Geisterfilme müssen nicht immer von Jump Scares und Schockeffekten begleitet werden, sondern dürfen sich gerne auch mal auf warmes Prickeln beschränken, wenn ihre Geschichte gleichzeitig Substanz aufweist. Würde man das Fehlen handfesten Grusels bei „Voice From The Stone“ pauschal als Abwertungskriterium heranziehen, so verkannte man damit die Absichten dieser Romanverfilmung.
Bei einem derart ereignislosen, mit Bausteinen nach Edgar Allen Poe zusammengesetzten Aufbau ist Kritik allerdings erlaubt und sogar notwendig. Die Toskana eignet sich erstaunlich gut als Schauplatz für eine gotische Schauergeschichte, die Kamera liefert einige schöne Impressionen, die sich vom britischen Konsens angenehm abhebt. Im Inneren der Gemäuer ist man jedoch auf das funktionierende Zusammenspiel von Martin Csokas und Emilia Clarke angewiesen und wird diesbezüglich im Regen stehen gelassen. Die beiden Darsteller harmonieren kaum miteinander und gehen nicht nur zu beginn unterkühlt miteinander um, wenn ihre Figuren sich noch unbekannt sind, sondern auch später, wenn sie sich längst einander angenähert haben. Clarkes gequälte Miene und Csokas' gelangweilter Blick auf den Boden werden von hölzernen Dialogen ergänzt, die kurz angebunden und inhaltslos eine Doppelbödigkeit vermissen lassen, mit der die Geistergeschichte zu ihrem romantischen Kern vorstoßen könnte; ein Drahtseilakt ohnehin schon, eine solche Kombination, mit offensichtlich desinteressierten Akteuren erst recht.
Und bei diesen Voraussetzungen wünscht man sich dann eben doch zumindest ein, zwei gelungene Gruselsequenzen, die aber fast völlig außen vor bleiben und den Eindruck eines produktionsseitig ambitionierten, darstellerisch und drehbuchbezogen aber völlig gleichgültigen Melodrams mit übernatürlichem Touch.
