beispiel dafür, wie der Film als ganzes zu sehen ist: Schnell, hektisch, verwirrend... aber ohne jegliche Atmosphäre oder Gespür für das Interesse des Publikums.

:liquid3:

Briefe an Julia

Der letzte Film des Regisseurs Gary Winick lässt vorläufig vermuten, dass es hier vor allem die Location sein wird, die im Vordergrund steht. Und es stimmt zumindest soweit, dass die romantische Urlaubslandschaft in ihren Hochglanz-Bildern eine tragende Rolle spielt und insprechend inszeniert ist. Doch bei all dem Kitsch und den völlig vorhersehbaren Wendungen und Geschehnissen schafft es der Film zumindest eine nahezu anachronistische Grundidee zu liefern und damit aus der Masse positiv hervorzustechen. Die Tatsache, dass ein einfacher Rat in Punkto Liebeskummer immerhin ganze 50 Jahre braucht, bis er von jemandem gelesen und beantwortet wird, ist im heutigen Zeitalter von sozialen Netzwerken wie facebook, twitter oder MySpace natürlich absolut undenkbar. Dabei fällt auch auf, dass es hier tatsächlich ums Briefe schreiben geht, etwas, was die Jugend wohl nur noch aus Erzählungen ihrer Eltern kennen. Grade dieser interessante (und eigentlich im Gesamtbild unbedeutende) Fakt ist es, der dem Film eine Frische verleiht, die sagenhaft ist, eben, weil dieses Thema noch immer recht unverbraucht ist. Die Darsteller, allen voran die bezaubernde Amanda Seyfried, fügen sich dabei insgesamt sehr schön und stimmig in das Gesamtbild ein und sorgen mit ihrem weit von Overacting entfernten Schauspiel dafür, dass selbst vor den malerischten Kulissen der Toskana alles ein wenig authentischer bleibt, als man zunächst hätte annehmen dürfen.
Fazit: "Briefe an Julia" ist eine Hollywood-Romantik-Komödie und daher wird natürlich jedes Klischee bedient, dass nur möglich war. Doch am Ende sind es eben die kleinen Details im Plot und der Inszenierung, die eine willkommene Abwechslung bieten und den ein oder anderen ganz üblen rosaroten Moment vergessen machen können.

:liquid7:

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Beitrag von The Punisher » 05.07.2013, 16:31

Wallnuss hat geschrieben:
Chronicle - Wozu bist du fähig?

:liquid3:
Den hatte ich mal angefangen aber alleine aufgrund des Handkamera Stils nach 10 Minuten aus gemacht.
Bild

"And shepherds we shall be, for Thee, my Lord, for Thee. Power hath descended forth from
Thy hand.That our feet may swiftly carry out Thy command. So we shall flow a river forth
to Thee, and teeming with souls shall it ever be. In nomine Patri Et Filii.Spiritus Sancti"

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Beitrag von StS » 05.07.2013, 18:19

The Punisher hat geschrieben:Den hatte ich mal angefangen aber alleine aufgrund des Handkamera Stils nach 10 Minuten aus gemacht.
Ach, gib ihm ruhig mal ne Chance - ist schließlich sehenswert und sogar einigermaßen clever, der Film. Sowohl dem Superhelden- als auch Found-Footage-Subgenre werden neue Impulse abgewonnen, für eine Low-Budget-Produktion kann sich das Gebotene prima sehen lassen - und auch vom Inhalt her ist die ganze Sache recht ordentlich geraten. Das Konzept funktioniert gut - nur hätte man im Showdown einfach weniger Action aufbieten sollen.

Nach dem Kritiker- und Publikumserfolg des Streifens hoffe ich nur, dass Trank und Landis tatsächlich die Freiheit bekommen, das Sequel (erneut) ganz nach ihren Wünschen zu gestalten - doch gerade daran hakt es ja derzeitig, da das Studio es gern "glatter" haben möchte...

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Beitrag von The Punisher » 05.07.2013, 19:54

Ich mag dieses Handkamera gedöns aber nicht weshalb ich mich mit solchen Filmen schwer tue :wink:
Bild

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