Stimme dir mit ganz kleinen Abstrichen voll zu.
Auch ich fand, dass die 170min recht flott vorbei gingen, trotz der Tatsache, dass einige Plotbereiche sehr aufgebläht wirkten.
Der ganze Berlin-Part zum Beispiel war für mich so ein Teil, der die Handlung künstlich in die Länge gestreckt, da dessen einziger Daseinszweck gewesen ist auch noch Scott Adkins unterzubringen.
Über dessen Präsenz habe ich mich natürlich sehr gefreut und ich habe mich vor allem auch für ihn gefreut, diese Chance zu erhalten, und ich fand auch die Idee gut ihn gegen jede Erwartung in eine ungewohnte "Fat Capone"-Rolle zu stecken, und ich gönne ihm auch, dass man ihm diese schauspielerische Herausforderung gewährte.
Aber bei allem Respekt, auch wenn das (oder gerade deswegen?) eine sehr überzeichnete Comic-Figur gewesen ist, verlangt auch diese ein gewisses Fingerspitzgefühl, welchem Scott Adkins jedoch leider nur mit bemühtem Overacting begegnen kann, so dass seine "HO-HO-HO", die wirklich jeden Satz beenden, eine Spur zu drüber wirken. Donnie Yen z.B. fand ich absolut überzeugend in seiner Rolle - Adkins hingegen hat sich immer leider etwas verhoben.
Hinzukommt, dass ich auch die Szene mit ihm am Tisch und allen Beteiligten drum herum auch nicht so ganz gelungen fand. Das ganze roch sehr nach Tarantino nur eben ohne die schreiberische Kompetenz und dieses dumme Kartenspiel war irgendwie nicht so nachvollziehbar, so dass sich die emotionale Anspannung auf mich nur in Grenzen hielt.
Das eigentliche Problem ist aber, dass der Kampf zwischen Adkins und Keanu Reeves für mich sehr ernüchternd ausfiel. Der Star war hier ganz klar das Setting, aber während des Kampfes selbst, wurden leider nicht die erinnerungswürdigen Akzente gesetzt, die ich mir gehofft hätte.
Generell verläuft die gesamte Action des Filmes weitestgehend auf solidem Franchise Niveau und ich war fast enttäuscht die ersten zwei Drittel des Filmes nur gewohntes zu sehen zu bekommen - kein Vergleich zum Vorgänger, der bereits in der ersten Kampfszene alle kreativen Register zieht.
Belohnt wird man dann wirklich erst gegen Ende, wo Chad Stahelski dann doch noch einige frische Ideen präsentiert, die ich so noch nirgends anders gesehen habe, wodurch auch John Wick 4 legitim zum einem der herausragendsten Actionblockbuster dieser Dekade werden dürfte.
