Mit dem Kevin-Darsteller Macaulay Culkin und der beliebten Schauspielerin Jamie Lee Curtis inszeniert Regisseur Zieff eine Geschichte, wie sie schöner und rührseliger nicht sein könnte. Dabei gelingt es ihm vor allem, in einigen bezaubernden Einzelmomenten, beispielsweise dem gemeinsamen Singen von "The Star-Spangled Banner", eine Atmosphäre zu schaffen, die besonders Kindern hervorragend gefallen dürfte. Das er dabei relativ oberflächlich bleibt ist in Ordnung und auch der Zielgruppe geschuldet, für das ältere Publikum gibt es dafür viele parodistische Elemente und Anspielungen auf das Leben des klassisch-amerikanischen Otto-Normalverbrauchers, sehr passend auch der stets unterschwellig traurige Soundtrack von James Newton Howard, der am Ende wahrscheinlich den größten emotionalen Einfluss auf den Film hat. Der restliche, recht kindliche, Humor weiß dennoch zu gefallen, wenn er sich in die Geschichte eingliedert und für Auflockerung sorgt. Leider ist das nicht immer der Fall, die perfekte Ausbalancierung von tragischen und komischen Elementen fehlte ein wenig und so weißt der Streifen dummerweise zum Ende hin ein paar grobe dramaturgische Schwächen auf, bei denen es auch die ansonsten charmante Regie (spezieller Lob an die Kamera) nicht schafft, über diese hinweg zu täuschen.
Fazit: Auffallend gut besetzte, nicht gänzlich auf ein junges Publikum zu geschnittene Tragikomödie mit bekanntem Ausgang, die glänzend unterhält und erst auf den letzten Metern dann doch zu sehr den Fokus auf die eigenen Stärken verliert. Damit verbaut sie es sich zwar, eine der ganz großen Beiträge des Kinderfilm-Genres zu sein, schafft es aber trotz alle dem, sich im Kopf des Zuschauers nicht schon direkt wieder aufzulösen, wenn der Abspann beginnt.
My Girl 2 - Meine große Liebe
Der zu diesem Zeitpunkt (1994) gerade an Parkinson erkrankte Regisseur Howard Zieff setzte nur drei Jahre nach dem überraschenden Erfolg seines Kinderfilmes "My Girl - Meine erste Liebe" die Reihe fort und versuchte dabei, dass berühmte Sequel-Phänomen zu umgehen. Ist ihm dies gelungen? Nun ja, teilweise. Bereits am Anfang merkt man recht schnell, dass dieser Film anders angelegt ist als sein Vorgänger, was wahrscheinlich der einzige Weg war, als Fortsetzung nicht in die Belanglosigkeit abzudriften. Leider ziehen sich die ersten 20 Minuten arg hin, da können auch die schon aus dem letzten Teil bekannten Darsteller nicht viel raus holen. Dann, wenn zum ersten Mal auch wieder der lieb gewonnene Humor in Erscheinung tritt, findet auch der Zuschauer langsam in den Film hinein und wird von einer ähnlich packenden und gleichzeitig unterhaltsamen Story mitgerissen, die anders als man es von zahlreichen Nachklapps gewohnt ist, nicht bloß alles bekannte wiederholt, sondern das Original sinnvoll ergänzt und weiter erzählt. Freilich kann Austin O´Brien den wundervollen Macaulay Culkin nicht ersetzen, doch wäre ein Vergleich nicht allzu gerecht, da die Rollen doch sehr unterschiedlich angelegt sind. Was ebenfalls ungewöhnlich ist, ist, dass "My Girl 2" wesentlich lockerer und unbeschwerter ist, als man es nach dem tragischen Ende seines Erstlings erwartet hätte. Dies sorgt zwar zum einen dafür, dass die Charakterisierung und Entwicklung der Figur Vada etwas konfus wirkt, man aber auch zum Ende hin deutlich befriedigter den Kinosaal verlässt und der Film innerhalb seiner Zielgruppe wohl noch besser funktionieren dürfte. Einige grobe Schnitzer erlauben sich dieses Mal sowohl Regie als auch Soundtrack, die beide nicht immer wissen, welches Gefühl sie wann wie beim Publikum erreichen wollen, auch ist die Schauspielführung deutlich weniger imponierend als von Zieff gewohnt.
Fazit: Ebenso charmantes, aber weniger trauriges, dafür mehr auf Humor und Spaß fokussiertes Sequel, dass zwar konsequent seinen Weg geht, dabei sich jedoch vielleicht eine Spur zu sehr vom vorher aufgebauten distanziert. In Summe bleibt es ausgezeichnete Unterhaltung für die kleinen.
,5

